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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 214
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Karl Ettlinger (Karlchen) (geb. 1882)

Drei schwache Stunden

In einer schwachen Stunde
Nahm ich mir zum Idol:
Fortan naht meinem Munde
Kein Tropfen Alkohol!
Drei Wochen lang blieb treu ich
Dem ungewohnten Tausch –
Dann kaufte ich mir reuig
Beim Wirt nen Bombenrausch!

In einer schwachen Stunde
Da schwor ich einen Schwur:
Ich leb, daß ich gesunde,
Streng vegetarisch nur.
Drei Tage – ohne Faxen!
Nährt ich mich von Spinat –
Dann kauft ich mir drei Haxen
Mit Ochsenmaulsalat!

In einer schwachen Stunde
Erklärt ich hoch und hehr:
Ich küß mit keckem Munde
Kein hübsches Mädchen mehr.
Ich hielt auch drei Minuten
Den Vorsatz immerzu –
Dann mußte ich mich sputen
Zum nächsten Rendezvous!

Idylle

An meiner Seite ging sie
Den Weg zum Schloß hinauf,
Und an zu reden fing sie
Und hörte nicht mehr auf.

»Wie leuchtet heute wieder
Vom Himmel still und hehr
Der Sirius hernieder!«
(Und s war der große Bär.)

»Wie hütet dort am Ranfte,
Gestützt auf seinen Stock,
Der Hirt das Lamm, das sanfte!«
(Und s war ein Ziegenbock.)

»Wie duftet Gott zum Ruhme
Dort auf dem Wiesenplan
Die schlichte Schlüsselblume!«
(Und s war ein Löwenzahn.)

»O Schloß im Abendglanze!
Gibt es noch irgendwo
So echte Renaissance!«
(Und es war Rokoko.)

Ich sah ins Tal hinunter
Und dachte nur: O mein!
Wie ist es doch mitunter
So schwer, galant zu sein! –

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