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Um die Kaiserstadt

: Um die Kaiserstadt - Kapitel 10
Quellenangabe
type
authorCarl Ferdinand van Vleuten
titleUm die Kaiserstadt
publisherVerlag von Abel & Müller
year1913
illustratorHugo L. Braune
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160614
projectid6fce1c34
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Neuntes Kapitel.

Der Cäsar Konstantin hatte die Botschaft des Eumenius in seinem hellen, einfachen Arbeitsgemach angehört. Eine Weile blieb er noch versunken in Nachdenken, während sich um seinen mädchenhaften Mund zwei tiefe, entschlossene Falten eingruben und auch die Stirn sich furchte.

Eumenius warf einen Blick auf die glatten Sandsteinwände, die mit Pergamenten und Karten bedeckten Tische, die großen Tafeln mit den Verzeichnissen der Besatzungen, die an den Wänden hingen.

Konstantin tat einen Schlag aus ein metallenes Becken, ein Freigelassener erschien, der Kaiser beschied die Feldherren und Obersten sofort in den Palast.

Dann wandte er sich an Eumenius: »Wenn deine Nachrichten sich bestätigen, soll dein Wunsch, die Stadt Augustodunum aus dem Elend und ihrer Verfallenheit zu erheben, volle Gewähr finden.«

Die Augen des Rhetors strahlten, sein Herzenstraum sollte erfüllt werden, überschwänglich dankte er dem Cäsar.

Dann aber fragte er schüchtern: »Und Regia, Erhabener?«

»Ich überlasse das dir, von Attulius behaupten meine Senatoren, daß er römische Bürger an die Nordländer als Sklaven verkauft habe, ich weiß das nicht, ihn kann ich nicht in mein Haus ausnehmen, aber Regia: ich überlasse das dir, Eumenius, wie du es fertig bringen wirst!« Lächelnd sah er den Redner an; dieser verbeugte sich geschmeidig und folgte dem Wink des Kaisers, der allein sein wollte, allein mit seinen Feldzugsplänen.

Die Teilnehmer des Kriegsrates wurden einzeln, heimlich, wie Verschworene in den Palast gebracht, und Trier blieb auch nach dieser Versammlung so ruhig, wie im tiefsten Frieden.

In Wirklichkeit aber wurde fieberhaft gearbeitet; ohne daß es auffiel, wurden wichtige Truppenverschiebungen vorgenommen, die Festungen und Garnisonen tiefer nach Gallien hinein, an Seine und Marne wurden geschwächt, die freiwerdenden Abteilungen aus Schleich- und Umwegen in die Kastelle am unteren Rhein gelegt, täglich kamen und gingen Teile der Legionen, die bei Trier lagerten, so daß über die wirkliche Zahl der An- und Abwesenden der geschickteste Spion keinen genauen Bescheid empfangen konnte, er hätte nicht einmal den Eindruck empfangen, daß eine kriegerische Tat vorbereitet werde.

Und wohin gingen die Legionäre? Einige aus Mainz zu, andere die Mosel hinunter, dritte nach Metz. Und scheinbar kamen an Stelle der Abgezogenen immer wieder neue an.

Noch besser verstand der Kaiser sich selbst zu verbergen, kein Mensch wußte, wo er war. Die einen behaupteten, sie hätten ihn noch gestern in den Gärten des Kaiserpalastes gesehen, andere wollten ihn an der Spitze einer Reiterabteilung auf dem Hunsrück erkannt haben, ein dritter wußte genau, er sei in der Richtung aus den Arduennerwald abgezogen.

Pünktlich traf die Nachricht ein, daß ein Angriff auf die Stadt Vetera unten am Rhein durch aufständische Brukterer stattgefunden habe.

Wie es ihm aufgetragen war, zeigte sich der Stadtbefehlshaber Romanus zwar für die Stadt Trier gar nicht besorgt, tat aber nun so, als ob er genau wisse, daß der Kaiser sich bei Köln aufhalte und schon aus dem Wege nach dem Aufstandsgebiet sei, die Mehrzahl seiner Streitkräfte habe er bei sich, um ins Land der Brukterer einzufallen.

Mit Windeseile verbreitete sich diese falsche Nachricht, die Beamten der kaiserlichen Post trugen sie ins Land, schon am Nachmittage war sie aus dem Forum das allgemeine Gespräch.

Das hatte Konstantin gewollt.

Auf Eilpferden ritten Boten der gallischen Verschwörer über die Moselbrücke hinaus und brachten die Neuigkeit ins Lager bei Ausawa. Niemand freute sich mehr als Varusius und seine Anhänger; denen war die Unsicherheit über den Aufenthaltsort des Cäsar besonders beunruhigend gewesen, nun faßten sie neuen Mut, offenbar war alles aus bestem Wege.

* * *

Es war ein dunstiger Frühherbstabend, seiner rieselnder Regen hatte die ohnehin verlotterten Straßen in der Eifel aufgeweicht, es tropfte von den Büschen auf die feuchten welken Blätter, in den Straßengräben rechts und links triefte das Wasser und quoll in den ausgewaschenen Rinnen zu Tal.

Oben neben dem ragenden Apertusberg an der Straßenkreuzung war das Haus des Straßenwächters, der, wie üblich, als verdienter alter Soldat, als Benefiziarius, hier einen Ruheposten im bürgerlichen Leben gefunden hatte.

Die teilweise mit Grasbüscheln verstopften Fenster und das kümmerlich mit Holzschindeln ausgeflickte Dach zeigten, daß selbst in ziemlicher Nähe der Hauptstadt langsamer Verfall eingerissen war. Was heute aufgebaut worden war, zerstörte eine heimatlose Bagaudenbande oder eine Streiffahrt beutelustiger Germanen morgen wieder. Deshalb ließ man fallen, was fiel. Und ebenso reichten die wenigen Straßenbeamten lange nicht mehr aus, die Schäden der Wege genügend zu bessern.

In seinem weiten Mantel gehüllt, saß der Benefiziarier Viktorius am Herd, das flackernde Fichtenholzfeuer warf unruhigen Schimmer aus den struppigen, grauen Bart und die gewaltige Geiernase des Alten.

Er war damit beschäftigt, einen Kessel Wasser auf dem Herde zum Sieden zu bringen, auf einem rauhen, nassen Tuche lagen ein paar saftige; fußlange Forellen, die er am Vormittage unten im Bach gefangen hatte, bedächtig warf er nun allerhand Würzkräuter in das brodelnde Wasser. Des Viktorius gekochte Forellen erfreuten sich in der Gegend eines wohlverdienten Rufes.

Da drehte er sich mit schnellem Ruck um und ergriff den breiten Speer, denn er hatte drei Männergesichter erblickt, die durchs kleine Fenster starrten.

Ehe er noch aussehen konnte, wurde an die Tür gepocht, zugleich eine Stimme: »Öffnen, kaiserliche Botschaft!«

»Das haben vor acht Tagen auch welche gesagt und mir mein bißchen Wein ausgetrunken, als ich öffnete, geht weiter!« rief der Graubart mürrisch und faßte den Speer fester.

Leises Tuscheln draußen, dann eine scharfe Stimme: »Öffne, es wird nur einer eintreten, vor dem wirst du dich nicht fürchten!«

»Von Furcht ist hier keine Rede,« knurrte der graubärtige Krieger unwirsch; er erhob sich aber schwerfällig, stemmte den Fuß an die eisenbeschlagene Tür und ließ den einen ein, dann verriegelte er wieder.

Der Fremde, vermummt, hatte sich schweigend auf den Holzblock am Feuer niedergelassen; als nun der Alte wieder zu seinem Gast sich wandte, erkannte er an den Abzeichen den hohen Befehlshaber.

Stramm stand er vor dem Vorgesetzten, die Lanze aufgestemmt und murmelte: »Entschuldige mich, Herr, es ist so unsicher hier, wie konnte ich in dieser Nacht an den Besuch eines Obersten denken!«

»Gut,« antwortete der andere, »wo hast du gedient?«

»Lange Jahre bei Konstantius, der jetzt unter den Göttern ist.«

»Wo hast du gefochten?«

»Bei Vindonissa, Herr!« und nun fing der alte Krieger, dem in der Einsamkeit es wohl an gefügigen Ohren fehlte, seine oft wiederholten Kriegsgeschichten immer wieder anzuhören, glückselig von der alten Zeit zu erzählen an, von Konstantius, dem heldenhaften Kaiser, von der großen Alemannenschlacht bei Vindonissa und wie gern er für seinen Kaiser einmal in der Schlacht sein Blut lassen würde, »aber er ist nun tot,« schloß er.

»Sein Sohn lebt,« sagte der andere.

»Ich hörte hier in der Stille des Waldes davon, er soll in Trier sein, ach, daß ich ihn sehen könnte, einmal nur! Am herrlichen Tage von Vindonissa ist er meinem Kaiser geboren worden, wie gerne sähe ich ihn einmal.«

»Du siehst ihn,« sagte der andere kurz.

Der Alte schüttelte den Kopf: »Hoher Herr, treibt nicht mit mir grauem Mann Euer Spiel, wie käme der junge Cäsar hierher?«

»Kanntest du des Konstantius Schwert?«

»Ja, ich sah es, wir glaubten an dieses Schwert, ein Adlerkopf mit Augen von Karfunkelstein war am Knaus, so lange er es trägt, hieß es bei uns Soldaten, bleibt ihm der Sieg.«

»Sieh her, kennst du den Knauf?«

Viktorius Augen wurden weit; »der Adler, der Adler,« stammelte er. Auf seine Lanze gebeugt, stand er da, dann kniete er nieder und wollte den Mantel des Kaisers ergreifen, um ihn nach heimischer Sitte zu küssen.

Der Kaiser wehrte ihm. »Merke aus, beantworte mir die Fragen.«

Nun forschte Konstantin den Alten über das Gut des Varusius unten im Tal aus und ob er etwas bemerkt habe.

»Man munkelt allerhand in der Gegend, es sind viele Bagaudenschwärme in Waffen in den Schluchten verborgen. Man sagt, es sei ein nächtliches Waffenfest zu Ehren des Taranus geplant.«

»Gut, ich denke, du wirst das Gebirg und Tal hier genau kennen. Ich wünsche, daß du mich führst, ich will das Tal umstellen, aber lautlos, so daß die Bagauden nichts merken. Kannst du dazu führen?«

Einen Augenblick schwieg Viktorius, dann ging eine Veränderung mit ihm vor, sein gichtgekrümmter Körper straffte sich, er wuchs, seine Augen brannten, dann sagte er schnell: »Ja, das geht, es soll keiner entwischen!«

»Ferner will ich selbst in den Talkessel hinunter, jetzt gleich und alles in der Nähe erkunden, in nächster Nähe, ich will den Varusius treffen, du kennst ihn, kannst du dazu führen?«

»Ich kann das, Cäsar, aber die Gefahr für dich!«

»Ich will selbst sehen, führe mich.«

Als Konstantin aus der Hütte hinaustrat, empfingen ihn seine Obersten, die bald mit genauen Aufträgen und Weisungen zu der im Wald verborgenen Streitmacht abgingen, um rundherum im Umkreis die steilen Dolomithöhen zu besetzen.

Konstantin wählte sich etwa dreihundert der besten Krieger seiner Leibwache aus und schlich sich, von Viktorius geleitet, ins Tal.

Der Kaiser überblickte das Gelände und ließ sich von dem Alten das, was nicht zu sehen war, berichten. Ein weites, flaches Tal, von allen Seiten von schroffen Felszügen eingeschlossen, die nur wenige schmale Pässe zwischen sich hatten, die Mulde selbst erfüllt von Feldern, Wiesen, Gehölzen und Gebäuden, dem ausgedehnten Gute des Varusius.

Wachen waren nicht ausgestellt, allenthalben sah man in den Gebüschen und bei den Häusern Feuer brennen, manche vom gallischen Aufgebot hatten sich Hütten aus Stroh oder Zweigen errichtet, andere sich unter Karren und Bretterbuden verkrochen, viele lagerten wohl auch in den ausgedehnten Wirtschaftsgebäuden, wenigstens war das aus dem Lärm und Feuerschein zu schließen, der aus den Toren hervordrang.

»Bring mich heran, ich will hören, was gesagt wird!« flüsterte der Kaiser.

Im Schatten eines Wasserlaufs brachte der Alte, dessen Augen wie Wolfsaugen funkelten, den Cäsar bis dicht an die Mauern.

»Verfluchter Regen und nicht satt dabei!« rief eine Stimme.

»Schon eine Woche von Berg zu Berg, von Tal zu Tal gelaufen und keiner weiß wohin und wozu. Und nicht einmal Wein!« rief ein anderer.

»Die Führer reden immer von großer Beute, die wir machen würden, wo ist sie, plündern dürften wir nach Herzenslust, wo gibt es etwas zu plündern, welkes Laub, Regen, kaum satt zu essen!« murrte ein dritter.

Der Kaiser schickte den Alten fort, er solle ein Gespräch anfangen und zu erkunden suchen, wo die Führer zu finden seien.

Nach kurzer Zeit kam der wieder und wußte alles genau, ein Schafhirte vom Gut, der ihn oben in seiner Hütte oft besuchte, weil er seine Forellen liebte, hatte es ihm gesagt.

Da zog Konstantin seine Krieger zusammen und machte sich nach dem bezeichneten Gartenhaus bei den Fischteichen aus, wo die Häupter der Verschworenen beim Abendtrunk vereinigt sein sollten.

Varusius, Rektomar, Maternus, Koisis, Lorumbus und die anderen saßen zusammen beim Nachtmahl, ihr übermütiges Geschwätz tönte durch die geöffneten Fenster in die rieselnde Nachtluft hinaus.

Die fette Stimme des Varusius wurde laut: »Und wie ist er hereingefallen in die Wolfsgrube, die wir ihm gelegt haben, unser guter Konstantin! Heute ist er schon – unsere Boten meldeten es uns eben – auf dem Wege von Köln nach Vetera. Er wird sich wundern!«

»Die Wahl des neuen Kaisers kann in acht Tagen angesetzt werden!« rief eine lärmende Stimme.

»Ich wollte nur noch eins sagen,« mischte sich der scharfe Baß des Maternus hinein, »ich denke nicht daran, aus mein Recht zu verzichten, wenn Varusius mit vier Pferden und mit dem Purpur vom Forum nach dem Palast fährt, will ich es auch, sonst ziehe ich mit meinen Leuten ab.«

»Recht hat er,« riefen die anderen, »auch ich verzichte nicht.«

Ölglatt klang die Antwort des Lederhändlers: »Aber, Ihr Edlen, das findet sich ja alles; also in der nächsten Nacht treffen die Franken ein und dann wollen wir das andere noch besprechen und nach Würde und Rang festlegen, aber vor allem: Lebewohl Konstantin!«

Unterdessen war das Haus umstellt und der Kaiser schob mit schnellem Wurf die Tür beiseite und stand unter den Verschworenen.

»Ich grüße Euch, Varasius, Rektomar, Corumbus, Koisis, Maternus, Ihr meine wohlbekannten Freunde!«

Erstarrt, zurückgelehnt in ihre geflochtenen Sessel, blickten die Gallier den Cäsar wie eine Erscheinung an; plötzlich aber sprang Rektomar auf und wollte mit dem kurzen Dolch, den er bei sich trug, den Gefürchteten erstechen, des Kaisers Schwert war aber schon gelockert und fuhr dem Anspringenden in die Kehle.

Ohne Unruhe, bedächtig und würdig, als sei er in einer Versammlung des Senats, setzte sich der Kaiser in den leergewordenen Sessel und schwieg.

Totenblaß saßen die Gallier da.

»Wo ist deine gerühmte Beredsamkeit, Varusius,« fragte Konstantin trocken.

»Unerhört, unerhört,« murmelte der.

»Das finde ich auch,« sagte der Kaiser laut.

Nun wollte Varusius ausspringen, aber Konstantin beruhigte ihn mit verbindlichem Lächeln.

»Sieh durch die Fenster, hundert Lanzen sind auf Euch gerichtet, bleibt sitzen, es ist besser!«

Dann stand er auf, ging zu Varusius hin und klopfte ihm mit dem Knöchel an den Schädel: »Hohl, hohl, unverantwortlich hohl! Wie ein Kürbis!« sagte er kopfschüttelnd und zeigte beim Schmunzeln die langen Fangzähne.

Mit einem Male schnatterten die Gallier durcheinander und nickten sich gegenseitig zu, um sich Mut zu machen: »Eine Festübung unserer Bürgerwehren, Hochherrlicher, ganz harmlos, zu Ehren des Jupiter Taranus!«

»Ich weiß,« sagte Konstantin langsam mit verschleierter Stimme, »die Brukterer sollen ihr auch beiwohnen, mein Feldherr Wildebald wird sie bei Andernach empfangen, und auch die Franken gedenken an dieser Festübung teilzunehmen, ich werde diese Franken hier, hört Ihr, hier in diesem Tal vernichten, und Ihr werdet der Speck in meiner Falle sein!«

Mit einem Male lagen da alle aus den Knien vor dem Kaiser und flehten mit erhobenen Händen: »Gnade, Cäsar, das Leben, nur das Leben!«

Mit einem verächtlichen Zucken in den Mundwinkeln betrachtete der Cäsar eine Weile die zitternden fahlen Gestalten, die sich zu seinen Füßen wanden und sprach dann scharf und knapp: »Das Leben sollt Ihr haben, Schwächlinge, du, Varusius, wirst mir für dies unverdiente Geschenk, das ich dir mache, drei Jahre lang von heute ab gerechnet, die Ausrüstung und Unterhaltung des Heeres und der Flotte übernehmen und ebenso die Neueinrichtung aller Kasernen in den Provinzen, die mir unterstehen, aller.«

Varusius sank zusammen, seine schnelle Rechengabe hatte ihm verraten, daß diese Forderung mehr betrage, als sein ganzes ungeheures Vermögen.

Er zögerte einen Augenblick: »Oder du stirbst und ich beerbe dich!« sagte Konstantin nachdrücklich, »wähle, schnell!«

Varusius stammelte einen Dank für die kaiserliche Gnade.

»Du, Maternus stellst mir die Festungen her, am Rhein besonders, läßt neue errichten, in Noviomagus, Icorigium und Rigomagus, alle mit festen Türmen!«

»Ich habe nichts sehnlicher gewünscht, mein Cäsar,« sagte der Gallier hastig, obwohl auch er wußte, daß ihn diese Buße bettelarm machen würde, denn die kaiserlichen Lieferanten würden ja die Preise stellen.

Die anderen Verschworenen erhielten ähnliche Strafgelder aufgetragen, für die sie überschwänglich dankten.

»Hunde!« murmelte Konstantin, aber er rieb sich die Hände, denn eine schwere Sorge, die Beschaffung der Gelder für die Verteidigung des Reiches in den nächsten Jahren, war er los.

»Hört weiter, Eure Völker bleiben, wo sie liegen, sie bleiben genau so, wenn die Franken kommen; sendet keine warnenden Boten an die Franken; wenn sie nicht in der nächsten Nacht kommen, werdet Ihr im frühen Morgen erdrosselt.«

»Sollen wir ihnen nicht lieber einen Boten entgegen senden, o Cäsar,« fragte Maternus schnell, »damit sie ganz sicher gehen.«

Durchdringend sah Konstantin den Sprecher an, dann sagte er kurz: »Es sei!«

Dann unterrichtete der Kaiser die Verschworenen, was sie zu tun hätten und entführte sie ebenso leise, wie er gekommen war, aus der Mitte der ihrigen auf die Berge in sicheren Gewahrsam.

Vorher aber wandte sich Konstantin an den alten Viktorius, der noch immer draußen mit den Leuten der Leibwache die Ausgänge des Gartenhauses besetzt hielt.

»Was wünschest du dir, guter Freund?«

»Was soll ich wünschen, da ich solche Nacht erleben durfte!«

»Wünsche!«

»Ich habe bei meiner Hütte ein Heiligtum der Mütter, das ist gar verfallen und verwaschen, darf ich bitten, o Herr, so laß es aufrichten durch deine Steinmetzen und zum Gedächtnis meinen Namen hineinmeißeln, das ist ein altes Gelübde von mir, aber es gab immer kein Geld.«

»Das sei gewährt, es ehrt dich; sonst hast du keine Wünsche?«

Als Viktorius den Kopf schüttelte und schwieg, sagte der Kaiser freundlich: »Von heute ab bist du Hauptmann bei meiner Leibwache. Hole den alten Schild und das Schwert hervor, das du bei Vindonissa trugst, wir haben heute Nacht das gleiche Glück nötig.«

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