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Tristan und Isolde

Karl (Leberecht) Immermann: Tristan und Isolde - Kapitel 22
Quellenangabe
typepoem
authorKarl Immermann
titleTristan und Isolde
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131106
projectid5dde03d9
wgs
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Rose und Rebe

Vorspiel. Es gibt Menschen, die nicht sterben können, weil sie ein Geheimniß drückt, was sie noch Jemand offenbaren müssen; die ein Verbrechen belastet, was sie erst beichten wollen. Auch ungestilltes Liebessehnen kann zwischen Tod und Leben festhalten.

Tristan ist am Tode, Isolde Weißhand ist hinausgegangen. Tristan winkt Rual, der muß seinen Mund an sein Ohr legen, denn er kann nicht laut sprechen, und er gibt ihm den Auftrag Isolden, der blonden, seinen Zustand zu berichten und sie zu ihm zu rufen:

»Ich kann nicht leben und nicht sterben,
Mag ich nicht Liebestrost erwerben ec.«

Rual kommt zur Königin, bringt ihr Tristan's Schwert und die Botschaft. Schilderung der Oede. Der Bettler freut sich größerer Bissen, seid so viele Mitesser todt sind. Blut röthet die Steine des Hofes und da, wo es liegt, keimt Gras. Die Königin empfängt das Schwert, ruft Brangane und befielt ein Schiff zu rüsten. Brangane versucht's ihr auszureden, wodurch Isolde Gelegenheit erhält, ihren Heroismus und ihre Treue bis zum Tode darzulegen. Sie besteigen das Schiff, das mit einem weißen Segel besteckt ist, das von Tristan gegebene Zeichen, wenn Isolde kommt.

Zwischenspiel. Der Dichter ruft alle Geister, welche Liebe schirmen, an, daß Tristan der letzte Trost werde, doch sagt ihm eine geheime Ahnung, daß diese Bitte unerfüllt bleiben werde. –

*

Ein junges Mädchen kommt in die Krankenkammer, und sagt, daß sich ein Segel nahe. Welche Farbe, hat sie nicht erkennen können. Meine Frau, sagt Tristan, gehe hinaus und sage mir, ob es ein weißes oder schwarzes ist. – Isolde Weißhand geht hinaus, wir erfahren, daß sie von seiner Liebe weiß, und daß es sie verdrießt, daß sich die Buhlerin herzudrängt. Die Sache muß so gefaßt werden, daß ihr Benehmen als natürlich, in ihrem Charakter zu entschuldigen, erscheint. Für die rechtmäßige Frau ist Isolde nur die Buhlerin, und sie glaubt für Tristan's Heil zu sorgen, wenn sie diese von ihm abhält. Vor allen Dingen darf also Tristan nicht erfahren, daß die Königin naht. Sie sagt ihm, das Segel sei schwarz. Tristan stirbt auf die Nachricht. Isolde in Kummer und Verzweiflung. Die blonde Isolde kommt, und fällt für todt an Tristan's Leiche nieder. Dann erhebt sie sich und schilt die Weißhand weg. Sie setzt sich in ihren weiten Faltengewändern an die Leichenbahre nieder, und sitzt so drei Tage und drei Nächte.

Marke kommt an und findet sie starr und kalt. Brangane sagt ihm den Zusammenhang. Er beweint die Opfer herzlich und läßt sie zusammen bestatten. Rual und Brangane pflanzen auf das Grab Ros' und Rebe, die, als sie aufwachsen, sich unauflöslich verschlingen.

*

Soweit die vorgefundenen Notizen. Nach mündlichen Aeußerungen des Dichters beabsichtigte er am Schlusse des Gedichtes, wie an dem des ersten Theiles, sich noch ein Mal persönlich, in Terzinen, an seine Leser zu wenden. Wie er aber dort einen Rückblick auf seine eigne Lebensbahn und seine innere Entwicklung geworfen, so sollte hier eine Beziehung auf das Vaterlaud, auf vergangene Zustände und künftige Hoffnungen eintreten, ein Gegenstand, der ihn immer mit höchster Begeisterung erfüllte.

*

Ende.

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