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Träumereien an französischen Kaminen

Richard von Volkmann: Träumereien an französischen Kaminen - Kapitel 3
Quellenangabe
authorRichard von Volkmann
titleTräumereien an französischen Kaminen
publisherHesse & Becker Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180703
projectid156c38b2
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Vorwort

Wie auf ein furchtbares Gewitter, welches sich Schlag um Schlag gewaltsam entlädt, der trübe, nimmer endende Landregen, so folgte für uns auf die gewaltigen Kämpfe der ersten Wochen des Deutsch-Französischen Krieges die einförmige Belagerung von Paris.

Und wie der Wandrer, der während der ersten Schrecken des Unwetters gern der Weiterreise vergaß, um unter einem gastlichen Dache Schutz zu finden, nun, wenn der letzte Donner verhallt ist, wieder und immer wieder ans Fenster tritt und hinaus in die graue, regenverhüllte Landschaft schaut, unmutig, daß es immer noch kein Ende finden will – so haben auch wir geharrt und nach der Stunde gefragt, die im leuchtenden Strahl der Friedenssonne uns an den heimatlichen Herd zurückführen würde.

Doch Woche um Woche, Monat um Monat verrann und die weiße Fahne erschien nicht auf den Wällen der Forts!

Da saßen wir, wenn des Tages Arbeit getan und der Abend von den anmutigen, die Seinestadt umkränzenden Höhen herabstieg, einsam an den Kaminen der verlassenen französischen Villen und Schlösser. Und wenn das Feuer knisterte und die Funken flogen, überkamen gar manchen alte, sonderbare Gedanken. In Leib und Gestalt traten sie hervor hinter den großen dunklen Gardinen und aus den bunten Kattuntapeten und drängten sich dicht heran an den Träumer. Und wenn er ihnen verwundert ins Gesicht sah, so waren es alte Bekannte und darunter viele langvergessene – wohl aus der Kinderzeit. Denn man glaubt nicht, was alles ein deutscher Soldat an französischen Kaminfeuern zu träumen vermag. Spécialité de rêveries allemandes. Allez donc!

Auch dem Erzähler ging es nicht anders. Und dann und wann, wenn draußen die Flocken stoben, nahm er die Feder und suchte mit flüchtigen Strichen die Traumgestalten auf das Papier zu werfen. Und die Feldpost trug die leichte Zeichnung treulich nach Haus, zu der, welcher dies Büchlein zugeeignet ist. Als er dann endlich zurückkehrte in das deutsche Vaterland, an den eigenen, kinderumstandenen Herd, sah er verwundert, wie aus den einzeln versandten Blättern ein förmliches Bändchen geworden war.

So möge es denn hinausgehen in die Welt zur Erinnerung an die große, glorreiche Zeit, mit der es für sich nur den einen, bescheidenen Zusammenhang in Anspruch nehmen darf, daß es herausgewachsen ist aus der Liebe zu dem, um was wir gekämpft und gestritten: aus der Liebe zu deutscher Art und zu deutschem Wesen.

Gott segne unser herrliches Vaterland.

Leipzig, am Osterfest 1871.
Richard Leander.

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