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Tristan und Isolde

Karl (Leberecht) Immermann: Tristan und Isolde - Kapitel 16
Quellenangabe
typepoem
authorKarl Immermann
titleTristan und Isolde
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131106
projectid5dde03d9
wgs
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Das schlimme Melotchen

Der Gesang sollte mit der Schilderung der Zwergenwirthschaft beginnen. Melotchen sieht in der Dämmerung einen verhüllten Kopf an seinem Fenster. Der König, den sein Argwohn nicht verläßt, weil doch immer wieder Zeichen für die Richtigkeit seines Verdachtes sprechen, hat sich endlich entschlossen, durch den Zwerg die Wahrheit zu erkunden. Das Zwerglein hält den Finger an das Ohr und spricht das Traurige aus. In seine Hand wird die Sache gelegt. Der König muß sich vom Schlosse entfernen, um die Liebenden sicher zu machen, Melotchen verkeilt den Riegel in der Kammer der Königin, schleicht sich, anscheinend wund, (die Füße mit Beeren geröthet) zu Tristans Haus und bleibt weitab sitzen. Als dieser ihn erblickt, flieht er scheinbar. Tristan heißt ihn bleiben, läßt ihn in der Hütte ruhen und geht am Meere spazieren. Melotchen untersucht die Hütte, seinen kleinen Finger am Ohr, der zuckt, sobald er in die Nähe des verfänglichen Gegenstandes kommt. Als Melotchen das Barett berührt, schlägt er an, das ist das Zeichen des Fundes. An dem Barett steckt ein feuchter Span. Der Span ist, nach dem alten Gedichte, das verabredete Zeichen, welches Isolde in den Quell wirft, der durch ihre Kammer fließt. Melotchen setzt sich an die Quelle und angelt, da kommt wieder ein Span geschwommen. Aufjauchzen des Zwerges. Er läuft in den Stall, hängt sich auf eine mißgeschaffne Mähre und jagt durch wüstes Wetter dem Könige nach. Liebesscene in der Kammer der Königin. Isolde wollüstig auf weichem Ruhebette hingestreckt, Tristan zu ihren Füßen spielt die Laute und singt ein Liebeslied, während ihre Hand leise in seinen Locken spielt. – Plötzlicher Lärm an der Thüre und unter den Fenstern, der Riegel ist verkeilt, und die Liebenden können den Andringenden nicht wehren, Alle stürmen hinein. Tristan soll getödtet werden, Isolde erhebt sich groß und stolz, bedeckt ihn mit ihrem Mantel und steht da im leichtesten Nachtgewande. Sie fordert das Gottesgericht:

»Was eure blöden Augen sehen,
Kann anders Gott der Herr verstehen!
Ich wag' an's Feuer meinen Leib!
Ruft das beherzte, hohe Weib.
Wenn mich die Glut versengt, so will ich
Des Scheiterhaufens Beute sein,
Ist aber Gott im Himmel billig,
So saht ihr nur der Sünde Schein,
Ein Opfer grausen Menschenspottes
Verlang' ich die Gerichte Gottes.«

* * *

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