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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 111
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Franz Joseph Stritt (1831–1908)

Stiefel und Pantoffel

Der Stiefel sprach verächtlich
Zu dem Pantoffel einst:
»Du bist nicht ebenbürtig
Mit mir, wie du wohl meinst.

Ich bin der Stolz des Mannes,
Im Frieden wie im Krieg,
Und meinen blanken Sporen
Verdankt er Ruhm und Sieg.

Es kostet meist ein Lächeln,
Sooft man von dir spricht;
In bessere Gesellschaft
Kommst überhaupt du nicht.«

»Oh,« sprach jetzt der Pantoffel,
»Frag doch in Dorf und Stadt,
Wie mancher Held mit Sporen
Vor mir gezittert hat!«

Das Fräulein Kunigund

Zwei Ritter von edlem Sprosse,
Die ritten zur Morgenstund
Vorüber am stolzen Schlosse
Von Fräulein Kunigund.

Sie winkte von hoher Zinne
Mit weißem Tuche ins Tal;
Das schien ein Zeichen der Minne
Den beiden Rittern zumal.

Da mußte natürlich beginnen
Die Eifersucht auf der Stell,
Und ohne langes Besinnen
Gab es ein scharfes Duell.

Doch mitten im Lanzensturme,
Da fiel ihnen plötzlich ein:
Das Winken von dem Turme
Könnt für einen andern sein.

Da versöhnten sich die Ritter,
Trotz mancher schweren Wund –
Und richtig umarmte ein Dritter
Das Fräulein Kunigund.

Der wilde Knabe (oder: Das böse Amorchen)

Bekanntlich hat der wilde Knab
Das Röslein rot gebrochen,
Das wehrte sich, wie alle tun,
Und hat ihn arg gestochen.

Das Waldweib hat den armen Wicht
Laut jammernd aufgefunden
Und hat mit einem Läpplein zart
Sein Fingerlein verbunden.

Dann sprach es: »So, jetzt weißt du auch,
Wie sehr die Röslein stechen:
Du leichtsinniger, liederlicher Lausbub du,
Was brauchst du sie zu brechen!?«

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