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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 191
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Otto Michaeli (geb. 1870)

Liebe ist genug!

(Nach dem Englischen)

Verliebt war der Bräutigam, schön war die Braut!
Wie süß bezaubernd ihr Auge schaut!
Sie war zart wie nur eine und sanft gesinnt
Und harmlos wie ein drei Jahr altes Kind.

Die Alten sagten: »Bürschlein! Hab acht!
Wir kennen dergleichen.« – Da schüttelt er sacht
Das Haupt und meinte orakelklug:
»Zur Ehe ist Liebe allein genug!«

Frühstück zu Hause: O Paradies!
Nur schad, daß das Backwerk zu wünschen ließ!
Es fehlte etwas an Kaffee und Tee –
»Gib mir lieber ein Küßchen, du süßeste Fee!«

Mittagessen: Er aß nicht. Weh!
Halbroh die Kartoffeln, der Braten zäh!
»Der Suppe,« klagt er, »fehlt das Salz!«
Sie umschlang ihm mit Küssen und Kosen den Hals.

Abendmahlzeit: Er aß nicht. Weh!
Das Brot war wie Kitt, und wie Lohe der Tee!
Wie Schleim die Konserven! Er rührt es nicht an:
Er ging von der Tafel, ein hungriger Mann.

O wehe! Was wütet dem Hausherrn im Hirn?
Er stampft und brüllt und runzelt die Stirn:
»Geh heim zu deiner Mama, sei so gut,
Und sag ihr, daß Liebe allein es nicht tut!«

Mein Ideal

Oft, wenn ich träumend auf dem Sofa
Mir Pläne spinn zum Zeitvertreib,
So schmeichl ich: »Väterchen Jehova!
Gib mir ein braves, treues Weib!

Ein Weib, das immer liebt und lächelt,
Das niemals grollt und niemals schmollt,
Vom Glanz der Unschuld voll umfächelt.
Wie eine Göttin schön und hold.

Ein Weib, das nicht auf stolzen Bällen
Ihr neustes Kleid zu Markte stellt,
Das nicht mit ihres Manns Gesellen,
Wenn er von Haus ist, Feste hält.

Ein Weib, das nicht mit Straußschen Tänzen
Mein Ohr zermartert früh und spät,
Noch, als ein Weltgestirn zu glänzen,
Romane strickt und Dramen näht.

Doch wenn beim stillen Abendscheine
Der Himmel prangt im Rosenflor,
Dann singe sie mir Burns und Heine
Und Schumanns ›Frauenliebe‹ vor.

Auch muß sie helles Haar besitzen,
Warum? Das schwarze mag ich nicht!
Und Augen, welche schalkhaft blitzen,
Aus denen eine Seele spricht.

Und Gott, du weißt es, meine Truhen
Sind nicht vom Mammon hochgeschwellt.
Drum laß sie stehn auf eignen Schuhen
Und gib ihr etwas Nadelgeld!

Und willst du ganz mein Sehnen stillen,
O Gott, so zügle deinen Grimm,
Und mache mir ums Himmels willen
Die Schwiegermutter nicht zu schlimm!«

So träumt ich. Da erschien ein lichter
Seraph, aus Himmelshöhn gesandt.
Der sprach: »Ich seh, du bist ein Dichter,
Und die sind alle überspannt!

Zerquäle dir doch nicht den Schädel
Und mache keinen dummen Streich!
Du findest solch ein Engelsmädel
Ja nicht einmal im Himmelreich.«

Der Engel sprach es mit Vergnügen
Und er entschwand. Doch an der Wand
Erschien in grellen Flammenzügen
Das Wörtlein: » Junggesellenstand

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