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Robert Müller: Tropen - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
booktitleTropen
authorRobert Müller
year1993
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008927-1
titleTropen
pages5-16
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1915
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Was jetzt? Ich begehre zu wissen, warum man reist. Reist man vielleicht, um sich zu drücken? Es hat keinen Nutzen. Denn, lieber Hans, willst du auch in einem neuen Lande und unter andersartigen Menschen endlich das gesunde Verhältnis zu deiner Umgebung finden, verlierst du dich doch von neuem. Nimmt einer Reißaus, um in fremde Länder zu gehen, und schlägt sein Zelt in einem weltverlassenen Dorfe im Djungle auf: gleich tritt die Aufgabe an ihn heran, sich eine Position zu schaffen. Er sieht sich der tanzenden Phalanx der Bürger gegenüber, den geschlossenen Kreisen, den Würden und Schönheiten und Schmuckstücken, mit einem Worte: der Pace. Überallhin trägt er seinen inneren Menschen mit, für den es keine Geographie gibt. Und exotischer denn eine brasilianische Wildnis ist die Straße im Verkehrszentrum einer großen Stadt. Ein freier und glücklicher Mensch weiß in sämtlichen Gesellschaften der Welt die Gleichgewichtslage inmitten der Konventionen einzunehmen, ohne sich und sie zu stören. Ein schofler Kerl mit einem niederträchtigen Gemüte wird sich überall belauert finden, annehmen, daß er kaltgestellt wurde und daß seine würdige Person nicht ins richtige Licht gerückt ist. – Nun mag es Seelen geben, die überall als Gäste auftreten, nirgends mit anpacken, sondern sich hofieren lassen. Sie sind von mächtigem persönlichen Zauber, ihre Erwartungen sind hochgespannt und gleichsam naschhaft; kein Land wird wagen, sie zu enttäuschen, und ihnen die seltensten Impressionen bieten. Diese gastierende Truppe von Weltreisenden reist ohne Persönlichkeit. Menschen, die nie bei sich sind, finden überall das andere. Wer aber in sich daheim ist, sieht überrascht, wie der Djungle ihm dieselben ewigen Notwendigkeiten mit freigebiger Hand vorstreckt und nichts anderes zu vergeben zu haben scheint. Er ist der Abkömmling jenes nordischen Geschlechts, dem man eine Horde Löwen entgegenjagte – die erschlugen sie mit ihren Knütteln und glaubten, es wären blonde Hunde gewesen. Und immer wieder werden, wenn die alten, rassigen Kulturträger faul werden und das Leben nur mehr zu einem aufregenden Zirkusspiel gestalten, wenn die Lust der Beobachtung greisenhaft zu kindischen Anfängen zurückkehrt und der Jägerinstinkt zur Behaglichkeit des Varietézuschauers verderbt, diese alten Knüttel in unserem Blute lebendig. Das Leben ist ein solcher Löwe und das Geschlechtliche und die fremden Länder und alle die bissigen Dinge, die man uns jüngst noch vorgesetzt hat. Dann ist es Zeit, dann tritt einer unter uns auf und verkündet die »blonden Hunde«, wir treten den Gegenständen unserer Beobachtung ehrlich Aug' in Auge gegenüber, stellen uns einer Wirklichkeit und schlagen die neuen Löwennamen hundetot.

Gesetzt, in einer europäischen Gesellschaft würde das Thema angeschnitten. Was ist's mit den indianischen Djunglen, hoho, erzählen, erzählen! – Meine Damen und Herren, es tut mir leid, daß ich Sie werde enttäuschen müssen. Mit den indianischen Djunglen ist es nämlich nichts. Es gibt sie kaum. Ich rate Ihnen zu irgendeinem Kohlenweiler, oder doch zu einem Kaffeehause. Man hat Ihnen die Tropen in einer falschen Tonung zur Kenntnis gebracht. Bilden Sie sich nicht ein, Sie könnten dort auf die Pantherjagd gehen; dort erdrosselt man das Raubtier genau mit einer Kette von Treibern, und das kommt auch bei uns in den besten Familien vor. Die Gefahren werden aufgerieben, und unter dem südlichen Kreuze hausen Sie langweiliger als unter der elektrischen Birne Ihres Hotelzimmers. Würde ich von dem Djungleleben erzählen, seinen Sitten und Situationen, Sie würden mich in Verdacht bekommen, ich triebe Spaß und erlaubte mir eine Satire auf Ihre Kosten. Fräulein Zauner – und hier verneige ich mich vor der Inhaberin dieses berühmten Namens und fordere die Herren und Damen zu einem dreimaligen Hoch! auf die verehrte Freundin und Künstlerin auf! – so, Fräulein Zauner würde es als eine persönliche Spitze empfinden, wenn ich von meinen Erlebnissen mit einer ihrer Kolleginnen im fernen Südwesten berichtete. Und nun muß ich Ihnen in der Tat ein Geständnis machen. Ich bin nicht der Held und Abenteurer, für den Sie mich halten. Ich danke für Ihre zuvorkommende Meinung – aber ich muß zugeben, daß sie mich in eine schiefe Stellung drängt. Sie zwingt mir eine Geste auf. Und wenn Sie so fortfahren, dann wird es nicht lange dauern und ich werde mich selbst von dem, der ich in Ihren Augen bin, nicht mehr unterscheiden können. Denn die Wahrheit ist, daß ich auf meinen weiten Reisen, die ich gründlicher und tiefer zurückgelegt haben mag als mancher andere, nichts zugelernt, und, was wichtiger ist, nichts vergessen habe, wie einst die bekannten Berufskönige. Alle meine Kräfte und Sorgen, meine Leidenschaften und Hemmungen, sind legitim geblieben. Es ist mir nicht, wie Peer Gynt, dem Phantasten ohne Persönlichkeit, gegangen. Immer habe ich gewußt, wo mein Kaisertum unerledigt geblieben ist und wo die Arbeit und die Mission des Lüstebringers auf mich warten.

Denn zutiefst im Menschen liegt der Hunger nach Lust. Dieses Lustmotiv ist der Angelpunkt des gesamten vegetabilischen und animalischen Lebens. Es dürfte Ihnen kaum neu sein, dies zu erfahren. Aber neu ist Ihnen vielleicht das Folgende: Im Animalischen hat es sich, je höher der Typus steht, einen desto feineren und verwickelteren Apparat geschaffen, die Phantasie. Diese ist, obschon sie auf dem Prinzipe der Spiegelung beruht, der Träger aller Gestaltungs- und Schöpferkraft. Sie beobachtet und reflektiert und holt scheinbar aus dem Felsen des Bestehenden die Goldader der Erkenntnis; in Wirklichkeit härtet sie diesen Felsen, das Phantoplasma, erst mittels Erfahrung. Zu den ewigen Gesetzen einer ewig gleichen Natur, die sich an uns erfüllen, nein, deren Erfüllung wir wahrscheinlich sind, haben wir uns je einen Zirkel, ein System von Gründen erfunden. Aber diese Gründe sind nie triftig, auch nicht für unsere Existenz. So wie wir hier versammelt sind, so sind wir auch die geborenen Lügner und Heuchler, pathologische Schwätzer, die wir die Wirkungen fälschen, die wir aufeinander ausüben. Unser wirklicher Verkehr findet durch organische Teile des Körpers statt, die wir nicht kennen und kaum je kennen lernen werden. Wir beeinflussen einander durch Paniken. Wie grauenvoll abgesperrt und einsam wären wir für einander, wenn nur der Bewußtseinsakt allein uns vereinigen könnte! Und nun sehen Sie, die Dinge, die ich auf meinen Reisen erlebt habe, waren so fade, gemein und abgeschmackt, wie es nur je die Dinge unter Menschen sein können. Aber mir war es gegeben, für eine kurze Weile in ein fremdes Phantoplasma zu reisen, einen fremden Lebensakt in mich einzuschalten und abzuspielen.

Da war ein Indianermädchen namens Zana, von kleinem ausgeprägtem Wuchs. Ich liebte sie, es war für mich Gesetz, daß ich sie liebte. Aber was wußte ich von ihr, was konnte ich von ihr wissen? Sie alle, die Sie hier meine Gäste sind, wären vor der fremden Welt so unklug, hilflos, voreilig oder planlos gewesen wie ich. Die kleinen Reibungen der vielen Ichs in einer gegebenen Nachbarschaft nehmen den Ablauf des Lebens ein hier wie dort und schaffen die Qual der Enge, dann die Linderung oder schmerzhafte Kälte der Trennung hier wie dort. Und ihretwegen vermeide ich die ausführliche Berichterstattung, daß niemand sich getroffen fühle. Denn meine Erlebnisse sind stets so gewesen, daß sie immer nur Anspielungen auf die Grunderlebnisse meiner und Ihrer Kultur wären.

Das Wesentliche bleibt überall unter den Gestirnen gleich. Alles, was Abwechselung in die Monotonie des Reisens bringt, ist die geänderte Anschauungsform, die vage Erinnerung an uralte Zustände; das fremde Phantoplasma. Niemand von Ihnen, wenn ich so die Tafel hinabblicke und mir die vollzählig erschienenen Typen unserer Kultur beim Namen nenne, wird sich von dem, was ich wirklich zu erzählen hätte, eine Vorstellung machen können. Ihre Anschauung ist zu einseitig, selbst zuviel höherer Djungle und zu organisch, als daß sich in ihr ein anderes weitaus primitiveres und unmittelbareres Phantoplasma spiegeln könnte. Wie kann ich Ihnen Existenzen des Djungles vor Augen rücken – vielleicht, sage ich, könnte ich eine schriftstellerische Lebensaufgabe daraus machen, ein Erziehungsproblem, eine Modernisierung Ihrer Vorstellung ins Werk setzen. Denn ich ahne voraus, daß sich Zukunft und Urvergangenheit berühren. Sie aber, meine Damen und Herren, befinden sich augenblicklich gleich weit von beiden entfernt. Und doch wäre es wert, jedermanns Aufmerksamkeit auf die wichtige Tatsache zu lenken, daß er vom Djungle abstammt und daß das moderne Leben alle die alten Tugenden von ehemals wieder in ihm zu entfesseln strebt.

Nun setze ich voraus, daß Sie alle meiner gewagten, aber äußerst gleichniskräftigen Behauptung zustimmen, wenn ich unsere Kultur in ihrem Hochstande eine solche der fünften Dimension nenne. Das ist ein Gleichnis, denn merken Sie wohl, auch ich spreche hier nur als ein Geschöpf des Phantoplasmas, und die realen Wirkungen, die ich mit Hilfe meiner Dialektik auf Sie auszuüben scheine, sind schlechterdings nichts anderes denn eine logische Umschmelzung von Vorgängen, die unserer Aufsicht entrückt sind. – Hm. Geben Sie acht! Der Djunglemensch hat ein Phantoplasma. Es entrollt sich in der zweiten Dimension. Nur die tüchtigsten Köpfe unter uns begreifen die fünfte Dimension; diese eigentümliche Verschiebung des Denkens innerhalb der Zeit. das organisierte Denken, das, möchte ich sagen, sich zum anorganischen Denken verhält, wie der dualistische Geschlechtsakt zur Parthenogenese. Derer, die so denken können, sind ganz wenige. Der Djunglemensch aber kennt nicht einmal die vierte Dimension, die Zeit, den fortgerissenen Raum. Denn erst die Idee des Fortschrittes konnte den Begriff der Zeit vollständig mit einem Anschauungsmomente decken. Der Djunglemensch sieht kleine und große Organismen, junge und alte Kreaturen, er kennt ein Wachstum und begreift es als leibliche Wohlfahrt. Aber er kennt keine Schichtungen und keine Entwickelung. Er bleibt stationär von der ersten Minute seines Atmens bis zur letzten. Bilden Sie sich nicht ein, der Djunglemensch würde, wenn Sie als Vertreter einer reiferen Rasse bei ihm eintreten, ein Einsehen mit Ihrer Überlegenheit haben. Er hat die Zeit, die in Ihnen vorgespart liegt, nicht begriffen. Er lebt in der Ewigkeit, im seienden Raum, der ihm niemals unter den Füßen fortbewegt wurde zu einer höheren Existenzform, zu technischen Umgestaltungen oder geistigen Manövern. Nur wer die Ewigkeit verliert, entdeckt die Zeit – wir verloren und entdeckten.

Haust der Djunglemensch also in der dritten Dimension? Nein. In der zweiten. Sein Leben spielt sich in der Fläche ab. Er ist noch nicht einmal beim Raume angelangt. Mein Beweis ist kurz: er hat keine Tiefe. Sie werden behaupten, das sei ein Wortspiel. Und ich erwidere Ihnen, daß ich gelernt habe, meine Überzeugung aus Wortspielen zu holen. Die Sprache ist verläßlich, oh wie verläßlich! Alle Philosopheme und Weltanschauungen sind aus Worten geboren, die man später einmal als Irrtümer bezeichnet hat. Später einmal, das heißt zu spät. Sie kennen das Sprichwort vom Brechen der blühenden Rose, vom Schmieden des glühenden Eisens. Zurecht kommen zu einem Schöpfungsakt, nicht träge, sondern pünktlich sein, dabei sein – das ist alle Wahrheit! Denn sehen Sie, zur Richtigkeit gehört etwas anderes als Freiheit von Irrtümern: der Takt, die Pace. Nur Wahrheiten, die Pace haben, gelten.

Und die Gebilde des Wortes besitzen Takt. Aus ihnen entsteht dem, der dazu neigt, ein herrliches Phantoplasma. Der Djunglemensch jedoch hat keine Sprache in unserem Sinn: sie ist ihm nicht eine Anschauung höheren Ranges wie uns. Bei ihm sind noch die primären Künste daheim: Musik, Tanz und Malerei, und sein Dasein, seine Wurzelexistenz spiegelt sich in ihren Erregungen. Er beobachtet sozusagen mit anderen Organen, als wir es tun. Seine Beobachtung ist zweidimensional. Er beobachtet in die Fläche. Wir beobachten in die Tiefe, in die Entwicklung und in die Inversion. Unsere Beobachtung erstreckt sich letzterdings auf uns selbst. Wir sind introspektiv, er ist grausam. Neugierig sind wir beide.

Einen Augenblick, bitte. Ich muß zurückgreifen, um Sie mitzunehmen. – Was erlebt der moderne Reisende? Nicht nur die wunderbaren und abenteuerlichen Exzesse seines sensiblen Nervensystems, sondern auch die Worte und das Bewußtsein hierzu. Kommen Sie aber davon ab, gehen Sie noch um einen Grad weiter in Ihrem Denken, nehmen Sie eine Umstülpung, eine Inversion des zeitlichen Denkens in die fünfte Dimension vor und denken Sie sich zu diesem kolossalen verantwortungsvollen Bewußtsein einen bildnerischen Gesichtssinn, so haben Sie einen Maler, der scheinbar zu den Ursprüngen der Malerei zurückgekehrt ist, und der der Malerei gibt, was ihrer ist: die Fläche – und der trotz seiner Betonung des Physischen, trotz seiner urhaften Ausdeutung des Beobachtenden im Menschen als des Grausamen, der geistigste, wissenschaftlichste und ichgewandtste Figureur aller bisher gewesenen Künstler ist. Und Sie verstehen, daß ich somit wiederum nicht etwa Kelwa meine, den Djungleartisten, von dem ich Ihnen ein paar Brocken hingeworfen haben dürfte, sondern unseren verehrten Malererfinder und Freund: ich erhebe mich von meinem Sitze und toaste auf unseren Roroschkin, diesen Lionardo unserer Rasse, das gotische Genie, den Künstler jener letzten und jüngsten Dimension, in die wir eben eingetreten sind. Wir, die Beweger und Überwinder von Zeit, Logik und Denken ins höhere Denken! Vivat Roroschkin!

Sehr gut, meine Damen und Herren. Nun bitte ich wieder um etwas Ruhe. Ihre Zustimmung für mich und Ihr Jubel für Roroschkin freuen mich. Sie sind mir ein gutes Zeichen. Mag der Widerhall aus unserer fünften Dimension auch das Durchschnittsgemüt des heutigen Geschöpfes unserer Kultur betäuben, ich bin glücklich, daß ich doch wieder einen Takt sehe, der mit eisernen Klammern die Ichs umfriedet. Umfriedet! Die Kultur unserer Dimension ist sozusagen hochaufgeschossen, vieles, das sich der Djunglemensch organisch erhalten hat, wird von uns jetzt nachgeholt werden. Die Hauptsache ist, daß wir über die Beilegung dieses Versäumnisses einig sind. Wir müssen physischer werden – und schon sind wir es. Der Takt fliegt uns zu, die Pace legt sich uns ins Schreiten. Noch gibt es Gelegenheit, noch können wir stark und glücklich werden. Ich verglich einmal den Laut aus unserem Kulturleben dem fernen unartikulierten Schleifen von Füßen vor den Vitrinen, Bälgen und anderen Velleitäten eines Museums. Aber ich höre das Signal. Wir geben eine Parole aus, scharen uns um den neuen Menschen, fügen uns langsam aber zunehmend aus allen Teilen der Weltwandelgänge in eine neue Pace. Kurz, wir geben diese Pace aus und verfestigen uns in unserem Phantoplasma. Neue Menschheitsgüter sind im Anmarsch. Es ist die höchste Lust, die Pace auszugeben!

Und um die Lust handelt es sich doch wohl, und wie ich von ihr ausgegangen bin, so kehre ich zu ihr zurück. Sie ist der Punkt, das Leben an und für sich, das Element aller Dimensionalität. Ihr Wesen ist in uns ein Spiegelapparat. In fünfmaliger Endlichkeit brechen sich ihre Strahlen. Denn jede Bewegung einer Dimension zu ihrer nächsthöheren ist eine rückbezügliche. Und sind nicht alle Anschauungen und Stufen der Beobachtung, ob sie jetzt im Phantoplasma des paradoxen Menschen oder jenem des Djunglemenschen wirksam sind, oder in jenem Phantoplasma, daß wir mit seiner vollständig anderen Ursächlichkeit Traum nennen, ein mehr oder weniger verschränktes System von Spiegeln? Alles was gespiegelt, bis ins Unendliche gespiegelt wird, alles, dem zu Zwecken Raum und Zeit und Höheres gebildet sind, ist die Lust. Ich habe sie in barbarischen Kulturen gefunden, reichen Systemen der Physis mit einer gebundenen Pace, und finde sie in der asiatischen Intellektkultur, zu der wir uns zählen. Über ein Primat kann hier die Entscheidung nicht gefällt werden. Kultur ist Kultur und als solche unvergleichbar. Die Idee der Entwicklung ist erst innerhalb unseres Phantoplasmas gegeben. Keine andere Kultur wird den Fortschritt zugeben oder auch nur fassen können; es sei denn, daß sie verderbt und entselbstet ist. Nur das eine Bezeichnende ist gewiß: jene Kulturen sind physisch, diese ist intellektuell. Das Spiegelprinzip, die Beobachtung erstreckt sich bei jenen, welche die Tiefe und die Ferne nicht kennen, auf das nicht ins Innere gegliederte Äußere. Die Neugier ergötzt sich als Grausamkeit. Unsere Vivisektion aber heißt Wissenschaftlichkeit. Wir gehen in die Tiefe, kommen in die Dimension der Zeit, Bewegung und Schnelligkeit, und wenden uns gleichsam in der letzten Dimension des Paradoxen wieder nach außen: wir sind scheinbar positiv und physisch, scheinbar primitiv an Anschauung und schlichtdimensional geworden. Die Wahrheit ist, daß wir erst jetzt wieder zu einem endgültigen Ergebnis in unserer intellektuellen Entwicklung gediehen sind. Der Geist ist tot; es lebe der Geist! Der Geist – – –

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