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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 198
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Robert Scharl (geb. 1873)

Strafe muß sein!

Ein junger Bursch, ein leichtes Tuch,
Der ging zur Beichte neulich,
Hielt in der Hand sein Sündenbuch –
Der Gang war nicht erfreulich.

Der Pfarrer war ein Mann der Tat,
Er kannte kein Erbarmen
Mit einem, der gesündigt hat
In heißen Mädchenarmen.

Und als der Sünder gar zu End,
Genannt die Frevel alle,
Da sprach der Pfarrer: Zackerment!
Jetzt geh zur Kathedrale.

Dort bete – dies sei deine Buß! –
Der Vaterunser fünfe
Und wische ab den Sündenruß;
Marsch! Mach dich auf die Strümpfe!

Der Bursche macht ein ernst Gesicht
Und geht mit sich zu Rate:
»Die Kathedralen lieb ich nicht –
Ich geh zur drallen Käthe!« –

Und also hat ers auch getan,
So kam er zum Entschlusse,
Und heute ist er Ehemann –
Das war die größte Buße!!

(Originalbeitrag)

Der verliebte Wanzerich

Es liebte einst ein Wanzerich
Ein süßes Flöheweibchen,
Er stieg der holden Kleinen nach,
Sie war sein Turteltäubchen.

Doch sie vermied den Seladon
Und auch sein heißes Minnen,
Und als er einst sie dreist umfaßt,
Da sprang sie rasch von hinnen.

Da stand der Wanzerich erstarrt;
Ihm war die Lieb vergangen.
Denn daß er auch noch springen soll,
Das kann man nicht verlangen!

(Originalbeitrag)

Ein Fehler

Fanny hat die schönsten Augen,
Hat die herrlichste Gestalt,
Fanny möchte mir schon taugen,
Sie ist neunzehn Jahre alt.

Fanny hat ein süßes Grübchen,
Ein Gesicht wie Milch und Blut;
Darum ist sie auch mein Liebchen,
Und auch sie ist mir so gut.

Sie hat blendend weiße Zähne
Und ein blauschwarzglänzend Haar,
Außerdem hat meine Schöne Manches noch, was wunderbar. –

Leider aber hat die Kleine
Etwas noch, das mir mißfällt,
Und das macht auch, daß ich weine.
Nämlich: Mangel, ach, an Geld!

(Originalbeitrag)

Schicksalstücke

Heute will ein Lied ich singen
Von den bösen Schicksalstücken,
Und so greife ich zur Leier,
Hoffend, daß es mir wird glücken.

Also hört: War einst ein Fräulein,
Paula will ich kurz sie heißen,
Und besagtes Fräulein Paula
Tat der Malkunst sich befleißen.

Paula war mit ganzer Seele
Künstlerin, um zu erringen
Ruhm und Ehre: kurz, sie wollte
Es zu etwas Großem bringen. –
Im Verlauf der Studienzeiten –
s waren schon der Jahre sieben –
Lernt sie einen Malkollegen
Kennen und auch leider lieben.

Dieser war ein flotter Bursche,
Paula schwamm im höchsten Glücke,
Sie gewährt ihm dies und jenes
Und – jetzt kommt die Schicksalstücke.

Denn – paßt auf – das Fräulein Paula,
Ach, man könnte bitter weinen,
Hat es, anstatt zu was Großem,
Nun gebracht zu etwas Kleinem! –

(Originalbeitrag)

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