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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 158
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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J. Leusser (geb. 1860)

Unterschied

Des Morgens tat sie sehr empört,
Als ihren schönen weißen Arm
Entblößt zu sehen ich begehrt.
Und grollte mir in bitterm Harm.
Des Abends kam sie dekolletiert,
Trug Nacken, Busen, Arme bloß
Und kokettierte ungeniert
In ihrer Tänzer reichem Troß.

An eine schöne Spröde

Bist stolz auf deine Tugend,
Du sprödes, schönes Kind,
Und glaubst, daß drum der Himmel
Dir gnädger noch gesinnt? ^

O nein! Ich bin der Meinung:
Du bist ein Bösewicht.
Er gab dir süße Gaben
Und du – gebrauchst sie nicht.

(Originalbeitrag)

Begegnung

Ich bin dir heut in der Straße
Begegnet, du reizendes Kind!
Wir dürfen uns nicht mehr kennen,
Du weißt, wie die Menschen sind.

Doch als mein Blick dich getroffen,
Da hast du verschämt gelacht –
Da dachten wir beide an eine
Verschwiegene, selige Nacht.

(Orignalbeitrag)

Meine Kleine

Ich sehe wohl gerne Seide und Samt
Und Spitzen und helles Geschmeide,
Doch lassen die Damen der Straße mich kalt
In Schminke und modischem Kleide.

Ich habe ein Schätzchen, so frisch und gesund,
Das weiß nichts von äußerem Scheine.
s ist alles Natur vom Kopf bis zur Zeh –
Ich lobe mir doch meine Kleine.

Gern saß ich auch abends im Séparé Mit einer Schönen beim Weine.
Es küßt sich gar gut – das glaube ich wohl –
Bei der Lampe gedämpftem Scheine.
Doch bei meinem Schätzchen vier Treppen hoch
Ists schöner noch, wie ich meine.
Dort steht ein Bettchen so mollig und weich –
Ich lobe mir doch meine Kleine.

(Originalbeitrag)

Mailiedchen

Wenn der Maien seinen Staat
Über Busch und Baum gehangen,
Wenn am schmalen Wiesenpfad
Tausend duftige Blumen prangen,

Falter schwirrt und Taube girrt
Und die Vöglein alle singen,
Wenn durch Gottes Garten irrt
Ein unsagbar süßes Klingen,

Wenn du siehst das Gras zerdrückt
Unter Flieder und Holunder,
Weil im Schleh ein Paar sich bückt –
Schätzchen, sag mir, nimmt dichs wunder?

Die Wallfahrt

Mein Liebchen wollte wallfahrn gehn,
Da bin ich mitgegangen.
Mit Blüten war an den Alleen
Jedweder Baum behangen.

Wir waren bei dem Kirchlein bald,
Dort fiel aufs Knie sie nieder
Und betete – im nahen Wald
Ertönten Vogellieder.

Und auf dem Heimweg machten wir
Gar manchmal Halt im Grünen –
Wars Sünde? – Ach, die wollen wir
Durch neue Wallfahrt sühnen.

Die Liebe

Sie sagen, die Liebe sei Sünde,
Ei, glaubt das Märchen nicht.
Die Liebe ist eine Gnade,
Die aus dem Himmel bricht.

Die Liebe ist ein Jauchzen
In Überseligkeit,
Sie führt uns zu fernen Höhen
Hoch über Raum und Zeit.

Die Liebe macht uns zu Göttern
Voll Kraft aus hoher Art.
Sie ist ein Zaubergarten
Voll Blumen duftig und zart.

Die Liebe ist die Sonne,
Die alles überstrahlt,
Sie ist ein Geschenk, das nimmer
Mit Golde wird bezahlt.

Die Liebe ist ein Nirwana,
Wo alle Not vergeht.
Wo uns mit schmeichelndem Hauche
Ein glücklich Vergessen umweht.

Und selbst in ihrem Leide
Verklärt sie goldner Schein,
Sie lacht noch unter Tränen
Und freut sich ihrer Pein.

Die Liebe ist keine Sünde,
Sie macht uns engelrein.
Die Liebe ist Anfang und Ende
Von allem Leben und Sein.

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