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Um die Kaiserstadt

: Um die Kaiserstadt - Kapitel 4
Quellenangabe
type
authorCarl Ferdinand van Vleuten
titleUm die Kaiserstadt
publisherVerlag von Abel & Müller
year1913
illustratorHugo L. Braune
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160614
projectid6fce1c34
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Drittes Kapitel.

Der Ledergroßhändler Varusius besaß in der Saravusstraße ein Haus, dessen ausgedehnter Flächenraum auch an den drei anderen Seiten von öffentlichen Wegen begrenzt wurde. Der Haupteingang war verhältnismäßig niedrig und nicht eben breit, er führte nur zum Herrenhause und zum ersten Hofe. Die Eingänge zum zweiten und dritten Hofe lagen in den Seitenstraßen. Rechts und links von dem Straßentorgang befanden sich ein paar Kramläden, ein Obst- und Zwiebelhändler, eine Wachsverkäuferin, die Verkaufsstelle einer Seilerei. Aber Marmorbilder, die in den Wandnischen zwischen den wenig hohen Fenstern standen, ließen durch ihre südländische Herkunft und den Prunk der Arbeit ahnen, mit welch verschwenderischer Pracht die Empfangs- und Wohnräume im Inneren ausgestattet sein mußten. Ein riesiger, germanischer Türwart mit einem geglätteten Wachholderknüppel in der Faust wandelte schweren Schrittes die Länge des Hauses auf und ab, hundertfünfzig Schritt hin, hundertfünfzig Schritt her, ihm lag es ob, die Ankommenden zurechtzuweisen. Herablassend erwiderte er den beflissenen Gruß der Boten, der Klienten und Besucher; die Fuhrleute, die mit den Fellwagen oder sonstigen Lieferungen heranfuhren, wies er nach den Nebenstraßen, damit sie ihre Wagen an der Seite des Wohnhauses vorbei zu dem zweiten oder dritten Hofe lenkten, wo die ungeheueren Lager des Großkaufherrn sich ausdehnten. Da war den ganzen Tag Lärm und Rufen, da wurden Ballen auf- und abgeladen und die Zahl des Gelieferten aufgezeichnet. Denn neben seinem Lederhandel betrieb Varusius Tauschgeschäfte aller Art nach Nordland, England und Germanien, und besonders nach Kriegen, die irgendwo barbarische Völkerstämme untereinander führten, waren die Unterhändler des Trierer Großkaufmannes zur Stelle und tauschten gegen billiges römisches Ausfuhrgut die gesuchten nordischen Sklaven ein, die Kriegsgefangenen nämlich, die erbeutet worden waren. Um den zweiten und dritten Hof herum lagen in Reihen die Rechenstuben, die Räume für das edelste Pelzwerk, für Marder, Nerz, Biber und Fischotter. Noch weiter zurück befanden sich eine Menge Schuppen, in denen alle Tauschhandelswaren und die Erträgnisse der unabsehbar großen Landgüter des Varusius aufgestapelt waren, soweit sie nicht wegen ihres Geruches, wie z. B. die gewöhnlichen Fellsorten, in langen Scheunen jenseits der rückwärtigen Straße untergebracht waren. Trotzdem lag über den Höfen immer ein Dunst von Rauchwerk, der auch in den ersten Hof hinüberwehte und die Besucher an heißen Sommertagen oft recht aufdringlich daran erinnerte, woher der sprichwörtliche Reichtum des Hauses stammte.

Aber heute war es anders, heute duftete das ganze weitläufige Wohnhaus nach Blumen und frischem Laub. Aus schnellen, zweirädrigen Wagen waren sie von den nächsten Gütern des Varusius angekommen, und Scharen von Sklaven verteilten sie überall hin, besonders in die goldschimmernden Empfangsräume, Rosen, Nelken, und Feldblumen aller Art, die weißen Standbilder und Büsten an der Wand schauten aus einem grünbunten Gewühl von Zweigen und Blüten hervor, und die Decke des Speisesaals war in ein Beet von roten Rosen verwandelt, die nur von feinen Fäden gehalten, während des Mahles plötzlich aus die Festgenossen herabregnen sollten. Denn ein Fest war für den Abend angesagt, Varusius gab es den Befehlshabern der siegreich heimkehrenden Legionen, und der junge Kaiser sogar wollte es durch seine Anwesenheit ehren.

Allenthalben wirbelten emsige Sklaven durcheinander, in der Küche bereiteten sie unter der Aufsicht von einigen feisten Köchen die Speisen vor, schuppten die Fische ab, zerwirkten das Wild, weideten Geflügel aus und kneteten an einem geheimnisvollen Pastetenteig, andere standen mit Schöpfkellen bei der kochenden Hühnerbrühe und rührten, wieder andere unterhielten das Feuer oder ordneten mit dem Kellermeister die Weinkrüge.

In den Räumen der Familienmitglieder im ersten Stock ging es nicht minder lebhaft zu, schon jetzt begannen die zarten Hände der Sklavinnen damit, der Hausherrin eine überaus kunstvolle Frisur zu kräuseln, bei der fast jedes einzelne Haar behandelt werden mußte; manche nähten Goldplättchen und Edelsteine auf die Gewänder auf oder machten sich bei den Töchtern des Hauses zu schaffen, um sie würdig für den Abend herzurichten.

Unterdessen schlüpfte Varusius selbst wie ein Dieb zwischen den entferntesten, letzten Buden seines Stapelplatzes im dritten Hofe umher. Vorsorglich hatte der Hausherr es einzurichten gewußt, daß seit Mittag die am meisten zurückliegenden Schuppen und Vorratsräume niemand mehr zu betreten brauchte.

Der breite, feiste Mann mit dem dünnen, leicht ergrauten Vollbart, der sonst auch nicht einen Finger zu rühren pflegte, stand da an einem kleinen Pförtlein, das sich auf die rückwärtige, übrigens sonst ganz menschenleere Nebenstraße zu öffnete, lugte durch den Spalt und ließ hin und wieder eine trotz des grellen Sonnenbrandes ziemlich vermummte und gebückt einherschreitende Gestalt ein.

In einem verstaubten Raum, -essen Winkel bis zur Decke mit Kisten roter Tonwaren und mit billigen Eisengeschirren angefüllt waren, gegen die Varusius seltenen Bernstein, das kostbare blonde germanische Frauenhaar an den fernen Küsten des Nordmeeres einhandeln ließ, fanden sich die angekommenen, etwa acht Männer zusammen. Man saß auf umgestülpten Kisten und Körben, warf schwitzend die Mäntel zurück und flüsterte miteinander.

Endlich trat der Hausherr wieder ein, er begrüßte jeden einzelnen mit seiner wohltönenden, öligen Stimme. Maternus der Großgrundbesitzer, der Domänenverwalter Koisis, Korumbus, der die Lieferungen für das kaiserliche Heer hatte, Rectomar, der über den vierten Teil des Arduennerwaldes und mehrere tausend Leibeigene gebot und noch vier andere. Sie alle trugen den gallischen Mantel, das Sagum, aber reich geschmückt und bebordet.

Varusius trat in die Mitte der Versammlung, schob mit gezierter Bewegung den Arm vor und begann: »Ihr wißt, daß vor zwanzig Jahren Amandus und Aelianius ein freies gallisches Reich zu errichten versucht haben, das Kaiser Maximilian erst mit ungeheuerer Anstrengung zerstörte; wie Karausius, der Gallier, gegen den Willen der Römer in England Kaiser wurde und sich Jahrzehnte hielt. Wir haben uns zusammen gefunden, um nun wirklich die Herrschaft der Römer auch hier auf gallischem Boden zu brechen. Wir sehen, wie sie nur dadurch bei uns noch herrschen, daß sie Germanen gegen Germanen kämpfen lassen. Wir sind übereingekommen, diese Art ihnen nachzumachen und unsererseits Germanen herzurufen, um mit ihrer Hilfe das große gallische Reich, das Cäsar zerstörte, wieder aufzurichten und die Römer über die Alpen zu treiben. Dazu braucht es nicht viel Geld und wir sind reicher als sie. Wir haben die Abwesenheit des Konstantius gut benutzt, wir sind unserer Anhängerschaft sicher. Konstantins rosiges Gesicht wird fahl werden, wenn er merkt, welch ein Erbe er angetreten hat. Wir wollten diese Nacht in der Herberge der fränkischen Gesandten, die, wie Ihr wißt, eigentlich Gesandte an uns, die zukünftigen Herrscher Galliens sind, uns versammeln. Leider wurde das vereitelt. In meinem Hause sind wir sicher. In wenigen Augenblicken werden die drei Sendlings der Franken und Brukterer und ihr schlauer Führer Theuderich hier sein!«

Mit fliegenden Worten besprach man die Einzelheiten des Planes.

Schließlich sagte Maternus: »Aber wir Gallier wollen doch herrschen und wir werden mit unseren Heerhaufen gegen die Germanen in der Minderzahl sein, nicht zu gedenken, daß die deutschen Krieger viel gewaltiger sind, viel kriegsgewandter als unsere Dorfwehren, die wir erst ein paar Jahre in den Waffen üben. Die Franken und Brukterer werden, wenn wir mit ihnen gesiegt haben, uns entwaffnen und in Knechtschaft nehmen!« »Und dann,« rief der ängstliche Rektomar, »ist es noch besser, römischer als germanischer Knecht zu sein!«

»Er hat nicht unrecht,« nickten die anderen ihm zu.

Varusius entgegnete heftig: »Denkt Ihr denn, daß ich so kurzsichtig sei? Siegen denn nicht auch jetzt die germanischen Söldner in den Schlachten der Kaiser? Verlangen sie deshalb die Herrschaft? Nein, sie wollen nur Brot, Land, einen Besitz! Merogais und Askarich, die Frankenherzöge, werden unsere Feldherrn und mehr nicht.«

»Und wenn sie nicht gehen?«

»Dann sehen wir zu und locken sie weiter nach Süden, nach Italien, nach Rom!«

»Und wenn sie hierbleiben wollen?«

»Dann bringen wir sie in Zwietracht, dann fällt der Germane durch den Germanen.«

»Und wenn sie sich nicht aufhetzen lassen gegeneinander,« fragte der vorsichtige Rektomar, »lieber bin ich römisch als germanisch, das sag ich noch einmal! Was dann also?«

Einen Augenblick stand die glatte Zunge des Lederhändlers still, dann aber sagte er lächelnd: »O, dann ist noch viel, Gift, Dolch und schließlich ... rufen wir eben die Römer zurück, öffnen den Römern die Tore von Trier und bleiben, was wir sind!«

Dieser glänzende Schirmschlag wurde belacht und gebilligt.

Da scholl an der Tür das verabredete dreimalige Klirren des Ringes.

Varusius öffnete und ließ vier Männer ein.

Theuderich war jetzt nicht mehr Orangenhändler, er schritt stolz und gerade und trug mit Anstand römische Gewandung. Ihm folgten Askarich, Merogais und ein Brukterer, der ungeschickt seine ungefügen Glieder in einem gallischen Mantel verbarg.

Man begrüßte die Angekommenen und bedauerte, daß die nächtliche Sitzung durch die Aufmerksamkeit der Straßenwächter gestört sei.

Varusius schüttelte Askarich die Hände und beglückwünschte ihn wegen seiner kühnen Worte im Amphitheater. Man schob ein paar Blöcke hin, das seien die Ehrenplätze, auch für einen guten Trunk hatte Varusius gesorgt: »Dann sind sie williger,« flüsterte er leise auf gallisch dem Maternus ins Ohr.

Darauf nahm der Leiter der Versammlung seine Stelle wieder ein und begann: »Ich glaube, daß ich im Einverständnis mit Euch bin, wenn ich vorschlage, mit dem Beginn des Kampfes gegen die Römer bis zum Spätherbst zu warten, meine Boten haben mit den englischen Gesinnungsgenossen verabredet, daß zu Ende des Monats Oktober in den nördlichen Bergen Englands ein Aufstand ausbrechen soll. Geht dann Konstantin hinüber, so haben wir leichtes Spiel.«

Mit rauher Stimme, die das Römische nur radebrechte, fiel der Brukterer ein: »Ich kann mein Volk nicht so lange warten lassen! Es ist in diesem Jahre Dürre, unser Vieh ist verkommen, wir hungern. Wenn Ihr nicht wollt, nehmen wir andere Wege, ob Trier oder Augusta, ist uns gleich, ich kann nicht abwarten!«

Merogais bezeugte seine Zustimmung: »Auch hat sich der Cäsar Konstantin noch nicht eingewöhnt hier, er wird jetzt überrascht, seine Mannschaften sind noch nicht richtig verteilt, es ist noch nicht straffe Ordnung!«

Lauter redete der Brukterer dazwischen: »Überhaupt, im Winter ist nicht gut Kriegsfahrten machen, im Winter sollen unsere Frauen und Kinder schon unter Dach sein und nicht aus dem Zuge.«

Dem stimmten die Franken zu.

Varusius tauschte einen Blick des Einverständnisses mit seinen Volksgenossen aus, verbeugte sich so geschmeidig, als es seine Leibesfülle zuließ und sagte leichthin: »Gut, gut, wir brauchen uns nicht zu ereifern. Was schlagt Ihr vor?«

Der Brukterer schnarrte, wie ein auswendig gelerntes Gebet, seine Rede herunter: »So ist uns von den Alten aufgetragen worden, ein Teil der Unseligen greift Novaesium unten am Rhein an und brandschatzt die Gegend, Konstantin wird sogleich von Trier aus ausbrechen, um uns zu strafen. Wir locken ihn über den Rhein, dann setzen wir Brukterer bei Andernach über den Fluß, fünfzehntausend Waffenfähige, und ziehen im Sturmmarsch aus Trier, wir treffen uns vorher an verabredeter Stelle mit Euch Franken und Euch Galliern und fallen gemeinsam über die Trierer Besatzung her.«

»Und wo sollen die Heere sich treffen,« fragte Maternus.

»Das wollen wir Euch fragen,« antwortete der Brukterer finster.

Varusius gab sich eine kurze Spanne Zeit den Anschein gespannten Nachdenkens, dann entgegnete er: »Ich besitze nicht allzufern von Ausava ein ausgedehntes Gut. Es liegt dort in einem Tal, das groß genug ist, um uns alle auszunehmen, seine Seitenwände sind hoch, die Lagerfeuer sind nicht weit zu sehen, Wasser ist dort, die Zufuhr kann ich in den Räumen meines Gutes vorher unterbringen, dort wäre die richtige Stelle, von dort kann man in einer Nacht bis nach Trier kommen.«

Die Germanen ließen sich die Örtlichkeit genauer beschreiben und überzeugten sich durch mannigfache Fragen, ob die Stelle geeignet sei und vor allem möglichst unvermerkte Vereinigung gestatte.

»Wir werden,« fuhr Varusius fort, »einige Tage vorher schon dort sein, weil unsere Heerhausen nicht geschlossen heranziehen, sondern sich in kleineren Abteilungen durch die Wälder schleichen und erst dort sammeln müssen.«

Die Franken versprachen zwanzigtausend Krieger, die Gallier nannten dieselbe Zahl, obwohl Maternus sich nicht enthalten konnte, leise mit dem Kopf zu schütteln.

Am bestimmten Tage sollte die Empörung unten am Rhein beginnen, zehn Tage später der Durchbruch der Brukterer vor sich gehen und zu gleicher Zeit die Franken vom Niederrhein her anstürmen.

Theuderich und der Brukterer baten sich aus, den Lederhändler im Laufe der nächsten Woche nach dem Gut zu begleiten, um so den Heeren sichere Führer sein zu können.

Die Franken hatten noch hundert Fragen, aber Varusius erhob wieder seine Stimme: »Und dann gleich nach Trier, das Moseltor wird von innen geöffnet werden. Ich habe unterdessen – denn ich reise, wenn die Vereinigung stattgefunden, auf Eilpferden voraus – die Stadt vorbereitet, warte auf dem Forum, meine Sklaven und Klienten stelle ich in zwei Reihen auf, rechts und links ...«

»Die Sklaven und Klienten sind doch wohl in Waffen,« fragte Merogais.

»Nein, jetzt ist Festfreude, ein Wagen mit vier weißen Pferden, die seit zwei Jahren schon nur mit ausgesuchtem Hafer gefüttert werden ... Ich schreite dann von der Seniastraße« – der Redner erhob beide Hände, als wenn er seinen Gott Taranus beschwören wolle, sein Auge strahlte – »die Menge begrüßt mich, ich trage ein Gewand von goldbesticktem Purpur wie diesen hier –« damit zog der Lederhändler ein Stück prachtvollen Gewirkstoffes heraus, das die anderen Gallier sogleich schmunzelnd mit zusammengesteckten Köpfen beschnüffelten und befühlten, während die Germanen dem Getue verwundert zusahen ...

»Und ein Diadem um die Stirn werde ich tragen, eine Binde von ...«

Lebhaft unterbrach ihn ein anderer Gallier: »Diadem noch nicht!«

Entrüstet sah Varusius den Sprecher an, da rief ein Dritter: »Wir wollen doch die Wahl zum Kaiser, zuerst die Wahl!«

Maternus sagte beschwichtigend: »Man könnte auch zwei Cäsaren wählen, wie Diokletian, oder besser zwei Alt-Kaiser und zwei oder auch drei Cäsaren.«

Es erhob sich unter den Galliern ein Zank, mit heftigen Worten rief Varusius dazwischen, Rektomar riet zur Eintracht.

Da fragte plötzlich Askarich, der diesem Lärm verwundert zugehört hatte: »Ja, soll denn in Trier nicht erst recht gekämpft werden, Konstantin kehrt doch wieder!«

Da nahm der Lederhändler wieder die Leitung der Versammlung: »Vielleicht kehrt er, vielleicht auch nicht! Konstantin? und wenn er wiederkehrt, nun wir ernennen Euch zu Feldherren und Legaten, Ihr seid in der Überzahl, Ihr werdet leicht siegen; aber das ist ja alles erst später von Wichtigkeit, das findet sich alles, wenn die einheitliche Leitung da ist ...«

Da entstand plötzlich hinter den aufgestapelten Kisten ein Getöse und Gepolter und ein unterdrückter Schrei ließ sich hören.

Wie ein Pfeil von der Sehne flog Askarich, während die Gallier erbleichend in die dunkele Ecke starrten, darauf zu, fuhr rumpelnd in dem Geschirr und den Kesseln herum, bald hörte man ein Kreischen, und Askarich erschien, über und über bestaubt und hatte einen kleingewachsenen, schmächtigen Menschen am Arm gefaßt, der sich unter dem Griff seiner Faust drehte und wand.

Einen schiefen Blick ließ der Gefangene über die Versammlung gleiten, dann rief er keuchend: »Varusius, o Herr, beschütze mich vor diesem furchtbaren Menschen, ich habe ja nur geschlafen zwischen den Kisten, weshalb zerdrückt er mir die Knochen?«

»Ach, mein Schreiber Venadius, laß ihn los, Askarich, ich bürge für ihn, es ist zufällig. Ich werde ihn ...,« der Lederhändler stotterte, als er die funkelnden Augen der Germanen sah, »... ich werde ihn in das Gefängnis sperren, bis alles glücklich vollendet.«

»Ja, ich will gewiß gerne ins Gefängnis,« kreischte der klägliche Mensch, »ich weiß ja von nichts, ich habe nichts gehört ... ich ...«

Da plötzlich zuckte das Schwert des Merogais nach der Brust des Gefangenen und traf das Herz. Mit einem gellenden Todesschrei fiel der Horcher zurück.

Die entsetzten Augen der Gallier starrten ob dieser Tat ihre Bundesgenossen an, dann zischte Varusius zu den vier Germanen: »Weg von hier, der Schrei wird alles verraten, Theuderich wird Nachricht geben, fort!«

Eigenhändig schob er sie zum Pförtchen hinaus.

Blaß, verstört und zitternd sahen sich die Verschworenen an, sie warfen die Leiche hinter aufgetürmte Kisten.

Varusius fluchte keuchend: »Tausend Denare jährlich kostet mich sein Tod, das war er mir wert. Aber gelauscht hat er wohl, das war so seine Art. Ungebärdige Kerle sind die Franken, wir werden sie zur Zeit unschädlich machen müssen.«

Die Gallier schwiegen, nur Rektomar wiegte bedenklich das Haupt.

»Aber nun, Ihr Männer,« rief da Varusius, »nach vorn zum Bad und dann zum Fest ... Wein von Tavena und Falerner sind gekühlt, Forellen, anderthalb Fuß lang, sind angekommen, Flötenspieler und Tänzerinnen aus Lutetia! Wir leben heute, und,« fügte er mit höhnischem Lachen bei, »der Kaiser ist unser Gast!« –

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