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Um die indische Kaiserkrone I.

Robert Kraft: Um die indische Kaiserkrone I. - Kapitel 29
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typefiction
authorRobert Kraft
titleUm die indische Kaiserkrone I.
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29. Neue Bekanntschaften

Vor dem Häuschen, das Moore bewohnte, stand ein Mann und klopfte, und als sein mehrmaliges Klopfen vergeblich war, wandte er sich an einen Vorübergehenden, der eben ein benachbartes Haus verlassen hatte.

»Wohnt hier Mister Moore, Sir?«

Der Angeredete blieb lange die Antwort schuldig, so erstaunte er über den Anblick des Fremden.

Dieser nämlich, eine untersetzte, magere Gestalt, war eine sehr auffällige Erscheinung.

Die Beine staken in ein paar Hosen, die aus irgend einem unbekannten, rotbraunen Stoff gefertigt sein mußten, jedenfalls aber trug sein Besitzer sie schon jahrelang, sie glänzten von Fett und Schmutz. Den Oberkörper bedeckte eine weit herabreichende Jacke von demselben Stoff, und an den abgeschabten Ärmeln konnte man sehen, daß es Leder war, wie auch die hackenlosen Schuhe wohl aus rotem Leder bestanden, jedoch von keinem Schuster gemacht worden waren. Vom Gesicht konnte man nichts weiter sehen als eine kleine rote Nase, und zwei blinzelnde, graue Augen, das andere verhüllte ein großer, feuerroter Vollbart und eine Pelzmütze von derselben Farbe, die selbst die Ohren vollkommen bedeckte.

Das also war Dick Red, der Begleiter des Mister Woodfield, jener Mann, von dem man in Wanstead so viel zu erzählen wußte, der sich aber leider so selten an der Öffentlichkeit zeigte, daß man nicht selbst prüfen konnte, ob die über ihn durch Diener der Lady Carter verbreiteten Gerüchte wahr seien oder nicht. Nun, der Name Red, auf deutsch Rot, paßte auf ihn, denn dieser Mann war von oben bis unten in ein schmutziges Rot gekleidet, und Haar und Gesicht waren sogar fuchsrot.

Dick hatte die Hände in die Hosentaschen versenkt und stand breitbeinig da, ruhig wartend, bis der Gefragte ihn genug gemustert hatte. Zuletzt dauerte Lea ihm aber, doch zu lange.

»Wenn Ihr mich genug angestarrt habt, dann dürft Ihr mir einmal antworten, das heißt, wenn es Euch nicht weiter geniert.«

Ja, das war Dick Red.

»Was fragten Sie, Sir?«

»Hahaha, hat der Kerl aber ein kurzes Gedächtnis! Ob Mister Moore hier wohnt?«

»Ja, der wohnt hier,« entgegnete der Gefragte und entfernte sich schnell, um mit dem, Manne nicht näher in Berührung zu kommen, der wegen seiner Grobheit schon in den wenigen Tagen seines Hierseins sprichwörtlich geworden war.

Dick klopfte noch einmal an das offene Fenster und blickte in die Stube. Es war natürlich niemand darin. Der Rote besann sich nicht lange, er hob erst das eine Bein, dann das andere und stieg gemächlich ein.

»Also hier ist Charlys Heimat!« brummte er in den Bart. »Na, da wollen wir einmal auf ihn warten; lange wird er wohl nicht bleiben.«

Er vertrieb sich die Zeit nicht nur damit, daß er sich die Bilder an der Wand ansah, sondern er probierte auch; ob sich die Schubkästen der Kommode öffnen ließen, ob die Schranktüren offen waren, fand jedoch alles verschlossen, bis auf einen kofferähnlichen Kasten, den er sofort ungeniert aufmachte und darin zu wühlen begann. Als er nichts weiter als alte Kleider darin fand, schlug er den Deckel mit einem unwilligen Brummen wieder zu.

Nach einem kleinen Spaziergange durchs Zimmer wurde es ihm zu heiß, er entledigte sich seines Rockes und warf diesen auf das in einer dunklen Ecke Stehende Sofa. Unter dem Rocke trug er ein mit Fransen besetztes, ledernes Jagdhemd, um die Hüften einen breiten Gurt, an dem Revolverfutteral hingen noch ein langes, breites Messer in Scheide, der Tabaksbeutel und die hölzerne Pfeife. Der Mann machte ganz den Eindruck eines Präriejägers, nur, daß die Umgebung nicht zu ihm paßte.

»Hm, bleibt verdammt lange!« knurrte er. »Scheint hier überhaupt eine lumpige Wirtschaft zu herrschen, und wenn niemand kommt, so werde ich mich gar nicht genieren und –« Er blieb plötzlich bei einem Schranke stehen und sog die Luft durch die Nase ein.

»Verdammt will ich sein, wenn das nicht nach Speck und Käse riecht, jetzt merk' ich's noch deutlicher als vorhin. Muß doch einmal sehen.«

Der Schrank war verschlossen, aber Dick wußte Rat, sah sich im Zimmer um, stieg auf einen Stuhl, nahm ein Bild von der Wand und lockerte den Nagel, an dem es gehangen, bis er ihn herausziehen konnte. Dann trat er auf den Nagel und bog ihn ohne große Mühe zu einem Haken.

»So, dos wird's tun!« schmunzelte der Eindringling, steckte den Haken ins Schloß des Schrankes und öffnete geschickt die Tür.

»Aaah – Speck, Käse, Eier und kalter Hammelbraten. Dick, was willst du noch mehr? Hoch lebe der Mann, der sich zu helfen weiß!«

Er bestellte den Tisch nur mit dem, was er zur Stillung seines Hungers brauchte; Messer, Gabel, Teller und so weiter verschmähte er, ebenso wie er auch das Brot im Schranke liegen ließ, denn: »die englischen Bäcker tun zu viel Mehl ins Brot, verdammte Angewohnheit!«

hatte er geknurrt.

Dann zog er sein Bowiemesser aus der Scheide und begann jene Arbeit, welche man nicht besser als mit Einhauen bezeichnen kann.

Nachdem er zur Anregung des Appetits ein halbes Dutzend rohe Eier ausgesaugt hatte, beschäftigte er sich eingehend mit dem Hammelbraten, stand aber schon nach dem ersten Bissen wieder auf und begann feine Hosen- und Rocktaschen zu visitieren. Er brachte verschiedene nützliche Sachen hervor, wie Bleikugeln, Schrotkörner, Primtabak und so weiter, alles reichlich vermischt mit Brotkrümeln; seinem Kopfschütteln nach war das Gesuchte jedoch nicht darunter. Dann wühlte er auch noch in dem Tabaksbeutel, aber ebenfalls vergeblich.

»Keinen lumpigen Penny mehr!« brummte er in den Bart.

Da sah er draußen ein halbwüchsiges Mädchen vorbeigehen. Schnell sprang er an den Schrank, ergriff zwei große Krüge und war mit einem Satz wieder am Fenster.

»He, holla, mein Schatz!« rief er dem Mädchen nach.

Dieses schaute sich um und ging zögernd zurück. Der Mann mit dem seltsamen Aussehen war ihr zwar fremd, aber sie kannte die Bewohner des Hauses gut, aus dessen Fenstern er sah.

»Ist ein Bierhaus in der Nähe?« fragte Dick.

»Mehr als eins,« entgegnete das Mädchen, den fremden staunend betrachtend.

»Dann nimm die beiden Krüge, geh nach dem nächsten Bierhaus und bestell einen schönen Gruß von Mister Moore, der Wirt möchte dir beide Krüge vollmachen. Bezahlt würde nachher.«

Das Mädchen ging, ohne erst lange zu fragen, und kehrte nach einigen Minuten mit schweißbedeckter Stirn zurück, wirklich beide Krüge gefüllt bringend, die von Dick schmunzelnd in Empfang genommen wurden.

»Es waren acht Liter, das macht zusammen drei Shilling,« bemerkte sie, als sie die Last durchs Fenster hob.

»Das geniert mich nicht weiter, mit solchen Kleinigkeiten werde ich schon fertig.«

Mit diesen Worten setzte sich Dick wieder an, den Tisch und entwickelte einen fabelhaften Appetit und Durst, so daß nach einer halben Stunde nur noch ein großer Knochen und eine Speckschwarte vereinsamt auf dem Teller lagen.

Mit befriedigtem Gesicht wischte Dick sein Messer an der Schuhsohle ab, steckte es ein und zog dafür die Pfeife aus dem Gürtel. Als dem schwarzen Kopfe dichte Rauchwolken entstiegen, legte er sich bequem aufs Sofa, und nur die den bärtigen Lippen ab und zu entquellenden Wölkchen verrieten, daß er noch nicht schlief. Doch lange konnte es nicht mehr dauern, so mußte ihm die Pfeife im Schlaf entfallen, denn die eben überstandene Anstrengung war eine zu große gewesen.

*

Die Behauptung Hira Singhs, des von Reihenfels nach England gebrachten Fakirs, hatte sich bewahrheitet; Eugen war am Nachmittag des folgenden Tages vollständig wiederhergestellt gewesen, er konnte in seine Garnison zurückkehren, fand sich aber schon nach einigen Tagen im Hause seiner Pflegemutter wieder ein, um bei deren Hochzeit anwesend zu sein. Acht Tage später sollte er mit den anderen Offizieren und seinem Bataillon die Reise nach Indien antreten.

Als Eugen zu Hause eintraf, fand er alles in voller Arbeit, denn die bevorstehende Festlichkeit verlangte viel Vorkehrungen. Emily und Mister Westerly konnte er kaum sprechen, denn sie waren zu sehr beschäftigt; Miß Woodfield hatte lange und geheime Unterredungen mit ihrem jüngst angekommenen Bruder, dem Eugen nur flüchtig vorgestellt worden war, und da dieser auch dem Dienstpersonal überall im Wege war, so verließ er das so geräuschvolle Haus mit der Absicht, der indischen Villa einen Besuch abzustatten.

Ebenso machte es Jim Green, sein Bursche. Topfgucker und Müßiggänger konnte man heute nicht gebrauchen, und als der junge Soldat zum Teppichausklopfen herangezogen werden sollte, griff er schnell in die Zigarrenkiste seines Herrn und suchte dann das Weite.

Man hört und liest so oft, der Soldat sei in England nicht geachtet, weil er eben nur ein Söldling ist. Möglich, daß ein gewöhnlicher Soldat nicht in den höheren Kreisen geachtet wird, wie es zum Beispiel in Deutschland der Fall ist, aber in den breiten Schichten des Volkes spielt der buntuniformierte, englische Soldat eine noch größere Rolle als der unsrige, und das muß doch jeder zugeben, daß ein deutscher Vaterlandsverteidiger, der auf Urlaub nach Hause kommt, in Dörfern und Kleinstädten der Löwe des Tages wird.

Der Spitzname des englischen Marinematrosen ist >Jack<, und der des englischen Armeesoldaten >Tommy Atkins<, so genannt nach dem Helden eines Theaterstücks, einem gewöhnlichen Soldaten. Tommy Atkins wird noch in vielen Theaterstücken verherrlicht, in Liedern und Couplets, es gibt sogar eine ganze Literatur, welche ihn und sein Leben behandelt, und das aus gutem Grund.

England braucht viele Soldaten, der Dienst in den Kolonien rafft unzählige dahin oder macht sie zu Krüppeln.

Ein Dienstzwang besteht nicht, es muß also geworben werden, und damit die Werbung gut ausfällt, muß man Feuer unter die jungen Leute bringen.

Den Dienst der Trommler und Hornisten versehen Kinder, wirkliche Kinder von sieben bis vierzehn Jahren. Es sind dies Söhne von Soldaten, oft Waisen, die von zartester Jugend an zum Heeresdienst erzogen werden.

Braucht England nun neue Soldaten, so ziehen diese kleinen, uniformierten Kerlchen truppweise im Geschwindschritt durch die Straßen, voran der Werbekorporal in Zivil, aber die Brust mit Orden bedeckt, und lassen die Werbetrommeln und Hornsignale ertönen.

Die jungen Burschen lauschen den Klängen, besinnen sich eine Minute – vielleicht haben sie eben keine Arbeit und schließen sich den Marschierenden an. Es geht nach dem Werbebüro, der junge Mann wird ärztlich untersucht. Schwört der Königin Treue, wird eingekleidet, und schon nach einer Stunde ist aus dem Zivilisten ein Tommy Atkins geworden, der sich für fünf Jahre dem Vaterland mit Haut und Haaren verkauft hat.

Der englische Soldat hat, solange er in der Heimat ist, wirklich ein herrliches Leben: Alles frei, die Verpflegung ausgezeichnet – täglich ein Pfund Fleisch – der Dienst kaum nennenswert, der mindeste Lohn pro Tag einen Schilling – also eine Mark – und bei allen Mädchen, Küchenfeen, Schneiderinnen oder Fabrikarbeiterinnen, ist Tommy Atkins Hahn im Korbe; man teilt den letzten Penny mit ihm.

England fordert von seinen Soldaten keine Arbeit, wenig Dienst, und solange Frieden ist, nur eine leise Spur von Disziplin und Subordination. Dies deutet schon der Spazierstock an, ohne den ein englischer Soldat nicht denkbar ist. England will nur, daß sein Soldat im Kampf mutig ist und keinen Heller nach seinem Leben fragt; dazu ist Sorglosigkeit nötig, bei Verwundung die Aussicht auf spätere Versorgung, beim Tode auf Unterkommen für Frau und Kind. Diese Bedingungen sind erfüllt, und man muß es Tommy Atkins lassen, daß er sich meistens ausgezeichnet schlägt.

So schön sein Leben indes auch in England sein mag, so aufreibend ist es in den Kolonien. Die Hitze und Strapazen, die fortwährend drohenden Krankheiten, wie Cholera, Fieber, Pest und andere und dann die Speere der Kaffern, die Assagaien der Sudanesen, die vergifteten Dolche, die flammenähnlichen Sarrasse und die Kettenkugeln der Indier räumen furchtbar unter den jungen Söhnen Englands auf.

Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, hat der englische Soldat kein beneidenswertes Los – fast immer hat es Tod, Verkrüpplung oder ein sieches Leben im Gefolge. – – – Auch Jim Green war vor zwei Jahren, damals Schreiber bei einem Advokaten mit wöchentlich fünfzehn Schilling Gehalt, der Werbetrommel gefolgt und hatte die Feder mit Büchse und Seitengewehr vertauscht. Bis jetzt hatte ihm das Soldatenleben ausgezeichnet gefallen, nun ging es für drei Jahre nach Indien, und da ein Krieg nicht zu fürchten war, so brauchte ihn nur das gelbe Fieber zu verschonen, und Jim kam als Korporal zurück und führte dann, mit dreifacher Löhnung, ein Leben wie der liebe Gott in Frankreich. Doch Jim erwog keine schlimmeren Möglichkeiten; vergnügt saß er auf der Bank im Schatten des Baumes, der an der Landstraße stand, streckte die Beine weit von sich und blies vergnügt den blauen Rauch der annektierten Havanna in die sonnige Luft.

Da fesselte seine Aufmerksamkeit eine Staubwolke, die auf der Landstraße aufwirbelte und sich ihm näherte. Es dauerte nicht lange, so tauchte über der Wolke erst ein breitrandiger Strohhut auf, dann kam darunter ein Gesicht zum Vorschein, und schließlich erschien die Gestalt eines jungen Mädchens in kurzem Röckchen, die Bluse mit Puffärmeln, am bloßen Unterarme einen Korb. Mit kleinen, schnellen Schritten trippelte sie daher und erzeugte mit Absicht aufwirbelnden Staub, als bereite ihr dies ganz besonderes Vergnügen.

»Jesus Christus und General Jackson!« rief das Mädchen, beim Anblick des Soldaten plötzlich stehen bleibend. »O Gott, wie habt Ihr mich erschreckt!«

Als verließen sie mit einem Male alle Kräfte, so rannte sie nach der Bank, setzte den Korb hin und ließ sich neben Jim nieder, faltete die Hände über der Brust und schnappte nach Luft.

»So? Ich habe doch keinen Mucks gesagt, und noch weniger etwas getan,« entgegnete Jim, das hübsche Mädchen von der Seite betrachtend.

»O Gott, was habt Ihr mich erschreckt!« wiederholte dasselbe.

»Aber womit denn nur, Jungfer? Und nun sagt mal, was macht Ihr denn da für einen Staub? Ihr benehmt einem dadurch ja ordentlich den Atem!«

»Ich machte es dem Erzengel in der Wolke nach,« war die ernsthafte Antwort.

Jim lachte und wurde gleich vertraulich. »So unrecht hast du nicht, du bist auch wirklich ein kleiner Engel, nur den Rußfleck mußt du von der Nase abwischen.«

Das Mädchen nahm einen Schürzenzipfel, spuckte darauf und wischte sich damit die Nase ab.

»Meint Ihr wirklich? Habe ich Ähnlichkeit mit einem Engel?« fragte sie, während sie sich die Nase energisch rieb.

»Bei meiner Soldatenehre, du bist ein leibhaftiger Engel! Woher kommst du denn eigentlich?«

»Von Stradford.«

»Zu Fuß?«

»Ja.«

»Donnerwetter, mit dem schweren Korb? Das ist ein weiter Weg, fast vier Meilen.

Konntest du nicht fahren?«

»O ja.«

»Ja, du konntest wohl fahren, hattest aber kein Geld dazu!« lachte Jim.

»Doch,« entgegnete das Mädchen und klimperte in der Tasche mit Geld.

»Warum bist du dann nicht gefahren?«

»Weil ich sparen muß.«

»Du mußt? Warum denn?«

»Weil ich bald heiraten tu.«

»Was? Du kleines Ding willst schon heiraten?« rief Jim erstaunt.

»Oho, ich bin schon siebzehn Jahre alt,« entgegnete sie gekränkt.

»So, wann bist du denn geboren?«

»Das weiß ich nicht.«

»Nanu, das ist ja sonderbar!«

»Ich kann mich wahrhaftig nicht mehr besinnen, wann ich geboren bin.«

»Das glaube ich dir,« lachte Jim, welcher immer mehr fand, daß das Mädchen neben ihm wirklich hübsch und kein Kind mehr war. »Du wohnst wohl in Wanstead?«

»Ja, beim alten Moore.«

»Ist das dein Vater?«

»Nur mein Pflegevater.«

»Ist dein Vater tot?«

»Ja.«

»Und deine Mutter?«

»Auch.«

»Armes Kind,« bemitleidete Jim sie. »Dann geht's dir ebenso wie mir. Woran ist denn dein Vater gestorben?«

»An Whisky.«

»Oha!« lachte Jim. »Er hat also zuviel getrunken. Ist deine Mutter auch daran gestorben?«

»Nein.«

»Woran denn?«

»An Brandy.«

»Mädchen, wenn ich es nicht schon aus deinem Dialekt merkte, daß du eine Irländerin bist, so wüßte ich es jetzt.«

Das Mädchen nahm diese Bemerkung nicht übel; die Irländer sind nun einmal dafür bekannt, daß sie Spirituosen mehr lieben als gut ist.«

»Kommst du aus Irland?« forschte Jim weiter.

»Ja, ich bin dort aus einem Arbeitshaus entlaufen.«

Jim rückte etwas weiter nach links, sofort aber tat es ihm wieder leid, das Mädchen blickte ihn mit so naiven Augen an.

»Wie heißt du denn?«

»Nelly, und Ihr?«

»Jim Green.«

Das Mädchen lehnte sich hintenüber und brach plötzlich in ein lautes Gelächter aus.

»Nanu,« sagte Jim beleidigt, »findest du meinen Namen etwa lächerlich?«

»Jim Green – Green das ist zu komischer Name,« lachte Nelly.

Die Unterhaltung stockte. Jim fühlte sich beleidigt, vielleicht gebrach es ihm auch an Stoff zur Fortsetzung des Gespräches, und Nelly rollte, in Gedanken versunken, die Schürzenbänder um die Finger. Dann hob sie den Kopf, betrachtete Jim eine Minute von der Seite und rückte näher zu ihm.

»Herr Soldat!« begann sie leise.

»Nun, was gibt's?«

»Ich wollte Euch was sagen.«

»Dann schieß los!«

»Ihr dürft's aber nicht wieder übelnehmen!«

»Fällt mir nicht ein; so ein kleines Mädchen kann einen Soldaten überhaupt nicht beleidigen.«

»Schwört, daß Ihr mir das nicht übelnehmt, was ich Euch sagen will!«

»Ich schwöre es beim heiligen Dunstan,« lachte Jim.

»Ihr seid ein schöner Mann,« sagte jetzt Nelly verschämt.

Jim war über diese offene Erklärung verblüfft.

»Höre, Mädchen, du willst mich wohl foppen?«

»Ich will auf der Stelle blind werden, wenn ich nicht die Wahrheit sage: Ihr seid ein wunder-, wunderschöner Mann, ich habe noch nie-, niemals so einen schönen Mann gesehen.«

Das klang so aufrichtig, daß Jim ordentlich verlegen wurde. Er konnte nur unverständlich brummen und seine wenigen Flaumhaare unter der Nase drehen.

»Hm, findest du mich wirklich so schön?« fragte er dann.

Nelly rückte noch etwas näher und seufzte nur. Jims Verlegenheit wuchs.

»Ist dein Bräutigam auch so schön wie ich?« scherzte er.

»Ich habe noch keinen Bräutigam.«

»Oder dann dein Schatz?«

»Ich habe auch noch keinen Schatz – ach, ja,« erklang es seufzend.

»Ich denke, du willst heiraten?«

»Ja, ich will und muß heiraten, das habe ich mir furchtbar fest vorgenommen, aber leider – ach, ja!«

»Nun; liebt er dich nicht?«

»Wer?«

»Dein Schatz.«

»Wie soll mich denn mein Schatz lieben, wo ich doch noch gar keinen habe!« sagte Nelly verschämt.

Über Jims Lippen kam ein langer, leiser Pfiff; eine Ahnung begann in ihm aufzudämmern.

»Aha, also da liegt der Hase im Pfeffer!«

»Ja, Herr Soldat, da liegt er.«

Wieder trat eine lange Pause ein. Jim blickte geradeaus und drehte an den Haaren unter der Nase, die noch nicht zu einem Schnurrbart reichten. Nelly blinzelte ihn von der Seite an und rückte immer näher an ihn heran.

»Herr Soldat, es wird Abend,« begann sie dann wieder.

»Unsinn, die Sonne steht ja noch ganz hoch,« brummte Jim.

»Aber es wird doch Abend.«

»Natürlich wird es heute noch einmal Abend.«

»Wollt Ihr hier sitzen bleiben?«

»Ja.«

»Ich muß gehen.«

»Dann adieu, Nelly!«

»Bleibt Ihr hier bis zum Abend?«

»Ja.«

»Fürchtet Ihr Euch nicht vor Räubern? Die schwarze Maske treibt sich hier herum.«

»Wie kann sich ein englischer Soldat vor Räubern fürchten!«

»Aber die – aber die – die Fledermäuse, die in der Nacht herumfliegen.«

Jim lachte und rückte wieder ab, denn Nelly war so dicht bei ihm, daß ihm warm wurde.

»Wo wohnt Ihr, Herr Soldat?«

»Im Hause der Lady Carter.«

»Ach, da haben wir ja einen Weg,« rief Nelly erfreut.

»Wohl möglich, ich bleibe aber noch hier. Good bye, Nelly, auf Wiedersehen!«

,,Good bye, Herr Soldat!«

Mit einem tiefen Seufzer stand Nelly auf, bückte sich und hob den Korb auf, doch gleich ließ sie ihn wieder fallen und sank mit einem solchen Zetergeschrei auf die Bank zurück, daß es Jim angst und bange wurde.

»Um Gottes willen, Nelly, was fehlt dir?«

»O – au – ich habe die Herzkrämpfe,« jammerte Nelly.

»Herzkrämpfe?«

»Ja, ich habe manchmal Herzkrämpfe.«

Sonderbarerweise aber rieb Nelly sich mit der Hand die Magengegend.

»Hast du denn die Herzkrämpfe da?«

»Ja, gerade hier, o – au – ach, Herr Soldat, ach, der Korb ist so schwer, ich kann ihn nicht mehr tragen.«

Das Zetern ließ nach, nur den Magen rieb sie sich noch und zog dabei ein ganz verzweifeltes Gesicht.

»Ach, Herr Soldat, der schwere Korb!«

»Du hast ihn aber doch die vier Meilen getragen.«

»Ja, aber allemal gerade hier bekomme ich meine Herzkrämpfe. Habt Ihr schon einmal welche gehabt?«

»Gott sei Dank, noch nicht!«

»Das ist gerade, als ob sich der Magen um und um kehre, ich möchte mich allemal am liebsten auf den Kopf stellen.«

»Hm, sonderbar!«

»Ich kann den Korb nicht weiter tragen. Hebt nur mal, wie schwer er ist!«

Jim hob den Korb und fand ihn wirklich sehr schwer, wenigstens für die Kräfte des jungen Mädchens, welches gar nicht wohlgenährt aussah. Er fühlte in seinem Herzen Mitleid aufsteigen.

»Ist dir jetzt besser, Nelly?«

»Es geht wieder, Herr Soldat! Ach, der böse Korb! Wenn ich ihn hebe, bekomme ich gleich wieder Herzkrämpfe, und allemal gerade hier an dieser Bank. Ist das nicht ganz merkwürdig?«

»Sehr merkwürdig! Sonst niemals?«

»Nie-, niemals! Ach, wenn nur jemand käme und mir den Korb trüge!«

»Na, Nelly, ich bin kein Unmensch. Damit du nicht noch einmal Herzkrämpfe bekommst, will ich ihn dir bis ans Dorf tragen.«

Er stand auf und faßte den Korb, aber die List des Mädchens war noch nicht erschöpft.

»Um Gottes willen, das kann ich doch von so einem schönen Soldaten nicht verlangen,« rief sie wie erschrocken.

»Laß nur, Nelly, ich tu's gern!«

»Ihr tut's wirklich gern?«

»Ja, weil du ein so hübsches Mädchen bist,« scherzte Jim.

»Ach, geht, Ihr treibt Spaß!« sagte Nelly verschämt.

»Wahrhaftig, ich trage dir den Korb bis ans Dorf, aber nicht weiter als bis an die ersten Häuser. Dann kannst du wohl einen anderen finden.«

»Einen so schönen Mann wie Euch niemals.«

»Nun hör auf mit deinen Schmeicheleien, mir wird ganz flau im Magen.«

»Und mir im Herzen.«

Brummend hob Jim den Korb auf, und sofort hing Nelly an seinem anderen Arm.

»Hallo, Mädchen, so vertraut sind wir noch nicht!« rief er. »Ich bin Soldat der Königin!«

»Aber meine Herzkrämpfe! Ich muß eine Stütze haben, oder ich falle um und bleibe liegen.«

»Na, dann laß dich meinetwegen führen.«

Wie eine Klette klammerte sich Nelly an ihn und tat, als müsse sie ohne diese Hilfe zusammenbrechen. Eine Zeitlang gingen beide schweigend nebeneinander. Jim war es schwül zumute, er schielte manchmal nach dem Mädchen, welches ihn unverwandt anschaute, und sobald sich ihre Blicke begegneten, die Augen verschämt zu Boden schlug. Sie war ja ganz hübsch, aber dieser kurze Rock, darunter die weißen Strümpfe, fast bis zum Knie sichtbar, und dann diese schwarzen Haarsträhne mit den ominösen Papierwickeln darin! »Herrgott, wenn dich jetzt deine Kameraden sähen,« dachte Jim manchmal.

Ein banges Seufzen zeigte an, daß Nelly eine Unterhaltung zu beginnen wünschte.

»Nun, Nelly, hast du noch Schmerzen?«

»Ach ja, Herr Soldat!«

»Immer noch im Herzen?«

»Ja.«

»Armes Kind!«

»Ich habe einen so großen Wunsch.«

»Und der wäre?«

»Ich möchte, ich wäre ein Mann.«

»Das wünschen manche Mädchen. Was würdest du denn dann werden?«

»Wenn ich ein Mann wäre, ich würde ein Trommeljunge werden.«

Jim blieb vor Überraschung stehen.

»Was würdest du dann werden?«

»Ein Trommeljunge,« wiederholte Nelly ernsthaft. »Oder Ihr glaubt wohl, ich könnte nicht trommeln und blasen? Oho, ich will's Euch mal vormachen.«

Sie ließ den Arm des Begleiters los, setzte die Hände trichterförmig an den Mund, und plötzlich erscholl, durch eine eigentümliche Bewegung der Lippen und Haltung der Hände hervorgebracht, laut und deutlich ein Trommelwirbel nach dem anderen, so täuschend nachgeahmt, daß Jim zusammenfuhr und eine militärische Haltung annahm.

»Blitzmädel, wo hast du denn das gelernt?« rief er dann erstaunt. »Wenn du das vor dem Tower machst, tritt ja die ganze Wache unters Gewehr.«

»Nicht wahr? Wartet, ich kann noch mehr!«

Aus den Händen drang ein schmetterndes Trompetensignal hervor, kein Hornbläser hatte es auf seinem Instrument lauter und klarer hervorbringen können.

»Nun, was ist das?«

»Alle Mann zu Bett – Ruhe in der Kaserne!« lachte Jim aus vollem Halse.

»Das habe ich einmal im Arbeitshaus geblasen, als wir früh aufstehen sollten, und bekam dafür kein Frühstück. Und was ist das?«

Ein anderes Hornsignal erklang.

»Das ist ein Signal der Kavallerie,« lachte Jim, »Pferde abfüttern!«

»Das blies ich einmal, als die Glocke uns zum Mittagessen rief, und zur Strafe mußte ich den Speisesaal scheuern, als die anderen, ausgingen. Nun, könnte ich nicht Trommeljunge werden, wenn ich ein Mann wäre?«

Ehe sie die Antwort auf ihre Frage erhielt, setzte sie wieder die Hände vor den Mund, ließ Trommeln und Trompetensignale ertönen, immer schneller und schneller, bis sich die Signale in einen Parademarsch auflösten, in dessen taktmäßigen Zwischenpausen man die Trommelwirbel vernahm.

»Aber, Mädel, wo hast du denn das nur gelernt?« rief Jim ganz erstaunt, als das schmettern endlich verstummt war.

»Mein Vater war Tambourmajor im irländischen, schwarzen Grenadierregiment, ich kann trommeln und blasen seit frühester Kindheit.«

»Tambourmajor? Potztausend, weshalb hast du mir denn das nicht eher gesagt! Dann sind wir ja so halb und halb Kameraden. Nun bring' ich dir den Korb auch bis nach Hause. Hier, schlag ein, Nelly!«

Er schüttelte ihr die Hand.

»Ist dein Vater wirklich an dem gestorben, was du vorhin sagtest?«

»Er starb infolge seines Berufs.«

»Ich denke, weil er zu viel Whisky getrunken hat?«

»Na ja, von dem vielen Blasen bekam er immer Durst, und dann mußte er natürlich immer trinken, und da hat er so viel getrunken, bis er nicht mehr konnte. Das ist doch ganz einfach.«

Jim nahm den Korb wieder auf und setzte den Weg fort. Er, als Soldat, hatte vor dem Mädchen plötzlich Respekt bekommen.

»Ich glaube, wenn du Trommeljunge wärst, du würdest es in zwei Jahren zum Tambourmajor bringen. Du bläst ja auf der Hand gerade wie – wie ...«

»Wie eine alte Frau auf dem Kaffeetrichter, sagte mein Vater immer,« lachte Nelly. »Ich würde alle Schätze der Welt hingeben, wenn ich diese verfluchten Weiberröcke nicht tragen müßte.«

»Und fluchen kannst du auch?«

»Wie ein Tambourmajor.«

In der Ferne tauchten die ersten Häuser von Wanstead auf, und je mehr die beiden sich ihnen näherten, desto stiller wurde Nelly, obgleich sich Jim jetzt mehr für sie interessierte und sich mit ihr unterhalten wollte.

»Ach ja, Herr Soldat!« unterbrach Nelly endlich ihr Schweigen mit einem aus dem Herzen kommenden Seufzer, wie er nur jungen Mädchen zur Verfügung steht.

»Nun, du bist noch immer unglücklich darüber, daß du kein Mann geworden bist?«

»Ach nein, Herr Soldat!«

»Was fehlt dir denn sonst, mein Schatz?«

»Was – was sagtet Ihr da eben?« rief Nelly erfreut. »Ich bin Euer Schatz? Ist das auch wirklich wahr? Schwört mir's!«

Jim blieb wieder stehen, ließ den Korb nieder und stellte sich vor Nelly. Er fand immer mehr, daß sie recht hübsch war. Das freundliche Gesichtchen mit der Stulpnase, in den Backen und im Kinn ein Grübchen, dazu die schelmischen Augen, und wenn das auch alles nicht gewesen wäre, so war doch schon der kleine, immer lächelnde Mund mit den frischen Lippen, hinter welchen die Zähnchen wie weiße Perlen schimmerten, ganz entzückend.

»Ich glaube gar, Nelly, mit dir ist nicht alles in Ordnung,« schmunzelte Jim.

»Ach, Herr Soldat, wenn Ihr wüßtet!«

»Na, was denn?«

»Wie ich ...«

»Nun, heraus mit der Sprache.«

»Wie ich Euch liebe!« sagte jetzt Nelly mit gesenkten Augen, dabei die Schürzenbänder wieder um die Finger wickelnd.

»Aha, ich dachte mir schon etwas Ähnliches. Liebst du mich wirklich so sehr, Nelly?«

Das Mädchen stellte sich plötzlich wie eine Schauspielerin in Positur, den Oberkörper vorgebeugt, die eine Hand auf dem Herzen, die andere mit gespreizten Fingern nach Jim ausstreckend.

»Ob ich dich liebe?« rief sie mit tremolierender Stimme. »Ha, Jim, wenn du wüßtest, wie ich dich liebe, wie es in meinem Innern brennt, wie meine Liebe zu dir mir das Herz zerfleischt! Ha, du würdest Mitleid mit mir haben und sagen: Komm, sei mein Weib! – War das nicht hübsch gesagt?« unterbrach sie sich mit veränderter Stimme.

»Mädchen, du bist ja die reine Dichterin.«

»Ach nein, das ist nicht von mir selbst, das habe ich heute früh im Roman der Morgenzeitung gelesen und auswendig gelernt,« gestand Nelly treuherzig.

»Bleibt sich gleich; liebst du mich wirklich. Nelly?«

»Zum Tollwerden.«

»Seit wann denn?«

»Seit immer.«

»Du hast mich aber doch erst vor einer Stunde zum ersten Male gesehen.«

»Das ist eben furchtbar dumm, geliebt habe ich dich aber schon immer.«

»Na, Nelly, so werde ich dich auch wiederlieben,« sagte Jim großmütig und wollte ihr die Hand geben; Nelly aber stieß sie zurück, flog ihm an den Hals und küßte ihn wiederholt herzhaft.

»Stop, stop, Mädel, du mußt bedenken, ich bin Soldat!« brachte Jim endlich hervor und blickte sich scheu um. »Wenn man sieht, wie ich auf der Landstraße ein Mädchen küsse, werde ich entlassen.«

»Ach, geh, Jim, das ist nicht wahr!«

»Wahrhaftig!«

»Dann kommt mit mir, es ist bei mir niemand zu Haus.«

»Ach so, dort soll die Fortsetzung folgen? Nein, Nelly, das geht nicht.«

»Komm doch mit,« bat Nelly, »wir sind ganz allein. Der Vater arbeitet, und die Mutter ist mit der Enkelin auf Besuch bei einer weitab wohnenden Nachbarin. Ißt du gern Hammelfleisch?«

»Ja, aber nur, wenn es gebraten ist.«

Nelly wollte sich über den spaßigen Soldaten halbtot lachen.

»Speck und Eier sind auch noch da, ich mache dir Pfannkuchen, wie du sie noch nie gegessen hast. Zu jedem Pfannkuchen nehme ich ein halbes Pfund Butter.«

»Du bist eine ganz gefährliche Verführerin, besonders für Soldaten. Woher weißt du denn, daß die schwache Seite von Tommy Atkins der Magen ist? Hast du schon eine Rotjacke geliebt?«

»Bewahre mich der Himmel, nicht für alle Schätze der Welt!«

»Na, ich werde kommen. Wenn ich aber nun ordentlichen Hunger habe und räume tüchtig auf? Werden deine Stiefeltern dich nicht schelten?«

»Ich sage, die Katze hat es gefressen.«

»Katzen fressen keine Eier.«

»Wenn ich sage, die Katze hat die Eier gefressen, dann muß sie sie auch gefressen haben.«

»Und wenn du nun Schläge bekommst?«

»Erstens bekomme ich die nicht. Zweitens bin ich vom Arbeitshaus her schon an sie gewöhnt, daß ich Sie nicht fühlen würde. Drittens lasse ich mich gar nicht mehr schlagen, seit ich einen Soldaten zum Schatz habe. Nun?«

»Ich bin besiegt. Vorwärts marsch!«

»Stillgestanden – Abteilung marsch!« – kommandierte Nelly mit Stentorstimme, etwas zur Seite gehend, während sich Jim aufrichtete und, den Korb am Arm, einen Paradeschritt annahm.

Nachdem er so eine Strecke marschiert war, kam ihm ein Gedanke in den Sinn.

»Nelly, ich muß –« »Maul gehalten!« donnerte das Mädchen ihn aber an.

»Ich muß dir aber was sagen –« »Ruhe im Glied, oder ich lasse Euch Laufschritt machen, bis Euch die Zunge aus dem Halse hängt und Ihr den Himmel für einen Dudelsack haltet. Halt – Gewehr ab! – rühren!«

»Gott bewahre mich,« sagte Jim, als nach diesen Kommandos das Sprechen wieder erlaubt war, »an dir ist ein Unteroffizier verloren gegangen.«

»Nun, was gibt's, mein lieber Jim?«

»Ich wollte nur fragen, wie lange unsere Liebschaft dauern soll?«

»Aber Jim, natürlich bis in den Tod!«

»Das ist ein bißchen lange.«

»Pfui, Jim!«

»In sieben Tagen muß ich nämlich auf drei Jahre nach Indien.«

Eine Sekunde starrte Nelly ihn erschrocken an, schlug dann die Schürze vor die Augen und brach in Tränen aus.

»Armes Kind,« sagte Jim und schlang den freien Arm um sie, »das ist nun einmal das Los jedes Soldaten und das seines Mädchens.«

»Ich – ich sterbe, wenn – wenn du gehst,« schluchzte Nelly.

»Ich komme ja wieder, und dann heirate ich dich.«

»Nein, das – das tust du doch – doch nicht.«

»Warum denn nicht? Wir Soldaten sind sehr treu.«

»Das – das ist nicht wahr – du heiratest eine andere. Ich komme mit nach Indien.«

»Als was denn?«

Nelly blickte hinter der Schürze hervor.

»Ja, als was?«

»Weißt du was?« scherzte Jim, dem es weniger traurig zumute war. »Unser Bataillon, welches nach Indien geht, braucht noch Trommeljungen. Morgen werden neue angeworben, melde dich dazu.«

Jm Nu waren ihre Tränen versiegt.

»Wo werden sie angeworben?«

»Vor dem Tower.«

»Ob man mich nimmt?«

»Ja, aber nicht als Trommelmädchen,« lachte Jim, »du ziehst Männerkleider an.«

»Wird man mich nicht erkennen? Ich mach's.«

»Unsinn, Nelly, es war ja nur ein Spaß von mir. Man würde bald herausfinden, daß du ein Mädchen bist, und dann bist du überhaupt viel zu schwach.«

»Ach ja, wenn ich nur kein Mädchen wäre! Dann ging ich als Trommeljunge mit, und wir könnten uns drüben gleich heiraten.«

»Ich soll einen Trommeljungen heiraten?« lachte Jim. »Na, Nelly, wir werden uns schon wieder sehen, und ich will auch versuchen, dir treu zu bleiben. Mehr kann ich nicht versprechen. Gib mir ein Andenken von dir, dann fällt's mir leichter. Jeder brave Soldat muß ein Andenken von seinem Mädchen haben, das schützt gegen Hieb, Stich und Kugel.«

»Du hast schon ein Andenken von mir,« sagte Nelly verschämt.

»Was denn? Du meinst wohl die Küsse von vorhin?«

»Nein, noch etwas anderes.«

»Du hast wir doch nichts gegeben.«

»Doch.«

Jim griff in die Hosentaschen, fand aber nichts weiter als seine Börse und ein neues Taschenmesser, dann in die kleine Seitentasche des Rockes und machte ein erstauntes Gesicht.

»Nanu, wußte ich doch gar nicht, daß ich hier noch Geld drin hatte,« murmelte er.

Er brachte einige Kupfer- und Silbermünzen zum Vorschein und zählte sie.

»Drei Schilling acht Pence, seltsam!«

Jim betrachtete bald das Geld in seiner Hand, bald das Mädchen, welches sehr rot geworden war.

»Nelly, ich glaube, das hast du mir hineingesteckt.«

»Ja, vorhin. Bist du mir deshalb böse?«

»Ein Geldgeschenk ist kein Andenken, ebensowenig wie ein Kuß, und am allerwenigsten für einen Soldaten. Hier hast du's wieder!«

»Ich will es aber nicht haben!« entgegnete Nelly trotzig.

»Und ich auch nicht. Woher hast du das viele Geld?«

»Nicht gestohlen, ich habe es mir erspart.«

»Wieso denn?«

»Es ist mein Fahrgeld von vielen Wochen – ich bin immer gelaufen.«

»Hier hast du's wieder, ich nehme es nicht an!«

»Ich werfe es gleich weg!«

»Meinetwegen, ich würde es doch nur ausgeben.«

Nellys Lippen begannen zu zucken, und Jim fühlte Mitleid mit ihr. Er steckte das Geld wieder ein.

»Gut, ich will es behalten, aber ich sage gleich, daß es den Weg alles Geldes geht!«

»Das soll's auch. Wenn du in Indien Durst hast, dann vertrinke es und denke dabei an mich!« rief Nelly gleich wieder fröhlich.

»All right, hier. hast du auch ein Andenken an mich. Ein ganz neues Taschenmesser, erst gestern in London gekauft. Ist es nicht hübsch?«

»Wunderhübsch, ich danke dir!«

Es war ein kleines, zierliches Messer, nur mit einer Klinge, die Schale mit Perlmutter ausgelegt.

Freudestrahlend wischte Nelly es an der Schürze ab und steckte es ein.

»Nun will ich ein Andenken von dir haben,« sagte Jim; »denn Geld ist kein Andenken!«

»Ein Andenken?« sagte Nelly sinnend.

Dann huschte plötzlich ein Lächeln über ihr hübsches Gesicht.

»Ja, ja, du sollst eins haben, aber jetzt noch nicht.«

»Wann denn?«

»Ich schicke es dir; du gibst mir deine Adresse.«

»Was ist es denn?«

»Ich verrate nichts.«

»Nun gut, aber vergiß nicht, daß ich nur noch sieben Tage in London bin.«

Jims beide Arme wurden wieder belastet, links vom Korb, rechts hing sich Nelly ein. und lachend und scherzend setzte man den Weg nach dem Hause fort, in dem sie für den Vaterlandsverteidiger ein reiches Abendbrot bereiten wollte.

*

Dick Red lag noch immer auf dem Sofa in Moores Häuschen und hatte es sich sehr bequem gemacht. Der Kopf, auf dem noch die Pelzmütze saß, ruhte auf der ledernen Jacke, ein Bein lag über der Lehne, das andere hing vom Polster herab, und die Hand, welche die erloschene Pfeife hielt, ruhte auf der Erde.

Er mußte sehr fest schlafen, wenigstens den tiefen Atemzügen nach zu urteilen, und so sah und hörte er auch nicht, was späterhin um ihn her passierte.

»Abteilung halt – rechts um!« rief draußen eine Mädchenstimme im Kommandoton, ein Schlüssel wurde in das Schloß gesteckt, herumgedreht, und die Tür öffnete sich.

Nelly und Jim traten ein, gewahrten jedoch den auf dem Sofa liegenden Mann nicht, denn das Möbel stand – wie schon erwähnt – in der dunkelsten Ecke, und außerdem brach auch schon die Abenddämmerung an.

»Den Korb dorthingesetzt!« befahl Nelly. »So, und nun darfst du wieder vertraulich mit mir sprechen, jetzt bin ich kein Vorgesetzter mehr. Nun will ich erst Feuer – hilf, Himmel, Jesus Christus und General Jackson!« unterbrach sie sich und schlug die Hände zusammen.

»Was ist denn das?«

Sie hatte die ungenießbaren Überreste von Dicks Mahlzeit entdeckt, also den Hammelknochen und die Speckschwarte.

»Das scheinen die letzten Spuren von etwas Eßbarem zu sein,« bemerkte Jim.

»Ja, aber wer hat denn das getan?«

»Wahrscheinlich die Katze.«

»Diese Eierschalen!«

»Deine Katze frißt ja Eier, wie du gesagt hast.«

»Aber in jedem Ei ein Loch zum Aussaugen.«

»Hat sie mit den Krallen hineingemacht.«

»Und die zwei Kannen auf dem Tisch. Wahrhaftig, da war Bier drin, man riecht's noch!«

»Hat deine Katze sich geholt und ausgetrunken.«

»Jesus Christus und General Jackson!« wiederholte Nelly, nahm den abgenagten Knochen vom Tisch und hielt ihn Jim unter die Nase. »Nun sieh nur diesen Knochen! Fünf Pfund Fleisch waren wenigstens daran, und das hat die Alte alles ganz allein aufgefressen!«

»Die alte Katze? So ein verhungertes Vieh!«

»Nein, meine alte Stiefmutter. Jesus Christus, hat die aber einen Hunger gehabt, und sechs Eier auch noch und, Himmel, den ganzen Speck dazu!«

»Woher weißt du, daß es die Alte war?«

»Wer denn sonst? Als ich fortging, war sie noch hier!«

»Wo ist sie denn hin?«

»Zu einer Freundin zum Tee.«

»Bei dem Tee gibt es wahrscheinlich mondscheinsüchtige Butterbrote mit Brunnenkresse, und da hat sie erst einen guten Grund gelegt.«

»Nu ja, aber so eine Freßwut!«

Nelly konnte sich gar nicht beruhigen, und Jim schaute sich ängstlich im Zimmer um.

»Du, hier bleibe ich nicht!« meinte er.

»Warum denn nicht? Käse, Mehl, Butter und Brot ist ja noch da, davon mache ich dir Eierkuchen, da steht auch noch ein Topf mit Sirup – ach nein, das ist Schmierseife. Eier sind freilich nicht mehr da.«

»Eierkuchen aus Käse, Butter und Brot, ohne Eier, in Schmierseife gebacken? Nee, dafür danke ich, ich gehe.«

»Ich hole was anderes, du hast ja Geld!«

»Ich bleibe doch nicht, ich fürchte mich!«

»Fürchten? Warum?«

»Wenn die Alte nach Hause kommt, hat sie vielleicht noch Appetit und frißt mich mit Haut und Haaren auf. Sag mal, Nelly, was raucht denn deine Stiefmutter für einen mörderischen Tabak? Das riecht ja gerade wie in einer Hufschmiede.«

»Die raucht gar nicht, sie steckt nur den Tabak lotweise in die Nase.«

»Aber hier hat vor kurzem jemand geraucht. Deine Katze vielleicht?«

»Wahrhaftig, du hast recht, das riecht nach Tabak!«

Plötzlich stieß Nelly ein gellendes Geschrei aus, lief erst zweimal um den Tisch, riß einen Teller herunter, warf einen Stuhl um und versteckte sich dann hinter Jim.

»Da – auf dem Sofa – da liegt ja ein Bär!« schrie sie.

Jetzt entdeckte auch Jim den schlafenden Dick Red.

»Nanu, wie kommt denn der Kerl hierher, wenn du ihn nicht kennst?«

»Durchs Schlüsselloch oder durchs Fenster.«

»Letzteres ist eher möglich. Aha, der also hat hier so in dem Küchenschrank ausgeräumt, zwei Krüge Bier ausgetrunken und ist nun so besoffen, daß er wie ein Toter schläft. Will ihn doch mal wecken.«

»Sieh dich vor, Jim, er könnte beißen!«

»Unsinn, Nelly!«

Er ging auf den Schläfer zu, und Nelly, deren Entsetzen wie gewöhnlich nur erkünstelt war, folgte ihm.

Jim rüttelte ihn an der Schulter.

»He, Fremder, ausgeschlafen?«

Keine Antwort, Dick schlief weiter.

»Herrje, das ist ja der komische Kerl aus dem Hause der Lady Carter!« rief da Nelly. »Dick Red heißt er wohl. Den müßtest du doch auch kennen, wenn du dort wohnst!«

»Richtig, nun weiß ich es auch. Gesehen habe ich ihn freilich noch nicht, denn wir sind erst gestern nacht hier angekommen, aber die Beschreibung paßt auf ihn; es wird wohl Dick Red sein. Was hat er hier zu suchen? Und mir auch noch die Zutaten zu meinem Eierkuchen wegzufressen!«

»Dem sollen sie doch die Haut vom Kopfe abgeschnitten und die Ohren abskalpiert haben?« fragte Nelly.

»Umgekehrt, Mädchen. Wir können uns ja gleich einmal davon überzeugen. Ich glaub's nämlich nicht.«

Er nahm dem Schläfer die große, rote Pelzmütze ab, und ein Kopf kam zum Vorschein bei dessen Anblick die beiden doch erschrocken zurückprallten.

Da, wo sonst die Haare sitzen, zeigte sich eine grellrote Haut, wie sie sich über großen Brandwunden bildet; nicht ein Haar war mehr zu sehen, und an Stelle der Ohren waren nur kleine Fleischstumpfe vorhanden.

Vorsichtig setzte Jim die Mütze dem Schläfer wieder auf den Kopf.

»So was habe ich doch in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.«

»Nun geniert Euch das etwa, daß ich keine Ohren und keine Haare mehr habe?« erklang es da brummend von den Lippen des Liegenden; derselbe richtete sich auf, drückte die Mütze fester auf den Kopf und schaute die beiden mit so klaren Augen an, daß er unmöglich geschlafen haben konnte.

»Dick Red, Dick Red,« lachte Nelly, »das ist ja der Freund von unserem Charly, von dem er immer erzählt.«

»Ihr seid also Dick Red?« fragte Jim. »Ja, paßt Euch das etwa nicht?«

»Ich wollte Euch nur sagen, daß Ihr auch ordentlich rot ausseht, wie ein gekochter Krebs.«

»Das kann Euch doch nicht genieren. Wer seid Ihr?«

»Jim Green, und wohne seit gestern abend im Hause der Lady Carter, bin der Bursche von Leutnant Carter.

»Jim Green. Na, grün genug seht Ihr aus!«

Am meisten freute sich Nelly.

»Grün und rot,« rief sie ein übers andere Mal lachend und klatschte in die Hände.

Dann trat sie mit ernstem Gesicht vor den Mann hin, der noch bequem auf dem Sofa saß.

»Habt Ihr den Hammelbraten aufgegessen?« fragte sie.

»Nein.«

»Das ist eine Lüge! Es kann ihn niemand anders aufgegessen haben als Ihr.«

»Ich habe ihn nicht aufgegessen, den Knochen habe ich ja liegen lassen. Das Zeug hat ganz gut geschmeckt, nur hätte es etwas mehr durchgebraten sein müssen.«

»Und den Speck habt Ihr auch noch aufgegessen?« examinierte Nelly weiter.

»Bis auf die Schwarte. Etwas mehr Rauch hätte ihm nichts geschadet.«

»Und alle Eier?«

»Nur sechs.«

»Es waren ja nur sechs da.«

»Kann ich etwa dafür, daß nicht mehr da waren? Nun macht Eure versprochenen Eierkuchen, ich verspüre schon wieder Appetit.«

»Von was soll ich sie denn machen? Ihr habt ja alles aufgegessen.«

Schließlich aber kamen sie doch überein, sich Eierkuchen machen zu lassen. Jim Green mußte das Geld zu den nötigen Zutaten hergeben, was Nelly zu der Frage veranlaßte, ob Dick denn kein Geld habe.

Dieser schüttelte den bepelzten Kopf und erzählte, daß er schon die acht Liter Bier auf Rechnung des alten Moore habe holen lassen.

Jetzt wurde Nelly doch etwas bestürzt. Moores mußten sich sehr einschränken, und Dick hatte mehr verbraucht, als die Familie sonst die ganze Woche.

»Oho, Ihr dürft nicht etwa denken, daß ich nicht bezahlen kann,« schmunzelte Dick. »Sieh hier, was ist das?«

Er griff in den Brustlatz seines Hemdes und zog ein Lederbeutelchen hervor, dem er eine haselnußgroße gelbe Kugel entnahm.

»Das ist Gold,« rief Nelly sofort.

»Wenn's nicht Messing ist,« meinte Jim; »unsereins kann so etwas nicht unterscheiden.«

»Ja, es ist Messing,« nickte Dick pfiffig; »ich habe dieses Stück Messing in Colorado aus einem Bache geholt, wozu ich mich zehn Klafter an einem Seile hinabließ, und weil in dem Bache viel Messing liegt, wahrscheinlich von indianischen Gelbgießern hineingeworfen, darum heißt er Goldbach. Verstanden? Hier, Nelly, steck das Stück Gold in den Pantoffel deiner Stiefmutter und hole uns außer deinen Eiern auch noch zwei Krüge Bier auf Pump für Mister Moore.«

Während Nelly ging, machte Jim auf ihre Anweisung hin schon Feuer an, und Dick beschäftigte sich auf dem Sofa mit seiner Pfeife.

Es waren nur wenige Minuten vergangen, als Nelly schon wieder ins Zimmer gestürmt kam, und zwar die zwei Krüge leer in der Hand tragend.

»Nun, gibt's kein Bier mehr?« fragte Dick.

»Um Gottes willen,« schrie Nelly, »macht schnell, man sucht Euch! Euer Herr ist zweimal durch den Kopf geschossen worden!«

»Wer?« fragte Dick kaltblütig, ohne aufzustehen.

»Mister Woodfield.«

»Unsinn, du träumst!«

»Ich will auf der Stelle in die Erde versinken, wenn ich nicht die Wahrheit spreche. Mister Woodfield ist im Steinbruch kurz hintereinander, zweimal totgeschossen worden.«

»Gleich zweimal!« lachte Dick.

Da trat draußen auf der Straße ein Mann ans Fenster.

»Sind Sie Dick Red?« rief er hinein. »Ihr Kamerad Charly schickt mich. Sie sollen sofort nach dem Steinbruch kommen oder vielmehr rennen. Mister Woodfield ist von der schwarzen Maske erschossen worden, er ist schon tot. Ich habe Charly nicht ganz verstehen können.«

Die letzten Worte hörte Dick schon nicht mehr. Mit einem furchtbaren Fluche sprang er auf, warf den Rock über die Schultern, erkundigte sich kurz nach der Richtung, in der der Steinbruch lag, und stürmte dann in vollem Laufe diesem zu.

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