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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 180
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Hugo Salus (1866–1929)

Der Königssohn

Der junge Königssohn zog aus,
Eine Königin sich zu erwählen.
Nun bringt er sich – o Schreck, o Graus –
Eine zierliche Chansonette nach Haus
Und will sich mit ihr vermählen!

»Um Gottes willen; was fällt dir ein?«
Sprach der König zu seinem Sohne.
»Die ist ja ganz hübsch! Aber viel zu klein!
Die ist ja so zierlich, so klein und fein.
Der baumeln die Beinchen vom Throne!«

Sprach der Prinz und hat wie ein König gelacht
Und zwinkert verschmitzt mit den Augen:
»An den Thron hab ich, meiner Seel! nicht gedacht!
Der ist für den Tag und das Bett für die Nacht.
Auf den Thron mag sie wirklich nicht taugen.

Aber schwarze Seidenstrümpfe sind nett!
Und geht sie am Abend zu Bette,
Dann baumeln die Beinchen so nett vom Bett!«
Und der König winkt. Und die Chansonett,
Chansonett, Chansonett,
Ward Hof- und Leibchansonette.

Eheschmoll-Liedchen

O du abscheulicher.
Undankbar-greulicher,
Unverläßlicher, häßlicher Mann!
Hast mich umschmeichelt,
Liebe geheuchelt,
Und nun schaust du mich gar nicht mehr an!

Früher schwärmtest du wie ein Dichter,
Früher war ich ein Stern, ein lichter,
Schlank wie ein Reh und doch wonnereich!
Plötzlich bin ich dir nichts als mager,
Bin dir zu kantig, eckig und hager,
Und alle andern sind üppig und weich!

Früher waren es Hügel der Wonne,
Weiß wie Mondschein, heiß wie die Sonne,
Aber jetzt! Ja, lach mich nur aus!
Laß bloß die Hände von mir, du Schlechter,
Oh, ich merks schon an deinem Gelächter,
Bin dir ein Graus! Will wieder nach Haus!

Will mich mästen wie eine Amme!
Nicht mehr Stern und Reh und Flamme,
Dick komm ich wieder, rot wie Blut,
Lach du nur zu, mich betörst du nimmer!
Wirst du gleich gehn, du Häßlicher, Schlimmer!
Küssen freilich, das triffst du gut...

(Originalbeitrag)

Don Roué

Er ist nicht schlecht, der edle Don Roué,
Ihr seid ihm, scheint mir, etwas neidische Richter,
Beseht ihn euch, wie ich, nur in der Näh:
Er ist ein Träumer, sag ich, fast ein Dichter.

»Er hat die schönsten Fraun der Stadt verführt,
Bei hundert Mädchen mit verruchten Küssen
Die wilde Glut der Sinne aufgeschürt.
Daß sie ihr lebelang dran glauben müssen.«

Das geb ich zu; und doch verführt er nie,
Um zu verführen, rein aus niederm Triebe!
Ihn reizt der Liebeleien Poesie,
Ihn lockt das lyrische Beiwerk junger Liebe:

An Sommertagen an des Waldes Rand
Mit einem duftigen Kind im Gras zu liegen,
Das, Blumen auf dem Hut und buntes Band,
Im hellen Kleidchen zittert vor Vergnügen;

Oder im Winter, wenn es draußen tost,
Vor dem Kamin bei einer Frau zu sitzen,
Die, während sie sein lockig Haupt ihm kost,
Ihn leis berührt mit der Pantoffel Spitzen.

Der Duft des Weibs, der unbeschreiblich ist,
Des Busens Wogen unterm engen Mieder,
Das Schauspiel des Errötens, wenn er küßt,
Und sich der Vorhang senkt der matten Lider:

Dies Vorspiel ist ihm Handlung, Inhalt, Schluß,
Dies Schmachten, Blicke senden, Hände pressen,
Der halb verwehrte, halb gewährte Kuß,
Dies Kosten von der Tafel, nicht das Essen!

Ists seine Schuld, wenn, allzu rasch verkürzt,
Die Tändelei in tolle Lust sich wendet,
Wenn sich der Stier brutal auf Venus stürzt
Und das Idyll als wüste Orgie endet?

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