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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 196
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Gustav Hochstetter (geb. 1873)

Base Amanda

Einst schickte mir Base Amanda
Ein Schränkchen aus Jacaranda,
Geschmückt mit blauem Topas;
Sie schrieb zu dem Geschenke:
»Wenn dus betrachtest, denke
An mich und an – dies und das!«

Im Schränkchen von Polisander,
Was steht da beieinander
Wohl hinter dem blauen Topas?
Ein Döslein mit leckerem Candy,

Ein Fläschchen voll Cherry Brandy
Und ein kleines geschliffenes Glas.

So oft, halb keck, halb beklommen,
Ein Mädel zu mir gekommen,
Bestaunt es den blauen Topas,
Ein Händchen greift nach dem Candy,
Das andre zum Cherry Brandy,
Ein Mündchen nippt aus dem Glas.

Das trinkt sich Mut zum Entschlusse,
Das trinkt sich Feuer zum Kusse
Am süßen, gebrannten Wein;
Und später stell ich das Gläschen,
Die Gabe vom fernen Bäschen,
Fein sauber wieder hinein.

Nur liebe, lustige Dinger,
Doch nie profane Finger
Berühren mir diesen Schrank.
Und zeigt es sich notwendig,
So wisch ich eigenhändig
Das kleine Gläschen blank.

Sitz ich in meiner Klause
Des Abends alleine zu Hause,
Mir fehlts nicht an Humor:
Aus meinem kleinen Schreine
Mitsamt dem Brannteweine
Nehm ich das Gläschen vor.

Dann strahlt im stillen Zimmer
Vielfältig lichter Schimmer
Von braunem und blondem Haar,
Da raschelts gleißend und golden,
Da kicherts von all dem Holden,
Was hier zu Gaste war.

Da füll ich das Gläschen, das blanke,
Ich denke an Volle und Schlanke,
Rasch leer ichs bis zum Schluß:
All meine Lieben grüßen
In diesem einen süßen
Glutvollen Feuerkuß.

Ilse

Mein allerneuster Herzensfall
Ist blond und schreibt sich Ilse;
Die prächtige Figur steckt prall
In schwarzer Sammethülse,
Dem Sammet dient als weiße Zier
Aus Pelzwerk eine Boa, –
Ich weiß nicht recht, von welchem Tier
Der großen Arche Noah.
Ein Regen näßte dieses Fell
Und lässig warb das Lederchen – –
Und geht jetzt Fräulein Ilse schnell,
Dann fusselts weiße Federchen.

Am ersten Tag, da ich sie sah, –
Ein Anfang froher Zeiten, –
Zu ihrem Haustor dürft ich da
Die Reizende geleiten.
Ich hielt mich nah der blonden Frau,
So nah ichs konnt beim Schreiten.
Wie ich mich dann zu Haus beschau –
Was soll denn das bedeuten?
Mein schwarzer Mantel ist besetzt
Mit tausend weißen Federchen – –
Marengofarben ist er jetzt,
Das kommt von Ilsens Lederchen.

Das Säubern ist ein edles Tun,
Nur wollt es mir nicht glücken.
Erfolg: die Flocken haften nun
Auf allen Möbelstücken.
Die Flocken haften Gott sei Dank
Gediegen, fest und gründlich ...
Und daß mir dieser Flockenfang
Mißglückt ist, freut mich stündlich.
Denn Ilse kommt nicht. Nein und nie.
Eh schnitt sie sich ins Äderchen.
So hab ich als Ersatz für sie
Doch ihre Boafederchen.

Sind die von gestern halb verfegt,
Die neuen bring ich heute.
Solang sich Winterskälte regt.
Bleibt mir die weiße Freude.

Doch naht der Frühling – schlimmes Wort!
O Frühling, du Canaille!
Dann legt sie ihre Boa fort
Und geht gewiß auf Taille...
Zeigt ohne Pelz die Prachtfigur,
Die biegsam wie ein Zederchen...
Du lieber Gott, was mach ich nur
Im Frühling ohne Federchen?

Also sprach der Junggeselle

Jüngling in den reifern Jahren,
Überleg dirs hundertmal!
Willst du dir die Ruh bewahren,
Triff mit Vorsicht deine Wahl!

Nimmst du eine allzu Schlanke,
Wünschst du später, sie war rund,
Peinlich ist schon der Gedanke!...
Kauf dir lieber einen Hund!

Mag der Einfall auch nicht neu sein,
Eins stimmt sicher und genau:
Dieser Hund, der wird dir treu sein –
Weißt du das bei deiner Frau?

Mag dir eine Reise passen,
Kannst daheim du den Wauwau
Beim Portier in Pflege lassen –
Kannst du das mit deiner Frau?

Eine Mitgift – das gesteh ich –
Hat es nicht, solch Hundevieh.
Aber einen Vorteil seh ich:
Du verspekulierst sie nie!

So ein Hund weint keine Träne,
Niemals braucht er Aspirin,
Hat des Abends nie Migräne
Und hat nie »nichts anzuziehn«.

Ihm genügt ein Schlackwurstscheibchen,
Nie bestellt er Kaviar,
Und er schenkt (falls er kein Weibchen)
Niemals dir ein Zwillingspaar.

So im Sommer wie im Winter
Ist der Hund stets stubenrein.
Nimm mal an, du hättest Kinder,
Würden die das immer sein?

Schulgeld brauchst du nicht zu zahlen,
– Diese Last fällt gleichfalls aus –
Und ein Hund bringt auch niemalen
Schlechte Zeugnisse nach Haus.

Drum – willst du zur Brautschau fahren –
Überleg dirs noch einmal!
Stets die Ruhe zu bewahren
Bleibt das höchste Ideal.

Ist beim Walzer oder Ländler
Halb dir schon das Herz entflammt –
Eile, Freund, zum Hundehändler,
Aber nicht zum Standesamt!

Magst du ihn mal nicht mehr leiden,
Dann verkaufst du den Wauwau,
Bloß verkaufen! Nicht erst- »scheiden« –
Mach das mal mit deiner Frau!

Lehrlings Liebesbrief

Geehrtes Fräulein Rosamunde Klemm!
Ihr werter Kuß vom 20. d. M.
Erfüllte mir mit großem Liebesweh
Das Herz, die Brust, die Seele usw.

Infolge dieses Kusses, Fräulein Klemm,
Sehnt sich mein Mund nun stets nach dergl. m..
Wenn ich allein bin, seufz ich laut; d. h.
Ach, wären Sie mir endlich wieder nah!

Mit Gegenwärtigem ersuche höfl.,
Erhören Sie mein heißes Flehen gefl.
Und kommen frdl. nach dem Neuen See,
Am nächsten Sonntag-Vormittag z.B.!

Falls Sie verhindert, schicken Sie mir evt.
Per Rohrpost ein paar Zeilen ins Geschäft.
In diesem Sinn begrüße ich Sie erg.

Als Ihr Verehrer
Anton Fichtenberg.

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