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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 137
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Max Nordau [Südfeld] (1849–1923)

Im Seebad

Selig schwammen
Wir zusammen
In der lind-bewegten Flut.
Treu geschmiegtes,
Weich gewiegtes
Lieb getrost in meiner Hut.

Das besonnte
Köpfchen konnte
Streicheln meine freie Hand.
Mußtest fühlen
Durch die kühlen
Wasser meinen innern Brand!

Kam die Welle,
Schlossest schnelle
Mund und Augen vor dem Guß.
Durfte nippen
Von den Lippen
Da manch süßen salzgen Kuß.

Wie ein Pärchen
Aus dem Märchen,
Meermann und sein holdes Weib,
Spielten, hauchten.
Sprühten, tauchten
Wir voll Wonne, Leib an Leib.

Zeit nicht messend,
Welt vergessend,
Trieben wir im weißen Schaum,
Bis ein Rufer
Winkt am Ufer –
Und zu Ende war der Traum.

(Originalbeitrag)

Mona Lisa

Ich kenne dies Lächeln, das trunken macht,
Dieser Augen unirdisches Leben –
Du bist in der Cinquecentotracht
Die alte Sphinx von Theben.

Das wollustschauernde Raubtier-Weib,
Die küssend zerfleischende Katze –
Ich kenne dich auch mit verhülltem Leib,
Auch ohne die Löwentatze.

Der Spott ist feiner um deine Lipp,
Und deine Augen verkünden
Geheimere List – dich lehrte Ödip,
Dein Rätsel tiefer zu gründen.

Den Tod, von deinen Küssen gewürzt,
Hätt gern wohl mancher erkoren,
Doch der in den Abgrund dich wieder stürzt,
Der Held ist noch nicht geboren.

(Originalbeitrag)
Meiner Frau

 

Dieweil du der Gattin Würde trägst
Und tapfer der Mutter Bürde trägst,
Soll ich dich darum bestrafen?
Ich reiche dir Rosen heut wie eh;
Der ich war auf der Brautfahrt über die See,
Der bleib ich dir auch im Hafen.

Am Finger der Reif von rotem Gold
Macht mir deine Hand nicht minder hold,
Als eh ich sie selig gewonnen.
Und weil ich darum nicht bitten muß,
Beglücken nicht minder mich dein Kuß
Und in deinen Armen die Wonnen.

Meine Liebe trägt heut ihr Sonntagsgewand
Von blauer Seide und Rosaband
Wie in den Werbetagen.
Zu gut für dich ist ihr keine Zier,
Und niemals soll sie, das schwör ich dir,
Pantoffel und Schlafrock tragen.

(Originalbeitrag)

Joseph Willomitzer (1849–1900)

Seelenbündnis

Ich öffne zögernd ihren Brief.
Der kleine Brief, was tut er kund?

Vielleicht nimmt es Mathilde schief.
Daß ich sie lieb aus Herzensgrund?
Vielleicht hat sie mein Flehn erhört?
Vielleicht ist all mein Glück zerstört?
Ich seufzte tief,
Bevor mein Blick das Blatt durchlief...
Sie schreibt: »Wir wollen Freunde sein
Wie Goethe und die Frau von Stein!«

Da ruf ich jubelnd: »Frisch voran,
Dem Glück will ich entgegenziehn!«
Im Flug trägt mich die Pferdebahn
Zu meiner Göttin Tempel hin.
»Komm an mein Herz, du süßes Glück!«
Ruf ich ihr zu. – Sie weicht zurück
Und staunt mich an:
»Wie könnt Ihr mir so stürmisch nahn?
Wir wollen doch nur Freunde sein
Wie Goethe und die Frau von Stein!«

Und nun erzählt sie mir genau.
Was sie gelernt im Pensionat
Vom Seelenbündnis jener Frau
Mit Goethe, dem Geheimen Rat,
Wie tadellos und einwandfrei
Der zarte Bund gewesen sei.
»Mathilde, schau,
Was du da sagst, ist mir zu blau.
So wird es nicht gewesen sein,
Denn Goethe, der war nicht von Stein!«

Da widersprach sie hochgemut.
So ging die Rede hin und her.
An Worten gab es eine Flut,
Ein weites, sturmbewegtes Meer.
Es schwoll die Flut, es wuchs der Zank,
Bis blutig flammend die Sonne sank -
Und kurz und gut:
Dann küßten wir uns in wilder Glut
In dunkler Kammer ganz allein
Wie Goethe und die Frau von Stein.

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