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Um Volk und Geist

Gerhart Hauptmann: Um Volk und Geist - Kapitel 31
Quellenangabe
authorGerhart Hauptmann
titleUm Volk und Geist
publisherPropyläen Verlag
editorHans-Egon Haß
year1965
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160908
projectidfde7081e
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Abschied von Heidelberg

Ansprache, gehalten beim Festbankett in der Stadthalle zu Heidelberg am 26. Juli 1928.

Es ist ein Erlebnis schönster Art, das mit dem Besuche Heidelbergs in mein Dasein getreten ist. Vom ersten Tage an umfing mich die Sonnenwärme dieser altehrwürdigen, ewig jungen Blumen-, Wald-, Berg- und Neckarstadt und zugleich die Sonnenwärme verwandter Seelen. Ich erlebte das Wunder, alte und echte Freunde zu finden, von deren Dasein ich nichts gewußt hatte, Träger klangvoller Namen, die mich wie einen alten Bekannten willkommen hießen. Und so gehe ich, über alles Erwarten beschenkt, von hier fort, wenn ich morgen heimreise, beladen mit Gewinsten edelster Art, von denen man weiß, weil man sie fühlt, und die deshalb so groß sind, weil im Gefühl unser tiefster Besitz überhaupt beruht, und deshalb so beglückend, weil eben wiederum Glück nichts anderes ist als Gefühl.

Sie haben ein Werk von mir in die Heidelberger Festspiele aufgenommen, das ist eine große Ehrung für mich, für die ich der Festspielgemeinde und ihrem Leiter danke. Ich genoß in der Aula der berühmten Universität Gastfreundschaft. Und Seine Magnifizenz, ihr Herr Rektor, hat unvergeßbare Worte in meine Seele geschrieben, das war die andere große Ehre für mich. Und nun erlebe ich diese dritte, mir erwiesen von der Stadt Heidelberg, die mich kleinmütig machen müßte, wenn ich dafür ein Äquivalent in meinem Wesen suchen sollte. Aber ich darf sie hinnehmen als eine Bekundung freier menschlicher Sympathie, die immer über Verdienst beschenkt.

Lassen Sie mich ganz einfach mit dem von jeher zur Ohnmacht verurteilten Wort »Ich danke Ihnen« Dank sagen: Ich danke Ihnen, meine Gastfreunde! Und lassen Sie mich hinzufügen, ich fühle in diesen Augenblicken das alte und edle Wesen der Gastfreundschaft, deren bestes Teil im Gemüt verborgen ist und ebenso sich im Gemüt entschleiert. Aber ich darf nicht schließen, ohne Sie nach alter Sitte zu bitten, mit mir das Glas zu erheben und es zu leeren auf diese im deutschen Geiste unsterbliche Stadt Heidelberg und auf das Gedeihen ihrer Kinder und Kindeskinder an Leib und Seele für alle Zeit! Das liebliche Heidelberg: hoch, hoch, hoch!

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