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Tristan und Isolde

Karl (Leberecht) Immermann: Tristan und Isolde - Kapitel 20
Quellenangabe
typepoem
authorKarl Immermann
titleTristan und Isolde
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131106
projectid5dde03d9
wgs
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Kadin

Isolde reitet mit ihrem Bruder Kadin spazieren. Ein zahmer Vogel fliegt ihr nach, setzt sich auf ihre Schulter und küßt ihre Lippen. Isolde: Du Vöglein bist kühner als mein Ehegemahl. – Anfrage Seitens Kadin. – Auskunft zögernd und verlegen und gegeben von Isolde. – Kadin schwört, Rache für die verschmähte Schwester zu nehmen. Er sagt Tristan bitter, daß ein Mann, der unter Gelübden steht, nicht heirathen dürfe, und fordert ihn zum Kampf auf Tod und Leben, wegen der angethanen Schmach.

In Tristan bricht der alte Schmerz über die blonde Isolde auf, er sagt in einem emphatischen Ergüsse, daß er nur sie geliebt habe, liebe und lieben könne, nach ihr keines andern Weibes Mann zu sein vermöge. Kadin solle mit ihm nach Cornwall reiten, gewaltig treibe es ihn, sie zu sehen. Er solle sie erblicken, und dann selbst nach Ritterehre urtheilen, ob, wer dieses Weib geliebt habe, ein zweites lieben könne. – Damit ist Kadin zufrieden. Aber wenn ich nicht so urtheile? – Tristan! Dann ist dir mein Haupt und Hals verfallen, dann schalte mit mir, wie mit deinem Knechte.

Sie reiten nach Britannien, und verbergen sich im Weißdorn, der treue Rual kündet von einem Bettler aus, daß die Königin mit ihrem Gesinde täglich am Dorn vorüber reitet. – Es kommen zwei Fräulein, darunter Brangane, die Kadin wegen ihrer Schönheit schon für Isolde hält. Tristan verneint wehmüthig lächelnd. – Dann Isolde mit dem verhaßten Seneschall. – Tristan fragt zitternd und mit ersticktem Athem: Nun sage, Schwäher, kann man nach dieser eine zweite lieben? – Kadin kann vor Entzücken nicht antworten, folgt ihr mit den Augen, bis sie verschwunden ist, dann sagt er: Du bist gerechtfertigt. – Aber wie er sich umwendet, ist mit Tristan eine Verwandlung vorgegangen. Er hat sich bunte Fetzen von Wamms und Futter gerissen und mit Dornen am Mantel befestigt, Seinen Hut umgekehrt, einen Kolben sich abgebrochen, seine Züge sind entstellt. – Was beginnst du? – Ich will, ich muß zur Königin, bring Eisen in Magnetes Nähe und frage, wohin es fliegt. – in dem Aufzug, im Narrenkleid – Zum Wahnwitz hat mich Minne gebracht, ich trage sein Kleid, so und nicht anders darf ich gehen. – Mit gewaltigen Sprüngen ist er fort, und Kaden kann ihm nur von fern folgen.

* * *

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