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Um die indische Kaiserkrone IV.

Robert Kraft: Um die indische Kaiserkrone IV. - Kapitel 22
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typefiction
authorRobert Kraft
titleUm die indische Kaiserkrone IV.
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22. Im Kloster

Die Klosterglocken hatten das Vesper geläutet, als zwei Reiter an dem Tore hielten und den Klopfer in Bewegung setzten. Wieder waren es zwei Fremde, welche die Gastfreundschaft des Klosters beanspruchten.

Da sie nicht, wie die beiden Vorhergehenden, durch Valentin angemeldet worden waren, so wurden sie nach ihrem Begehr gefragt.

Sie baten um Obdach für die Nacht und um eine Unterredung mit dem Prior. Da diese beiden einen ganz anderen, gesetzteren Eindruck machten als die am Morgen Angekommenen, so wurde ihnen auch Einlaß gewährt, und nachdem die Pferde und das wenige Gepäck untergebracht und die Reiter ein wenig Toilette gemacht hatten, wurden sie in das geräumigere Gemach des Priors geführt.

Dieser, ein schon bejahrter Mann mit strengen, aber einnehmenden Zügen, hieß die Eintretenden im Namen des Herrn willkommen und sicherte ihnen die Gastfreundschaft des Klosters zu, obgleich er schon erfahren, daß er Andersgläubige vor sich hatte.

Die Unterhaltung wurde auf englisch geführt, und auch in dieser Sprache bediente sich der Prior des »du«, welches sonst nur in der Bibel und in der Poesie gebraucht wird.

Wir kennen die beiden Männer – es sind Reihenfels und Doktor Morrison.

Ersterer stellte sich als Privatgelehrter, letzterer als amtlich angestellter Dolmetscher vor, denn der Titel eines protestantischen Missionars hatte hier sicherlich keinen guten Klang.

Dann teilte Reihenfels unter Vorlegung des mitgenommenen Tagebuchs dem Prior kurz die niedergeschriebenen Erlebnisse des Herrnhuters mit, übersetzte ihm wörtlich den Schluß der Aufzeichnungen und fügte hinzu, er und sein Begleiter hielten es für ihre Pflicht, die Gebeine eines solchen ehrenwerten Mannes aufzusuchen.

Der Prior interessierte sich nicht nur sichtlich für den Herrnhuter – hatten diese Ereignisse doch in dieser Gegend unter einem seiner Vorgänger stattgefunden – sondern er erkundigte sich auch lebhaft nach der singenden Flamme in der Höhle.

Daraus konnte Reihenfels schon schließen, daß ihm eine solche nicht bekannt war – oder, nur eine einfache Höhle in welcher jene Flamme erloschen war. Dann aber hätte er etwas von den Knochen wissen müssen.

»Nein,« entgegnete der Prior, »ich kenne überhaupt keine Höhle in dieser Gegend.

Allerdings bin ich auch nicht weit aus den Mauern des Klosters gekommen. Soviel mir indes bewußt ist, bietet die Umgegend hier wohl wildzerklüftete Felsen, jedoch existiert keine einzige Höhle. Laß dich dadurch nicht gleich entmutigen, wir wollen erst sehen, ob die Angaben in diesem Tagebuche auf Tatsache beruhen. Vieles davon habe ich schon gelesen, wir wollen nur noch die Daten vergleichen.«

Er holte vom Regal ein dickes Buch herab, eine Chronik, und schlug nach.

Die Angaben des Herrnhuters fanden Bestätigung; das Emporwachsen der Gemeinde Emmaus unter dem protestantischen Geistlichen, wie dieser den damaligen Prior des Klosters vor dem Verschmachten gerettet hatte, der Überfall durch die Afghanen, wie dem Herrnhuter der Eintritt in die Klostermauern verweigert werden mußte, weil er durchaus die Frauen und Kinder seiner Gemeinde mit hineinbringen wollte – alles stimmte, ebenso die Daten.

Dann wurde nur noch gesagt, daß der Herrnhuter mit den Kriegsunfähigen seiner Gemeinde geflohen sei, und es wurde seiner nicht mehr erwähnt; die Chronik beschrieb die Belagerung des Klosters durch die Afghanen.

Auch späterhin war von dem Herrnhuter nichts mehr zu lesen.

»Wissen Sie, wo sich die Ansiedlung Emmaus befand?«

»Drei Meilen von hier aus südlich. Ich kann dir die Lage genau beschreiben, oder auch, wenn du es verlangst, dich hinführen lassen. Da nun jener Mann angibt, er sei ungefähr drei Meilen nordöstlich geflohen, so müßte die Höhle östlich, also in einem sehr gebirgigen Teile liegen.«

»Und es ist Ihnen gar keine Höhle bekannt?«

»Nein; auch die, welche die Umgegend kennen, wissen von keiner. Doch der Herrnhuter sagt, der Eingang zu dieser Höhle sei ganz versteckt gewesen, so wäre es noch möglich, sie zu finden, und ich werde mich anstrengen, auch dabei behilflich zu sein.«

Die beiden Herren verneigten sich dankend, wußten aber nicht, was der Prior ihnen helfen könnte.

Er selbst gab sofort die Erklärung. »Unter den Klosterbrüdern ist einer, welcher sich mehr im Wald und im Gebirge aufhält als in der Zelle, auch gebrauche ich ihn nicht zur Mission. Dennoch ist er uns sehr nützlich; denn einmal säubert er die Umgegend von reißenden Tieren, und zweitens ist er den Missionaren ein sicherer Begleitmann. Schon seit zehn Jahren hier und Jäger gewesen, kennt er jeden Weg und Steg, jede Kluft und jede Schlucht, und weiß die Büchse trefflich zu handhaben. Wir Menschen sind ohne Gottes Barmherzigkeit allesamt Sünder; ein jeder hat sein Laster, klein oder groß, und so lag auch Bruder Valentin lange Zeit in den Ketten des Teufels. Er hat sich durch Christus mit Gott versöhnt, jetzt ist er ein gläubiges Kind Gottes, ich bin mit ihm zufrieden. Bruder Valentin hat mir zwar einst gesagt, es existiere in der ganzen Umgebung keine einzige Höhle, doch es wäre ja möglich, daß er unterdessen eine entdeckt hat. Es war vor vielen Jahren, als ich ihn darum fragte. Und sonst, wenn ihr darnach suchen wollt, so stelle ich ihn euch als Führer zur Verfügung. Es sollte mich freuen, wenn ihr die Gebeine des Mannes, der euer Herz, wie auch das meine gerührt, finden solltet. Muß ich auch ein Feind eurer Religion sein, so heiße ich doch Euer Unternehmen gut und edel.«

Der Prior klingelte und befahl dem aufwartenden Bruder, Valentin herbeizurufen.

Der Nimrod in der Mönchskutte erschien. Mit seiner blauen Nase konnte er kein frommes Gesicht machen, so gab er sich ein klägliches Aussehen. Er sah aus wie der arme Sünder, der sich seiner Schuld vollkommen bewußt ist und sie gern wieder gutmachen möchte.

Diesen Eindruck machte er auf Morrison. Reihenfels war der einzige, dem ein geheimer Instinkt sagte, daß sich dieser Mann verstellte.

»Bruder Valentin,« redete der Prior ihn in seiner salbungsvollen Weise an, »du hast mir einst gesagt, daß sich in der Umgebung dieses Klosters keine Höhle befände, die wir für uns nutzbar machen könnten. Entsinnst du dich?«

Wieder war es nur Reihenfels, dem es nicht entging, wie Valentins Augenbrauen bei dieser Frage gezuckt hatten, wie sein Blick ein anderer wurde. Es war kaum merklich gewesen, sonst hatte sich keine Muskel in dem kupferroten Gesicht bewegt.

»Ich entsinne mich, ehrwürdiger Vater,« entgegnete Valentin, seine rauhe Stimme möglichst zu mildern suchend.

»Hast du inzwischen auch keine Höhle gefunden?«

Diesmal zuckte keine Miene, aber Reihenfels hätte schwören können, daß der Mönch sich Mühe gab, seinen Gesichtsausdruck beizubehalten, und zugleich einen Seitenblick auf die beiden Fremden zu werfen.

»Welche Höhle meinst du, ehrwürdiger Vater?«

»Überhaupt irgendeine Höhle.«

»Nein, ehrwürdiger Vater. Gott hat nicht gewollt, daß ich eine Höhle finde; welche wir in Zeiten der Not als Versteck benutzen können.«

»Valentin weiß also nichts davon,« wandte sich der Prior an die beiden Freunde. »Es ist ja leicht möglich, daß ihn der Weg nie in jenen Teil des wilden Gebirges geführt hat. Verliert den Mut also nicht, meine Freunde!«

»Kannst du mir die Lage der Höhle und ihre Beschaffenheit nicht näher angeben, ehrwürdiger Vater?« fragte jetzt seinerseits der Mönch, der den kurzen Moment, als er nicht beachtet wurde, dazu benutzt hatte, die Fremden zu mustern.

Diese Frage machte Reihenfels stutzig. Was sollte sie? Was für einen Zweck hatte sie, wenn der Mönch überhaupt keine Höhle kannte? Entweder entsprang diese Frage der Neugier, der Geschwätzigkeit, der Wichtigtuerei, oder aber einem Hintergedanken. Kurz, Reihenfels hatte plötzlich Argwohn gefaßt, er allein.

Der Prior antwortete bereitwilligst:

»Die Höhle, welche diese beiden Freunde suchen, liegt allem Vermuten nach östlich von hier. Sie ist geräumig, ein schmaler Gang führt in sie hinein, und der Eingang liegt versteckt.«

Bruder Valentin schüttelte wie nachdenkend das Haupt.

»Nein, ich kenne keine Höhle.« »Oder hast du einmal ein singendes oder pfeifendes Geräusch gehört, welches dir rätselhaft erschien?«

Der Mönch stützte erst das Kinn in die Hand, bedeckte dann sein ganzes Gesicht mit derselben und tat, als sinne er angestrengt nach.

Morrison konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. Für ihn unterlag es keinem Zweifel, daß sich dieser Mönch einen Anstrich von Wichtigkeit geben wollte, wie überhaupt in solch einem öden Ort wie in diesem Kloster die kleinste Sache mit der größten Wichtigkeit behandelt wird.

Der Doktor stieß Reihenfels an; dessen Mißtrauen war aber plötzlich erwacht, obgleich er sich noch keine Rechenschaft abgeben konnte, warum eigentlich. Er hatte gemerkt, daß das Vorlegen der Hand vors Gesicht nur ein Grund war, um zwischen den Fingern hindurch bequem und unbeobachtet nach den Fremden schielen zu können.

»Ja, ehrwürdiger Vater,« entgegnete Valentin, die Hand sinken lassend, »ich entsinne mich, einmal ein Singen oder Pfeifen vernommen zu haben.«

»Wo war das, lieber Bruder?«

»Es war allerdings westwärts von hier.«

»Erzähle!«

»Ich lag unter einem Baume und träumte von der Seligkeit des Paradieses. Die Müdigkeit übermannte mich, ich schloß die Augen, und da sah ich ihn sitzen in seiner Herrlichkeit, zu der Rechten seinen Sohn, und ich hörte ein Singen und Flöten und Jubilieren von Engelsstimmen, und als ich erwachte, da weinte ich, daß ich noch auf der Erde war.«

Valentin hatte die Hände gefaltet, seufzte und verdrehte die Augen.

»Nein, dieses Singen und Flöten meinte ich nicht. Hast du niemals eine Flamme gesehen, anzusehen wie ein Strich in finsterer Nacht, von der ein solches Singen und Pfeifen ausgeht?«

Der Mönch machte ein erstauntes Gesicht.

»Eine Flamme? Die singt? Nein, ehrwürdiger Vater! O, blutiger Heiland, das wäre etwas für unser Kloster!«

»Trage dich nicht mit weltlichen Gedanken! Hast du auch nie eine Ansammlung von Menschenknochen gefunden?«

»Gott sei's geklagt,« seufzte Valentin, »oft genug finde ich die gebleichten Gebeine von Menschen! O, Wehe, o, Jammer, die Brüder richten das Schwert untereinander auf die Brust, der Sohn schont nicht mehr den Vater, der ihn erzeugt, der Säugling nicht mehr die Mutter.

Wehe, wehe, welch Klagegeschrei wird dereinst erschallen!«

»Beherrsche jetzt deinen Schmerz,« ermahnte ihn der Prior liebevoll. »Da dir also eine Höhle unbekannt ist und diese beiden Freunde eine solche suchen, in welcher eine Flamme singt und viele Totengebeine liegen, so wirst du ihnen dabei behilflich sein, sie zu suchen.

Unterrede dich morgen früh mit ihnen; heute ist es schon zu spät.«

Der Prior schlug das Kreuz gegen den sich verneigenden Mönch; an der Tür blieb dieser aber noch einmal stehen.

»Was wünschest du noch, Valentin?«

»Ach, ehrwürdiger Vater, ich habe vergessen, mir vor der Vesper die Erlaubnis einzuholen. Heute Morgen spürte ich einen Panther auf, ich jagte ihm seine Beute ab und legte sie als Köder. Er wird diese Nacht wiederkommen und sie sich holen, 's ist ganz dicht hier in der Nähe.

»Es ist gut, du darfst das Kloster verlassen.«

Valentin ging; doch was hätten die Gäste des Priors gesagt, wenn sie ihn jetzt gesehen, wie er draußen auf dem nur schwach erleuchteten Gange stand.

In seinem Gesicht kämpften Schreck und eine tierische Gier miteinander; seine Zähne knirschten, aufeinander, er ballte die Faust, dann aber verzog sich sein Gesicht zu einem widrigen Grinsen; er hob die Hände und machte gegen die Tür eine lange Nase. »Da habt ihr euch an den Rechten gewendet!« kicherte er leise, während er davoneilte.

»Daß ich ein Narr wäre und euch die singende Flamme zeigte!«

Auch die beiden Freunde wurden kurz verabschiedet. Der Circator wies ihnen zwei Zellen zu, welche ebenso einfach wie alle anderen waren; hatte doch auch in der geräumigen Zelle des Priors kein weicheres Lager gestanden.

Daß das Kloster noch andere Gäste beherbergte, wußten Morrison und Reihenfels nicht; man hielt es nicht für nötig, ihnen dies mitzuteilen. Auch August hatte keine Ahnung, daß er mit seinem früheren Herrn unter einem Dache schlief.

Reihenfels bestand darauf, mit seinem Freunde noch zusammenbleiben zu dürfen, worauf der Circator bemerkte, daß in einer Stunde die Zellen geschlossen würden. Wären die beiden noch in einer Zelle, so müßten sie während der ganzen Nacht das schon für eine Person sehr schmale Lager teilen.

»Warum sollen wir denn eingeschlossen werden?« fragte Morrison, seinen Mißmut unterdrückend.

»So schreibt die Klosterordnung es vor.«

»Und wenn nun einmal in der Nacht Feuer ausbräche?«

»Wir stehen alle in Gottes Hand,« entgegnete der Circator und entfernte sich.

Morrison konnte seiner Unruhe nicht Herr werden.

»Wollen Sie es glauben,« sagte er, vor Reihenfels stehenbleibend, »ich fürchte mich, wenn ich in einem Zimmer allein eingeschlossen werde. Einmal ist ein naher Verwandter von mir verbrannt, weil man ihn eingeschlossen hatte, und dann sind mir als Kind grausige Begriffe von katholischen Klöstern beigebracht worden. Wenn ich das Wort Kloster höre, tauchen in mir gleich eingemauerte Nonnen und gespenstische Mönche auf, und nun noch allein eingeschlossen!«

»Die Jugenderziehung hat den größten Einfluß auf das spätere Alter,« stimmte Reihenfels bei; »aber wir können ja dem Übelstand, allein eingeschlossen zu werden, abhelfen.«

Lächelnd rückte er an der Bettstelle, sie war unbefestigt.

»Was wollen Sie tun?«

»Sehr einfach. Wir tragen ihr Bett hierherein.«

Morrison schlug sich vor die Stirn.

»Daß ich nicht auf so etwas Einfaches gekommen bin! Aber wenn wir dann auch wieder gegen die Klosterordnung verstoßen?«

»Wir haben auch unsere Ordnung, wir schlafen eben zu zweien. Überdies wird man uns wohl nicht mehr belästigen, der Mann tut nur seine Pflicht, das heißt, er schließt zu.«

In fünf Minuten war der Umzug vollendet, Reihenfels' Zelle enthielt zwei Betten.

»Nun, was sagen Sie zu unserem Erfolg?« begann er.

Morrison zuckte die Achseln.

»Wir sind wohl nicht weit ab von der Höhle, einen Erfolg haben wir aber nicht zu verzeichnen. Wir müssen eben die Umgegend durchstreifen, und ich denke, jener Valentin wird uns dabei von Nutzen sein.«

»Wie gefiel Ihnen der Bruder?«

»Ein sonderbarer Kauz; er mag eine dunkle Vergangenheit hinter sich haben. Sonst machte er keinen üblen Eindruck auf mich. Wissen Sie, wie er mir vorkommt? Pardon, wenn ich mich etwas derb ausdrücke – wie ein versoffener Seemann, der nichts tun kann, ohne sein Glas Halb und Halb hinterzustürzen.«

»Die blaue Nase kann eine Folge von Krankheit oder Kälte sein. Aber er machte überhaupt einen seltsamen Eindruck auf mich. Warum ließ er sich die Höhle beschreiben, da er doch behauptete, er kenne keine, und es existiere auch keine?«

»Diese Frage entsprang der Dummheit. Auch mich machte sie einen Augenblick stutzig, dann lachte ich darüber. Überhaupt war die Fragerei des Priors ganz unlogisch. Er sagte etwa:

ist in jener Höhle, die du nie gesehen hast, und deren Vorhandensein dir unbekannt ist, vielleicht eine Flamme, welche singt? Oder hast du in dieser Höhle Totengebeine gesehen? Verrücktes Zeug, was in solchen Köpfen hinter Klostermauern entspringen kann.«

»Ich will offen mit Ihnen reden: ich habe den Valentin in Verdacht, daß er um diese Höhle weiß.«

Reihenfels war schon damit beschäftigt, sich zu entkleiden, während Morrison, der sich nur der schweren Stiefel entledigt hatte, wie in nervöser Unruhe auf und ab wanderte. Jetzt blieb er erstaunt vor seinem Freunde stehen.

»Wie in aller Welt kommen Sie darauf?«

»Es ist nur eine Vermutung.«

»Und woraus schöpfen Sie diese?«

Reihenfels teilte ihm mit, was für Veränderungen er während der Unterhaltung mit Valentin an diesem im Gesicht und Verhalten beobachtet hatte.

Der Missionar schüttelte ungläubig den Kopf.

»Sie sind zu vorsichtig und zu mißtrauisch, lieber Freund. Was für einen Grund sollte Bruder Valentin denn haben, uns das Vorhandensein dieser Höhle zu verhehlen?«

»Wenn ich das wüßte!«

»Nein, nein. Das einzige wäre, daß der Prior selbst diese Höhle kennt und sie keinem verraten will. Doch wir teilten ihm unsere Absicht mit, ehe er Valentin hätte Schweigen auflegen können.«

»Oder es ist hier überhaupt ausgemacht, von dem Vorhandensein dieser Höhle nicht zu sprechen, jeden Fremden darüber zu täuschen.«

»So glauben Sie wirklich, auch der Prior weiß darum? Sie geben der Sache einen ganz anderen Anstrich.«

»Mein Verdacht erstreckt sich vorläufig nur auf Bruder Valentin, und ich bekenne offen, daß mein Verdacht auf sehr schwachen Füßen steht. Wie es auch sei, ich hielt es für gut, Ihnen meinen Argwohn mitzuteilen, denn Valentin soll unser Führer sein, und da heißt es, ihn scharf beobachten, ohne bei ihm Argwohn zu erregen. Er scheint mir ein schlauer Bursche zu sein, so schlau, daß er sich dumm stellt. Ich hoffe aber, daß mein Verdacht falsch ist; denn kennt Valentin die Höhle wirklich, dann haben wir ein schweres Spiel, wenn er sie uns nicht zeigen will. Gehen Sie noch nicht schlafen, Doktor?«

Der Missionar durchwanderte noch immer rastlos die Zelle, welche vom Vollmond hell erleuchtet wurde.

»Mir ist ganz sonderbar zumute, ich weiß nicht, woher es kommt. Ich habe so eine – so etwas wie eine böse Ahnung in mir. Was ist das nur?«

»Die Erzählungen von den unheimlichen Klöstern werden daran schuld sein.«

»Möglich.«

Draußen wurde ein Schlüssel umgedreht.

»Jetzt sind wir eingeschlossen,« sagte Morrison,« »merkwürdig, wie mich dieser Gedanke angreift! Ich möchte, ich läge draußen unter einem Baume.«

Reihenfels hatte sich schon einmal ans Fenster gestellt und blickte hinaus in die vom Mond beschienene Landschaft. Es war ein friedliches Bild; sein Herz wurde mächtig davon ergriffen. Er mußte sich einmal gegen einen Freund aussprechen, jetzt fühlte er sich dazu aufgelegt.

»Doktor,« sagte er, als Morrison neben ihn trat, »Sie versuchten mich einst aus trüben Gedanken zu reißen; jetzt will ich dasselbe bei ihnen versuchen.«

»Ist es mir damals nicht gelungen?«

»Damals wohl, es hat aber nicht Stich gehalten.«

»Es handelte sich um die Zukunft, die Ihnen ein Fakir offenbart haben will.«

»Ja, und bis jetzt ist alles eingetroffen.«

»Das wäre! Vielleicht Kleinigkeiten, Nebensachen.« »Nach solchen habe ich nicht gefragt; alles ist bis jetzt geschehen, wie mir prophezeit worden ist. Lassen Sie mich Ihnen mein Herz ausschütten, mir wird es guttun, und Ihre Gedanken werden auf einen anderen Gegenstand gelenkt.«

Nun erzählte Reihenfels zum ersten Male einem Menschen, was der Fakir ihm offenbart hatte, Er verschwieg nichts, auch nicht, unter welchen Umständen er Bega wiedersehen, wie er an ihrem leblosen Körper knien und die Hände ringen sollte.

Diesmal war Morrison weniger ungläubig; besonders die Tatsache, wie Reihenfels dem Manne mit den gelben Jagdstiefeln begegnete, erschütterte ihn tief.

»Da bleibt einem der Verstand stehen,« sagte er endlich, »ich weiß nicht, was ich denken soll. Armer Freund, jetzt kann ich mir Ihre Niedergeschlagenheit erklären. Aber Mut, versuchen Sie dennoch, dem Verhängnis zu trotzen, versuchen Sie nicht, ihm aus dem Wege zu gehen. Der Fakir sagte nicht, daß Bega tot wäre.«

»Das ist auch meine einzige Hoffnung!« seufzte Reihenfels. »O, daß ich ihn nie gehört und ihn nicht um die Zukunft gefragt hätte!«

»Auch der Mann in dem gewürfelten Überrock fehlt noch. Ich kenne ihn wohl, es ist Mister Bulwer, ein spleeniger Amerikaner.«

»Nach allem, was ich schon erfahren habe, zweifle ich nicht, daß ich ihm noch begegne.«

Morrison schritt nachdenklich im Zimmer auf und ab, ein Lächeln umspielte seinen Mund.

»Wissen Sie was?« begann er dann wieder. »Wir wollen diesem Verhängnis mit kecker Hand einen Strich durch die Rechnung machen.«

»Wie das?«

»Ihnen zuliebe werde ich diese abenteuerliche Fahrt, die ganz nach meinem Geschmack ist, aufgeben. Übrigens sind Sie selbst Mann genug, das Unternehmen durchzusetzen und die Höhle aufzuspüren.

»Sie wollen mich verlassen?«

»Ja, morgen in aller Frühe werde ich das Kloster verlassen und mich nach Delhi begeben.

Dann ist es nicht möglich, daß ich bei dem Schlußtableau mitwirke, dann muß die ganze Prophezeiung hinfällig werden.«

Reihenfels schüttelte trübe den Kopf.

»Reisen Sie meinetwegen nach England, ich will nach Afrika reisen, und ich bin doch fest überzeugt, daß wir im bestimmten Moment zusammentreffen. So tief ist bei mir schon der Glaube an die Erfüllung der Prophezeiung eingewurzelt.«

»Das ist freilich schlimm, und wenn meine Abreise nichts nützt, Sie von bangen Gedanken zu befreien, so wäre sie auch umsonst. Gut, ich bleibe!«

Reihenfels entkleidete sich vollends, während Morrison noch immer auf und ab wanderte.

Es lag etwas äußerst Unruhiges in seinem Wesen: Reihenfels beobachtete ihn aufmerksam.

»Fühlen Sie sich krank, Doktor?«

»Nein, es wäre das erstemal, daß mich das Klimafieber ergriffe. Das Kloster, die alten Geschichten, das Eingeschlossensein und Ihre Erzählung ist es, was mich aufgeregt hat. Es wird sich indes bald legen.«

Sie sprachen noch zusammen von diesem und jenem, als beide plötzlich zusammenfuhren, denn es war leise an ihre Tür gepocht worden. – Vor dieser Tür hatte schon längere Zeit Bruder Valentin gestanden und zu lauschen versucht, aber vergebens, er konnte nichts vernehmen. Er war der einzige der Klosterbewohner, der noch durch die Gänge schlich. Alle übrigen waren in ihren Zellen eingeschlossen, nur der Bruder Pförtner hielt unten am Tore Wache, bis ein anderer ihn ablöste.

Valentin war in seiner gewöhnlichen Kleidung, die schwere Büchse lehnte hinter ihm an der Wand. Er wollte also seine nächtliche Pirschjagd auf den Panther antreten, zögerte aber vor dieser Tür.

In seinem Gesicht lag ein Gemisch von Furcht und Verlegenheit, die ihm gar nicht stand. »Hm, wenn ich nur wüßte, was sie sprechen,« dachte er; »es ist verdammt, daß der Horcher stets glaubt, man rede über ihn. Es hilft nichts, ich muß hinein zu ihnen. Sie will ihn haben, und bringe ich ihn nicht, dann ist mein häufiges Kommen auffällig. Eine verdammte Geschichte! Der Amerikaner und sein Diener haben keinen; sie frugen selbst nach einem, als sie sich wuschen, aber der Kerl mit den schwarzen Locken besitzt einen, das habe ich selbst gesehen. Oder ob ich es bleiben lasse? Ich würde ihr freilich eine große Freude machen. Hölle und Teufel, Valentin, bist du denn ein altes Weib? Gott verdamme mich, ich tu's!«

Der ehrwürdige Mönch, der lieber fluchte, als betete, hatte sich zusammengerafft und klopfte an. Als Herein gerufen wurde, zeigte sich, daß er nicht im Besitze des Zellenschlüssels war, wohl aber die verschlossene Tür ohne Mühe öffnen konnte.

Seine Hand fuhr unter die Kutte, sie hielt einen Haken, und geräuschlos und im Nu versah dieser die Dienste eines Schlüssels.

»Bruder Valentin!« sagten beide gleichzeitig.

»Bst, bst,« warnte dieser, »die Klosterordnung verbietet jetzt Besuch und Sprechen.

Verratet mich nicht; die Teilnahme, die mir der Herr für euch in mein Herz gegeben hat, treibt mich zu euch.«

»Das ist recht hübsch von dir,« sagte Morrison »Besitzt denn du einen Schlüssel zu den Zellen?«

»Nein, nur der Circator«.

Valentin hatte den Dietrich schon wieder verborgen.

»Und wie kommst du denn herein?«

»Die Tür war nicht verschlossen.«

»Oho, ich hörte doch, wie sie abgeschlossen wurde.«

»Der Riegel ist nicht in Ordnung, er schließt vorbei.«

»Ich selbst überzeugte mich, daß die Tür zu war.«

»Du drücktest nicht genug. Wenn du mir aber mißtraust,« sagte Valentin in gekränktem Tone, »so will ich mich wieder entfernen. Ich wollte euch eine wichtige Mitteilung machen.

Nur bitte ich euch im Namen des Herrn, nichts von der ungeschlossenen Tür zu erzählen, sonst würde der Prior dem Cireator auf den Kopf kommen. Pax vobiscum – das heißt, wenn ihr kein Lateinisch versteht, schlaft gesund und laßt euch keine grauen Haare wachsen.«

Reihenfels brauchte seinem Freunde nicht erst ein Zeichen zu geben, den nächtlichen Besucher zurückzuhalten.

»So war das nicht gemeint, Freund Klausner,« sagte Morrison schnell, »ich wunderte mich nur, daß du so frank eintratest, während ich mich vorhin vergebens bemühte, die Tür zu öffnen. Du hast aber recht, ich wendete keine Kraft an. Mache uns deine Mitteilungen, wir sind gespannt und werden dir dankbar sein.«

Der Mönch, dessen blaue Nase im Mondschein förmlich funkelte, machte einen unheimlichen Eindruck; in seinem Gesicht lag ein geheimnisvoller Zug, nach welchem man jetzt das Unerwartetste vermutete.

»Ich wollte nur sagen, daß mir doch etwas eingefallen ist, und da ich merkte, wieviel euch an der Höhle gelegen ist, so wollte ich es nicht bis morgen aufschieben.«

»Können wir darüber erfahren, so sind wir stets für dich zu sprechen, Tag und Nacht. Was ist es?«

»Da ist mir eingefallen, daß ich doch einmal so etwas Ähnliches wie eine Höhle gesehen habe, wenigstens ein Loch in der Wand. Hineingekrochen bin ich freilich nicht, denn in solchen Höhlen stecken gewöhnlich Schlangen, und mit denen mag ich nichts zu tun haben.«

»Wo befindet sie sich?« fragte Reihenfels atemlos »So vielleicht drei bis vier Meilen westlich von hier.«

»Sie könnte es schließlich doch sein.«

»Ob es eine Höhle ist oder nur ein Loch, wußte ich damals nicht, ich bin eben nicht hineingekrochen. »Damals? Würdest du dich zurückfinden?«

»Natürlich. Das Loch ist zwar sehr versteckt, es ist kaum zu bemerken, aber zurückfinden werde ich mich allemal.«

Die beiden Freunde sahen sich mit hoffnungsvollen Gesichtern an.

»Eine bessere Botschaft hättest du uns als Gutenachtgruß nicht bringen können,« sagte Reihenfels, »wir bitten dich, uns gleich morgen hinzuführen.«

»Gern, ich werde euch abholen –«

»Und wenn wir dir auf irgendeine Weise unsere Dankbarkeit ausdrücken können, so sage es. Ich weiß, ihr Dominikaner seid zur Armut verpflichtet, aber vielleicht hast du doch einen stillen Wunsch, den wir dir erfüllen können.«

Bruder Valentin wurde scheinbar verlegen, er trampelte von einem Fuß auf den anderen, rieb die Hände und besah sich die Nägel.

»Hab' ich's erraten?« lächelte Reihenfels. »Sprich nur, wir sind dankbare Menschen.«

»Es ist – ich möchte – ach – ihr lacht mich aus,« murmelte Bruder Valentin.

»Durchaus nicht. Was für einen Wunsch hast du auf dem Herzen? Sprich es dreist aus.«

»Ach, es ist kindisch!«

»Schadet nichts.«

»Und wenn der Prior oder ein anderer Bruder es erfährt –«

»Wir plaudern nicht. Ist es denn ein sündiger Wunsch?«

»Sündig gerade nicht, aber –«

»Aber was?«

»Aber es geht gegen die Ordensregel.«

»Wir drücken die Augen gern bei so etwas zu,« nahm Morrison das Wort »und unser Mund ist stumm, wenn es sein muß. Ich nehme an, daß dein Wunsch im Grunde genommen ganz harmlos ist.«

»Ja, das ist er,« sagte Valentin, wie einen Anlauf nehmend. »Seht, ich bin schon vierzig Jahre Dominikaner, ich habe ganz Asien durchwandert und bin niemals wieder mit richtigen Menschen, ich meine mit solchen, die in den Städten leben, zusammengekommen. Da habe ich nun manchmal eine ganz heillose Sehnsucht nach etwas, was bei den Städtern gar nichts gilt.«

»Leicht möglich und was ist es?«

»Es gehört dir,« sagte der Mönch, wieder den Verschämten spielend und zwar meisterhaft.

»Ah, so ist es! Nun, da kannst du ruhig sprechen,« entgegnete Morrison lächelnd; »was ich irgendwie entbehrlich finde, will ich dir gern überlassen, mit Ausnahme des Hemdes auf dem Leibe.«

»Nein, das ist es nicht. Als du dich wuschst, hattest du so einen glitzernden Gegenstand.«

»Einen glitzernden Gegenstand?«

»Ja, du blicktest hinein.«

»Weißt du nicht, wie das Ding heißt?«

»Nein, der Name ist mir entfallen. Ach Gott, das ist schon so lange her, seit ich so ein Ding nicht mehr gesehen und seinen Namen nicht mehr nennen gehört habe.«

Fragend blickte Morrison nach Reihenfels.

»Was könnte das sein? Ein Ding, welches glitzert, auf welches ich beim Waschen gesehen habe?«

»Vielleicht ein Spiegel?«

»Richtig, Spiegel, heißt das Ding!« rief Valentin erfreut. »Ja, ein Spiegel ist es!«

Die beiden Männer konnten kaum ein Lachen unterdrücken.

»Und diesen Spiegel möchtest du haben?«

»Schrecklich gern!«

»Du sollst ihn haben, nur erlaube mir zu fragen, wozu du ihn begehrst.« »Ach, Herr – Bruder wollt ich sagen – seht, ich war auch früher einmal ein schmucker Bursche und sah gern in den Spiegel, aber in den letzten vierzig Jahren habe ich nie wieder einen zu sehen bekommen. Der Spiegel wird bei uns Dominikanern zu dem eitlen Tand gezählt, er ist verachtet und verboten. Nun möchte ich doch zu gern wissen, wie ich eigentlich aussehe. 's ist doch gar nicht möglich, daß meine Nase so blau geworden ist, seit ich sie mir in Sibirien erfroren habe. Ich weiß es nämlich daher, weil ich in jedes klare Wasser hineingucke, aber so blau, nein, so blau kann sie doch wirklich nicht sein. Und dann, wißt, es ist überhaupt ganz hübsch, wenn man manchmal in einen Spiegel gucken kann; darin bin ich gerade wie ein Mädchen.«

Morrison konnte sich doch nicht enthalten, über den eitlen Fant zu lachen. War der doch begierig, zu erfahren, wie er mit seiner blauen Gurke im Gesicht aussah! Lachend zog er einen kleinen Taschenspiegel hervor und gab ihn dem Mönch.

Dieser stellte sich so, daß der Vollmond gerade in den Spiegel schien und besah sich. Eine halbe Minute blickte er stumm hinein, dann machte er eine Grimasse, die ihm kein Zirkusklown hätte nachahmen können.

»Gottssapperlot,« brachte er endlich hervor, »wollte sagen Jesus, Maria und Joseph, bin ich denn mit meiner Nase in einen Farbentopf gefallen? Ist denn das überhaupt eine Nase oder ein Pfannkuchen? Jesus Christus, da möchte man sich doch gleich aufhängen! Na, vergelt's Gott, morgen früh also auf Wiedersehen!«

Damit steckte Valentin den Spiegel ein, machte mit den Händen eine Bewegung, etwa wie der Papst das Volk segnet, und verließ die Zelle.

»Dem Bruder Valentin ist es ungefähr so wie Ihnen gegangen,« sagte Morrison zu dem im Bett liegenden Freund. »Sie befragten die Zukunft und wurden enttäuscht, Valentin befragte den Spiegel und wird bereuen, es getan zu haben.«

Reihenfels schüttelte nachdenklich den Kopf.

»Mir gefällt der Bursche nicht.«

»Was haben Sie gegen ihn? Daß er einmal fluchte? Er ist einer von jenen, den die Not in die Mönchskutte getrieben hat; ist er nicht mit seinen Genossen zusammen, wird er auch ein anderer Mensch. Es gibt Leute, welche sich durch Fluchen einen gemütlichen Anstrich geben wollen, und zu diesen gehört auch Valentin, der nur seiner Kleidung nach Dominikaner ist.«

»Derartige Charaktere gefallen mir nicht.«

»Ach was, es sind noch lange nicht die schlimmsten. Welchen Gefallen hat uns Valentin mit seiner Botschaft getan! Noch in der Nacht sucht er uns auf.«

»Ich traue ihm nun einmal nicht, und mein Mißtrauen wächst immer mehr, je öfter ich ihn sehe. Wir sind in einem spanischen Kloster.«

»Was hat das zu sagen?«

»Ich denke an ein spanisches Sprichwort. Es lautet: Detras de la cruzestá el Diablo.«

»Ich verstehe nicht Spanisch.«

»Das heißt: hinter dem Kreuze steht der Teufel.«

»Sie tun diesem Manne unrecht,« sagte Morrison leichthin, »wie ein Teufel sieht er durchaus nicht aus! Mag die Mönchskutte auch nur ein Maskenanzug sein, einen Teufel bedeckt sie sicherlich nicht. Es ist ein naturwüchsiger Bursche, der den falschen Beruf ergriffen hat. Da, jetzt geht er, die Büchse über der Schulter, mit großen Schritten dem Walde zu. Es ist eigentlich, von hinten gesehen, eine prächtige Gestalt, so markig wie ein alter Held.«

Reihenfels war emporgefahren.

»Wie, er verläßt noch bei Nachtzeit das Kloster?«

»Schon wieder mißtrauisch?« lachte Morrison. »Sie waren ja dabei, als er den Prior um Erlaubnis bat, einen Panther zu schießen.«

»Richtig, Sie haben recht. Das hatte ich vergessen. Trotzdem, Doktor, ich bitte Sie, bei unseren Streifzügen ein wachsames Auge auf ihn zu haben.« »Das werde ich nicht unterlassen, wenigstens Ihnen zu Gefallen.«

Auch Morrison entkleidete sich und legte sich nieder. Vorher hatte er noch einmal versucht, die Tür zu öffnen; es gelang ihm aber nicht, trotz aller Kraftanstrengung. Dies war allerdings merkwürdig; jedenfalls gehörte ein eigentümlicher Griff dazu.

Reihenfels hörte den Freund noch lange sich unruhig umherwälzen und als er einmal erwachte, im Schlafe laut, aber unverständlich sprechen.

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