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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 166
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Julius Freund (1862–1914)

Der Mann im Mond

Abenteuerlich verwogen,
Durch der Nebel dichtes Meer,
Komm ich jede Nacht gezogen
Als ein Wolkenmilliardär.
Krösus muß den Nacken biegen,
Und kein König kommt mir gleich,
Denn die meisten Güter liegen
Doch allein in meinem Reich!
Ich bin der Mann im Mond,
Ans Bummeln sehr gewohnt,
Streich jede Nacht umher
Als himmlischer Flaneur,
Mein magisch Licht erhellt
Das dunkle Himmelszelt,
Bin der friedlichste,
Unermüdlichste,
Älteste Bummler der Welt!

Leuchtet meine Fackel nieder
Auf den runden Erdenball,
Süßer duftet dann der Flieder,
Süßer singt die Nachtigall;
Kater schleicht sich sacht zum Kätzchen,
Blume lockt den Falter an,
Jeder Schatz sucht sich sein Schätzchen,
Ich seh zu und freu mich dran!
Ich bin der Mann im Mond usw.

Aus den Augen brechen Flammen,
Hände finden sich zum Bund,
Herzen schlagen heiß zusammen,
Innig preßt sich Mund an Mund!
Was Frau Sonne niemals duldet,
Spielt sich ab in meiner Hut,
Ich allein nur habs verschuldet,
Ich, der alte Tunichtgut!
Ich bin der Mann im Mond usw.

Der Vorschuß auf die Seligkeit

Wenn wirklich die Lieb eine Sünde war,
Von Beelzebub selber erdacht,
Dann hätte der Herrgott wohl nimmermehr
Die Frauen so reizend gemacht!
Nicht die Hüften so rund und die Taille so fein,
Nicht die Wangen so rot und so weiß,
Nicht die Händchen so schmal und die Füßchen so klein
Und die Augen so groß und so heiß:
Glaubt ja nicht, was der Mucker lehrt,
Im Gegenteil, s ist umgekehrt! – –
Ein Kuß, geküßt von Lippen, süß und weich,
Ist grad ein Zipfelchen vom Himmelreich,
Die ganze Lieb ist in der Erdenzeit
Ein kleiner Vorschuß auf die Seligkeit!

Auch wenn euch der Grämling vom Wein verjagt,
Verbietet ihm lachend den Mund,
Der Herrgott hat selber zur Sonne gesagt:
»Mach die Reben schön reif und schön rund!«
Wenn lieblich der Tropfen von Mosel und Rhein
Aus dem Fläschchen ins Gläschen fließt,
Dann ladet der Himmel euch selbst dazu ein,
Daß ihr euch das Näschen begießt!

Ein Spitz ist nie des Teufels Werk,
Und kam er selbst aus Grüneberq!
Solch Rausch, der uns fast macht den Göttern gleich,
Ist auch ein Zipfelchen vom Himmelreich,
Im Gold der Reben blinkt euch allezeit
Ein kleiner Vorschuß auf die Seligkeit!

Ihr findet den Weg in den Himmel hinein,
Wenn ihr euch nur leidlich geführt,
Das muß schon ein riesiger Taugenichts sein,
Der den alten Sankt Peter nicht rührt;
Und wenn ihr auch schmort in der Hölle, o Schreck!
Ein Trost bleibt euch doch nicht verwehrt,
Den Vorschuß, den nimmt euch kein Teufel mehr weg,
Den habt ihr schon unten verzehrt!
Drum folgt dem Rat, den euch zum Schluß
Erteilt der alte Praktikus:
Trinkt, singt und liebt und küßt, s ist alles gleich,
Packt nur die Zipfelchen vom Himmelreich,
Da oben ist getilgt in kurzer Zeit
Der kleine Vorschuß auf die Seligkeit!

Die Kirschen in Nachbars Garten

Als Bübchen mit heißem Verlangen
Sah oft ich zum Nachbar hinein,
Dort sah einen Kirschbaum ich prangen,
Der lud mich zum Naschen ein;
Die Kirschen, ganz heimlich gestohlen,
Was Besseres wüßt ich mir kaum,
Ich kroch durch den Zaun, sie zu holen,
Und klettert auf Nachbars Baum!
Kaum konnt ich die Stunde erwarten,
Wo sich die Gelegenheit bot
Die Kirschen in Nachbars Garten,
Die waren so süß und so rot.

In fremden Revieren zu pirschen,
Das lernt ich auf mancherlei Art,
Die Liebe zu fremden Kirschen
Ward stärker, je älter ich ward.
Bald liebt ich ein Frauchen unsäglich,
Ein leichtes, ein lustiges Blut;
Ihr Männchen, gar alt und gar kläglich,
Vertrug frisches Obst nicht mehr gut!

Kaum konnt ich die Stunde erwarten,
Wo sich die Gelegenheit bot.
Die Kirschen in Nachbars Garten,
Die waren so süß und so rot.

Längst hätt ich ein Weibchen genommen,
Nur eines beängstigte mich:
Auch ich werde Nachbarn bekommen,
Die grade so klug sind wie ich!
Die wollen gleich mir sich erlaben
An Kirschen auf fremdem Revier,
Doch ich mag keine Mitesser haben
Und sprach drum im stillen zu mir:
Ich will mit der Ehe noch warten,
Ich weiß zu genau, was mir droht.
Die Kirschen in Nachbars Garten,
Die sind viel zu süß und zu rot.

Die süßen kleinen Mägdelein

So tief ich auch ins bunte Leben blickte,
Ich hatte eine große Leidenschaft,
Die mich mit tausend Banden fest umstrickte
Und mich gefesselt hielt mit Zauberkraft:

Die Frauen sind der Schöpfung Wunderwerke;
Ich bin gewiß kein schwacher Tropf – indes:
Bei ihnen flieht mich die Charakterstärke,
Mir gehts wie Simson und wie Herkules.

Ein blondes Wuschelhaar,
Zwei heiße Feuerrädel,
Ein Lippenpaar,
Zum Küssen schön:
Da soll ein andrer widerstehn!
Mich hat die schlaue Schar
Von Jugend auf am Fädel;
Sie fingen gar
Zu leicht mich ein,
Die lieben kleinen Mägdelein.

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