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Robert Müller: Tropen - Kapitel 36
Quellenangabe
typefiction
booktitleTropen
authorRobert Müller
year1993
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008927-1
titleTropen
pages5-16
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1915
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Das Tier kannte den Raum nicht. Es marschierte buchstäblich mit der Stirne am Boden, es war imstande, sich wie ein Balken über einen Abgrund hinzurecken, sein Medium war allenthalben die Fläche. Dieser lange, langweilige Muskelsack überwältigte die Schwerkraft, oder, was dasselbe bedeutet, er kannte sie nicht. Von dieser eigentümlichen, ungereimten Beobachtung fiel eine Lehre ab. Der Raum ist ein Produkt der Erkenntnis der Schwerkraft. Je mehr Schwerkräfte im Leben, desto hochartiger die Verräumlichung und Dimension. Das Tier kannte nicht die Zeit, vielleicht starb es nicht, starb nicht im menschlichen Sinne. Denn der Tod ist die Schwerkraft innerhalb der Zeit. Durch ihn erst, durch den Widerstand und die Verneinung, wird die menschliche Zeit. Denn erst was wird, ist erkannt. Es wird durchs Erkanntwerden. Die Sensation der Schwerkraft ist eine Schwächung und Fähigkeitsminderung, aber Hemmung schafft höhere Dimension. Erst durch das Dawiderdenken entstand das höhere Denken, mit dem Tode des Gedankens nähre ich ihn höher, in der Schwerkraft einer Realität beschwinge ich die nächste. Meine Sicherheitsfähigkeiten, meine Stabilität sind vermindert. Aber meine Erkenntnis ist gemehrt. Für jeden Schwindelanfall gewinne ich mir eine neue Dimension ein. Für jede Direktion, auf die ich im Leben verzichte, erhalte ich eine Perspektive. Ich kann nicht mit meinen Haaren gehen und mit meinen Flanken bergab an einem Baumstrunk kleben. Ich muß Verzicht leisten auf diese einfachen Kräfte und Genüsse. Der tierische Kopf ist ein Wegweiser nach vorne, immer zeigt er nur in die Horizontale. Der Kopf des Menschen aber ist eine Pfeilspitze nach oben, hinaus in den unendlichen Raum, und deutet an, daß die lanzenschädligen unter den Menschen die menschlichsten sind, die Gotiker, die Hochbaurassen. Die Erde ist rund und ein Raum und eine Rückkehr, und wenn man ganz weit gekommen ist, ist man wieder dort, wo man ausging. In der Erde als Raum ist der Widerspruch ausgesprochen, und gewiß ist sie kein Servierbrett zu Fraß und Sumpfglück. Ich bin abgekommen von meinen früheren Sentimentalitäten. Lasset Tieren und Wilden ihre Glückseligkeiten. Sie liegen sicher in uns aufgestapelt. Um den Baum des Gekröses ringelt sich konvulsivisch die Darmschlange, führt ein dummes, seliges Leben auf einem Seitenaste der Entwicklung. Am Ende bist du eine Abnormität, ein Auswuchs von einer Schlange, der es schlecht gegangen ist, und die es weit gebracht hat. Auch den Wilden trägst du in dir, den Paniker, den Typus mit der Duplikatseele, die in jedem das Gleiche träumt und einen Gottpfahl lächerlich gemeinsam beschwingt. Ich aber bin davon abgekommen; in diesem Augenblicke bin ich davon abgekommen, weiß Gott, welche Einbuße ich hiermit wieder erlitten habe, welche neue Schwere mir die Anmut beeinträchtigt, und was ich habe zahlen müssen für diese Sekunde der Erkenntnis. Ich bin wieder Ich selbst, ich habe mich gefunden, ich hänge meine Sentimentalität und Tropenschwärmerei an den Nagel. Denn ich halte es mit Schwerkraft und widersprüchlichem Denken. Gute Nacht, Slim, es wird dir auch wohltun, daß diese Geschichte jetzt zwischen uns erledigt ist. Ich gebe dich frei. Schlafe du mit Zana – ich liege hier und darbe, ich verbrenne mein Herz wie einen Ketzer, ich leide, wenn andere braune Glieder lieben, aber ich schaffe mir Gedanken und modle Leid in Lust. Lüget nicht: Das Gehirn ist kein schlechterer Mechanismus als die Natur selbst. Ich bin jetzt fürs Gehirn eingenommen, ich gebe mich mit aller Leidenschaft dem hin, was am notwendigsten ist: Schwerkraft, Tod und Verkehrung! Werdet schwerer, mordet die Realität und tut ewig Buße um eure Gedanken, kehret um und kehret euch wider euch in euren Gedanken. Vertite, vertite, anachoreite!

Die grüne Schlange löste sich aus ihrer Verstrumpfung, der Knoten streckte sich zu einer langen Linie. Ich fühlte mich einsam und klar, inmitten der zartesten Lebensvorgänge von greller Auffassungsgabe. Drüben bei Slim und Zana war das Geflüster erstorben. Ich wandte den Kopf nicht. Kaum spürte ich das hämische Nagetier der Verliebtheit, das auf meinem Magen hockte; ich fütterte es mit den spirituellen Gluten selber, die mir das Grauen vor ihm erweckte, und machte es zutraulich. Gequältes Herz macht scharfen Sinn. Meine Gedanken waren von Slim befreit, sie lebten nicht mehr mit den seinen in einer Symbiose. Ich vermochte klar und einsam zu denken. Während die Riesenschlange tastend ihren ungeheuren langweiligen Kreuzzug fortsetzte, schlief ich ein.

Am nächsten Morgen erwachten wir gut. Ich traf auf die Augen Slims, der glücklich und froh erschien. Er reckte sich und sagte freundlich: »Nun, heute ist ein guter Tag. Sie fühlen sich wohl recht frisch? Heute kommen wir an den Strom, jawohl!«

Hurra durch! – am achten Tage kam es heraus, daß der eigentümliche Gehalt der Atmosphäre Töne waren. Die Luft in dieser Gegend mußte damit gleichsam chemisch gesättigt sein. Die Vibrationen waren vielleicht ungeheuer kleine Bestandteile. Unter Qualen der Erinnerung kam es mir zur Gewißheit, daß ich dieses Phänomen bereits einmal vorausgeträumt haben mußte. Irgendwann... Richtig, das war wieder jener problematische Traum vor dem Aufbruch. Seine prophetische Art machte mich unruhig. Es war also möglich, daß man zu Erfahrungen, die nachkommen, das Schulbeispiel, das Prinzip vorausträumte? Wie mächtig war der Geist! In diesen Stunden harter Gedankenarbeit, während wir uns durch den Djungle hindurchschlugen, begann ich an ein Schicksal zu glauben. Wir haben so und so viele Leiden und Leidenschaften zu erschöpfen – woran wir sie erschöpfen, bleibt gleichgültig. Hier tritt das Phantoplasma, das innere Gesicht in Kraft.

Bisher hatten wir uns, Zanas Orientierungssinn vertrauend, parallel zum Flußlauf gehalten. Manchmal waren wir auf ihn gestoßen, wenn er uns ein Knie oder eine Schlinge vorgelagert hatte. Dann waren wir so knapp als möglich ausgebogen. Und nun hörten wir ein Brausen. Zana verkündete, daß es die Wasserfälle seien. Obwohl wir uns dem praktischen Ziel dieser Reise gegenüber ziemlich skeptisch verhielten, überfiel uns doch eine kleine Unruhe. Wie, wenn wir wirklich auf ein altes spanisches oder portugiesisches Lager träfen? Der Fluß weitete sich zu einem Trichter. Seit zwei Tagen waren wir, langsam vom Hochplateau dieser Region abfallend, ins Gebirge gekommen. Hügel bildeten, Täler vertieften sich; das Plateau franste in Höhenzügen aus, schob wie ein Wurzelblock Ausläufer und Füße voraus. Der Lauf des Flüßchens war steiler geworden, jetzt stauten sich seine Wasser und wurden grünlich und träge. Um die Mittagsstunde, als die Sonne sich im Zenith befand, waren wir an unserem Ziel.

Das Gestirn lag mitten in einem glatten Spiegel wie eine ovale strahlenlose Scheibe. Die Reflexion des Wassers zog sein Bild auseinander. Zweihundert Schritte unterhalb der Einmündung unseres Flüßchens in das größere Wasser war ein natürliches Wehr von Felsblöcken abgetürmt. Das hurtig gewordene Wasser eilte mit großen Bauschen in drei verschieden breiten Bändern darüber hinaus und fiel etwa vierzig Meter tief in einen brodelnden felswimmelnden Tümpel hinab. Das mittlere der Bänder war das größte; wie eine ungeheure schimmernde Walze drehte und drehte es sich vom Scheitel herab und lud weiße Gischtmassen in das Becken ab. Der Fall sah nicht hoch aus. Aber die Wasser hatten guten Schwung. Wir warfen einen Blick in das Becken. Wer in diesen Fall geriet, war gerichtet. Er mußte mit zertrümmertem und ausgedrehtem Körper unten landen.

Unter Zanas Führung machten wir uns sogleich an die Arbeit, ohne zu rasten. Das Band der Wasser war zweimal von je einem breiten natürlichen Felsobelisken zerschnitten. Er biß wie ein großer Zahn in die Flutmassen. Auf der flachgespülten flußabwärts gekehrten Seite waren mit plumpen Werkzeugen Figuren in den Stein geritzt. Sie stimmten ungefähr zu denen, die Slim auf einem Ziegel vorwies, den er mit sich führte. Sie stellten das topographische Erkennungszeichen dar. Eine Weile sahen wir den täuschenden Drehungen der Riesenwalze, dem ewigen glatten Gleiten des Wasserfilms zu; dann sprangen wir von Stein zu Stein und traten, wo über uns der Steinobelisk das Wasser abhielt, hinter den milchig durchschienenen Glast ein. Wir waren jetzt in einer Höhle, die durch das schräge Zurückfallen der Wand entstand. Über uns und vor uns rollte der hautige Vorhang vorbei. Ein Donnern, das jeden anderen Laut erstickte, splitterte im Raum – er war leer. Nur hie und da hockten schnittige Blöcke, über die wir klettern mußten. Feuchtigkeit tropfte in Rinnsalen an der zackigen Wand entlang. Da haben wir uns stumm und mit Bosheit in den enttäuschten Mienen angesehen. Wir schämten uns voreinander. Slim stand spreizbeinig auf zwei Steinen und öffnete und schloß abwechselnd den Mund. Er sah sonderbar aus. Plötzlich ging es mir ein, daß er lachte und sprach. Indes war kein irgendwie deutbarer Laut zu vernehmen.

Wir alle standen im Halbdunkel mit verstiegenen Haltungen da, hielten uns gegenseitig Reden und wirkten so aufreizend auf unsere Lachlust, daß wir in ein fürchterliches lautloses Prusten und Brüllen ausbrachen. Die Felsenecke war von einem feinen Wasserstäubchenregen umsprüht. Elemente von Regenbogen hielten sich eine Weile in der Luft auf, wurden Augenblicke lang gleichsam materiell und verschwanden plötzlich, wenn die Dichtigkeit des Wasserschleiers in einem rhythmisch wiederkehrenden Verhältnisse ab- und zunahm und den eindringenden Lichtschimmer nach Graden abblendete. Ein apfelgrünes Licht beherrschte den Raum. Die Situation, die derart geschaffen wurde, war äußerst merkwürdig. Sie wurde gespenstisch, und ich sah es an den verdutzten Gesichtern der anderen, daß sie ihnen nicht geheuer war. Wir bemerkten an unserem Wesen sofort einen Abzug. Irgend etwas an uns war weggegeben, wir fühlten uns getragen, ein wenig entkörperlicht. Die Wirkung war die gleiche, wie wenn hier herum irgendwo eine Quelle von Lustgas ausgeströmt wäre. Wir fühlten uns außerordentlich wohl, aber vergebens suchte mein Gehirn gegen das Aufgedrungene dieses Zustandes anzukämpfen. Das Lachen in meiner Kehle war ein Element; die anderen lachten mit, Zana und selbst die würdigen Indianer schüttelten sich, wir alle bogen uns in unhaltbaren Stellungen umher. Aber zugleich lag etwas Beunruhigendes in dieser Erscheinung, das apfelgrüne Licht. Ich drückte das Gehirn zusammen, drückte mit den geschlossenen Augäpfeln tief nach rückwärts: Langsam rekonstruierte sich eine lange, grüne, sich emportürmende Schlange. Rings um sie war gehobenes Licht. In diesem Augenblicke befanden wir uns selbst schier gewichtlos in diesem Medium; die verlorene Hörfähigkeit hatte einen Gewichtsverlust zur Folge. Das Grün ging wie Kathodenstrahlen oder siderische Einwirkungen durch uns hindurch. Es war kein Licht, sondern eine fühlbare dichte Flut. In dieser Flut schwammen Regenbogenelemente, sie sanken, sie flossen und stiegen, sie waren tastbar, man konnte sie wie Strähnen durch die Finger gleiten lassen. Zana legte die Hand in ihr zartes Gewebe; geknickt und aller Prägung gehorsam floß es darüber hin. Die grünen Hauptstrahlen aber drangen durch uns hindurch. Sie hafteten nicht an der Haut, sondern brachen organisch aus dem Fleische hervor, sie gestalteten um, materialisierten den Körper neuerdings in einem zweiten Medium. Der Raum, den unsere Leiber füllten, entstand auf neuen Grundbedingungen. Ich erinnerte mich flüchtig, daß ich dieses Licht in einer Vision gleichsam aus meinen eigenen Augen hatte hervorbrechen sehen. Über diese Vorahnung erschrak ich, da es gleichsam von Bedeutung war für diese Höhle, in der sich die geeignete Stelle für ein Ereignis oder einen Anblick bot, deren Bild allerdings in meinem Kopfe noch nicht vorhanden war. Ich hatte die peinliche und törichte Empfindung, daß diese fortgesetzten Anspielungen meiner müßigen Träume schließlich doch einen Sinn besäßen, und dies war vielleicht der Grund, warum ich alles mit geschärften und halluzinierenden Sinnen aufnahm. Eine schleichende Veränderung ging mit uns vor. Wir wechselten Stoffe aus, bildeten die Strukturen um und traten an die Stelle duftigerer Wesen. Aber dieser Wechsel kostete unserem Bewußtsein ein taubes Schmerzgefühl, wir vermochten unser Entsetzen mehr oder minder nicht zu verbergen, und darum lachten wir, da wir in unserer rationalen Art den Vorgang absurd fanden. Plötzlich beugte sich Zana vor und sah van den Dusen ins Gesicht. Es war apfelgrün, eine große apfelgrüne Aureole, lächerlich und lyrisch und in seiner Lyrik noch lächerlicher bis zum Schmerz. Diese Panik war ein höherer Grad von sich selbst, sie war Entsetzen. Es bemächtigte sich unser in einem tollen, widerstandslosen, verrückten Lachen.

Sonderbar war der Umstand, daß es keinem von uns einfiel, aus dieser Sphäre zu flüchten. Als Slim in einem Spalte eine Entdeckung machte, waren wir so betäubt, daß wir dessen gar nicht achteten. Was er emporhielt, mochte ein langes Stück Eisen sein. Es fiel mir ein, daß wir ja wegen des Schatzes hergekommen waren, und nun hatte Slim etwas in Händen. Mein Herz stand still. In diesem Augenblicke waren tausend Hoffnungen auf mich eingestürmt. Und obwohl ich felsenfest und unromantisch das Nichts erwartete, erlaubte ich mir in dieser Spanne Zeit dennoch wie der Delinquent, dem der Tod bestimmt ist, allerlei Kühnheiten. Slim hielt wirklich einen Augenblick lang ein Stück in die Höhe; dann begann es, ihn zu jucken, und er warf es weg. Unsere kleine Gesellschaft geriet in Bewegung. Und nun gewahrten wir nicht mehr und nicht weniger als ein Lager von altem Eisen. Es waren Gabelbüchsen von uralter Konstruktion, Helme, Panzer, Hellebarden und Lederzeug. Aber das Leder war durch die Nässe verfault und zu Asche zusammengesunken. Die Waffen und ein paar metallene Nutzgegenstände aus einem früheren Jahrhundert waren teils von wolkigem Grünspan gesprengt und überzogen; teils machte das apfelgrüne Licht eine pelzige Schimmelkruste, ein feistes Gewebe aus Grünspan aus ihnen. Es war kein Schatz. Die Besitzer dieser Gegenstände waren arme Teufel gewesen wie wir, Soldaten, Globetrotter, Erdteilentdecker und Schatzsucher wie wir. Das Gewaffen bestand aus schartigem Eisen, die Griffe der Schwerter und Degen bleckten skelettiert ihren einzigen langen Stoßzahn vor. Wir wandten dem freudlosen Anblick den Rücken, nachdem wir vergebens mit den Fußspitzen einige Unruhe und den Verfall in diesem Stilleben erregt und fette Moder- und Schimmelschichten entblößt hatten.

Die physischen Anstrengungen der Lachepidemie und die Inanspruchnahme des Bewußtseins innerhalb dieser Lichtexistenz entkräfteten uns. Wir bestanden in dieser Sphäre als Lichterscheinungen, wir waren lediglich eine Spezialität und Verdichtung des grünen Lichtes, das hier Herr war. Der Gehörsinn war ausgeschaltet. Das Tosen dröhnte so laut, daß wir unser eigenes fischgleiches Lachen nicht vernahmen. Es war nämlich noch eine Überraschung zu verzeichnen. Unser Tastsinn und unser Gesicht verschmolzen. Licht und Materie wurden identisch und die Folge war, daß wir raumlos dastanden, gleichsam an die grüne Wand gemalt, plattgedrückt von der räumlichen Herrschaft des grünen Lichtes. Ich sah die anderen die Kiefer bewegen und mit Löchern aus grünen Masken schauen. Der Mensch war hier ein geändertes Wesen. Zanas Haare flossen in grünem Geringel auf ihre Schulter wie Nymphenhaare. Waren wir Symbole der Wasserwelt? Waren wir Typen von Wassergeistern? Unsere organische Heiterkeit machte unserem menschlichen Bewußtsein scharfe Mühe. Es war eine Dissonanz in unserer Anwesenheit und wir litten unter ihr. Die Indianer waren weniger ergriffen als wir. Bei ihnen gelang die Illusion. Da sie reine Physis waren, hatten sie nicht gegen die selbstherrlichen Kräfte des Gehirnes anzukämpfen. Das Problem der Mythologie war gelöst, der Undinentypus war gerettet. Zana lehnte sich leicht an van den Dusen. Da ging Slim plötzlich fort, er sprang über die klitschigen Klippen und verschwand in dem Riß des opalisierenden Wasservorhanges, der unaufhörlich von oben nach unten glitt, dröhnend und zitternd wie eine Stahlplatte.

Wir drängten ihm nach. Hier war der Spalt. Als wir draußen standen, ging ein Wechsel mit uns vor. Die sachliche Tageshelle, die uns umgab, war uns willkommen, nicht uns, aber doch einem gewissen Teil unseres Sinnes. Sie war seine Heimat. Wir erkannten uns mitten in der Sonne, mit dem zähen quecksilbernen Wasserfladen im Rücken, wieder. »Was war das?« frug der Holländer.

»Der zweite Leib!« sagte Slim. »Wenn man einmal den ersten vermißt, – kann man hier immer noch in der Reserve hausen!«

»Ach ja«, sagte ich, »gerade das habe ich mir auch gedacht!«

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