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Um eines Haares Breite

Headon Hill: Um eines Haares Breite - Kapitel 9
Quellenangabe
authorHeadon Hill
titleUm eines Haares Breite
publisherVerlag von J. Engelhorn
year1898
translatorF. Mangold
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180101
projectidc06595ab
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Achtes Kapitel.
Das Haus in der Rue St. Pol

Der Inspektor nahm die Einladung an, und Fortescue lief hinauf, um sich bei den Damen zu entschuldigen, daß er nicht mit ihnen in ihrem Zimmer frühstücken könne. Sein Grund, er habe einen Bekannten getroffen, genügte der älteren Dame, Laura aber folgte ihm auf den Gang.

»Hoffentlich ist es nicht wieder ein so fragwürdiger Freund wie dieser Mr. Volborth,« sagte sie. »Aber im Ernst gesprochen, Spencer, ich habe dich im Zuge nicht begreifen können. Ich fürchtete, du seist im Begriffe, Dubrowski der Fürstin zu verraten.«

»Wenn ich mich von dem günstigen Eindruck hätte leiten lassen, den sie auf dich gemacht hat, meine Kleine, so würde ich das für kein großes Unglück gehalten haben,« antwortete Fortescue, auf den Busch klopfend.

»Einen besonderen Eindruck hat sie mir gar nicht gemacht, außer dem, daß sie eine Katze ist,« antwortete Laura bissig. »Ich habe ihr geholfen, wie ich allen denen helfen würde, die von diesen Untieren von russischen Spionen verfolgt werden, aber die Art, wie sie ihre Augen gegen dich spielen ließ, hat mir gar nicht gefallen. – Hattest du einen geheimen Beweggrund, als du ihr von dem Verdacht erzähltest, der auf einen Offizier des Gefolges gefallen sein sollte?« fuhr sie, rasch in eine andre Sprechweise verfallend, fort.

»Allerdings,« erwiderte Fortescue ernst. »Ich hatte Grund zu der Annahme, daß durch diese Fürstin Olga Palitzin – wie, darauf kommt es nicht an – Ilmas Nebenbuhlerin hören werde, daß Dubrowski beargwöhnt wird. Siehst du, worauf ich hinaus will? Die unsichtbare Zauberin, die den jungen Esel in ihren Netzen hält, wird, wenn meine Annahme zutrifft, aufhören, ihn als Mittelsperson bei der gefährlichen Verschwörung zu gebrauchen, wovon die russische Polizei Wind hat.«

»Wenn du so fortfährst, wirst du gewiß einmal Botschafter in Paris werden,« lautete die schmeichelhafte Antwort. »Daß du einen geheimen Zweck verfolgest, dachte ich mir; aber das war ja ein geradezu genialer Gedanke. Wie erfreut würde Ilma sein!«

»Ich muß nur machen, daß ich fortkomme, ehe du mir mit deinen Schmeicheleien den Kopf verdrehst. Außerdem darf ich meinen Freund auch nicht länger warten lassen.«

»Noch ein Wort,« bat Laura, indem sie ihm an die Treppe folgte. »Ist – ist diese Palitzin die schlechte Person, die hinter Ilmas Kummer steckt?«

»Ein Glied derselben Familie, Liebchen,« erwiderte Fortescue und lief die Treppe hinab, bevor eine weitere Frage an ihn gestellt werden konnte, denn er fürchtete, daß es, wenn sein lebhafter kleiner Schatz die ganze Wahrheit aus ihm herausholte, einen schlimmen Auftritt geben könne, falls sie der Fürstin in Boulogne begegnete.

Inzwischen hatte Inspektor Melton zwei Plätze im Saale belegt, und als Fortescue wieder eintrat, fand er ihn nicht nur bereit, sondern sogar sehr eifrig darauf bedacht, auf Delaval zurückzukommen. Der Grund zeigte sich sehr bald. Seiner Geheimniskrämerei getreu, hatte Volborth den englischen Fahnder nicht über die rein russische Seite der Verschwörung aufgeklärt, und Melton war natürlich sehr begierig, alles zu hören, was ihm Fortescue sagen konnte. Das war freilich so viel als nichts, denn da er dazu nicht ermächtigt war, hielt er sich nicht für berechtigt, etwas zu enthüllen, was er nur infolge seiner persönlichen freundschaftlichen Beziehungen zu Volborth erfahren hatte. Die Nachricht von der Freilassung Anna Tschigorins diente nur dazu, Meltons Verstimmung zu vergrößern.

»Dafür schulde ich Volborth wahrlich keinen Dank,« sagte er verdrießlich. »Wie können wir jenseits des Kanals eine Verantwortung übernehmen, wenn er das Wesentlichste, das er weiß, für sich behält? Anna Tschigorin geht mich nichts an; sie ist eine so weltbekannte Verbrecherin, daß sie wohl schwerlich wagen wird, sich in England blicken zu lassen. Die unbekannten und deshalb gefährlichsten, wie dieser Delaval, auf die möchte ich meine Hand legen. Nun sehen Sie einmal, was dieser Volborth dadurch angerichtet, daß er mir Delavals Anschlag nicht telegraphiert hat!«

Hierauf erzählte der Inspektor, Delaval habe seine Aufmerksamkeit zuerst dadurch auf sich gelenkt, daß er in Antwerpen sehr häufig in Gesellschaft gewisser berüchtigter amerikanischer Irländer gesehen worden sei. Aus diesem Grunde sei er ihm nach Breslau gefolgt, wo er sich bei der ersten Veranlassung mit der deutschen Polizei in Verbindung gesetzt haben würde, wenn der Mann nicht fast sofort wieder nach Boulogne abgereist wäre. Dort sei er jedoch nur wenige Stunden geblieben und dann wieder nach Breslau gefahren, und es habe sich fast derselbe Vorgang abgespielt, nur mit dem Unterschiede, daß Melton diesmal Volborth getroffen hatte, der indessen mehr neugierig als mitteilsam gewesen war.

Wieder sei Delaval nach ganz kurzer Zeit nach Boulogne zurückgekehrt. Melton, der ihm abermals auf dem Fuße folgte, sei zu seiner großen Ueberraschung am Morgen nach seiner Ankunft von Delaval auf der Straße angeredet worden. Er wisse wohl, hatte dieser gesagt, daß er infolge seines Verkehrs mit gewissen anrüchigen Persönlichkeiten beobachtet werde; aber er wünsche, sich von dieser Verbindung frei zu machen, ehe er zur Teilnahme an einem Verbrechen gezwungen werde, und wenn man ihm erlauben wolle, unbelästigt nach Amerika zurückzukehren, werde er Melton wertvolle Enthüllungen in betreff seiner Genossen machen, die demnächst nach Antwerpen kommen würden, um dort eine Reihe von Verbrechen vorzubereiten, die in England ausgeführt werden sollten. Seine wiederholten Besuche in Breslau hatte Delaval mit dem Verlangen erklärt, eine Probe anzustellen, ob er wirklich verfolgt werde.

»Die Enthüllungen, die er mir machte, waren in der That überraschend und paßten zu dem, was ich schon aus andern Quellen wußte,« sagte Melton. »Mit dem Zuge nach Havre, von wo er segeln wollte, habe ich ihn selbst abfahren sehen, um dann hier zu warten, bis die andern von Antwerpen kämen – und nun lassen Sie auf einmal diese Bombe unter meinen Füßen los!«

»Und was ist jetzt Ihre Ansicht?« fragte Fortescue.

»Daß er seine Spießgesellen verraten hat, um von mir loszukommen und einen neuen Anschlag gegen den Zaren vorzubereiten,« antwortete Melton. »Aus eigenem Antriebe würde er eine solche Verräterei kaum gewagt haben, und ich nehme an, daß ihm die Leiter seiner Verbindung die Anweisung dazu gegeben haben, für die er wahrscheinlich ein wertvolleres Glied ist als diejenigen, welche er verraten hat. Vor einiger Zeit waren diese zweifellos gefährlich, aber sie sollen jetzt vollständig heruntergekommen sein, und es liegt gar nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit, daß die Häupter der Verschwörung froh waren, sie los zu werden, und daß sie sie deshalb als Köder benutzt haben, um unsre Aufmerksamkeit von den wirklich gefährlichen Personen abzulenken.«

Einige Augenblicke verharrte Fortescue in Schweigen. Meltons Schlußfolgerungen waren klar und einfach und sind durch die späteren weltbekannten Vorgänge vollauf bestätigt worden.

»Und – Sie erwähnten vorhin eines Geheimschriftschlüssels?« fragte er bald darauf.

»Ja, den verdanke ich einem reinen Glücksfall – obgleich Sie so freundlich waren, mir einige Schmeicheleien darüber zu sagen,« antwortete der Fahnder. »Delaval habe ich vorgestern morgen nach dem Bahnhofe begleitet. An dem nämlichen Nachmittag zeigte mir die Kellnerin einer der englischen Schankwirtschaften, die er zu besuchen pflegte, den Schlüssel. Das Mädchen wußte, daß ich ein gewisses Interesse an Delaval nahm.«

»Hat sie Ihnen den Schlüssel gegeben?« fragte Fortescue, seine Spannung so gut als möglich verbergend.

Statt aller Antwort zog der Inspektor eine umfangreiche Brieftasche hervor, der er ein ziemlich schmutziges Papier entnahm.

»Da ist das verwünschte Ding,« sagte er, indem er es Fortescue überreichte. »Nützt uns nicht viel – wenn wir keine von ihren Briefen haben, die wir damit entziffern können.«

Mit unverhohlenem Interesse ließ Fortescue seine Augen über das Papier wandern.

»Ich weiß nicht, bis zu welchem Grade Sie auf Volborth erzürnt sind,« sagte er, »aber wenn Sie Gnade für Recht ergehen lassen und mir erlauben wollen, dies für ihn abzuschreiben, kann es von sehr großem Nutzen sein.«

»O, ich habe nichts gegen Volborth, außer seinem verkehrten Verfahren,« erwiderte der Inspektor. »Schreiben Sie es nur ab, aber ich kann nicht so lange hier bleiben, da ich einen meiner Leute, der mit dem Boot kommt, erwarten muß. Behalten Sie den Schlüssel also nur und geben Sie ihn mir morgen wieder. Ich spreche Sie jedenfalls noch vor Ihrer Abreise.«

Kaum war Melton gegangen, als Fortescue das Telegramm hervorzog, das er in Amiens für die Fürstin aufgegeben hatte, und es mit dem Schlüssel verglich. Dieser war anwendbar, und einige Minuten genügten, die Anweisungen, die an »Serjow, poste restante, Kopenhagen« abgegangen waren, ins Französische zu übersetzen. Sie lauteten:

»Alle Versuche in Dänemark sind aufzugeben. Dubrowski gilt für verdächtig und ist nicht mehr zu gebrauchen. Alle Pläne müssen geändert werden, demnach sofortiges Zusammentreffen im Centrum Nr. 4.

Olga Palitzin.«

Sehr zufrieden mit dem raschen und erwünschten Ergebnis seiner zufälligen Begegnung mit der Fürstin, faltete er Telegramm und Schlüssel zusammen und barg sie in seinem Taschenbuche. Um Ilma Vassilis willen freute er sich, zu erfahren, daß ihr thörichter Verlobter aus seiner gefährlichen Sklaverei erlöst werden sollte, und für die Sicherheit des Zaren war die im Taubenschlage der Verschwörer erregte Unruhe auch nur vorteilhaft. Der Verzug, den das Entwerfen neuer Pläne im Gefolge hatte, mußte, wie Fortescue glaubte, diese Wirkung haben, und es war nicht ausgeschlossen, daß die Verschwörer, durch ihre wiederholten Mißerfolge entmutigt, ihre verruchten Pläne ganz aufgaben.

»Ob Volborth gerade sehr erfreut sein wird, daß er nun von vorn anfangen muß, ohne dabei auf Dubrowski zählen zu können, steht freilich auf einem andern Blatte,« dachte er, als er sich vom Tisch erhob. »Ich muß mein Gewissen dadurch beruhigen, daß ich ihm eine Abschrift des Schlüssels schicke.«

Schon hatte er die Thür fast erreicht, als er an einem Tische, der in ziemlich beträchtlicher Entfernung von dem stand, woran er und Melton gefrühstückt hatten, die Fürstin Palitzin selbst bemerkte. Daß sie bei seinem Eintritt nicht dagewesen war, dessen war er sicher, und daß er sie nicht früher bemerkt hatte, lag daran, daß Inspektor Melton in seinem Fahnderinstinkt den Platz gewählt hatte, wo er das Zimmer übersehen konnte, so daß Fortescue der Fürstin den Rücken gekehrt hatte. Als er jetzt an ihrem Tische vorbeiging, schien sie sich seiner Anwesenheit ebenso unbewußt zu sein. Nicht einen Augenblick ließ ihre Aufmerksamkeit für die fesselnde Unterhaltung ihres Gefährten nach, eines großen alten Mannes mit einem langen weißen Barte und buschigen Augenbrauen, die sich über einem Paare tief liegender Augen wölbten.

Fortescue trat auf den Flur hinaus und hielt hier einen vorbeieilenden Kellner an.

»Ermitteln Sie doch für mich, ob die Dame in dem Pelzmantel am zweiten Tische von der Thür und der alte Herr, der bei ihr sitzt, hier im Hause wohnen,« sagte er, allein der Kellner war im stande, diese Frage ohne Erkundigungen zu beantworten. Weder die Dame, noch der Herr wohnten im Gasthofe, aber sie waren während der letzten Tage häufig zum Frühstück und Mittagessen gekommen.

Fortescue belohnte den Mann mit einem Franken, eilte hierauf in sein Zimmer und kleidete sich rasch um. Nachdem er in Hinsicht auf Dubrowski einen Knüppel in Volborths Rad gesteckt hatte, fühlte er, daß er seinen Freund nicht besser entschädigen könne, als indem er der Fürstin nachging, wenn sie das Haus verließ. Wohl wußte er, wie schwierig es sein würde, ihr am hellen Tage zu folgen und dabei unbemerkt zu bleiben, aber die Möglichkeit, daß sie ihn zum Hauptquartier der Bande führen könne, – vielleicht nach dem geheimnisvollen »Centrum Nr. 4.« – lag doch vor und war zu wichtig, als daß er sie sich hätte entgehen lassen mögen. Wenn ihm diese Höhle bekannt wurde, konnte man sich ruhig darauf verlassen, daß Volborth alle Bewegungen der Missethäter scharf genug überwachen und ihre Fähigkeit, Böses zu thun, vollkommen lahm legen werde.

Nachdem er eine Norfolker Joppe angelegt und einen alten Filzhut aus der Tiefe seines Handkoffers hervorgezogen hatte, eilte er wieder hinab – um zu finden, daß er zu spät kam. Die Fürstin und ihr Begleiter mit den leidenschaftlichen Augen hatten das Gasthaus vor zwei Minuten verlassen. Für gewöhnlich pflegte der junge Diplomat nicht zu fluchen, allein bei dieser Gelegenheit entfuhr ihm doch ein gepfeffertes Wort. Daß die Sache nicht gebessert wurde, wenn er den Kellner ausschalt, sagte er sich jedoch gleich selbst, worauf er nach seinem Zimmer zurückkehrte, sich wieder umkleidete und Lady Metcalf und Laura aufsuchte. Noch immer regnete es in Strömen, so daß von Ausgehen keine Rede sein konnte, und nachdem das Trio sich, so gut es ging, während des trüben Nachmittags unterhalten hatte, nahm Fortescue das Diner mit den Damen in ihrem Zimmer ein. Gegen Ende dieses Mahles überbrachte ihm der Kellner einen Brief, der eben im Hause für ihn abgegeben worden war. Beim Erblicken der Aufschrift bedurfte Fortescue all seiner Selbstbeherrschung, um ein Zusammenfahren zu unterdrücken, denn die kühne, klare Handschrift war die nämliche, worin das Telegramm geschrieben war, das jetzt in seinem Taschenbuche ruhte. Doch gelang es ihm, in gleichgültigem Tone zu fragen, ob der Ueberbringer auf Antwort warte, und nachdem dies verneint worden war, erbat und erhielt er Lady Metcalfs Erlaubnis, den Brief zu lesen.

»497 Rue St. Pol, Boulogne.

Geehrter Herr! Sie waren heute morgen so gütig, mir eine kleine Gefälligkeit zu erweisen, und auch von Ihren liebenswürdigen Freundinnen habe ich verschiedene Beweise des Wohlwollens empfangen. Das gibt mir den Mut, noch weitere Ansprüche an Ihre Güte zu erheben und Sie zu bitten, mich um neun Uhr heute abend in der oben angegebenen Wohnung zu besuchen. Ich möchte Sie um Ihren Rat bitten und, wenn Sie mir diesen zu teil werden lassen wollen, auch um Ihre Hilfe in einer für mich sehr peinlichen Angelegenheit. Aus Gründen, die ich Ihnen später erklären will, muß ich Sie indes ersuchen, allein zu kommen.

Genehmigen Sie die Versicherung etc. etc.
Olga Palitzin.«

Da er fühlte, daß Lauras Augen auf ihm ruhten, bemühte er sich, seine Genugthuung über diese Nachricht nicht merken zu lassen. Da war die Spur, die er früher am Tage verloren hatte, und er brauchte sie nur wieder aufzunehmen. Das Gefühl, er schulde Volborth eine Entschädigung dafür, daß er ihn des Fadens beraubt hatte, der ihn durch Dubrowski auf die Verschwörer führen sollte, hatte an Stärke zugenommen, und er gelobte sich, dieses Abenteuer bis zu Ende durchzuführen. Der Gedanke an persönliche Gefahr kam ihm gar nicht in den Sinn, obschon er wußte, daß er es mit entschlossenen und vor keinem Mittel zurückschreckenden Verbrechern zu thun hatte, und obgleich von Natur furchtlos, würde er sich doch nicht unter sie gewagt haben, wenn er geglaubt hätte, daß sie ihn für einen thätigen Gegner hielten. Allein außer der Thatsache, daß er in Meltons Gesellschaft gesehen worden war, lag nichts vor, was sie veranlassen konnte, ihn in Verbindung mit ihren natürlichen Feinden zu bringen, und er glaubte nicht, daß sie an eine solche Verbindung dächten. Der englische Fahnder hatte Olga Palitzin und ihren Begleiter im Gasthof ganz bestimmt nicht erkannt, obgleich er sie von seinem Platze aus genau hatte sehen können, und so lag die Annahme nahe, daß auch er ihnen unbekannt war.

Alles das ging Fortescue durch den Kopf wie ein Blitz, und als er die Einladung wieder zusammengefaltet hatte, war er bereit, die in Lauras Augen liegende Frage zu beantworten.

»Das Briefchen ist von der Fürstin Palitzin,« begann er, nachdem er Laura beiseite gezogen hatte. »Ich habe eigentlich Lust, zu ihr zu gehen. Was das Frauenzimmer von mir wünscht, weiß ich freilich nicht, aber vielleicht kann ich durch sie Ilmas Aussichten verbessern.«

»Dann mußt du unter allen Umständen gehen,« erwiderte Laura, den Brief rasch durchfliegend. »Ich kann allerdings nicht behaupten, daß die Dame mir besonders gut gefallen hätte; sie machte einen so blutlosen und kalten Eindruck.«

»Nun, Geheimnisse werde ich ihr nicht anvertrauen,« antwortete Fortescue. »Vielmehr werde ich versuchen, hinter die ihren zu kommen, und sieh mal hier, meine Kleine. Hier sind zwei Schriftstücke, weder sehr sauber, noch sehr interessant, aber ungeheuer wichtig, die ich nicht mit mir herumzutragen wünsche. Willst du so gut sein, sie in Verwahrung zu nehmen und sie unter keinem Vorwand irgend jemand außer mir selbst persönlich auszufolgen?« Dabei zog er den Geheimschriftschlüssel und das Telegramm der Fürstin an Serjow hervor und übergab sie Laura.

Diese nahm sie an und schnitt eins ihrer ausdrucksvollen Gesichter, als sie die geheimnisvolle Natur der ihr anvertrauten Dinge erkannte.

»In Hinsicht auf dunkle Wege und schlaue Kniffe kann sich selbst ein Chinese nicht mit dir messen,« sagte sie, als sie die Papiere in ihrem Handtäschchen verschloß. »Du mußt doch etwas sehr Nettes an dir haben, daß du dir diese Geheimniskrämerei erlauben kannst, ohne das Vertrauen deiner Allerergebensten zu erschüttern.«

»Ich glaube, wir haben beide etwas Nettes an uns, besonders du, Liebchen: dein ehrliches Vertrauen,« antwortete er. Als Laura ihm noch gesagt hatte, sie werde nicht zu Bett gehen, bis er zurück sei, suchte sie ihre Mutter wieder auf, und Fortescue begab sich nach seinem Zimmer, um sich einen Ueberzieher zu holen, denn die Nacht war kühl. Nachdem er seinen Anzug so vervollständigt hatte, war er im Begriffe, die Stube zu verlassen, als ihm ein nachträglicher Gedanke kam. Er öffnete seinen Handkoffer und entnahm diesem einen kleinen Revolver, den er in die Tasche steckte.

Die Vorstellung der Möglichkeiten, die diese Handlung in ihm erweckte, machte es ihm zum erstenmal klar, daß in dem, was er vorhatte, eine Spur von romantischer Abenteuerlichkeit stecke, und da er sich bisher mit einem gewissen Stolze für einen sehr prosaischen Menschen gehalten hatte, so lachte er sich selbst etwas aus. Sodann begann er während der Fahrt über das holperige Pflaster die Beweggründe zu untersuchen, die ihn veranlaßt hatten, sich in eine Angelegenheit zu stürzen, die die Mitnahme einer Pistole wünschenswert machte.

»Lauras Begeisterung und das Gefühl, daß gegen den armen Schelm Dubrowski ein unehrlich Spiel gespielt werde, haben mir die erste Anregung gegeben, und jetzt, wo ich ihn, wie ich hoffe, auf Volborths Kosten aus seinen Schlingen befreit habe, bin ich von dem Wunsche beseelt, dem scharfsinnigen Paul dadurch ein quid pro quo zu liefern, daß ich ihm wertvolle Nachrichten verschaffe. Und dann – ja, ich fange an, Geschmack an derartigen Dingen zu finden, jedenfalls sind sie eine gute Uebung.«

Das waren seine Gedanken, als die Droschke die Straßen des alten Stadtteils hinanfuhr, woraus er entnahm, daß er sich seinem Bestimmungsorte näherte. Die grellen Lichter der Läden und Gasthöfe lagen schon lange hinter ihm, und er rumpelte jetzt durch ein Netz enger und schlecht beleuchteter Gassen, deren alte Häuser das Ansehen scheuer Zurückgezogenheit hatten, worüber ihm einfiel, daß die Rue St. Pol in etwas anrüchigem Rufe stand.

Plötzlich hielt die Droschke vor einem Hause; das man, wenn nicht im Oberlicht über der Thür ein schwacher Lichtschimmer sichtbar gewesen wäre, für unbewohnt hätte halten können, so dunkel waren seine Fenster. Fortescue, der das Aeußere des Palitzinschen Palais an der Großen Morskaja in Petersburg kannte, fühlte unwillkürlich nach seiner Pistole, denn der Gedanke, daß sich die Besitzerin jenes glänzenden Gebäudes in diesem elenden Hause aufhalte, stellte ihm alle Möglichkeiten, die jenseits der Schwelle lagen, noch einmal lebhaft vor Augen.

Indem er den Kutscher zu warten hieß, stieg er die schmutzigen Stufen hinan und zog an einem altmodischen eisernen Klingelgriff, worauf ein anhaltendes Rasseln in einem fernen Raume erschallte, allein das rasche und geräuschlose Oeffnen der Thür beinahe in demselben Augenblick, wo die Glocke zu läuten anfing, bewies, daß der Pförtner gewartet hatte und bereit war. Ein kleiner Mann mit wirrem Haar stand vor ihm, aber Worte wurden zwischen ihnen nicht gewechselt. Der Thürhüter, dem der in Aussicht stehende Besuch wohl genau beschrieben sein mochte, musterte ihn von oben bis unten, ließ ihn ein und schloß die Thür augenblicklich wieder mit einem metallischen Schnappen, das Fortescue etwas auf die Nerven fiel.

»Das klang gerade wie das Zuschnappen einer Mausefalle,« dachte er, als der kleine Mann den Griff einer Thür drehte und ihn durch eine Handbewegung einlud, einzutreten, und sowie er über die Schwelle geschritten war, stand die Ueberzeugung in ihm fest, daß es wirklich eine Falle war, in die er sich so leicht hatte locken lassen, denn am oberen Ende eines schäbigen Tisches saß Olga Palitzin, ihr zur Rechten der alte Mann mit den feurigen Augen und zur Linken – Delaval, sehr weit davon entfernt, auf der Rückreise nach Amerika zu sein. Ein rascher Blick zeigte Fortescue auch, warum das Haus von außen so vollkommen dunkel gewesen war: die Fenster hatten dicke hölzerne Läden, die mit starken eisernen Stangen verwahrt waren.

Bei Fortescues Eintritt sahen die drei auf, und die Fürstin faltete langsam eine Karte zusammen, die sie eifrig betrachtet hatten. Ihre ersten Worte waren nicht an ihren Besucher gerichtet, sondern an Delaval, und Fortescue war nicht wenig erstaunt, sie fließend englisch sprechen zu hören. Im Eisenbahnzug hatte sie ihre Kenntnis dieser Sprache sorgfältig verborgen, und daß sie sie jetzt offen gebrauchte, wies darauf hin, daß sie ihm gegenüber Geheimhaltung nicht mehr für nötig hielt.

»Ist es derselbe?« fragte die Fürstin in ihrer gleichmäßigen, ausdruckslosen Sprechweise.

»Ja, es ist derselbe,« antwortete Delaval, indem er Fortescue mit einem häßlichen, boshaften Blicke ansah.

»Bitte, setzen Sie sich,« sagte die Fürstin, wobei sie auf einen Stuhl wies, der ihr gegenüber am andern Ende des Tisches stand. »Ich möchte ein paar Fragen an Sie richten, und darnach – ja, darnach werden wir wohl mit ihm fertig sein, meine Herren?«

Der Amerikaner beantwortete diese Frage mit einem widerwärtigen Kichern, und der Graubart nickte dreimal, wobei seine tief in ihren Höhlen liegenden Augen wütender als je aussahen. Fortescue war im Begriffe, sich mit möglichst so sorgloser Miene zu setzen, als ihn leise Schritte, nicht von einem, sondern von mehreren Menschen, im Gange draußen veranlaßten, seinen Stuhl so zu drehen, daß er die Thür ebenso gut als die Fürstin und die beiden Männer im Auge behielt. Alle Sinne in ihm waren wachsam, und er hatte keine Lust, sich in den Rücken fallen zu lassen.

»Zwei Vorfälle, Mr. Fortescue, haben unsre Beziehungen seit heute morgen geändert,« hob die Fürstin an. »Zunächst habe ich meinen Freund, den Oberst Delaval, hier getroffen, und er hat mir einige interessante Thatsachen über meine freundlichen Reisegefährtinnen von heute morgen mitgeteilt, nämlich, daß ihn einige von ihnen der Gastfreundschaft der Baronin Lindberg in Breslau beraubt haben.«

»Der Grund dafür ist Herrn Oberst Delaval seiner Zeit ausreichend erklärt worden,« antwortete Fortescue vollkommen gelassen, obgleich diese Offenbarung eine unangenehme Bedeutung für ihn hatte. »Er war auch vollkommen einverstanden, und ich kann mir nicht denken, daß es eine wirkliche Unannehmlichkeit für ihn war, das Haus gerade in dem Augenblick verlassen zu müssen.«

»Das mag sein,« erwiderte die Fürstin, »und ich führe es auch nur an als Beweis eines Mangels an Freundlichkeit. Wie ich ferner annehme, hat sich Oberst Delaval bei einer Ihrer Begleiterinnen auch dafür zu bedanken, daß ein gewisses, von ihm im Hause der Frau von Lindberg zurückgelassenes, Gepäckstück entfernt worden ist?«

»Fürstin Palitzin, ich weiß weder was ich von dem Ton Ihres Verhörs halten soll, noch worauf Sie damit eigentlich hinauswollen,« antwortete Fortescue kühn. »Ich habe etwas von der Wegschaffung eines Koffers durch einen Deutschen, einen Herrn Winkel, wenn ich nicht irre, gehört.«

Jetzt steckten die drei die Köpfe zusammen und flüsterten eine Weile miteinander.

»Herr Winkel« war ihnen augenscheinlich ein Rätsel.

»Können Sie mir sagen, ob Restofski, der russische Polizeibeamte, etwas mit der Entdeckung zu thun hatte?« fragte die Fürstin aufschauend.

»Herrn Restofski zu kennen, habe ich nicht die Ehre,« entgegnete Fortescue, erfreut, auf diese Weise zu erfahren, daß Volborths Inkognito noch unberührt war. »Und nun, Fürstin,« fügte er hinzu, entschlossen, sich über seine eigene Lage Klarheit zu verschaffen, »da ich nicht im stande zu sein scheine, Ihnen viel Auskunft zu geben, gestatten Sie mir wohl, mich zu entfernen?«

Delaval stieß ein rohes Lachen aus, und des großen alten Mannes Augen funkelten wie glühende Kohlen, als sich der Besucher erhob.

»Nicht so rasch, Sie vorwitziger Herr Engländer, wenn es Ihnen gefällig ist – die Hausthür ist gut bewacht,« rief die Fürstin, die Maske abwerfend. »Jetzt kommt erst die wichtigste Sache, weswegen ich Sie hierher berufen habe. Geben Sie sofort den Geheimschriftschlüssel heraus, den Sie heute morgen von dem englischen Polizeibeamten erhalten haben, ebenso wie das Telegramm, das Ihnen anzuvertrauen, ich so thöricht war.«

Niemand wußte besser als Fortescue, daß er in Lebensgefahr war, denn jetzt konnten sie nicht mehr wagen, ihn gehen zu lassen; allein trotzdem war das vorherrschende Gefühl Aerger auf sich selbst über die falsche Rechnung, die er angestellt, indem er das Erkennen Meltons durch einen der Verschwörer außer acht gelassen hatte. Vielleicht konnte es auch sein – und er hoffte, daß das das Richtige war – daß Melton nur nach der von Delaval von ihm gemachten Beschreibung erkannt werden und daß die Annahme über die Natur des Papiers, das dieser ihm gegeben hatte, nur eine nachträgliche Vermutung war. Wie es aber auch sein mochte, seine Lage wurde dadurch nicht anders, und er mußte ihr ins Gesicht sehen.

»Weder den Geheimschriftschlüssel noch das Telegramm habe ich bei mir,« erwiderte er, während er mit der Hand, die er in der Tasche behalten hatte, seinen Revolver umspannte. Gleich darauf riß er die Waffe hervor und richtete sie auf den schönen Kopf der Fürstin, als infolge eines von ihr gegebenen Zeichens ein halbes Dutzend Männer mit Messern in den Händen die Thür füllten.

»Halten Sie Ihre Halunkenbande zurück, oder Sie sind ein Kind des Todes!« rief Fortescue. »Hände auf den Tisch, Delaval, wenn Sie nicht wollen, daß ich Ihre Führerin über den Haufen schieße!« fügte er hinzu, als er sah, daß der Amerikaner nach der Hüfte griff. »Nun hören Sie mich an,« fuhr er in französischer Sprache fort, damit die an der Thür stehenden Leute ihn verstehen sollten, »es ist sehr wahrscheinlich, daß es einer so großen Menge Leute gelingen wird, mich zu ermorden, aber zu einem bin ich fest entschlossen: bei der ersten Bewegung, die auf die Ausführung dieser liebenswürdigen Absicht deutet, jage ich der Fürstin eine Kugel durch den Kopf.«

War er im Anfang allzu sorglos in Hinsicht auf seine eigene Sicherheit gewesen, so machte ihn sein entschlossenes Auftreten jetzt, wenigstens vorübergehend, zum Herrn der Lage. So lange jener glänzende Pistolenlauf das wichtigste Leben im Zimmer bedrohte, war die ganze Bande lahm gelegt. Der bärtige Alte schnatterte wie ein Affe, Delaval murmelte Flüche, und nur Olga Palitzin bewahrte ihre Ruhe.

»Sie sind ein mutiger und tüchtiger Mann, Mr. Fortescue,« sagte sie, »viel zu mutig und klug, als daß wir Sie lebend von hier weggehen lassen dürften. Das bedaure ich aus mehreren Gründen, allein ich muß andre Mittel anwenden, dieser Klemme ein Ende zu machen.«

Ihre Stimme etwas erhebend, sprach sie rasch einige Worte in russischer Sprache zu den Leuten an der Thür. Was sie sagte, war Fortescue natürlich unverständlich, allein das Ergebnis war, daß er die Hausthür zufallen und dann Räderrasseln hörte, woraus er schloß, daß ein Bote abgesandt und seine eigene Droschke dazu benützt worden sei.

»Inzwischen bleiben dieselben Bedingungen unter allen Umständen bestehen,« sagte er. »Beim geringsten Anzeichen einer beabsichtigten Gewaltthat schieße ich,«

So gingen die Minuten vorüber, Fortescue hielt seinen Revolver auf den Kopf der Fürstin gerichtet, die drei Führer am Tische flüsterten untereinander, und die Männer an der Thür drehten ihre Messer in den Händen hin und her. –

Etwa zu derselben Zeit, wo Fortescue seine Waffe erhob, sagte Laura Metcalf ihrer Mutter gute Nacht und zog sich zurück. Dann setzte sie sich hin, um sich die Zeit bis zur Rückkehr ihres Verlobten mit den Freuden und Leiden ihres augenblicklichen Helden und ihrer Heldin zu vertreiben. Eine halbe Stunde mochte sie gelesen haben, als ein Kellner ihr meldete, es sei ein Bote von Mr. Fortescue da und frage nach ihr.

»Führen Sie ihn augenblicklich herauf,« befahl sie, indem sie das Buch beiseite warf, und gleich darauf versuchte sie, das schlechte Französisch eines kleinen Mannes mit wirrem Haar, das ein höchst abstoßendes Gesicht krönte, zu verstehen.

»Der Herr wünscht, daß ich ihm die Papiere bringe? Meinen Sie das?« fragte sie, ihn scharf musternd. »Was für Papiere?«

Das war anscheinend eine harte Nuß, und der Mann antwortete nur durch ein unverständliches Grunzen.

»Wo ist Mr. Fortescue? In der Rue St. Pol?« fragte Laura rasch. Es sah ihrem »keimenden Gesandten« gar nicht ähnlich, zu so später Stunde ein solches Verlangen an sie zu richten, und sie wurde von einer unbestimmten Sorge um ihn befallen, die durch das boshafte Lächeln, womit der Mann bejahend antwortete, keineswegs vermindert wurde.

»Nun, also gut; ich werde mit Ihnen gehen,« sagte sie. »Sie haben eine Droschke? Schön, gehen Sie hinunter; ich folge Ihnen auf dem Fuße.«

Nachdem sie sich Mantel und Hut aus dem Zimmer geholt hatte, lief sie hinab und stieg in die Droschke. Während der ganzen Fahrt beobachtete sie Schweigen, das sie erst brach, als sie vor dem Hause vorfuhren, da ihr dieses keinen vertrauenerweckenden Eindruck machte.

»Hier wohnt die Fürstin Palitzin?« fragte sie erstaunt.

Als einen Augenblick später die Hausthür zugeschnappt war, sah sie sich in einem engen Gange, wo eine Gruppe abstoßend aussehender Männer vor einer Thür stand. Die Leute machten ihr Platz und ließen sie eintreten, was sie ohne Zögern that, worauf sie sich hinter ihr wieder zusammenschlossen; und nun sah sie ihren Verlobten, wie er mit auf das Haupt der Fürstin gerichteter Pistole da stand. Eisig kalt überlief es Fortescue, der die Thür aus einem Winkel seines Auges beobachtete, als er erkannte, was vorgegangen war, und es wäre fast sein Verderben gewesen. Delavals Hand begann von neuem nach der Hüfte zu greifen, und das brachte Fortescue zur Besinnung, so daß er seine Pistole wieder fest umklammerte. Olga war die erste, die sprach.

»Haben Sie die Papiere mitgebracht, Miß Metcalf?« fragte sie.

Laura lachte in ihrer liebenswürdigsten, naseweisen Art.

»Halten Sie mich wirklich für so dumm?« antwortete sie. »Ich wollte doch erst einmal sehen, was eigentlich los ist, und, wie es scheint, war diese Vorsicht sehr am Platze. Sind Sie die Person, die Zwietracht zwischen Ilma Vassili und Boris Dubrowski gesät hat?«

Wieder wurden die drei Köpfe am Tische zu flüsternder Beratung zusammengesteckt, und Laura trat an Fortescues Seite.

»Ueberlaß die Sache mir, mein Liebchen,« murmelte er.

»Gewiß, das will ich. Du scheinst die Gesellschaft ja auch unter dem Daumen zu haben,« antwortete sie.

In diesem Augenblick, während die geflüsterte Beratung noch fortdauerte, trat eine plötzliche Unterbrechung ein. Die Hausthür fiel ins Schloß, die Hallunken, die an der Thür des Zimmers standen, gerieten in Bewegung, und ein schönes Weib mit wilden Augen drängte sich durch sie hindurch.

»Anna Tschigorin, Anna Tschigorin!« ertönte es von allen Seiten.

»Flieht, bringt euch in Sicherheit, wenn ihr könnt!« rief diese in französischer Sprache. »Ich komme geradeswegs aus dem Gefängnis zu euch, und erst hier, hier an der Thür entdecke ich, daß man mir gefolgt ist! Die Spione der Sektion sind draußen! Alle unsre zukünftigen Bewegungen werden beobachtet werden!«

»Schnell alle fort! Und Rendezvous im Centrum Nr. 5!« befahl Olga, indem sie sich mit einem ängstlichen Blick auf den Revolver, der, ohne zu schwanken, auf ihren Kopf gerichtet blieb, erhob. In unglaublich kurzer Zeit war das Zimmer leer, mit Ausnahme Lauras und Fortescues, der mit seiner Waffe noch immer auf die Thür zielte, aus der die Fürstin geflohen war.

*

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