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Tristan und Isolde

Karl (Leberecht) Immermann: Tristan und Isolde - Kapitel 14
Quellenangabe
typepoem
authorKarl Immermann
titleTristan und Isolde
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131106
projectid5dde03d9
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Die Mörder

Im Seitenbau von Tintayol
Geseufz', Gelach und Fluchen scholl,
Und Klappern auch, und Hände stießen
Den Tisch, es stampften Füß' die Fliesen
Es war 'ne rauchesdüstre Stub',
Die Wachstub' von dem Königsschlosse,
Darinnen saß manch' Lanzenbub',
Und manch ein wilder Kerl vom Trosse;
Sie knöchelten um Hab' und Gut,
Verknöchelten wol Leib und Blut.

Sie saßen um den Tisch von Tannen,
Faust' aufgestemmt. Schweißtropfen rannen
Von ihren Stirnen. Der sah wild
Von Freud' und der wie 'n Todtenbild.
»Gut stehn sie.« – »Pech!« und »Dreimal Sechse,«
»Willst noch einmal?« – Bei'm Teufel, ja! –
»Haha ha ha!« »Du Sohn der Hexe!
Lach nicht, sonst«... »Du! komm mir nicht nah'!«
So rief es, lacht' es, seufzt' es, flucht es,
Dazwischen stieß, stampft', klappert', jucht' es.

Es knöchelte die freche Band',
Als Sonn' am Mittagshimmel stand;
Sie knöchelten noch mit Gelüste,
Wie jetzo Sonne ging zur Rüste:
Zum Tische flog der Groschen, flog
Der Thaler, flogen goldne Stücke,
Des Spielers Wage stieg und bog
Sich nieder wechselvoll in Tücke;
Kupfer und Silber, Goldstück ging
Rund um der Tannentafel Ring.

Dort schwillt ein Haufen, ist zerronnen
Im nächsten Augenblick. Gewonnen
Hat der, nun hat's der Nachbarsmann;
Jetzt liegt da Kupfer, Gold sodann.
Stets sind die Knochen in Bewegung,
Das Geld fließt ab, das Geld fließt zu,
Nur ein Berg ruht da ohne Regung,
Wird größer stets in jedem Nu.
Die Münzen all der Andren nähren
Den unverrückten Berg, den schweren.

Manch Einer fletscht die Zähn' dem Berg,
Doch hilft das Nichts. Sein Herr, der Zwerg,
Wirft und streicht ein, läßt Andre würfeln,
Um gleich dann wieder einzuschürfeln.
Ja, hinter'm Berg am obern Eck
Des Tisches sitzet das Melotchen,
Guckt kaum hervor. Aus dem Versteck
Reißt er sein Pößchen und sein Zotchen,
Er läßt sie fluchen, läßt sie schrei'n,
Und streicht gelassen-grinsend ein.

Die Lanzenbuben, Troßhauptmänner
Gebrauchen diesen Greiner, Flenner,
Wenn sie nicht wissen, was sie woll'n
Und mit der Zeit anfangen soll'n.
Er muß dann wie ein Kindlein quäken,
Und ihnen reiten auf dem Kopf.
Wie Katzen maun, wie Kälber blöken,
Kriegt Hasenschwänzchen an dem Schopf,
Dafür bekommt zum Dank die Stätte
Er wieder hinter'm Würfelbrette.

*

Das fortwährende Gewinnen Melotchens reizt die Spielenden, führt Zank und Schlägerei herbei. Ein und Donegal haben Alles verloren. Sie stürmen wüthend zur Königin. Ihretwegen haben sie Irland verlassen, Geld und Gut ward ihnen zugesagt, nun wollen sie von ihr Ersatz für das Verlorne. An der Kammerthür vernehmen sie heftiges Gespräch. Isolden ist stets Brangane, die schweigend treu ihr dient, ein schweigender Vorwurf gewesen, sie kann ihre stumme Nähe nicht länger ertragen, und verweist ihr in einer Aufregung ihr Benehmen. Da kann Brangane nicht länger an sich halten, das in trostloser Einsamkeit getragene Geheimniß von ihrer Schmach und der Herrin Schuld hat ihre Kräfte verzehrt, in maßlosem Jammer, in den bittersten Vorwürfen gegen Jene bricht ihr Gefühl aus, und die heftigste Scene hat eben zwischen Beiden geendigt, als die Spieler in das Zimmer treten, welches Brangane verläßt. Isolde, der Liebe Alles opfernd, durch sie bereits aus der geordneten Bahn des Lebens getrieben, glaubt durch der Dienerin Benehmen und Vorwürfe ihr Geheimniß in Gefahr. Bei den Klagen und Forderungen der Beiden vergißt sie sich einen Augenblick völlig, und verspricht ihnen reichlichen Ersatz des Verlornen, wenn sie Brangane tödten wollen.

Brangane wird in einem einsamen Felsenthale, wo sie an der Quelle Wasser für die Königin schöpfen will, von den Mördern überfallen. Sie erfährt, daß die Königin den Auftrag gegeben und spricht:

»Sagt ihr, ihr hättet mich getödtet
Und meine letzten Worte sein gewesen:
Ich Hab ein Kleinod von ihr in Verwahr,
Ein Kleinod von unschätzbarem Werthe.
Ich stell's im Sterben ihr zu. Unentwendet,
Durch keine Untreu noch geschändet.«

»Nicht um mich bitt' ich um mein Leben, sondern um sie.«

Die Erwähnung des Kleinodes reizt die Habgierigen. Sie wollen das Gesagte der Königin erst berichten. Isolde ist in Verzweiflung. Der Auftrag hat sie gereut, sobald er gegeben. Affectvolle Scene zwischen ihr und Brangane. Sie umfaßt deren Knie, bittet sie in der rührendsten Weise um Verzeihung. Tristan tritt hinzu. Allgemeines Weinen, Bestürzung. Der König kommt in diese Scene, fragt, was geschehen, Alles schweigt. Jeden Einzelnen fragend, erhält er die verschiedensten Antworten. Entdeckung durch Ein's und Donegal's Bericht. Kummer, Eifersucht.

* * *

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