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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 178
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Albert Geiger (1866–1915)

Die Million

Wenn ich viel Geld hätt,
Würd ich dich kleiden
In Purpur und Sammet,
Brokat und Seiden.
Wir führen mit vieren
Zusammen spazieren,
Mit blauen Pagen,
Mit roten Hatschieren.
Wir schauten vergnügt
Und nicht blasiert,
In unserer Laune
Kein bißchen geniert,
Herab auf das Treiben,
Hinein in die Welt,
Die sich so gar wunderlich
Selber gefällt –
O hätten wir Geld,
Eine ganze Million:
Wir brächten mit Anstand
Sie lachend davon!
Die Million!

Doch was wir haben,
Ist bald beisammen:
Am Tische zwei Teller,
Im Ofen zwei Flammen,
Zwei Fensterscheiben,
Vier Wände klein.
Und abends flackernd
Der Lampe Schein.
Doch beim Erwachen,
Da seh ich dich lachen;
Und es flutet der Goldstrom
Des Glückes herein.
Dann brauchen wir gar nicht
Die dumme Million!
Wir küssen, wir herzen
Und denken mit Scherzen:
Wär sie unser geworden,
Längst wär sie davon:
Die Million!

Wir sind auf den Bänken
Und in den Schenken.
Wir singen Dur,
Und wir singen Moll.
Und wie sie auch gucken,
Wenn wir scharmuzieren:
Du gehst ja mit einem,
Nur mit einem spazieren,
Von dem dein liebes
Herzchen ist voll.
Was wir voll Glück
Uns zusammentragen:
Ist ein süßes Bettlein,
Wärs auch nur ein Schragen.
Wir lachen aus vollem
Hals euch davon:
Stöhnt nur und schwitzt
Unter eurer Million,
Eurer dummen Million!

Was glaubt denn ihr Fratzen
In Pfauenkleidern?
Mein Liebchen behilft sich
Mit Singen und Schneidern.
Ich geb ihr das wunderbar
Schimmerndste Kleid.
Ich schenk ihr das funkelndste
Farbengeschmeid.
Ich schenk ihr den kostbarsten
Tropfen Blut.
Ich geb ihr den brennendsten
Funken Glut.
Die küß ich auf ihre
Zartschwellende Brust
Und spotte, ein König,
Eures Leids, eurer Lust,
Eurer Million!

Mein armes Schätzchen,
Sitz mir auf den Schoß!
In deinen Augen
Wie reich ists und groß!
Ich hab mich in ihren
Schimmer gerettet.
Ich hab mich in ihren
Zauber gebettet.
Mit einem Kuß
Und mit einem Reim:
Gehn wir mit leeren
Taschen nun heim.
Die Sterne funkeln
Hoch um das Haus.
Wir lachen und löschen
Die Lampe aus.
Du jauchzest und drückst mich
Und kicherst dazu:
Nun küsse, du Narr,
Du Reicher, du!
Kein Rothschild, kein Kaiser
Darf kosten davon.
Dies Zuckerbrot, feil ists
Um keine Million!

(Originalbeitrag)

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