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Ueber die Kartoffeln, Erdäpfel, Erd- oder Grundbirnen ...

Johann Georg Friedrich Jacobi: Ueber die Kartoffeln, Erdäpfel, Erd- oder Grundbirnen ... - Kapitel 65
Quellenangabe
pfad/jacobijg/kartoffe/kartoffe.xml
typetractate
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleUeber die Kartoffeln, Erdäpfel, Erd- oder Grundbirnen ...
publisherMonath und Kußler
year1818
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderPamela Lampel
created20100408
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Anwendung der Kartoffeln zur Fütterung des Viehes.

Die Kartoffeln lassen sich zur Fütterung aller Hausthiere gebrauchen, und gewähren, von dieser Seite betrachtet, der Land- und Hauswirthschaft einen zweiten wichtigen Vortheil. Sie sind nicht nur ein gesundes und nahrhaftes Futter das äusserst selten mißräth, demnach immer zur sichern Ernährung des Viehstandes dient.

Man kann alle Hausthiere mit Kartoffeln füttern, nähren, und mästen. Das Rindvieh, die Schweine, Schaafe, Ziegen, Pferde, Hunde, Gänse, Hühner, Enten, Tauben etc. fressen die Kartoffeln, einige roh, die andern gekocht, wieder andere getrocknet oder geröstet, sehr gerne. Die kleinsten Kartoffeln, die man zur Speise für den Menschen nicht gut verwenden kann, verzehren die Thiere mit Wohlgefallen, und selbst gewisse in gedüngten oder schweren Boden erzeugte Arten, die dem menschlichen Gaumen nicht behagen, schmecken dem Vieh gut. Der denkende Landwirth giebt daher dem Vieh nicht alleine die ganz kleinen Früchte der besten Arten, nachdem die größern für den Tisch der Menschen, zur Verfertigung des Mehl etc. etc. ausgelesen worden sind. Sondern er bauet auch eigentliche gute Viehfütterungsssorten, die sich entweder durch ihre Ergiebigkeit, oder Grösse, Dauer u. s. w. zu diesem Zwecke empfehlen.

Es ist gleichfalls notwendig diejenigen Kartoffeln, welche zur Fütterung des Viehes eigens erbauet wurden, eben so gut aufzubewahren, wie die zum Genusse der Menschen, damit sie ihre natürliche Güte und ihren natürlichen Wohlgeschmack nicht verlieren, außerdem die gute Absicht ganz verfehlt werden würde.

Alle Kartoffeln die man dem Vieh, roh, gekocht oder geröstet zum Futter vorschütten will, müssen vorher rein gewaschen und von aller anklebenden Erde gereiniget werden, wozu man sich eines stumpfen Besens, oder auch des oben angegebenen Waschzylinders bedienen kann. Die faulen und verdorbenen Stücke wirft man in den Mist, es sollen auch überhaupt die beym Einerndten verlezten und angestoßenen Kartoffeln sogleich ausgesondert und alsbald, ohne sie lange aufzuheben, verfüttert werden. Die Kartoffeln welche man roh verfüttert, werden vorher zerstampft oder gestopft, auch zerschnitten, die gekochten und gerösteten aber zerdrückt oder zerquetscht. In beiden Fällen genießt sie das Vieh leichter und lieber, und man kann sie auch besser mit anderem Futter als Schrot, Kleyen, Mehl und dem geschnittenen Futter oder Häckerling vermischen. Die Kochung in kupfernen Kesseln muß man vermeiden, weil die Kartoffeln einen übeln Geschmack und schlimme Beschaffenheit von diesem Metalle annehmen. Eiserne Kessel und grosse irdene Töpfe sind besser, am allerbesten und am holzersparensten ist die Dampfkochung, wie oben gelehret worden ist, wo man sie im Großen anwenden kann.

Die Fütterung des Rindviehes mit Kartoffeln alleine, und besonders mit rohen, ist nicht anzurathen, am besten und nützlichsten ist sie mit gemischtem Futter, Häckerling, Heu, Getraideschrot, Erbenstroh u. dgl. abwechselnd, zuweilen roh, zuweilen gesotten, gegeben. Unter dieser Vorsicht, darf man dem Rindviehe, den ganzen Winter hindurch, Kartoffeln zur Hälfte und Trockenes zum halben Teil ihres Futterbedarfs geben.

Die Schweine gedeihen bey der Kartoffel-Fütterung recht gut und werden dabey groß und fleischig. Man giebt die Kartoffeln diesen Thieren unvermischt und zwar am besten gekocht oder geröstet; roh sind sie ihnen nicht gedeihlich. In Westphalen füttert man die Schweine mit im Backofen gerösteten oder gebratenen Kartoffeln; auf die Art wie oben gelehrt worden, und giebt ihnen gelbe Rüben und Getraideschrot darunter; dies Verfahren liefert die fürtreflichen und wohlschmeckenden westphälischen Schinken.

Die Schaafe kann man sehr gut den Winter hindurch mit Kartoffeln erhalten. Zum Fettmachen der Schaafe sind die Kartoffeln besser als Korn und anderes Getraide. Zum Futter für diese Thiere giebt man die Kartoffeln geschnitten oder auf einem Krauthobel gehobelt, so trocken als möglich, und bey jeder Fütterung etwas Salz und etwas gutes Heu oder Ohmad dazu. Drey Pfunde Kartoffeln und ein Pfund Heu sind für ein Schaaf und 4 Pfunde nebst dem Heu für einen Hammel, des Tags genug. Ein großer Hammel, der fett werden soll, erhält 5 Pfunde Kartoffeln und 2 Pfunde Heu; halb gewachsenes Schaaf- und Lammvieh erhält nach Verhältniß weniger. Salz darf bei keinem fehlen.

Für die Pferde leisten die Kartoffeln, im Frühlinge, wo Heu und Stroh oft zu mangeln pflegt, gute Dienste. Man schneidet oder hobelt die Kartoffeln, wenn sie vorher recht rein gewaschen und vollkommen wieder trocken geworden sind, und giebt sie anfänglich mit Haber vermischt und etwas gesalzen. Nach und nach gewöhnen sich die Pferde so daran, daß sie die Kartoffeln sehr gerne, auch ohne Haber, fressen und bey diesem Futter in jeder Arbeit bestehen. In England füttert man die Pferde schon seit langer Zeit mit Kartoffeln, und die Pferde aller Art befinden sich sehr wohl dabey. Man giebt einem arbeitenden starken Pferd des Tags 40 Pfunde Kartoffeln, 8 Pfunde Heu und 2 Pfunde Kleyen mit Salz vermischt, die man auf die Kartoffeln aufstreuet. Beym Kartoffelfras saufen die Pferde weniger wie beym Haber. Indessen füttert man sie nicht zu anhaltend roh, sondern mehr gekocht und mit Kleien und Hexel vermischt. Im Backofen geröstete Kartoffeln fressen die Pferde am liebsten, und sie sind ihnen so zubereitet am gesündesten, nur bedürfen sie hier mehr zu saufen, als wenn man sie ihnen roh oder gekocht verfüttert.

Die Gaise oder Ziegen fressen die Kartoffeln schon roh sehr gerne, geröstet aber noch lieber. Die rohen schneidet man in dünne Scheiben, streut Kleien und Salz darauf und giebt etwas Heu dazu. Milchenden Ziegen muß man sie nicht zu häufig roh und ohne Vermischung mit anderem Futter geben und auch etwas salzen, sonst wird die Milch wässerig.

Selbst die Hunde fressen die Kartoffeln gekocht recht gerne, besonders wenn man sie etwas salzt und mit ein wenig abgenommener Milch begießt, oder mit Spülwasser aus der Küche benezt.

Auch die Kaninchen oder Rupfhaasen fressen die Kartoffeln roh oder gekocht; die gerösteten ziehen sie aber den andern vor. Man füttert sie diesen Thieren gemischt mit Kleien, geschnittenen Rüben oder etwas Heu.

Die Hühner, Enten und Gänse, selbst die Tauben, lassen sich mit Kartoffeln nicht alleine nähren, sondern auch fettmachen. - Den erstgenannten giebt man sie gekocht und zerdrückt oder klein geschnitten und mit ein wenig nasser Kleien vermischt, wo sie solche mit Lust verzehren. Gekochte Kartoffeln zu Brei zerquetscht, mit etwas Mehl und ein wenig Salz vermischt und den Hühnern warm vorgesezt, wirkt, daß sie fleißig legen. Gänse und Enten fressen diese Kost ebenfalls gerne. Selbst wenn die gekochten Kartoffeln schon etwas sauer geworden sind, so fressen sie die Hühner doch, man kann daher diese Frucht, wenn man sie zum Küchengebrauch nicht mehr anwenden kann, immernoch für das Federvieh verbrauchen.

Den Enten giebt man die Kartoffeln gekocht oder geröstet, und bröckelt sie ihnen vor. Roh fressen sie solche zwar auch gerne, allein sie verdauen sie nicht gut. Wenn die Enten genugsam von dieser Frucht bekommen, so werden sie bald fett.

Die Gänse fressen die Kartoffeln sowohl roh als auch gekocht, in beiden Fällen schneidet man sie ihnen in Scheiben vor, entweder allein oder mit Rüben vermischt. Das Kartoffelmehl mit etwas schwarzen Roggenmehl vermischt, und mit warmen Wasser angerührt, etwas gepfeffert und gesalzen, giebt einen fürtreflichen Nudeltaig zum Stopfen oder Schoppen der Gänse, der Enten und der Kapaunen. Man kann die gekochten Kartoffeln zum Stopfen dieser ebengenannten Thiere noch mästender machen, wenn man sie mit geriebenen Brod oder mit Gerstenschrote zusammenknetet und Schoppnudeln daraus macht.

Den Pip- oder Truthühnern giebt man die Kartoffeln ebenfalls gekocht, sie lassen sich auch gut damit mästen.

Selbst die Tauben fressen die klein geschnittenen rohen Kartoffeln gerne, noch lieber aber die gekochten, wenn man diese zusammen mit ein wenig Anissaamen knetet und ihnen sonach den Taig zerbröckelt.

Die Fische kann man gleichfalls sehr gut mit Kartoffeln füttern. Man kocht diese, hackt sie klein und gebraucht sie als Futter in den Fischbehältern und Teichen. Die Fische werden fett von diesem Futter, besonders die Karpfen, welche, nebst den Hechten, Forellen und Schleien die Kartoffeln vorzüglich gerne fressen.

Auch sogar die Krebse kann man mit gekochten Kartoffeln nähren und mästen.

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