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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 171
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Rudolf Knussert (geb. 1863)

Unterm Tisch

In fröhlichem Kreis, was seufzte sie leis?
Was glitt ihr sacht aus der Hand?
Sie bückte sich schier zur Erde, mit ihr
Zugleich ihr Nachbar galant.

Sie suchten behend. Im nächsten Moment
Das Pärchen wieder erstand
Mit leuchtendem Blick und strahlend vor Glück.
Was wohl es da drunten fand?

(Originalbeitrag)

Belauscht

Mit Nadeln hast du zugesteckt
Den Vorhang, zu vermeiden,
Daß dich des Nachbars Blick entdeckt
Beim Aufstehn und Bekleiden.

Gardinen sind wohl licht und weiß,
Doch ist das Sonnlicht weißer,
Und sähst du, wie mein Blick so heiß,
Dein Antlitz flammte heißer.

Und wüßtest du, was oft ich seh,
Du schlügst die Augen nieder.
Gardinen sind wohl weiß wie Schnee,
Doch weißer deine Glieder.

(Originalbeitrag)

Frau Nachbarin

Mein Herz ist so heiß und das deine so kühle,
Und hell auflodern meine Gefühle
Zu dir wie Flammen zum Himmel hin.
Das tut die Liebe, Frau Nachbarin.
Das tut die Liebe, das tut die Minne,
Das tut die Sehnsucht, Frau Nachbarinne,
Und die wird enden nicht so geschwind,
Eh nicht die Herzen auch Nachbarn sind.

Ja, wenn dein Herz an dem meinen ruhte,
Da wär mir freilich gar süß zumute,
Da wollt ich lauschen den ganzen Tag
Auf deines Herzens beglückten Schlag.
Da säh ich nichts auf der Gotteserde
Als deine zärtliche Frauengebärde,
Und meine Freude, die sollt allein
Und einzig dein junges Leben sein.

(Originalbeitrag)

Das beste Kissen

Wie hab ich oft des Nachts gedacht,
Wenn wirbelnde Gedanken
Den Geist um seine Ruh gebracht,
An deinen Leib, den schlanken.
An deinem Busen wäre mir
Das beste Schlummerkissen,
Denn süß Vergessen fänd ich hier
Und doch auch süßes Wissen.

(Originalbeitrag)

Geraubter Kuß

Erzähl einmal
Dem Herrn Gemahl,
Daß heut ich einen Kuß dir stahl!
Wir saßen dicht beisammen.
Den Wangen leiht
Befangenheit,
Von wegen der Vergangenheit,
Die schönsten Rosenflammen.

Mein Mund berührt,
Von Reiz verführt,
Dein Wänglein, das wie Samt sich spürt.
Du hast es wohl geduldet,
Weil sonder Ziel
Und Maßen viel
Mit deinem falschen Minnespiel
Du einst an mir verschuldet.

Du ließest nun
Das Köpfchen ruhn,
Du wolltest mir nicht wehe tun
Und doch dir nichts vergeben.
Als sähest du
Nicht, was ich tu,
Verstohlen lächelnd sahst du zu
Des Busens leisem Beben.

(Originalbeitrag)

Erröten

Die schönste Rose, die erblüht,
Sie schmückt dich so entzückend nicht,
Wie wenn aus innerstem Gemüt
Dir hell der Strahl der Liebe bricht,
Daß Widerschein dir vom Gesicht
Bis zu des Busens Hügeln glüht,
Wie ein Rubin mit Rosenlicht
Der Fassung Silber übersprüht.

(Originalbeitrag)

Winternacht

Eingefroren jeder Quell und Bronnen.
Demantsterne funkeln mir entgegen.
Einsam wandr ich auf beschneiten Wegen,
Hungre heiß nach Liebeswonnen.

Rings der Tod, indes ich Leben heische.
Meine Wünsche, wilde Wölfe, wittern
In die Winternacht voll Sternenzittern,
Weib, nach deinem warmen Fleische!

(Originalbeitrag)

Nackte Wahrheit

Hogarth, der die Wellenlinie nannte
Aller Linien schönste, mußt es wissen!
Nackte Wahrheit ists, wie ich erkannte:
Nackt ja lagst du auf geblümten Kissen.

Und die schönste Wellenlinie streifte
Eines Pfauenauges Sammetflügel:
Jene sanftgeschwungne, zartgeschweifte
Von der Schulter zu des Busens Hügel.

(Originalbeitrag)

Amors Gefolge

Verschämten Lächelns sanften Strahl
Um Mund und Wangengrübchen ...
Und Arm in Arm mit dem Gemahl,
Und an der Hand ihr Bübchen.

Im Antlitz ewige Rosenzeit,
Gesenkt den Blick, den feuchten,
Im zartdurchbrochnen Spitzenkleid
Perlmutterweißes Leuchten.

Es wiegt der jugendschlanke Leib
Kokett sich in den Hüften;
Es schwebt das blumenranke Weib
In eitel Blumendüften.

Und Arm in Arm mit dem Gemahl,
Und an der Hand ihr Bübchen.
Und Amoretten ohne Zahl
Drehn Nasen, schaben Rübchen ...

(Originalbeitrag)

Das Ewigweibliche

Als Braut hat Sinn sie selbst für Literatur;
Denn hoffen will er,
Daß mehr ihr seien als nur Gipsfigur
Goethe und Schiller.

Doch nach der Hochzeit ist der Weiblichkeit
Dies alles Quatsch.
Sie hat Interesse nur für Klatsch und Kleid,
Für Tracht und Tratsch.

(Originalbeitrag)

Erster Kuß

Was ist so hübsch, wie wenn sich eben
Kinderaugen vom Schlaf erschließen
Und das rings erwachende Leben
Staunend und doch so müd noch grüßen?

So mit Staunen und Kinderlachen
Und doch schelmisch verdrießlich schauen
In der Liebe Rosenerwachen
Deine Augen, die veilchenblauen.

Aber das Staunen wird noch steigen
Und noch reizender der Verdruß,
Und der lachende Mund wird eigen
Bebend zucken im ersten Kuß!

(Originalbeitrag)

Diana

Den Wald erhellt der Feuerschein
Des Büchsenrohrs. Ein scharfer Knall.
Der Bock durchbricht den Blätterwall
Und stürzt waldein.

Und wo er jäh zusammenbrach –
Diana scheint nicht schlecht gelaunt –
Da steht der Jäger still und staunt
Durchs Blätterdach.

Ein nacktes Weib im klaren Quell.
Zwei Brüste wie Perlmutter blank.
Und Glieder wie Schwertlilien schlank
Und Locken hell.

Diana selbst! Auf beide Knie
Wirft sich der Jäger, staunt und starrt.,.
Diana selber? Nein, mich narrt
Die Phantasie.

Und führt sie mich am Narrenseil,
So ist es doch ein weißer Leib,
Ein junger – und kein altes Weib:
Drum Weidmannsheil!

Pfeif-Trio

» Piper, der Pfeffer, und Sal, das Salz,«
Pfiff der Spatz vom Dach des Pennals,
Pfiff es, bis ihn ergriff die Katz,
Und ich pfeif es ihm nach, dem Spatz.

Piper, der Pfeffer, und sal, das Salz,
Ohne die zwei gibts keinesfalls
Irgendwo ein pikant Gericht,
Glückt nicht Witz noch galant Gedicht.

Piper, der Pfeffer, und Sal, das Salz,
Ohne die zwei wächst aus dem Hals
Selbst die Liebe, die Liebe ja,
Liebe will sogar Paprika.

(Originalbeitrag)

Amors Wutgift

Amors Pfeil,
Wenn er trifft,
Bohrt so böse Wunden,
Alldieweil
Oft sein Gift
Tollwut hat entzunden!

Gürtel riß,
Fort im Schuß
Fliegen Rock und Blusen,
Und zum Biß
Wird der Kuß
Auf den Mund und Busen...

(Originalbeitrag)

Heuchelei

Sein Tischvisavis beachtet er nie,
Mit den Blicken streift er es kaum.
Und was es auch sei, sie spricht es vorbei
An ihm, als wär er nur Raum.

Doch unter dem Tisch ist verschwenderisch
Mit Gunst ihr zierlicher Fuß.
Da tritt er sie, und Knie ist an Knie,
Und die Waden machen den Schluß.

(Originalbeitrag)

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