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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 119
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Ludolf Waldmann (1840–1917)

Ach, wir armen Klosterbrüder

Ach, wir armen Klosterbrüder
Dürfen nie ein Weibchen frein!
Singen stets nur fromme Lieder,
Fasten, büßen und kastein.
Liebesfreuden
Solln wir meiden,
Ach, es ist doch schlecht bestellt
Bei so viel Weibern in der Welt!
Der schönste Hochgenuß
Liegt doch im Weiberkuß!
O Gott, o Gott, o Gott, welch Hochgenuß!
O Gott, o Gott, o Gott,
Liegt doch im Weiberkuß!

Einstmals sah von meiner Zelle
Ich ein Pärchen liebeswarm.
Bei der nahen Waldkapelle
Standen beide Arm in Arm.
Nun das Küssen
Sehn zu müssen.
Warum, dacht ich, ist hienieden
Solches Glück mir nicht beschieden?
Wie muß das köstlich sein,
Zu lindern Liebespein.
O Gott usw.

Knie vorm Heilgenbild ich nieder
Und ein schmuckes Kind kommt an,
Leicht geschürzt und eng das Mieder,
Ach, wie labt mein Blick sich dran.
Ihre Lippen
Nur zu nippen,
Denk ich nur und schiele hin,
Bis ich ganz in Andacht bin.
Mein Auge brennt so heiß,
Ich seufze still und leis:
O Gott usw.

Ach, im Dunkel dieser Erde
Schleichen wir so ängstlich hin.
Fromme Lämmer einer Herde,
Und kein räudig Schaf ist drin.
Ich alleine
Nur erscheine
Sündenvoll, weil ich verachte,
Daß der Mönch von ferne schmachte.
Denn jeder Strafe Hohn
Spricht süßer Liebe Lohn!
O Gott usw.

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