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Überfallkommando

Edgar Wallace: Überfallkommando - Kapitel 10
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleÜberfallkommando
publisherGoldmann Verlag
editorFriedrich A. Hofschuster
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun17. Auflage
isbn3442000750
year1982
created20111027
projectid915718f9
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Kapitel 9

Um McGill gerecht zu werden, muß gesagt werden, daß er sich bemühte, die Gefahr, in der Ann so oft schwebte, auf ein Mindestmaß zu beschränken. In neun von zehn Fällen brachte sie nur ein unschuldiges Paket von gewöhnlichem Salz auf das Land. Die wirkliche »Fracht«, die sie transportierte, befand sich in einem besonderen Fach an der Seite des Wagens, das hinter der Lederpolsterung verborgen war.

Aber in dieser Nacht hatte sie eine gefährliche Ladung nach Oxford zu bringen. Er verließ sich jedoch auf ihre angeborene Klugheit. Als Bradley nun seine Wohnung durchsuchte, erinnerte sich Mark plötzlich mit Schrecken daran, daß er Ann vor einer Woche nach Birmingham geschickt hatte. In dem Geheimfach steckte eine große Menge Kokain.

Ann wurde an ihrem Ziel stets von einem Beauftragten McGills erwartet, der ihren Wagen in eine Garage brachte, und dort wurde ohne ihr Wissen der eigentliche Transport ausgeladen. Aber die Leute von Birmingham hatten anscheinend eine Entdeckung gefürchtet und waren nicht erschienen. Nach Anns Rückkehr hatten weder Mark noch sein Chauffeur das Kokain aus dem Wagen entfernt.

Mark hatte sich darüber keine großen Sorgen gemacht. Das Geheimfach war ein ebenso gutes Versteck wie der Behälter. Erst als Ann an diesem Abend abgefahren war, fiel ihm ein, daß seine Leute in Oxford das Kokain aus dem Fach nehmen und wahrscheinlich über die Menge erstaunt sein würden. Aber das war eine Sache, die man später leicht in Ordnung bringen konnte.

Er sah Bradleys forschenden Blick und zwang sich zu einem Lachen.

»Ich wollte eigentlich sagen –«, begann er.

»Sie wollten eigentlich sagen, daß Ann Perryman noch etwas in ihrem Wagen hatte – außer dem kleinen Paket, das sie ins Wasser warf.«

Marks Augenlider zuckten:

»Davon weiß ich nichts«, sagte er schnell. »Ich weiß auch gar nicht, warum sie etwas ins Wasser werfen sollte. Sie hat eine Fahrt nach Oxford gemacht – das stimmt. Wo ist sie denn jetzt?«

Bradley schwieg eine Weile.

»Sie ist jetzt auf der Cannon-Row-Polizeiwache. Ich vermute, daß Sie Bürgschaft stellen wollen, um sie auf freien Fuß zu setzen. Aber ich sage Ihnen ganz offen, daß ich mich dem mit allen Mitteln widersetzen werde. Ich habe mein Bestes versucht, die junge Dame zu retten – jetzt kann ich nichts mehr für sie tun.«

Er fuhr mit der Hand nachdenklich über das Kinn und schaute Mark scharf an.

»Sie hat nur eine Chance. Sie kommt frei, wenn sie Zeugnis gegen Sie ablegt, McGill. Wenn sie mich in dieser Weise unterstützt, will ich einen Strich unter all ihre Verfehlungen machen.«

Mark hatte erwartet, daß er heftig sprechen würde, aber sein Ton war fast milde im Vergleich zu seinen Drohungen. Mark erkannte als Menschenkenner, daß Bradley an ganz andere Dinge dachte, während er sprach.

Er begleitete die Beamten bis zur Haustür und stand auf dem Gehsteig, als der Polizeiwagen vorfuhr. Er blieb stehen, bis das Auto in der Richtung der Oxford Street verschwunden war.

*

Zu Marks Organisation gehörte ein Rechtsanwalt, der alles tat, was er von ihm verlangte. Mark hatte Mr. Durther, der früher nur seinen kümmerlichen Unterhalt an einem Polizeigericht in Süd-London erwarb, mit genügend Geld versehen und ihm eine ansehnliche Villa in einer Vorstadt eingerichtet; auch von seinen schlimmen Gewohnheiten hatte er ihn fast völlig geheilt.

Mark ging ins Haus zurück und rief diesen Mann an.

»Ich schicke meinen Wagen. Sie müssen sofort kommen.«

Um halb vier erschien Mr. Durther in McGills Wohnung. Er sah schmächtig aus und hatte eingefallene Wangen. Seine Hände zitterten.

»Also hören Sie zu«, begann Mark. »Meine Freundin ist von der Polizei verhaftet worden. Ich wünsche, daß Sie heute morgen zu ihr gehen und den besten Verteidiger engagieren, um ihr bei Gericht zu helfen. Sehen Sie auch zu, daß sie alles bekommt, was sie braucht. Wahrscheinlich wird der Fall heute morgen vor dem Polizeigericht von Süd-London verhandelt. Sagen Sie ihr, daß sie nichts zu fürchten hat, wenn sie ruhig ist und die Fragen nicht beantwortet, die an sie gestellt werden. Polizeiinspektor Bradley wird Himmel und Hölle in Bewegung setzen, daß sie verurteilt wird – das können Sie auch erwähnen.

»Was hat sie denn bei sich gehabt?« fragte Mr. Durther mit seiner zitternden Stimme.

»Koks. Ich weiß noch nicht genau, ob sie das Zeug überhaupt gefunden haben. Darauf müssen Sie vor allem achten. Sollte ihre Verhaftung tatsächlich aufrechterhalten werden, dann soll ihr Verteidiger sofort den Antrag stellen, daß sie gegen Bürgschaft auf freien Fuß gesetzt wird. Wenn nötig, stellen Sie sofort einen Beschwerdeantrag bei der höheren Instanz.«

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