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Ueber die Kartoffeln, Erdäpfel, Erd- oder Grundbirnen ...

Johann Georg Friedrich Jacobi: Ueber die Kartoffeln, Erdäpfel, Erd- oder Grundbirnen ... - Kapitel 55
Quellenangabe
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typetractate
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleUeber die Kartoffeln, Erdäpfel, Erd- oder Grundbirnen ...
publisherMonath und Kußler
year1818
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderPamela Lampel
created20100408
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Kartoffelreis.

Man kann die Kartoffelsubstanz auch in Reisgestalt bringen, in welcher Form sie sehr gut aussieht, wohlschmeckt, und zu mancherley Verspeisung gebraucht und mehrere Jahre frisch und gut aufgehalten werden kann.

Man nimmt zu dem Ende kurz nach der Einsammlung der Kartoffeln, wenn diese Erdfrucht noch ihre beste Kraft, und ihren besten Wohlgeschmack hat, eine genugsame Menge derselben, besonders von der weißen Sorte, und wäscht sie ganz rein ab; diese ausgewählten Kartoffeln thut man in einen Weidenkorb, der in einen kupfernen Kessel so paßt, daß er an den Seitenwänden anschließt, vom Boden aber 2 bis 3 Zoll entfernt bleibt. In den Kessel gießt man so viel Wasser, als der leere Zwischenraum unter dem Korbe beträgt, sezt den Korb mit den Kartoffeln hinein, und deckt das Ganze mit vielfach über einander gelegten feuchten Tüchern oder Matten zu. Diese Vorrichtung bringt man nun über ein Feuer - Kohlenfeuer ist das beste - und läßt es da so lange über der Glut, bis sich das Wasser in Dämpfe verwandelt hat. Diese heiße Dämpfe durchdringen die Kartoffeln in sehr kurzer Zeit, und machen sie ziemlich mürbe und gar, ohne ihnen etwas von ihrer Kraft und ihrem Geschmacke zu nehmen. Wenn man durch Versuche gesehen hat, daß die Kartoffeln gut gekocht sind, so hebt man sie ab, läßt sie etwas abkühlen, und dann werden sie geschält. Diese dampfgekochten geschälten Kartoffeln bringt man nun in die Kartoffelpresse, die weiter unten beschrieben werden wird, und drückt sie mit Gewalt durch. Hier bildet sich nun aus der gepreßten Kartoffelmasse eine Art starker Fäden, die aber immer zerreißen, und in Reiskörner Gestalt in das untergestellte Gefäße fallen.

Diese weiche Körner schüttet man in ein Sieb, das etwas weitere Oeffnungen als die Presse hat, oder dessen Boden von durchlöchertem Bleche ist, und schüttelt sie darin umher, daß sie sich abrunden, und wenn sie die gehörige Form haben, durchfallen, wo sie dann auf einem glatten weißen Tuche, oder auf ungeleimten reinem Papier aufgefangen werden. Die abgerundeten und geglätteten Körner, trocknet man in der Sonne, oder in der Nähe eines heißen Ofens, wo man sie oft und sorgfältig umwendet; und nach 12 Stunden hat man bey einer mäßigen Hitze ein festes, weißes, durchscheinendes, von aller Feuchtigkeit befreietes, sehr wohlriechendes Korn, das der sogenannte Kartoffelreis ist. Man füllt es in Säcke und verwahrt diese an trockenen lüftigen Orten aufgehängt. In dieser Gestalt und Beschaffenheit, und an trockenen Orten aufbewahret, hält sich dieses Produkt mehrere Jahre.

Diesen Kartoffelreis, der sehr gut ist, wohl schmeckt, kann man in Milch oder Fleischbrühe kochen, mit Butter backen und braten, und zu Suppen und Pasteten anwenden. Man kann ihn auch auf einer Kaffeemühle mahlen, und zu Verdickung der Brühen, der Milchsuppen, der kalten Milch u.s.w. gebrauchen; auch kann man ihn auf einer großen Mühle zu feinem Mehle mahlen lassen, welches Mehl mit gleicher Masse Waizenmehl vermischt, ein gutes, leichtes, lange frischbleibendes Brod giebt. Es geben zwanzig Pfund solches gemischtes Mehl 35 Pfunde Brod, und dieses Brod bleibt 14 Tage frisch, gut und schmackhaft. Wenn man die Körnung der Kartoffelsubstanz im Großen betreiben will, so kann man sich einen hohlen Zylinder von Zinn, dessen Wände durchaus durchlöchert sind, mit einem genau hineinpassenden hölzernen Stempel machen lassen. Die Körnung geht dabey schneller von Statten, und wird reinlicher vollbracht. Die Löcher müssen hübsch glatt seyn, und dürfen keinen Aufwurf oder Bart haben.

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