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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 152
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Otto Doepkemeyer (1858–1920)

Einst im Mai

Weißt du noch, wie einst im Maien
Wir die ersten Küsse tauschten.
Während lose Frühlingslüftchen
Neckisch durch die Blätter rauschten?
Ach, wie blühten deine Wangen
Und die jungen, scheuen Lippen!
Weißt noch? Jene ersten Küsse
Waren nur befangnes Nippen.

Aller Liebeswissenschaften
Ist jedoch der Mai Magister;
Er doziert so lind und heiter,
Ist kein lederner Philister.

Unter seiner kundigen Leitung
Übten täglich wir und stündlich;
Ja, wir waren fleißige Schüler –
Zwar nicht schriftlich, aber mündlich.

Denkst du noch der goldnen Tage
In des Lebens Sturm und Klippen?
Jenes freundlichen Magisters?
Jener lernbegierigen Lippen?

(Originalbeitrag)

Wärmeerzeugung

Sapperlot, wie bitterkalt!
Hei, wie beißend knirscht der Schnee!
Jeder spürt es, jung und alt,
Gar bis in die kleinste Zeh.
Alles trippelt, eins, zwei, drei,
Leichten Fußes flink vorbei,
Reibt die Nase sich, die Ohren,
Denn wohl öfters, hört man klagen,
Ist in solchen kalten Tagen
Beides manchem schon erfroren.
Jedenfalls ist gut daran,
Wer daheim sich wärmen kann.

Nun? Was seh ich? Dieses Paar,
Das bereits vor zweien Stunden
Ich dort stehend hab gefunden,
Steht noch immer? – Wunderbar!
Seht das Mädchen, seht den Jungen,
Halten innig sich umschlungen!
»Kinder, o so seid nicht dumm,
Geht nach Haus, ihr friert ja krumm!« –
Sind wohl, ach, die beiden Toren,
Aneinander festgefroren!

Doch der Mond, der eingeweihte,
Neigt den Kopf auf eine Seite,
Zieht zum Schmunzeln sein Gesicht,
Meint: »Ja, Freund, das kennst du nicht!
Ist die Kälte noch so knollig.
Diesen beiden, Arm in Arm,
Ist es dennoch herzlich mollig,
Denn vom Küssen wird man warm!«

(Originalbeitrag)

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