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Über die Epochen der neueren Geschichte

Leopold von Ranke: Über die Epochen der neueren Geschichte - Kapitel 11
Quellenangabe
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typeessay
authorLeopold von Ranke
booktitleAusgewählte Aufsätze und Meisterschriften
titleÜber die Epochen der neueren Geschichte
publisherAlfred Kröner Verlag
editorHans Hofmann
year1942
firstpub1854
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090201
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Elfter Vortrag

Wir haben bisher drei verschiedene Stufen der Weltentwicklung gesehen: erstens die römische – vom 1. bis zum 4. Jahrhundert; zweitens das Zeitalter der Völkerwanderung und der Einwanderung der Germanen und der Eroberung des Islam über das römische Reich – vom 4. bis zum 8. Jahrhundert; drittens das karolingische und das Deutsche Reich.

Das deutsche Kaisertum war, wie wir gesehen haben, eine etwas einseitige Fortsetzung des karolingischen Reiches; in der Hauptsache aber verfolgte es dieselben Ideen und hatte dieselben Bestrebungen, wie jenes. Im Innern war es zwar nicht so mächtig unter den Ottonen, wie unter Karl dem Großen, weil in dieser Epoche die Nationalitäten sich zu größerer Selbständigkeit emporgeschwungen hatten; aber die abwehrende und zivilisierende Stellung hatte es mit dem karolingischen Zeitalter gemein; in letzterer Beziehung nahm es aus dem byzantischen Reiche infolge der Verbindung Ottos II. mit einer griechischen Prinzessin manche Elemente in sich auf. Ebenso war das Verhältnis zum Papste dasselbe: die Union zwischen Kirche und Staat blieb; das kirchliche Element wurde zwar für unentbehrlich gehalten, doch herrschten die Päpste nicht über das Reich, eher wurden sie von demselben beherrscht.

In folgenden Tatsachen wenigstens zeigte sich eine gewisse Abhängigkeit des Papsttums vom Kaisertum: 1. Otto I. setzte den Papst ab und ließ einen andern wählen; 2. Otto III. setzte seinen eigenen Lehrer Gerbert zum Papst; 3. Kaiser Heinrich III. setzte 1046 drei Päpste auf einmal ab und einen Deutschen an ihre Stelle. Letzterer war überhaupt einer der mächtigsten Kaiser und wußte jede Opposition zu unterdrücken. Er besiegte um das Jahr 1050 die Ungarn, welche sich zum Christentum bekehrt hatten und die deutsche Verfassung bei sich aufnahmen, und wußte die Polen und Dänen in Abhängigkeit vom Reiche zu erhalten. Auch die Kapetinger in Frankreich waren zu ohnmächtig, um etwas gegen das Kaisertum auszurichten, obwohl dasselbe unter den Saliern nicht mehr die Fülle der Macht hatte, wie unter den Ottonen. So stand es um die Mitte des 11. Jahrhunderts; von da an beginnt jedoch eine neue vierte Epoche, welche ich das hierarchische Zeitalter nennen möchte.

§4 Das hierarchische Zeitalter

Vom 11. bis 13. Jahrhundert

Man irrt in der Regel, wenn man die Hierarchie des Papsttums als Entwicklung der geistlichen Idee betrachtet. Das Papsttum erwarb ein förmliches Reich und ist zu dieser Herrschaft nicht durch eine Entfaltung der Doktrin gekommen, welche schon vorher entwickelt war, sondern durch Kampf und Krieg. In dieser hierarchischen Erscheinung liegt die Summe der Geschichte bis auf die Reformation. Hier will ich nun handeln: erstens von der Emanzipation des Papsttums vom Kaisertum; zweitens von den auswärtigen Unternehmungen des Papsttums, den Kreuzzügen; drittens von der Überwältigung der weltlichen Gewalt durch das Papsttum.

1. Emanzipation des Papsttums vom Kaisertum

Im 10. und 11. Jahrhundert war es dahin gekommen, daß Europa beinahe vollständig christlich geworden war. Jedoch war es nicht ganz zur römischen Kirche übergegangen; denn gerade in diese Epoche fällt die Verbindung Moskaus (unter Wladimir) mit Konstantinopel, indem die Russen von Osten aus bekehrt wurden. Daher rührt der Hauptgegensatz Rußlands und Polens: in jenem kam der eigentümliche Gang und die volle Bedeutung der orientalisch kirchlichen Entwicklung zur Anschauung, infolge deren der Kaiser über die Kirche die Oberhand hat. In diesem hingegen entwickelte sich die okzidentalische Anschauung mit ihrer mächtigen Aristokratie in Kirche und Staat. Der Impuls der abendländischen Völker wurde zwar durch diese Lostrennung der russischen Kirche vom Okzident gehemmt, aber man kann meines Dafürhaltens darin keinen Nachteil erblicken, weil hierdurch die Gefahr entfernt wurde, daß das mächtige germanische Element in der Kirche durch das slavische verdrängt werde.

Wir haben also unsere Betrachtungen auf den Kreis der durch die Karolinger und das Kaisertum bekehrten und zivilisierten Völker zu beschränken, wozu außer den spanischen Reichen Frankreich, England, Deutschland und zum Teil auch die nordischen Reiche, sowie Polen und Ungarn gehören. Hier brach nun um die Mitte des 11. Jahrhunderts jener große Zwiespalt aus zwischen Kirche und Staat, zwischen Kaisertum und Papsttum. In diesem Streit darf man nicht ein Unglück sehen, denn er liegt zu tief in der Natur der Dinge begründet, und an diesen Gegensätzen ist der europäische Geist gereift. Wir wollen nicht den Papst anklagen, weil er zu so großer Bedeutung gelangt ist; ebensowenig aber verdient der Lob, der sich ihm unterwerfen wollte.

Die wichtigste Frage ist nun die: worauf beruhte die Oberherrschaft der päpstlichen Macht, in welcher die Anhänger des Papsttums in irrtümlicher Weise eine normale und notwendige erkennen? Sie beruht auf drei Momenten.

1. Die Kirche hatte schon in der karolingischen Zeit, wie wir oben gesehen haben, ihre Ansprüche auf Grund der falschen Dekretalen, wenn auch nicht durchgesetzt, so doch formuliert. 2. Die deutschen Kaiser waren sehr religiös gesinnt und wünschten selbst die Begründung eines geordneten Papsttums, was sie auch durch ihre kräftige Einwirkung auf das romische FaktionswesenParteiwesen, politische Umtriebe. betätigen.Heinrich III, hatte unter anderen Leo IX. als Papst eingesetzt, der ein Reformpapst war und an die wirkliche Durchführung der geistlichen Idee ging, ohne sich mit dem Kaiser darüber zu verfeinden. Durch ihren religiösen Sinn trugen sie also auch dazu bei, dem Papst eine höhere Stellung zu geben. 3. Die römische Kirche hatte sich nach und nach das Recht der letzten Entscheidung in den Sachen beigelegt, welche früher den Synoden anheimgefallen waren. Die letzteren verloren aber ihre frühere Bedeutung, und dieselbe ging auf die römische Hierarchie über. So z. B. wurde die Lehre von der Transsubstantiation des Brotes und Weines durch die römische Hierarchie allein fixiert.

Da kam nun Hildebrand als Gregor VII. (1073-1085) an die Spitze der geistlichen Angelegenheiten. Dieser hielt mit der ihm angeborenen Energie an dem Gedanken fest, nicht nur, daß er mit seiner lateranischen Synode in jeder Sache, welche die Kirche betreffe, die letzte Entscheidung geben könne, sondern, daß eigentlich der Kirche die Führung der Welt gehöre; denn Gott habe die Kirche unmittelbar selbst gestiftet, und was ihr widerstrebe, widerstrebe Gott. Infolge dieser Ansichten, zu denen er sich bekannte, faßte er auch den chimärischen Gedanken, sich zum Oberlehnsherrn aller Fürsten zu erheben, und prätendierte, daß Ungarn, Spanien, England und Schottland von der römischen Kirche abhängen sollten. Einige richtige Ideen, namentlich in bezug auf die Reform der Kirche, kann man zwar diesem Papste nicht absprechen, aber er neigte sich zu sehr zu den Extremen hin, die er nun mit aller Entschlossenheit geltend zu machen suchte.

Dabei entsteht jedoch die Frage, ob das Papsttum allein fähig gewesen wäre, diese Ideen durchzuführen. Darauf können wir ganz entschieden mit Nein antworten: es mußte sich nach Verbündeten umsehen, und wo anders konnte es diese finden, als in den Gegnern des jungen Kaisers Heinrich IV.?

Die Hauptstreitpunkte zwischen dem Kaisertum und dem Papste waren folgende drei: 1. Soll der Kaiser einen entscheidenden Einfluß auf die Papstwahl haben? 2. Soll der Kaiser die Bischöfe setzen oder nicht, und sollen die Bischöfe überhaupt abhängen von dem Kaiser? 3. Soll der Papst das Recht haben, über den Kaiser zu richten?

In ersterer Hinsicht bestand bereits zu Justinians Zeiten der Gebrauch, daß, so oft ein römischer Papst gewählt wurde, man es dem Kaiser anzeigte, worauf dieser einen Gesandten abschickte, und unter dem Einfluß des Kaisers der römische Bischof gewählt wurde. Die Bischofswahl, welche damals unter der Mitwirkung des Volkes und des römischen Kaisers vor sich ging, nahm später die hohe römische Hierarchie für sich allein in Anspruch.

Schon unter Heinrich IV. kam nun die Sache zur Entscheidung. Es gab damals auch in der Kirche zwei Parteien. Einige von den deutschen Bischöfen waren mehr für die kaiserlichen Rechte, andere mehr für das Papsttum gestimmt, und ebenso verhielt es sich auch in Italien. In Deutschland waren die vornehmsten Geistlichen, welche das eine und das andere Prinzip verfochten, Anno von Köln, welcher auf der Seite des Papstes stand, und Adalbert von Bremen, welcher mehr kaiserlich gesinnt war. Die den minderjährigen König umgebenden Faktionen trugen zum Teil selbst dazu bei, daß die Theorie der Unabhängigkeit des Römischen Stuhles durchgeführt werden konnte.

Sein Hauptaugenmerk mußte der Papst, um dem Kaiser möglichst viele Anhänger zu entziehen, auf die Besetzung der Bistümer richten. Die Bischöfe waren aber durch die Kaiser mächtig geworden; sie waren am Hofe und verwalteten zum großen Teile die Reichsgeschäfte; denn eine ordentlich eingerichtete weltliche Verwaltung gab es damals nicht. Auf diesen Punkt richtete nun der Papst seinen ersten Angriff: er beschuldigte Heinrich IV., daß er durch Verkauf kirchlicher Pfründen das Verbrechen der Simonie begangen habe. Es mag allerdings wahr sein, daß es bei der Besetzung der geistlichen Ämter nicht immer mit rechten Dingen zuging, und daß die Könige, um ihre Zwecke durchzusetzen, manchmal Geld nahmen und gaben. Aber Heinrich IV. selbst nahm wohl kaum an diesem Mißbrauche teil. Der Papst indessen warf ihm dieses Verbrechen vor, indem er seine Räte desselben schuldig erklärte und ihn aufforderte, dieselben zu entfernen, widrigenfalls er selbst an diesem Gott verhaßten Verbrechen teilhaftig erklärt würde. Einige der Bischöfe nun, welche nicht auf rechtmäßige Weise zu ihren Stellen gekommen waren, wurden zwar abgesetzt, allein dem Papste genügte das nicht, und er bestand darauf, daß der Kaiser seine Räte entfernte. Hierin war aber der Kaiser der Meinung, nicht nachzugeben, und nun entspannen sich jene denkwürdigen Verwicklungen, deren wahren Verlauf man bisher nicht in vollkommen genügender Weise verfolgt hat.

Mit den erwähnten Streitigkeiten, die schon sehr weit gegangen waren, verbanden sich noch andere: die kaiserlich gesinnten Kardinäle machten dem Papst das Leben sauer und wurden hiebei vom kaiserlichen Hofe aus unterstützt. Hierüber geriet der Papst in heftigen Zorn und richtete an den Kaiser eine sehr anzügliche Zuschrift, worin er seinen schlechten Lebenswandel rügte und ihm vorwarf, daß er eine Menge Verbrechen begangen habe, wegen deren er verdiene, abgesetzt zu werden. Daß es dem Papste möglich sein sollte, durch eine Verurteilung den Kaiser abzusetzen, schien nun dem König eine unerhörte Sache. Er schritt also sogleich dazu, diese Anmaßung energisch abzuweisen, und berief eine Synode deutscher Bischöfe nach Worms (1076), welche dafür hielten, daß sie den Papst wegen der Verbrechen, die ihm zur Last fielen, absetzen könnten. Ehe noch der Papst seine Drohung, den Kaiser zu stürzen, verwirklichte, erklärte jene Synode den Papst für abgesetzt; ein Vorgehen, das in der Geschichte, wie wir gesehen haben, nicht ohne Beispiel war, während auf der andern Seite die Absetzung eines Kaisers durch den Papst allerdings bisher unerhört war. Die vom Kaiser Heinrich IV. mit dem Beschlusse der Synode abgesendeten Boten kündigten dem Papste seine Absetzung gerade in dem Augenblicke an, wo er an der Spitze einer lateranensischen Synode saß. Gregor VII. und seine Synode exkommunizierten nun alsbald den Kaiser und erklärten ex parte omnipotentis Dei et Sancti Petri,Von seiten (im Namen) des allmächtigen Gottes und des heiligen Petrus. daß er nicht mehr Kaiser sein könne.

In Deutschland waren mittlerweile Verhältnisse eingetreten, die es Heinrich fast unmöglich machten, seine Entschlüsse durchzuführen. Der Kaiser war nämlich mit den Sachsen und ihren Fürsten in Streit geraten, wobei Recht und Unrecht auf beiden Seiten wohl gleich verteilt war. Die Sachsen hatten rebelliert, und er hatte die Flucht ergreifen müssen. Später gelang es ihm zwar, sich dieses Land wieder zu unterwerfen, und dadurch gewann er für einige Zeit die Mittel, sich dem Papste zu widersetzen; allein vielen von den deutschen Fürsten, darunter Rudolf von Schwaben, Welf und andern mehr, schien es gefährlich, daß der deutsche Kaiser zu mächtig werde. Sie ließen daher die gefangenen sächsischen Großen wieder nach Hause gehen, wodurch Sachsen neuerdings in große Gärung geriet, und verbündeten sich mit dem Papste. Auf der von Heinrich nach Mainz berufenen Synode erschienen die wichtigsten deutschen Fürsten nicht, und sie ging wieder auseinander. Der später nach Tribur berufene Reichstag spaltete sich in zwei Lager, in ein kaiserlich und ein päpstlich gesinntes, die zu Tribur und dem gegenüberliegenden Oppenheim getrennte Zusammenkünfte hielten, und somit nicht die Einheit des Reiches, sondern dessen Entzweiung repräsentierten. Die Hauptfrage war die, ob der Papst das Recht habe, den Kaiser zu exkommunizieren, und da die deutschen Fürsten dies nicht anerkennen wollten, so schrieb der Papst eine Menge von Briefen, worin er sich auf die falschen Dekretalen stützte, und schickte eigene Legaten nach Tribur, welche mit den deutschen wohlgesinnten Bischöfen lange Konferenzen hielten. Die Folge davon war, daß, weil niemand an der Echtheit jener Dekretalen zweifelte, die deutschen Bischöfe und Fürsten anerkannten, daß der Papst das Recht habe, den Kaiser zu exkommunizieren, besonders wenn ein Kaiser es wage, sich dem Papste zu widersetzen.Man betrachtete nämlich, gestützt auf die falschen Dekretalen, welche dieses aussprachen, das Recht der Exkommunikation des Kaisers durch den Papst als ein solches, welches die Päpste von Anfang an ohne Widerstreit in Besitz gehabt hätten.

Dieses war der größte Sieg, den das Papsttum je erfochten. Nun bestand aber in Deutschland das Recht, daß, wer innerhalb Jahr und Tag sich nicht aus dem Banne löse, auch seine weltliche Stelle verliere. Die Fürsten verlangten also vom Kaiser, daß er innerhalb dieser Frist die Absolution vom Papst erwirke; wo nicht, so müßten sie ihm den Gehorsam versagen. Darauf nun versprach der Kaiser, er werde sich dem Papste unterwerfen, begab sich mitten im Winter über die Alpen und traf mit dem Papste, der eben im Begriffe war, auf die Einladung mehrerer deutschen Großen nach Deutschland zu gehen und dort die Absetzung des Kaisers zu betreiben, in Kanossa zusammen. Dort tat Heinrich IV. die verlangte Buße, wenn auch weit entfernt von jeder Zerknirschung, und der Papst sprach ihn vom Banne frei, nicht gerade zum großen Vergnügen der Deutschen.

Die fernere Frage aber, ob der Kaiser nicht Verbrechen begangen habe, infolge deren er die Absetzung verdiente, sowie die Frage, ob die dem Papst zur Last gelegten Verbrechen auf Wahrheit beruhten, war hiemit noch keineswegs erledigt. Da fiel nun jene denkwürdige Szene vor, in welcher der Papst eine Hostie weihte, in zwei Stücke zerteilte, und mit den Worten: »Wenn ich die mir zur Last gelegten Verbrechen wirklich begangen habe, so soll mich diese Hostie vom Erdboden vertilgen; wenn du dich eben so rein weißt von den Verbrechen, deren du beschuldigst bist, so nimm die andre Hälfte« – die eine Hälfte der Hostie konsumierte. Der Kaiser weigerte sich, seinem Beispiele zu folgen, und darauf sagte der Papst zu den deutschen Fürsten: »Ich habe euern Kaiser zwar absolviert, aber ich gebe ihn euch schuldiger zurück, als früher.«

Nachdem dies geschehen war, ging der Kaiser unversöhnt mit dem Papste von Kanossa weg, und nun sammelten sich alle Italiener um ihn. Die deutschen Fürsten aber setzten ihn ab, weil sie seinen Zorn fürchteten.

Auf diese Weise hatte Gregor erreicht, was er bezweckte: erstens daß der Papst sich von dem Kaiser faktisch emanzipierte, zweitens daß der Kaiser die Bischöfe nicht ein- und absetzen konnte, wie er wollte; drittens daß der Papst das Recht, über den Kaiser die Exkommunikation auszusprechen, durchsetzte.

Nun kam es zum Kriege, in welchem der Kaiser nach Rom ging und den Papst verjagte (1084). Gregor flüchtete sich sodann zu den Normannen und starb bald darauf, mit den Worten: » morior in exilio, quia justitiam dilexi«.Ich sterbe in der Verbannung, weil ich die Gerechtigkeit geliebt habe.

Sein Nachfolger Urban II. führte die päpstlichen Ansprüche erst vollends durch. Roms Anhänger in Deutschland, die viel stärker waren, als in Italien, stellten zwei Gegenkönige auf, zuerst Rudolf von Rheinfelden, und nachdem dieser getötet worden war, Hermann von Luxemburg, welch letzterer eine gewisse Autorität in Norddeutschland erlangte. Nachdem auf einem Konzil zu Quedlinburg die hierarchischen Ansprüche volle Anerkennung gefunden hatten, gelang es dem Papste sogar, den Sohn Heinrichs IV., den nachmaligen Heinrich V., für sich zu gewinnen. Dieser stellte sich am Ende, damit nicht die ganze Autorität des Hauses in Trümmer gehe, an die Spitze der Opposition gegen seinen Vater und nötigte denselben, ihm die Krone abzutreten.

Dadurch wurde die ganze Lage der Dinge verändert: das Kaisertum war zwar nicht unterdrückt, behauptete aber nicht mehr jene unbedingte Höhe, die es unter den Ottonen und noch mehr unter Karl dem Großen eingenommen hatte. Der Papst spielte jetzt die erste, der Kaiser nur mehr die zweite Rolle.

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