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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 138
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Edwin Bormann (1851–1912)

Zwee goldne Eheregeln

(Sächsisch)

»Wer de sich umsieht nach ner Frau,
Der guk uf Zweerlee genau!
Un s erschdemal gleich, sag ich Sie,
Sonst fällt er nein, er weeß nich wie!
Das eene is: er sehe zu,
Wie sin beschaffen ihre Schuh.
Un beinlich forsche er sodann:
Was hat se denn fer Hanschuh an?«
»Erloom Se,« wärft da eener hin,
»Muß denn das s erschdemal gleich sin?«
»Nadierlich, s allererschdemal,
Sonst endigts efdersch sehr fadal.«
»Hm hm, jetzt wärd mer manches klar,
Was mir bis heide duster war.
Bei mir war das, du meine Zeit,
Ne Sache der Unmeeglichkeit.
Ich sah zeerscht se in Ostende,
Mit ohne Schuhwerk Fieß un Hände!«

Der Seelenkuß

(Sächsisch)

Adelchen hadde heemlich gern
An dorch un dorch modernen Herrn.
Das gingk gans scheen, bis daß ä Brief
Dem Babba in de Finger lief.
»Ha!« rief der, »ungeratnes Wesen,
Was muß ich hier mit Schaudern lesen?!
›Ich liewe rasend Dich, Adele,
Un kisse Deine nackde Seele!!‹
Gesteh, was hat das zu bedeiden
Mit diesen Seelenheemlichgeiden?
Wie schmeckt son nackder Seelenkuß?«
Adelchen schluxt: »Babba, ich – muß –
Gestehn, ich hawe geine Spur.
Bis jetzt geschahs ja brieflich nur!«

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