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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 210
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Jos. L. Ostermayr (geb. 1880)

Der Korb

Sie war zwar meines Freundes Frau,
Doch war sie hübsch – und wer nähms da genau!
Ein schlankes Figürchen in engem Rock,
Ein süßes Gesichtchen in blondem Gelock,
Ein Füßchen, so zierlich, geformt wie von Ton,
Ein Händchen, ein Hälschen, – ich schweige davon!
Und tapfer unternahm ich den Sturm.
Doch ach ich armes, unglückliches Wurm,
Sie schüttelte nur ihr Köpfchen, voll Ruh
Und rümpfte das Näschen und sprach dazu:
»Zum ersten, mein Freund, so was schickt sich nicht,
Und was sich nicht schickt, das tut man auch nicht;
Zum zweiten bin ich ne brave Frau
Und nehms mit der Treue präzis und genau,
Und drittens und endlich, das bitt ich mir aus,
Man fällt mit der Türe nicht gleich ins Haus

(Originalbeitrag)

Für alle Fälle

Die letzte Nacht, die ihr Gatte verreist!
Nun hat sie mich doch nicht abgespeist,
Sie bleibt bei mir und endlich gerührt
Senkt sie die Flagge und kapituliert!

Glaubt nicht, daß das Ding so einfach war!
Was kostet das Bitten und Schwüre gar,
Bis sie nur überhaupt gekommen!
Und hier erst, was habe ich hier vernommen?
Auf alle Bitten ein grausames »Nein«
Und »ich will nicht« und »ich kann nicht« und »es darf nicht sein«
Und »ich halt meinem Gatten die Treue wie Eisen«
Und »daß er ein Trottel, mußt du erst beweisen.«
Selbst jetzt, als ich eben, von Zittern gepackt,
Die duftige Bluse ihr aufgehakt
Und auf den schimmernden Nacken beglückt
Den ersten hungrigen Kuß gedrückt,
Da fängt sie schon wieder von vorne an:
»Ach Gott, du böser, abscheulicher Mann.
Nun ist es doch so weit gekommen,
Und hab mirs so heilig doch vorgenommen.
Selbst heut als ich wegging, mit Zögern und Zaudern,
Mit dir ein Stündchen hier zu verplaudern –
Du lagst mir ja darum stets in den Ohren, –
Da hatt ichs aufs neue mir zugeschworen,
Es gibt nichts und wenn er verzappelt dabei,
Ich bleibe beständig und wahre die Treu!«
»Ach, Holde,« so sag ich, »gräme dich nicht,
Man schwört nur Schwüre, damit man sie bricht!
Mich drückt es vielmehr, daß du morgen früh
Nicht deinen Toilettentisch findest allhie,
Denn Puder und Nadeln und Brauenstift,
Ich glaube nicht, daß man bei mir sie trifft!«
Da meint sie errötend und schmiegte sich dicht:
»Was das anbetrifft, da kümmre dich nicht,
Das hab ich alles, eh ich gekommen,
Für alle Fälle gleich mitgenommen.«

(Originalbeitrag)

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