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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 215
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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E. Putti (geb. 1882)

Des Teufels Meisterwerk

Als Eva im Himmel erschaffen war,
War reizlos noch ihr Augenpaar,
Nichts Lockendes hatte der weibliche Mund,
Der Leib war flach, statt voll und rund,
Kurz: reizlos war alles, denn nur mit Bangen
Hat Gott die Eva angefangen!
Er dachte an der Menschheit Heil,
Und gab ihr keinen Hinterteil,
Der, wie man weiß, so manchem Wicht
Gefährlich in die Augen sticht,
Und erst, wenn er die Herzen blendet,
Den Wert des holden Weibs vollendet!
So stand das Weib, geformt in Eil,
Mit mangelhaftem Hinterteil!

Da kam der Satan zu dem Bau,
Und schuf erst die moderne Frau!
Er nahm die Glieder in die Kur,
Goß Feuer in die Lehmfigur,
Das Flache hob sich sanft zur Wellung,
Der Hinterteil bekam die Schwellung,
Und auch die Brust, erst kaum bedacht,
Schwall wie ein Knösplein über Nacht.
Den Satan sah man als Genie
Speziell beim Schenkel und am Knie!
Hier wurde alles so manierlich,
So polsterweich und reputierlich,
So infernalisch süß und voll,
Daß einem jede Ader schwoll!
Drauf goß der Satan rasch um alles
Der Lockung Glanz, den Fluch des Falles!
Dann aber gab dem Weib zum Schluß
Er seiner Seele Feuerkuß!

Drum schlagen wohl auch seine Flammen
Aus Weibern über uns zusammen!
Der Herr hat nur das Weib erdacht,
Der Teufel aber – hats gemacht!

Die Ehe

Die Ehe ist das ärgste Übel,
Das sich der Mensch nur denken kann;
Sie beißt wie ein geschälter Zwiebel
Und greift die Tränendrüsen an!

Sie ist die Rute unsres Leibes
Und der Enttäuschung schwerste Kur;
Denn ach – die Seele eines Weibes
Kennt meist das Modealbum nur!

Du bist ihr nur der Zweck zum Mittel,
Denn alle streben sie nach Glanz,
Und jedem flotten Weiberkittel
Ist Ehe nur: Assekuranz!

Erst scheint die Ehe ja ganz wonnig,
Doch sieht man sie nur näher an,
So wandelt sich der ganze Honig
Zu Bittersalz und Lebertran!

Was süß war, wird dann schal und sauer,
Und all dein Glück sich rasch verliert,
Merkst eines Tages du voll Trauer:
Wie du an ihr dich angeschmiert!

(Originalbeitrag)

Seltsame Erscheinung

An einem Teich, im Sonnenschein,
Stand einst ein Storch auf einem Bein.
Ein junger Backfisch kam daher,
Doch dem mißfiel der Anblick sehr.
Rasch dachte an die süße Stunde
Mit Eduard die Kunigunde.
Und nun – dies gräßliche Symbol?
Was das jetzt wohl bedeuten soll?

Der Storch sah sich das Mädel an
Und sprach: »Zwar dien ich der Vermählung;
Doch hat man wohl auch dann und wann
Per Extrapost bei mir Bestellung!
Brauchen Sie was? – Dann bitt ich sehr,
Daß ich das Datum nicht vergesse
Und nicht ganz unerwartet stör,
Um ihre werteste Adresse!« –

»Ich weiß nicht ob,« – das Mädel spricht,
»Ach, Mutter darfs ja nicht erfahren –
Auch an Gewißheit mirs gebricht,
Obs wirklich – Eduards Küsse waren?
Dann sind wir Mädels nicht so dumm!
(Sie saqts, wobei sie tief errötet)
Herr Storch, ach, nehmen Sies nicht krumm,
Ich hab – den Kuß – in mir – getötet!« –

Der Storch hebt seinen Kopf empört:
»So dankt man mir für die Bemühung?
Adjö, – ich hab genug gehört –
Das sind die Früchte der Erziehung!«

Das Mädchen im Bade

»Mutter, nein, – ich geh nicht baden!
Hinterm Tor, da steht ein Mann,
Und der sieht durch eine Spalte
Meinen nackten Körper an!
Und ich hab so viele Sachen,
Mutter, ach, es ist zu toll,
Die ein Mann ja durch die Spalte
Einer Tür nicht sehen soll!
Meine Brust, zum Beispiel, Mutter;
Dann, wie sag ichs nur, mein Knie.

Dann, auch meine vollen Waden ...
Mutter, sag, wirds mir nicht schaden,
Steht ein Mann mir vis-à-vis?
Wenn er mit so heißen Blicken
Bis zu dieser Pforte dringt,
Ach, und meine runden Glieder,
Hemdlos gar und ohne Mieder,
Wie ein geiler Bock verschlingt?« –

»Dummes Mädel!« spricht die Mutter,
»Mach aus all dem dir nichts draus!
Ich zum Beispiel zog mich immer
Vor besetzten Pforten aus!«

(Originalbeitrag)

Das alternde Mädchen

Einmal war sie schlank und fein,
Und wie zärtlich konnt sie lachen,
Zwickte man sie wo hinein
In die süßen kleinen Sachen.

In die Sachen, die sie lose
Unter ihrem Röckchen trug,
Und nach denen im Gekose
Manch ein schlanker Bursche frug.

Lieblich war die süße Kleine,
Und sie hat es mir zu danken,
Kam sie in mein Bett, ins feine,
Ohne sittlich zu erkranken!

Einst war sie ein Rosenblatt!
Heut doch ist sie ganz verrunzelt.
Was an ihr geduftet hat,
Ist verwelkt und riecht verbrunzelt.

(Originalbeitrag)

Die Dame und der Bauernbub

An einer langen Halfterschnur
Zog über eine weite Flur
Ein Bauernbursche eine Kuh
Und rief sein Hü und Hott dazu,
ne Stadtfrau kam des Wegs vorbei
Und frug den Buben: »Sag mir, ei,
Wohin, mein Junge, gehst denn du
Mit deiner buntgescheckten Kuh?«

Da sprach der Bub: »Na – halt zum Stier,
Daß s Kaibln kriagt, geh i mit ihr!« –
Jetzt schwieg die Dame rasch vor Scham,
Als sie den Ausdruck »Stier« vernahm,
Und dachte nur: ei, sapperment,
Daß so was schon das Bürschlein kennt... ?
Zu Boden sie errötend blickt,
Und da sich dieser Gang nicht schickt
Für so ein Büblein früh am Morgen,
So fragt sie keuschen Sinnes sanft:
»Kann dies – dein Vater nicht besorgen?«

(Originalbeitrag)

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