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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 184
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Ludwig Jacobowski (1868–1900)

Versuchung

Tiefe, schwüle Augenpaare,
Rote Lippen, wünschevoll,
Stirngekräuselt Lockenhaare,
Atemzüge tief und voll.

Augen, die mir leuchtend winken,
Runder Nacken, schimmerndweiß,
Küsse, die mein Herzblut trinken,
Busenheben schwer und heiß.

Schultern, die kolett sich zeigen,
Tausend Wonnen süßer Lohn!
Ach, was soll ich es verschweigen.
Wer bleibt da ein Sankt Anton? –

Die Lampe

Mein Lieb, warum so schämig rot?
Die Lampe ist ja tief geschraubt,
Du scheust das grelle Licht, drum birg
An meine Brust dein Lockenhaupt!

Laß küssen mich den weißen Hals,
Die Psychebrüste, wonnig weich ...
Lösch aus, o Licht, denn selig winkt
Der Wonne ganzes Himmelreich...

Sechse, sieben oder acht!

Auf der Straße an den Hecken
Blüht es voller jeden Tag.
Rosen schwanken an den Stecken,
Fröhlich schwirrts im Taubenschlag.
Drüben, wo die Mädchen gehen,
Hab ich keck mich aufgemacht;
Plötzlich bleiben vor mir stehen
Sechse, sieben oder acht.

Blaue Bänder an den Hüten,
Vor der Brust den Nelkenstrauß,
Ach, vor lauter Blühn und Blüten
Schaun sie selbst wie Blumen aus.
Blaue Sehnsucht in den Blicken,
Guckt mich jede an und lacht.
Könnt ich doch ans Herze drücken
Sechse, sieben oder acht!

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