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Um die indische Kaiserkrone III.

Robert Kraft: Um die indische Kaiserkrone III. - Kapitel 7
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typefiction
authorRobert Kraft
titleUm die indische Kaiserkrone III.
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7. Ein gelöstes und ein ungelöstes Rätsel

General Wilson, der Höchstkommandierende der am schwarzen See lagernden Truppen, bereute es bald, den Befehl gegeben zu haben, alle im Lager befindlichen Frauen und Mädchen sollten sich versammeln, um von ihm selbst verhört zu werden. Der erste Zorn darüber, daß die eingeborenen Soldaten durch den nächtlichen Besuch der Begum verschüchtert worden waren, hatte ihn dazu veranlaßt, alles zu versuchen, dieses Weibes habhaft zu werden.

Aber die weiblichen Mitglieder des Lagers waren meist die Frauen und Töchter der Offiziere, auch an sie war der Befehl ergangen, doch es war ja lächerlich, diese mit der Begum in Verbindung zu bringen.

Schon waren alle am Ufer des schwarzen Sees versammelt, und Wilson mußte aus seinem Lager zu ihnen hinüberreiten. Den Befehl einfach zurücknehmen durfte er nicht, es war auch schon zu spät, und so fand er schnell einen Ausweg.

Es wurde der Berufung eben ein anderer Grund untergeschoben.

Die Damen waren meist in Begleitung der dienstfreien Männer gekommen, um sie herum stand ein Kreis alter Soldaten, welche nicht auf Wache waren.

Höflich grüßend trat der General unter die ihn umringenden Damen.

»Ladies,« begann er, »mein Wunsch, Sie hier versammelt zu sehen, hat natürlich nicht den Grund, daß ich glaube, eine der Damen habe sich den Scherz erlaubt, ihre kriegerische Tüchtigkeit an einigen Posten zu beweisen. Es könnte aber leicht der Fall sein, daß mir von ihnen die eine oder die andere Dame Mitteilung macht ...«

Er wurde unterbrochen.

Ein Soldat brüllte plötzlich laut auf, andere nach ihm, man folgte den Blicken und den ausgestreckten Armen der Schreier und sah mitten über dem Spiegel des Sees einen großen, dunklen Gegenstand, wie von einem Kanonenrohr ausgespien, in die Höhe fliegen, etwa zehn Meter hoch. Dann fiel er zurück, tauchte unter, kam wieder in die Höhe und schwamm nun im Wasser, nur etwas heraussehend, wie der Haifisch mit seiner Rückenflosse.

Man glaubte nicht anders, als der See beherberge in der Tiefe bis jetzt unbekannte Ungeheuer, und ein solches sei nun an der Oberfläche erschienen, über dieselbe hinausgeschnellt und könne den Rückweg nicht finden.

Niemand konnte einen Ruf des Erstaunens unterdrücken. Dieser war es, welcher den Kolonel Harquis bewog, das Opfer seiner Gefühle mitleidlos zu verlassen.

»Ein fliegender Fisch!« brach das Erstaunen bei einem zuerst Bahn.

»Ein Meerungeheuer!« rief ein zweiter.

»Ein vorsintflutliches Ungetüm!« bemerkte ein dritter ebenso geistreich wie sein Vorgänger.

Vergessen war die Versammlung der Damen, vergessen die Begum von Dschansi und alles andere, die Aufmerksamkeit wandte sich nur der riesigen Flosse zu, die noch immer aus dem Wasser hervorsah.

Da konnte man von keiner Täuschung sprechen. Man hatte das unbekannte, dicke Tier aus dem Wasser springen, die meisten es aber auch wieder hinabfallen sehen, und es schwamm noch immer, der obere Teil allen sichtbar, darin umher. Eine Flossenbewegung konnte nicht wahrgenommen werden, das Phänomen schwamm überhaupt nicht, es lag still, nur daß es sich um sich selbst drehte.

»Es versucht sich durch schraubenartige Bewegungen hinunterzuarbeiten, aber es gelingt ihm nicht, weil die Dichtigkeit der oberen Schicht des Wassers zu gering ist, als daß sie der schraubenartigen Schwanzflosse genügenden Widerstand bieten könnte,« meinte ein Offizier der Artillerie.

»Sie scheinen diese schraubenartigen Tiere schon genauer zu kennen!« rief General Wilson. »Los denn, dort liegt ein Boot! Wer von den unverheirateten Offizieren hat Lust, dieses schraubenartige Ungeheuer heranzuholen, wenn es sich nicht hinunterschrauben kann? Nicht schießen, meine Herren!«

Die letzte Aufforderung senkte die Gewehre, die schon nach dem fraglichen Gegenstand zielten, auf die erstere hin sprangen ebensoviel junge Offiziere vor, wie anwesend waren, denn welcher Offizier ließe sich, noch dazu in Gegenwart von Damen, eine Gelegenheit entgehen, eine Probe seines Mutes zu geben! Schnell war das Boot mit einigen Gewehren, Seilen und Stangen ausgerüstet, von raschen Ruderschlägen getrieben schoß es über das Wasser dem fraglichen Tiere zu.

Dieses machte keine Miene zur Flucht, es bewegte sich nicht, und selbst die Drehungen hatten aufgehört. Schnell war der Plan gefaßt, ihm eine Schlinge umzuwerfen. Das erstemal fiel das schwere Tau hart darauf, ohne daß die Schlinge gefaßt hatte, es gab einen hohlen Ton, aber die Flucht ergriff das Tier doch noch nicht.

»Ich kalkuliere, es ist tot!« meinte ein Offizier.

»Das wäre freilich jammerschade!«

Beim zweiten Male gelang der Wurf mit der Schlinge, die Männer ruderten an und zogen das Ungeheuer nach sich.

»Verdammt leicht!« dachten alle. Die Zuschauer traten doch etwas ängstlich zurück, als die Offiziere Miene machten, das Tier an das Ufer zu ziehen. Wer wußte, was für eine ungeheuerliche Gestalt eines Fisches zum Vorschein kam, vielleicht mit riesigen Fangarmen, tellergroßen Augen und den fürchterlichsten Reißzähnen.

Wunderbar, wie federleicht das Ding den Uferrand hinaufrollte und dann auf dem Lande lag wie eine Art von Tonne, ganz glatt, ohne irgend eine Spur von Gliedern.

»Kein Zweifel, es ist eine Abart der Pikroma-gophagen, deren Abdrücke man jetzt noch in Kreidefelsen findet, nur daß hier die Saugarme fehlen, mit denen sie sich fortbewegen,« meinte einer, der mit der vorsintflutlichen Fauna der Erde vertraut war.

Einige Offiziere waren dicht herangetreten und befühlten es.

»Vorsicht, meine Herren, eine Berührung kann ein abscheuliches Brennen und Jucken hervorrufen!«

»Die Haut fühlt sich wie Gummi an!«

»Oder wie Guttapercha!«

»'s ist gerade wie ein Faß aus Gummi!«

Plötzlich stoben die Männer auseinander, denn das scheinbar tote Tier hatte ein unheimliches Brummen ausgestoßen.

»Es lebt! Es lebt!«

Da, o Wunder, sprang die obere Stelle der Hautoberfläche plötzlich wie ein Deckel empor, etwas Rotes, Haariges kam zum Vorschein, und dann folgte zum unermeßlichen Staunen aller ein menschliches Gesicht. Es war wirklich und blieb ein rothaariger Menschenkopf.

»Guten Morgen, Ladies und Gentlemen – oder ist es schon Abend? Wie hoch ist sie denn gehuppt?« fragte der rote Kopf in gemütlichem Tone und schaute sich im Kreise um.

General Wilson fand zuerst seine Fassung.

»He, ist das nicht ein Mensch?« fragte er.

»Nu, natürlich bin ich einer.«

»Aber woher um Gottes willen kommst du denn?« Der Mann deutete mit dem Daumen über die Schulter nach dem See.

»Von dorther.«

»Aus dem See?«

»Freilich.«

Das Staunen verringerte sich nicht bei dieser Erklärung, es wuchs vielmehr.

»Wie lange warst du denn unterm Wasser?«

»Nur so etliche Minuten.«

»Wir verstehen nicht!«

»Nu lassen Sie mich gefälligst einige Fragen stellen, dieweil ich keine Zeit zu verlieren habe. Ist hier ein General Nicholson?« »Noch nicht, vielleicht trifft er noch hier ein. Ist deine Botschaft an ihn gerichtet, du Abgesandter des Wassergottes?«

»Mit dem Wassergott habe ich gar nischt zutun, ich müßte gerade selbst einer sein. Oder ist nicht sonst so'n General zufälligerweise in der Nähe?«

»Es steht einer vor dir: General Wilson.«

»Sehr angenehm, August Hefter, Strumpfwirker,« sagte der Mann und legte zwei Finger dahin, wo die Mütze sitzen sollte. »Na, da komme ich ja gleich an den Richtigen. Ich komme nämlich direktemang aus dem sogenannten Felsentempel der Göttin Kali, der da oben im Pandschab liegt, und da drinnen sind so ungefähr hundert Männer und Frauen und Kinder, die alle von den Thags abgeschlachtet werden sollen, wenn sie's nicht schon sind. Das ist der erste Teil meiner Berichterstattung.«

Man glaubte es mit einem nicht recht Geistesnormalen zu tun zu haben. Aber schon seine Erscheinung war so wunderbar.

»Woher kommst du?« fragte Lord Canning.

»Aus dem Felsentempel der Göttin Kali, wo die Thags sein tun.«

»Ah, Kali!«

»Ja, richtig, Kali heißt das Frauenzimmer. Also die Gefangenen, welche früher in Delhi gewesen sind, sind nun von den Thags dahin gebracht worden, und meine Wenigkeit kam später auch noch dazu. Da wurden wir nun bei Wasser und Brot gehalten, und schließlich sollten wir auch noch für die Kali geschlachtet werden, ob wir wollten oder nicht. Mit einem Male kam Herr Reihenfels, das ist mein Herr, – kennt jemand unter Ihnen den Mister Oskar Reihenfels?«

»Ja, ich kenne ihn. Nun? Erzähle schnell, mir scheint, eine jede Minute ist kostbar.«

»Na, der kam also, um uns zu retten ...«

»Er hatte sich in den Tempel eingeschlichen?«

»Ja, er war als Indier verkleidet, und eine indische Bajadere – Makalli, glaube ich, hieß wohl das Frauenzimmer – hatte ihn hineingeführt. Sie wollte einen schottischen Offizier retten, Mac Sulivan, aber der wollte nicht ...«

»Mac Sulivan!« erklang es fast aus aller Mund.

»Ja, so hieß er. Ich kann Ihnen auch noch andere Namen nennen, die ich gehört habe.«

Wenn nicht Canning zur Eile angetrieben hätte, würde August noch sehr lange und ausführlich erzählt haben. Schließlich hätte man alles erfahren, aber man würde ihm diese schier unmöglichen Begebenheiten sicher nicht geglaubt haben, wenn nicht August in Person den Beweis geliefert hätte, daß er wirklich in dieser Gummitonne den Wasserfall hinabgefahren und dann den Weg von fast hundert Meilen in einem unterirdischen Wasserlauf zurückgelegt hätte.

»Und nun noch eins,« schloß August endlich. »Wie hoch ist denn der Gummiballon übers Wasser gehuppt?«

»Zehn Meter auf jeden Fall.«

»Hui, das ist hoch.«

»Warum sahst du nicht gleich oben heraus?«

»Ja, das war eine fatale Geschichte. Die Tonne drehte sich nämlich in der Luft um, ich kam auf den Kopf zu stehen, und weiß der Deixel, ich konnte nicht wieder auf die Beine kommen. Offen machen konnte ich doch unten nicht, sonstens wäre ja das ganze Wasser zu mich ins Faß gelaufen gekommen.«

So gern August auch noch von seiner abenteuerlichen Fahrt erzählt hätte, augenblicklich fand er keine Zuhörer, denn alle beschäftigten sich mit dem eben Gehörten. Ihre Kameraden, Frauen und Kinder waren in der Burg Malangher, im Tempel der Thags, sie sollten geopfert werden, wenn sie es nicht schon waren oder wenn es dem mutigen Reihenfels nicht gelungen war, sie zu retten! »Auf denn,« erscholl der Ruf durch das ganze Lager, »auf nach Malangher! Zur Rettung oder zur Rache!«

Vergessen war die Begum von Dschansi, vergessen, warum die Damen sich hier versammelt hatten.

Diese Vergessenheit machte sich der alte Sedrack zunutze, er verduftete, wie man sagt, ohne daß jemand ihn aufgehalten hätte, ja, es gelang ihm sogar in der allgemeinen Aufregung, sich durch die Vorpostenkette zu schleichen. Er dachte nicht an die Mitnahme seines Esels und seiner Habseligkeiten, nur fort von diesem Ort, wo er bald in die unangenehmste Lage gekommen wäre, nämlich als Spion gefangen zu werden, und ebensowenig dachte er daran das Mädchen mitzunehmen.

Dieses hatte sich dicht an das Faß gedrängt und lauschte der Erzählung Augusts mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. Nicht genug damit, Mirja mischte sich dann auch unter die Offiziere, suchte in die Nähe von Lord Canning zu kommen, und kein Wort ging ihren Ohren verloren. Niemand achtete jetzt auch auf die Jüdin, die Aufregung war eine zu gewaltige.

»Sie können nicht mit,« sagte Wilson zu Canning, »Ihre Anwesenheit hier ist unbedingt nötig.«

»Ich weiß es,« sagte Canning, »aber Franziska!«

August hatte nicht sagen können, ob Franziska mit unter den Gefangenen gewesen war.

Er vermutete es aber.

»Ihr Bruder ist bei ihr.«

»Was kann er helfen, ein einziger Mann? Sie haben keine Waffen – tausend Mann gegen sechzig – die Bajadere sagte selbst, es gebe keine Rettung!«

»Lord, bedenken Sie, Sie kämen auch zu spät. Es handelt sich nur noch um Aufhebung dieses Würgernestes und um Rache.«

»Wahrscheinlich, wahrscheinlich nur! Nehmen Sie mir nicht allen Trost! O Gott, was soll ich tun!«

»Wenn geteiltes Leid halbes Leid ist, so sehen Sie um sich, sehen Sie diese niedergeschlagenen oder verzweifelten Gesichter. Mancher weiß den, den er liebt, ebenfalls in diesem Tempel, auch ihn glaubt er schon tot.«

»Wilson, Sie sind ein schlechter Trostspender: Franziska! Franziska!«

»Überlassen Sie alles unseren jungen Offizieren, die ich schnell abteilen werde, vertrauen Sie sich einem von ihnen an, und er wird handeln, als wäre er Sie selbst. Sie können nicht mit, Sie müssen hierbleiben.«

»Ich weiß es.«

Canning sah sich um. Die Offiziere ordneten sich. Wilson drückte sich noch einmal mit kurzen Worten aus, um was es sich handele. Er wählte zehn Offiziere, welche fünfhundert englische Dragoner im schnellsten Ritt nach Malangher führen sollten. Wie sie hineinkämen, das bliebe ihnen überlassen.

Die ausgewählten Offiziere jauchzten vor Freude fast auf, daß sie ihre Kameraden retten oder rächen durften, sie schwuren allen Thags, die sie fanden, unerbittlichen Tod. Die, welche von der Wahl nicht getroffen waren, fühlten sich zurückgesetzt, bis sie einsahen, daß nicht alle das Lager verlassen konnten.

Niedergeschlagen stand ein junger Offizier zur Seite, an seinem Bandalier hing kein Degen. Canning trat zu ihm.

»Leutnant Russell,« redete er ihn an und reichte ihm die Hand, »wollen Sie sich dem Zuge anschließen?«

Verwundert schaute der Leutnant auf.

»Und ob ich will, Exzellenz! Aber Sie wissen vielleicht noch nicht, ich bin nicht gerade Gefangener, aber ...« »Ich weiß, ich weiß. Wer kann dafür, wenn man überlistet wird? Wollen Sie den Zug mitmachen?«

»General Wilson ...«

»Ist damit einverstanden.«

»Ich darf meinen Degen nicht ...«

»Ich gebe Ihnen den meinen, Sie sollen ihn für mich führen. Hören Sie, unter den Gefangenen befindet sich ein Mädchen, es heißt Franziska Reihenfels und ist die Schwester desjenigen, der sich in den Tempel eingeschlichen hat. Franziska ist meine Braut. Vertreten Sie meine Stelle, führen Sie meinen Degen, wenn es ihre Rettung gilt, und – bringen Sie sie mir zurück. Russell, bringen Sie mir Franziska zurück!«

Der Leutnant sah in den Augen des Gouverneurs Tränen glänzen. Er drückte ihm leidenschaftlich die Hand.

»Und wenn mir dies nicht möglich ist, dann soll Ihr Degen in meiner Hand Ihre Braut rächen,« rief er begeistert.

»Verhüte Gott, daß dies nötig ist! Diesen Auftrag gebe ich Ihnen auch nicht, das überlasse ich Ihnen und Ihrem Gewissen. Eilen Sie, eilen Sie! Die Dragoner sitzen schon auf. Werfen Sie sich auf das erste Pferd und jagen Sie nach meinem Zelt im Lager der Sikhs. Hier, mein Siegelring, zeigen Sie ihn der Wache vor. Im Zelt hängt mein Degen, er wird Ihnen nicht zu schwer sein, auf dem Tisch liegen die Sporen, lassen Sie sich den schwarzen Hengst geben, er ist der schnellste.«

Russell sprang schon nach dem ersten an einem Zelt angepflockten Pferd, wechselte mit der Wache einige Worte und jagte davon.

Die fünfhundert Dragoner sammelten sich, wurden geordnet, und die ausgewählten Offiziere stellten sich außer den Führern der Schwadron an die Spitze.

August, der seitdem unbeachtet geblieben war, machte jetzt seine Person geltend.

»Nun, Herr General,« wandte er sich an Wilson, »ich dächte, man könnte mich auch ganz gut bei diesem Spazierritt verwenden.«

»Dich, wozu?«

»Na, ich bin doch eigentlich der Mann der ganzen Mache!« entgegnete August selbstbewußt.

»Das ist allerdings wahr, du hast uns wenigstens die Nachricht gebracht, für die wir dir sehr dankbar sind. Deine Belohnung soll dir auch zuteil werden. Aber den Weg nach Malangher wissen die Offiziere allein zu finden.«

»Nicht beleidigend werden, Herr General, dies gib's nicht bei mich. Ich denke, ich kann dabei ganz nützlich werden. Wie wär's so zum Beispiel, wenn ich das Faß mitnehme und es dann, wenn wir in der Burg ausgerichtet haben, was sich erreichen läßt, mit einem Briefe wieder in den Wasserfall hineinschmeiße? Dann wäre in ein paar Minuten gleich Nachricht da. Was, he? Der Gedanke ist nicht so ohne.«

»Wahrhaftig, da hast du einen glücklichen Gedanken!« rief Wilson erfreut. »Aber das große Faß würde beim Reiten sehr hinderlich sein.«

»Nicht im geringsten! Passen Sie mal auf!«

Er drückte oben auf den Deckel, und das Faß klappte plötzlich platt zusammen.

»Das ist herrlich, so geht's!«

»O, ich kenne noch mehr, was von Nutzen sein kann. So zum Beispiel hat Mister Reihenfels eine Schnur gelegt, an der man sich nach dem Wasserfall finden kann, was nämlich sonstens ganz unmöglich ist, weil man sich egal verlaufen würde.«

»Gut, du gehst mit! Kannst du reiten?«

»Nee.«

»Nicht? Ja, wie denn?« Ich setze mich einfach auf den Buckel von das Tier und halte mich mit Armen und Beinen krampfhaft fest.«

Gedacht, getan! Eine Minute später brauste die Schwadron unter Hurrarufen und den Segenswünschen der Zurückbleibenden davon, hinterher August, der wie ein großer Affe auf dem nur mit einer Decke belegten Rücken des Pferdes saß.

Auf seinem Rücken wieder war das zu einer Scheibe zusammengeschlagene Faß befestigt.

Kurze Zeit darnach sprengte ein schwarzes Roß dem schon verschwindenden Zuge nach, und mit Erstaunen erkannte man in dem Reiter Leutnant Russell.

»Ich habe ihn als meinen Ersatzmann gewählt,« erklärte Canning, »er soll für mich handeln.«

Eine berittene Ordonnanz kam von der Vorpostenkette heran und machte an Wilson eine Meldung. Er wurde von diesem an Canning verwiesen.

»Die Vorposten haben einen Fakir angehalten, Exzellenz,« meldete er, »der Mann fragt nach Lord Canning.«

»Einen Fakir?« fragte Canning kopfschüttelnd. »Hat er nicht gesagt, was erwill?«

»Nichts, als daß er Euer Exzellenz sprechen will.«

»So laß ihn hierherbringen und sorge dafür, daß er nicht spioniert und dann die Flucht ergreift.«

Die Ordonnanz schien mühsam ein Lächeln zu unterdrücken, als er sein Pferd wendete, um zurückzugaloppieren.

Dann sah man vier Soldaten mit geschultertem Gewehr ankommen, sie gingen merkwürdig langsam, und seltsam war es, daß man den nicht erblickte, den sie begleiten sollten. Anscheinend schlenderten sie nur so gemütlich einher, und beim Näherkommen bemerkte man auch, daß sie recht grinsende Gesichter zeigten.

»Ja, was ist denn das für eine merkwürdige Mißgeburt?« rief plötzlich ein Offizier ans.

Jetzt endlich bemerkte man den Fakir. Einige wurden von Staunen, andere von Ekel ergriffen.

Zwischen den Soldaten schleppte sich ein Mann hin, der mit dem Bauche, auch noch mit dem unteren Teile der Brust platt auf der Erde lag und statt der Beine sich der Hände zur Fortbewegung bediente. Die Beine schleppte er langausgestreckt hintennach, oder sie waren überhaupt keine Beine mehr zu nennen, sondern nur mit Haut überzogene Knochen. Kein Lot Fleisch war mehr daran.

Im Gegensatz dazu waren die Arme ungeheuer stark entwickelt, ebenso war die Brust schön gebaut und gewölbt. Das Gesicht war ganz das eines Frosches; der Mund reichte fast von einem bis zum anderen Ohr, und die Augen quollen hervor. Von Haaren war keine Spur zu sehen.

Der nur mit einem Lederschurz bekleidete Mann stützte immer die Hände vor sich auf den Boden, stemmte sich etwas in die Höhe und zog sich so vorwärts. Konnte die Hand eine Wurzel erreichen, so zog er sich an dieser über den Erdboden hin, und dann ging es etwas schneller, aber natürlich immer noch langsam genug, fast schneckenartig.

Man konnte nicht urteilen, zu welcher Rasse dieses Individuum gehörte, dem Gesichtsausdruck nach überhaupt gar nicht. Die Hautfarbe war nicht an der Sonne gebräunt, sie wäre vielleicht weiß gewesen, aber der Körper war mit Staub und Schmutz bedeckt.

»Dies ist der Fakir?« fragte Canning, nach dem er dieses Individuum lange genug betrachtet hatte.

Er übernahm die Verantwortung selbst.

»Ich bin der, welcher dich sprechen wollte, wenn du Lord John Canning, der Generalgouverneur von Indien bist,« kam es in einem Tone, der nur als quakend bezeichnet werden kann, aus dem breiten Munde. Dabei zeigte sich, daß er keinen einzigen Zahn besaß. »Der bin ich. Beantworte erst meine Fragen, denn du bist fremd in diesem kriegerischen Lager. Bist du ein Fakir?«

»Nein, Herr, ich bin so geboren, wie du mich hier siehst,« quakte es aus dem Maul.

Canning hatte wie die übrigen geglaubt, es mit einem Fakir zu tun zu haben, der einst das Gelübde getan hatte, nie mehr seine Füße zu gebrauchen, so daß diese nun völlig verwelkt und vertrocknet waren.

Man begegnet in Indien manchmal Fakiren, welche ein solches Gelübde geleistet und gehalten haben; aber hier war ein ganz merkwürdiger Fall an sich vorhanden, denn der Mensch hatte das Aussehen eines Frosches, dessen Hinterbeine gelähmt und abgestorben waren, ebenso wie der Kopf der eines Frosches war.

»Du bist so geboren?«

»Ja, Herr, meine Mutter erschrak, als sie mit mir ging, vor einem gelähmten Frosch.«

»Bist du ein Indier?«

»Ich weiß nicht, Herr.«

»Woher kommst du?«

»Von da, wo ich wohne.«

»Wo wohnst du?«

»Ich weiß nicht, Herr.«

Die Umstehenden sahen sich erstaunt an. Ein Scherz von seiten dieses Unglücklichen lag wohl nicht vor. Man hatte es eben nochmals mit einem Rätsel zu tun, und es schien nicht, als ob hier die Lösung wieder so bald folgen sollte, wie vorhin bei dem vermeintlichen Ungeheuer des schwarzen Sees.

Auch konnte man bei diesem unglücklichen Geschöpf vermuten, daß der Verstand nicht normal war, ein Grund mehr, ihm gegenüber rücksichtsvoll zu sein.

Canning wurde von Wilson gebeten, weiter zu forschen.

»Wie heißt du?«

»Mein Vater nennt mich Kulwa.« Frosch.

»Wer ist dein Vater?«

»Das, was sein Name sagt – ein Phangil.« Maulwurf.

»Wo ist dein Vater?«

»In unserer Wohnung.«

»Wo lebt ihr denn nur?«

»Herr, das weiß ich nicht, aber du sollst es erfahren.«

»Ich«

»Ja, wenn du willig bist.«

Canning wußte nicht, was er davon denken sollte. Erst wollte er die Neugier der Umstehenden befriedigen.

»Und wovon lebt ihr?«

»Der Maulwurf lebt von Würmern, der Frosch von Fliegen.«

»Hm, keine appetitliche Nahrung. Also lebst du von Fliegen?«

»Ich ziehe Fische vor.«

Dabei schnalzte die Zunge in dem breiten Maule.

»Woher kennst du denn meinen Namen?«

»Meine Frau sagte ihn mir, auch, wo du zu finden bist, doch lange habe ich nach dir gesucht.«

»Wie, du hast eine Frau?«

Der Frosch ließ seine wässerigen, großen Augen im Kreise umherschweifen, ohne den Kopf dabei zu bewegen, schien besonders jede Dame zu mustern, schlug sie dann wie entzückt zum Himmel auf und sagte, eine Hand aufs Herz legend: »Ob ich eine Frau habe? O!«

»Die möchte ich sehen,« lachte ein Offizier.

»Möchtest du? Das glaube ich. Sie ist schöner als irgendeine hier, und so jung, so jung!«

»Na na, Mister Kulwa! Wie alt bist du denn?«

»Mein Vater sagt, ich sei schon über vierhundert Jahre alt.«

»Puh, das ist alt! Und wie lange bist du schon verheiratet?«

»Die Ströme sind seit meiner Heirat erst achtmal gestiegen.«

Das sollte also acht Tage bedeuten, denn die Ströme Indiens schwellen jeden Tag einmal an.

»Also jung verheiratet. Wie heißt denn deine Gemahlin?«

»Ich weiß nicht.«

Lord Canning übernahm wieder das Verhör.

»Warum hast du nach mir gefragt?«

»Ich werde zu dir geschickt.«

»Von wem?«

»Von meiner Frau.«

»Kennt diese mich denn?«

»Sehr gut, und du kennst sie.«

»Ich?« rief Canning fast erschrocken.

»Ja, du kennst sie sehr gut.«

»Und was will sie von mir?«

»Sie schickt dir etwas – hier das.«

Der Frosch öffnete sein Maul, griff mit der Hand in die Backentasche und brachte eine kleine, silberne Kapsel hervor, die er Canning hinhielt.

»Dies schickt dir meine Frau.«

Es war seltsam, mit welchem Nachdruck er immer das ›meine Frau‹ betonte, es lag darin etwas wie prahlerischer Stolz.

Canning mußte erst eine Anwandlung von Widerwillen bekämpfen, ehe er die Kapsel nahm, welche in dem Maule dieses Froschmenschen aufbewahrt worden war. Aber seine Spannung war aufs höchste gestiegen, hier lag abermals ein Rätsel vor.

»Folge ihr, folge ihr, Lord Canning,« rief oder quakte der Froschmensch plötzlich laut, duckte sich, seine Muskeln schwollen wie Berge an, eine eigentümliche Bewegung mit dem Unterleib, und er schnellte in einem ungeheuren Satz über die ihn Umstehenden hinweg, noch einige Sprünge, jeder von vier Meter Länge, und er fiel plätschernd in das Wasser des schwarzen Sees.

Die Erstarrung, welche die Zuschauer ergriff, läßt sich denken. Wortlos blickten sie nach der Stelle der Oberfläche des Sees, wo dieses zweite Phänomen des heutigen Tages verschwunden war.

Auf dem Wasser trieben zitternd große Kreise auseinander, aber der Kopf dieses menschlichen Ungeheuers tauchte nicht wieder auf.

Minute nach Minute verstrich, ohne daß jemand fähig war, sich zu rühren oder zu sprechen, doch nichts erschien.

»Ja, wo ist denn der Kerl geblieben?« brach endlich ein Offizier dieses drückende Schweigen.

Man sah sich an, man blickte nach der Stelle, man überflog den See mit den Augen, so weit man konnte, aber der Froschmensch tauchte nicht wieder auf.

»Träume oder wache ich?« flüsterte jemand. »Nein, nein, es ist Wirklichkeit! Wir alle haben doch dasselbe gesehen. Nicht wahr?«

Man bejahte, und jetzt kam wieder Leben in die Erstarrten. Man erging sich in allerhand Vermutungen – es waren eben nur Vermutungen, sie brachten das rätselhafte Geschöpf nicht wieder.

»Und da sage jemand, es passierten heutzutage keine Wunder mehr! Das ist heute schon das zweite.«

»Das erste hat sich erklärt.«

»Vielleicht finden wir auch noch die Lösung des zweiten.«

»Aber die Kapsel, Lord Canning, die Kapsel!« rief Wilson.

Richtig, die Kapsel hatte man in der ersten Überraschung ganz vergessen! Vielleicht konnte sie Aufklärung geben.

Sie besaß die Gestalt einer Kugel, war aus Silber, und um sie herum lief eine Ritze, also mußte sie hohl sein und geöffnet werden können. Canning brauchte nicht lange tastend zu drücken, so sprang sie auf, und er erblickte in dem Hohlraum ein Zettelchen.

Er faltete es auseinander, las die gekritzelte Schrift, fuhr sich mit der Hand über die Augen und blickte verwirrt im Kreise umher.

Alles sah gespannt nach ihm hin. Man wußte nicht, ob die Röte, die plötzlich in seinem Gesicht aufstieg, der Freude oder Sorge entsprang.

»Wie ist mir denn? War hier nicht eben ein alter Jude?« fragte er.

Sedrack war nicht mehr zu sehen.

»Er scheint sich während dieser Szenen unsichtbar gemacht zu haben,« entgegnete Kolonel Harquis. »Befehlen Exzellenz, daß ich ihn suchen lasse?«

»Nein, nein, es war auch ein Mädchen, ganz verhüllt, bei ihm.«

»Das war seine Tochter; Exzellenz. Diese Juden hielten sich hier auf, um Handel anzuknüpfen.«

»Wo waren sie untergebracht?«

»An der äußersten Grenze der Vorpostenkette.«

»Es war seine Tochter?«

»Jawohl, Exzellenz. Der alte hieß Sedrack, seine Tochter Mirja.«

»Mirja, Mirja,« rief Canning; »aber wo ist sie? Es ist nicht möglich!«

Es konnte festgestellt werden, daß Sedrack schon verschwunden war, als man sich mit der Gummitonne beschäftigte; das vermummte Mädchen dagegen war noch lange inmitten der Gesellschaft gesehen worden. Einige der Offiziere und der Damen konnten bestimmt behaupten, daß sie noch beim Abritt der Dragoner mitten zwischen ihnen gewesen war, dann aber konnten sie sich nicht mehr entsinnen, sie noch einmal erblickt zu haben. Wie der Vater, so war auch sie jetzt verschwunden.

»So versucht sie zu finden, rief Canning hastig, »ich muß sie sprechen, oder – ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht, ich irre von einem Rätsel zum andern.«

Niemand konnte sich diese furchtbare Erregung Cannings erklären. Jedenfalls aber mußte sie mit dem Zettel in der Kapsel zusammenhängen.

Als er sich etwas gesammelt hatte, wandte er sich an Wilson.

»Ich muß das Lager verlassen, ich muß. Ich sehe keinen anderen Ausweg, ich muß wenigstens einige Tage auf eigene Faust handeln.«

»Verzeihen Sie, Lord,« entgegnete Wilson sehr ernst, »wenn ich Sie zur Mäßigung Ihrer Aufregung ermahne. Ich bin bedeutend älter als Sie und darf mir daher wohl so etwas erlauben.«

»Sie dürfen es überhaupt!« rief Canning etwas pikiert. »Führe ich auch noch den Titel eines Generalgouverneurs, trotz des Krieges, so habe ich doch nichts mehr zu sagen; denn es sind ja keine Handelsinteressen mehr für England zu wahren. Sie brauchen mich nicht erst daran zu erinnern, daß ich den Kriegführenden nur meinen Rat zur Verfügung zu stellen habe, weil ich das Land am besten kenne, daß ich aber sonst ihren Befehlen, soweit sie den Kriegsplan betreffen, zu gehorchen habe, also auch Ihrem Befehl, Herr General!«

»O, Lord, ich sprach von keinem Befehl.«

»Ich nehme es als eine Andeutung an, daß Sie Ihren Wunsch, ich soll mich so lange hier aufhalten, bis General Nicholson eingetroffen ist, von mir befolgt haben wollen. Sie sind auch vollkommen im Recht.«

»Lord, Sie gehören nicht sich selbst. Ich ahne, Sie haben etwas vor, wovon England keinen Nutzen hat.«

»Sie haben wieder recht: nein, ich gehöre nicht mir selbst an, sondern dem, dem ich zu dienen geschworen habe, und meinem Vaterlande. Aber es können Gelegenheiten kommen, wo man im tiefsten Herzen empfindet, daß man anderen Personen mehr gehört als denen, welchen man Treue geschworen hat – für ihren Vorteil.«

Wilson zog finster die Brauen zusammen, zuckte die Achseln und wendete sich ab.

Auf schaumbedecktem Pferde kam ein Reiter herbeigejagt, ein Offizier. Die weiße Schärpe bezeichnete ihn als Ordonnanz. Hinter ihm tauchten noch mehrere schwerbewaffnete Gurgghas auf, denen er wahrscheinlich vorausgeeilt war, als er das sichere Lager vor sich sah.

»Hurra für England,« jubelte er schon von weitem und schwang die Mütze. »Sieg bei Lahore, General Nicholson hat die Rebellen zum zweiten Male vollständig geschlagen!«

Die Engländer stimmten mit ein in den Hurraruf, doch die eigentliche Depesche der Ordonnanz war diese Siegesnachricht nicht.

Er sprang vom Pferd und trat zu Wilson.

»An den kommandierenden General der Bombay- und Madrastruppen,« sagte er, und überreichte ihm ein Schreiben, denn er wußte, daß Wilson diese Stellung jetzt einnahm.

»Wie? Lord Canning selbst?« rief er dann erstaunt.

Er entnahm seiner Brusttasche ein Kuvert in Wachstuchverpackung und gab es dem Lord.

»Ich habe Euer Exzellenz schon in verschiedenen Lagern vergebens gesucht.«

Als Wilson sein Schreiben gelesen hatte, zuckte es verräterisch um seine Mundwinkel.

Dann trat er, die Hand an der Mütze, in militärischer Haltung vor Canning hin.

»Melde mich Euer Herrlichkeit als dem Kommandeur der Bombay- und Madrastruppen.«

Lächelnd nahm Canning ihm die Hand von der Mütze und schüttelte sie.

»Ich konnte wahrhaftig nicht wissen, daß im nächsten Augenblick ein solcher Wechsel stattfand, der mich zu Ihrem Untergebenen macht,« fügte Wilson hinzu.

»Vergessen wir, was vorhin vorgefallen ist, ich war sehr erregt und bin es noch jetzt.

Nehmen Sie meine erste Anordnung entgegen. morgen rücken wir von hier ab, übermorgen liegen wir vor Delhi, auch wenn Nicholson noch nicht eingetroffen ist. Heute und diese Nacht werde ich den Belagerungsplan ausgearbeitet haben. Bitte, machen Sie die Herren mit den Veränderungen bekannt, die stattgefunden haben. Kolonel,« rief er dem herbeikommenden Harquis entgegen, »hat man das Mädchen noch nicht finden können?«

»Nein, Exzellenz. Einige Wachen behaupten, sie hätten es schon jenseits der Vorpostenkette laufen sehen.«

Canning bestieg sein Pferd und ritt nach seinem Zelt. Für ihn begann jetzt eine fieberhafte Tätigkeit.

»Meine Herren,« wandte sich Wilson an die versammelten Offiziere, »auf Befehl Ihrer Majestät der Königin ist für den am 27. Mai zu Kalkutta verstorbenen Lord Unsom als Feldzeugmeister des Angloindischen Reiches Sir Colin Campbell ernannt worden. Seine Exzellenz Lord Canning, Generalgouverneur von Indien, übernimmt die Leitung des Kriegsrates zu Kalkutta. Dies zur Kenntnis, meine Herren, daß Lord Canning nicht mehr Beamter mit Generalsrang, sondern Ihr direkter und höchster militärischer Vorgesetzter ist.« Jetzt brauchte Canning niemandem mehr Rechenschaft von seinen Handlungen zu geben, er hatte über die kriegerische Macht Indiens zu befehlen; aber das, was er vorhatte, um das ihm gegebene Rätsel zu lösen, forderte nur seine eigene Person auf Tod und Leben heraus.

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