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Ueber die Kartoffeln, Erdäpfel, Erd- oder Grundbirnen ...

Johann Georg Friedrich Jacobi: Ueber die Kartoffeln, Erdäpfel, Erd- oder Grundbirnen ... - Kapitel 72
Quellenangabe
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typetractate
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleUeber die Kartoffeln, Erdäpfel, Erd- oder Grundbirnen ...
publisherMonath und Kußler
year1818
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderPamela Lampel
created20100408
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Ueber den Anbau der Kartoffel ins Große.

Im J. 1800 gab der würdige Herr Direktor von Kling in München, b. Strobel, eine Anleitung zum Kartoffel- oder Erdäpfelbau, dem baierischen Landmanne gewidmet, heraus, die in Kürze alles sagt, was über diesen Gegenstand gesagt werden kann. Ich gebe hier solche dem wesentlichen Theile nach.

Die Kartoffeln (auch Erdäpfeln und Grundbirnen genannt), wurden in Bayern später als in anderen Provinzen Teutschlands gebaut. Anderswo pflanzte man sie schon in Menge, als man sich hierorts begnügte, nur kleinere Gartenfelder damit zu besezen. Reiche Ernden oder Ausbeute, welche sie lieferten; schmackhafte Speisen, welche man auf verschiedene Arten daraus zubereiten lernte; waren Beweggründe, solche in größern Feldern und in größerer Menge zu pflanzen.

Freilich war dieses auch der Gang, nach welchem dieses aus Amerika nach Europa gebrachte Gewächs in andern Ländern und Provinzen Teutschlands anfänglich im Kleinen, und dann erst nach und nach im Großen gebaut wurde; und je mehr man die Vortheile und den Nutzen dieser Frucht kennen lernte, desto beliebter wurde sie, und desto allgemeiner wurde sie angebaut. Es blieb nicht dabey, daß man Speisen mancherley Art daraus zubereitete, selbst einen Theil des Brodes machte sie in solchen Jahren aus, in welchen das Getraid rar und theuer - und Hungersnoth zu befürchten - war. Wirklich gibt zwey Drittheile Getraidmehl und ein Drittheil Kartoffeln oder auch die Hälfte von jedem, ein sehr gutes und schmackhaftes Brod; und ich kenne Gegenden, in welchen man in den siebenziger Jahren ohne dieses Hülfsmittel dem Brodmangel nur schwerlich hätte steuern können.

Nebst der Nahrung, die die Kartoffeln den Menschen gewähren, dienen sie auch zu einem fürtreflichen Viehfutter. Nicht nur Rindvieh und Schweine lieben solche als einen gewöhnlichen Nahrungstheil, sie sind nebstdem eines der vorzüglichsten Mästungsmittel fast für alles Vieh. Aber mit dem Nutzen, den sie auf die beschriebene verschiedene Art leisteten, war man noch nicht zufrieden, man lernte aus solchen mit etwas Getraide vermischt, einem guten Branntwein brennen, und fand daß, wenn geistige, kräftige Theile durch diesen Weg herausgezogen waren, doch noch ein sehr gutes Viehfutter übrig bliebe. Der Vortheil, der nun auf diese zweifache Art daraus erhalten wurde, war neuer Beweggrund, solche in mehreren Gegenden in größerer Menge anzubauen.

Nun hätte man die Frage aufwerfen können: Je mehr der Kartoffelbau zunimmt, desto mehr muß der Getraidebau abnehmen, ist es daher gut oder rathsam und vortheilhaft, den Kartoffelbau auf Kosten des Getraidbaus zu vermehren? Allein, diese Frage wurde ganz entkräftet, als man zur Antwort gab: der Kartoffelbau vermindert den Getraidbau nicht im mindesten, indem die Kartoffeln in den Brachfeldern gebauet werden. Das ist: die Felder, welche in andern Gegenden Brach gebaut, oder einen Sommer müßig liegen gelassen werden, um sie zur Wintersaat vorzubereiten, werden in dieser Brachzeit mit Kartoffeln bestellet. Wenn solche im Herbste herausgenommen sind, besämt man den Acker mit Winterfrucht, und er bringt das nächste Jahr eine eben so gute Ernde, als der müßig gelegene Brachacker, wobey noch das Unkraut ganz durch den Kartoffelbau vertilgt wird.

Ein Landwirth, welcher Vortheil und Nachtheil zu berechnen weis, welcher in seinen Ausgabs-Rubricken vom Acker alle Jahr Steuern, Anlagen und übrige Abgaben - in den Einnahms-Rubricken aber in zwey Jahren nur eine Ernde aufgezeichnet findet, wird nicht lange wählen, wenn er ein Mittel ausfindig machen kann, ohne Vermehrung der Ausgabe, welche auf dem Acker liegt, seine Einnahme von solchem fast doppelt zu vergrößern.

Ich wiederhole das Wort verdoppeln, und will damit so viel sagen, daß eine Kartoffelernde, nach Abzug der mehrenden Baukosten, doch fast so viel Nutzen bringt, als eine Getraidernde auf ebendiesem Acker. Wenn also in dem Brachjahre eine Kartoffelernde, und in dem darauffolgenden Jahre eine Getraidernde erhalten wird; und jede dieser Ernden einer Ernde von einem ebenso großen Acker im Werthe gleich ist, der ein Jahr als Brach müßig gelegen, so liefert der erstere gegen leztern, in zweyen Jahren fast doppelten Ertrag.

Obschon der Kartoffelbau in Alt-Bayern, im Ganzen genommen, fast noch im Kleinen betrieben wird, so giebt es doch schon mehrere Landwirthe, welche denselben so ziemlich im Großen treiben. Andere giebt es, welche zwar Kartoffeln bauen, aber mit diesem Bau zu wenig bekannt sind, als daß sie durch zweckmäßige Behandlung den Vortheil oder die Ausbeute erhalten, welcher sich bey ordentlicher Behandlung erwarten ließ; noch andere sagten mir, sie würden gerne Kartoffeln bauen, sie wüßten aber nicht, was man dabey zu beobachten habe. -

Es ist wahr, die Kartoffeln liefern gegen andere Gewächse eine sehr reiche Ausbeute; es ist aber auch wahr, daß es hierbey sehr viel auf die Behandlung ankomme, und daß eine bessere oder schlechte Behandlung einen Unterschied von der Hälfte der Ausbeute zur Folge haben könne. Ich glaube daher, es wird vielen Landwirthen nicht unangenehm seyn, nachstehende einfache Anleitung zum Kartoffelbau zu lesen, worin nicht nur die schlechteste sondern auch die bessere Behandlungsart enthalten ist.

Zubereitung des Ackers.

Die Kartoffeln werden gewöhnlich und am besten in der ersten Hälfte des Monats April gesezt, bis dahin muß der Acker so zubereitet seyn, daß es ihm an der erforderlichen Lockerheit nicht fehle, auch muß er, soviel thunlich vom Unkraute gereinigt seyn. Wählt man nun einen Acker hierzu, in welchem das vorige Jahr Getraid gebaut worden, so verfährt man auf folgende Art:

  1. Längstens vierzehn Tage nach eingeerndeter Frucht, pflüget man die Stoppel (oder Halmen), herum.
  2. Im Herbste oder kurz vor Winter, wird das Pflügen wiederholt.
  3. Im folgenden Frühjahre und zwar in der ersten Hälfte des Monats März, wird zum drittenmal gepflügt, und nach diesem der Acker geegget, um soviel thunlich zu ebnen.
  4. Kurz vor der Sezzeit, also gegen die Hälfte des Monats April, wird Dung auf den Acker geführt und gehörig verbreitet:
  5. Es versteht sich von selbsten, daß wenn man anstatt eines Stoppelackers, einen Acker wählet, welcher ohnedieß den Herbst vorher schon in gutem Bau war, daß bey 1) und 2) bemerkte Ackern unterbleiben könne, das Düngen auch nur mäßig geschehen darf.

Vom Setzen der Kartoffeln.

Hierbey wird auf zweyerley Art verfahren. Entweder man setzet solche in Gruben, welche mit der Handhacke gemacht werden, oder man setzet sie dem Pfluge nach. Erstere Art wird gewöhnlich gewählt, wenn man kleinere Felder - leztere aber wenn man größere Felder anbauet. Will man sich der Handhacke bedienen, so wird der oben bey Nro. 4. gedüngte Acker herumgeackert, dann in einer Entfernung von zwey Schuhen reihenweise Gruben gemacht, die Setzkartoffeln hineingelegt, und 2 bis 5 Zoll hoch mit Erde bedeckt.

Bey dem Setzen nach dem Pfluge verfährt man so: Den oben bey Nro. 4 gedüngten Acker pflüget man; in die dritte Furche werden jedes Mal die Setzkartoffeln und zwar 2 Schuh voneinander gelegt, welche dann von der folgenden Furche bedecket werden. Zu diesem Geschäfte sind zwey, höchstens drey Personen hinreichend. Die erste führt den Pflug, die zweyte hat in einem Sack oder Korb die Setzkartoffeln, geht bei Ziehung jeder dritten Furche dem Pflug nach, und läßt von zwey zu zwey Schuh die Setzkartoffel in die Furche fallen.

Ist der Acker etwas lang, so kann eine Person nicht so viel Kartoffel in einen Sack oder Korb nehmen, als zum Setzen in der Furche nöthig sind; daher ist es gut, wenn eine dritte Person da ist, hat die zweyte ihren Vorrath gesezt, so löset sie die dritte mit dem Setzen ab, und die zweyte holt sich in der Zwischenzeit wieder einen Vorrath u.s.w. oder die zwey Personen, welche zum Setzen bestimmt sind, theilen sich so ab, daß jede die Hälfte der Furche besorgt.

Man sieht hieraus, daß das Setzen nach dem Pfluge mit weniger Mühe verbunden ist, als das Setzen mit der Hacke, letztere Art aber ist besser und sicherer. Wird ein Kartoffelacker nach dem Pfluge bepflanzt, so ist es nicht ohne Nutzen, wenn solcher nach geschehener Bepflanzung geegget wird, mit der Hacke gelegt, macht man mit dieser die Löcher recht gleich zu und ebenet den Boden.

Von der Auswahl der Setzkartoffeln.

Lange war man sich nicht einig, ob es besser sey:

  1. Kleine Kartoffeln zum Setzen zu wählen, oder
  2. Große, solche aber in vier bis sechs Stücke zu schneiden oder
  3. Große Kartoffeln ganz zu setzen.

Geschickte Landwirthe haben hierüber mehrere Jahre ganz genaue Versuche gemacht, der Erfolg davon war: Das Beste davon sey, große Kartoffeln ganz zu setzen, jedoch ist es genug, wenn man nur in jede Grube oder nach dem Pfluge alle 2 Schuhe eine legt. Ganz große Setzkartoffeln zerschneidet man blos in zwey gleiche Hälften, nach Maasgabe der Augen, die sie haben; kleinere legte man 2 oder 3 Stücke ganz, aber niemalen mehrere Arten zusammen.

Behandlung des Kartoffelackers nach der Pflanzung bis zur Ernde.

Die ganze Behandlung hat zum Zweck a) daß man den Acker so viel möglich vom Unkraute rein und b) daß man die Erde locker erhalte, ferner c) daß man die Erde um jeden Stock anhäufe. Man verfährt daher auf nachstehende Art.

  1. Sobald man sieht daß die Kartoffeln bald aufgehen oder sich hie und da Pflanzen zeigen, ist es gut, den Acker nochmal zu eggen. Durch dieses eggen wird nicht nur die Ackerkruste etwas gelockert, sondern auch das sich zeigende Unkraut in seinem Wachsen gestört.
  2. Hat das Kraut der Kartoffeln eine Höhe von einen halben Schuh erreichet, so soll der Acker mit der Handhacke aufgehäckelt, und zugleich alles sich zeigende Unkraut hinweg gebracht werden.
  3. Ist das Kraut einen Schuh hoch, so muß die Erde abermal mit der Handhacke aufgelockert, und um die Kartoffelstöcke angehäufet werden, wobey dann abermal alles sich zeigende Unkraut ausgehauen, und hinweg geworfen werden muß.
  4. Dieses zweymalige Häckeln kostet freilich Mühe und Zeit, allein es wird durch reichere Erndte bezahlt. Inzwischen unterlassen viele das Häckeln bei No. 2, und begnügen sich mit dem Häckeln und Häufeln bei No. 3. Auch dieses ist schon genug und gut, daß andere aber ist besser und sicherer.
  5. Wer viele Kartoffeln baut, und Mangel an Arbeitsleuten hat, unterläßt das Häckeln mit der Hand, und bedient sich statt dessen des Pfluges. Man verfährt dabei auf nachstehende Art: Man versieht den Pflug mit zwey Stellbrettern, bespannt ihn mit einem Pferd oder einem Ochsen, pflüget zwischen zwei Kartoffelreihen durch, so werden die Stellbretter die Erde vertheilter an beide Reihen anlegen. Zugleich wird das Unkraut theils ausgerissen und theils bedeckt.

Nach dieser Arbeit ist es sehr gut, wenn man mit der Handhacke nachgehet, die Erde an die Stöcke in Ordnung anlegt, auch das Unkraut, wo es noch sichtbar ist, ausreiset und beseitiget.

Daß man nur ein Pferd oder einen Ochsen an dem Pflug spannet, geschieht deswegen, weil bei einem zweispännigen Pfluge das Kartoffelkraut zu viel vertreten würde.

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