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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 145
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Max Caro (geb. 1855)

An eine kühle Blonde

»Wie oft hab ich dirs sagen müssen,
Sag selbst, wie oft es schon geschah:
Mit diesen sanft gehauchten Küssen
Beglücke deinen Großpapa!

Mich aber mußt du heiß umfangen,
So ists bei Liebenden mal Brauch,
Ich habs doch schließlich zu verlangen,
Drum sei so gut und füg dich auch!

Dann neige hold dich meinen Lippen,
Die nach dem Zaubertranke flehn!
Du sollst ja trinken, Kind, nicht nippen,
Kannst du denn gar nicht mich verstehn?

Du sagst, ich sei dir wert und teuer,
Und duldest, daß ich schier vergeh?
Zünd an ein übermächtges Feuer,
Ein Leidenschaftsautodafé!« – –

Und wirklich hat jetzt mein Blondinchen
Ein Feuerchen zu Weg gebracht,
Genau, als ob auf dem Maschinchen
Es sich ein Täßchen Kaffee macht.

Der Versöhnungskuß

Als wir uns gestern abend stritten,
Da wollt ich scheiden im Verdruß;
Du aber botst mit holden Sitten
Mir schelmisch den Versöhnungskuß!

Nun will ich hier nicht etwa prahlen,
Doch schwör ichs euch zu jeder Frist:
Ich hab zu wiederholten Malen
In meinem Leben süß geküßt

Und hab, ein immer durstiger Freier,
An manchem Lippenkelch genascht;
Doch diese Leidenschaft, dies Feuer –
Wahrhaftig, ich war überrascht!

Da muß man ja dem Herrgott danken,
Macht einem mal der Schatz Verdruß;
Ich denk jetzt öfter mich zu zanken,
Mir schmeckt so ein Versöhnungskuß!

(Originalbeitrag)

Gewitter

Als Jupiter und Juno wieder zankten,
Weil sie mit ihrer Eifersucht ihn plagt,
In Schrecken hat er damals sie gejagt,
Daß ihr die rosigen Knie noch lange wankten.

Im Lenze wars, die ersten Rosen rankten,
Der Himmelssaal in lichter Bläue ragt,
Da schmettert er den Blitz – es sei geklagt!
Wie bebte der Olymp! Die Menschen bangten.

Und schrecklich rollt der Donner immer wieder,
Die Göttin barg sich hinter Fenstergittern.
Erst Kölnisch Wasser!... Dann, sie löst das Mieder.

Mit allen Schwestern zagt sie vor Gewittern.
Da lacht der Alte, der den Keil wirft nieder:
»Vor etwas müssen doch die Weiber zittern!«

Brautschau

Röslein in dem Garten stand
Links am kleinen Weiher,
Fein geputzt und sehr scharmant,
Aber ohne Freier.
Bräutlich stand die Schöne da,
Harrte der Bekanntschaft;
Rechts und links Mama, Papa,
Und auch die Verwandtschaft.

Kam des Wegs ein Falter flott,
Dacht, sie zu gewinnen.
Röslein betet: »Lieber Gott,
Möcht er mich doch minnen!«
Schrien ihn schon die andern an:
»Röschen hat Vermögen;
Wenn Sie sind ein Ehrenmann,
Geben wir den Segen!«

Sprach der Falter: »Sapperlot,
Ist das eine Sorte!«...
Röschen schämte sich halbtot
Und sie fand nicht Worte.
Flugs flog er zur Heckenros,
Die ein armer Schlucker,
Tanten- und verwandtenlos,
Aber süß wie Zucker!

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