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Jean Paul Richter: Titan - Kapitel 88
Quellenangabe
typefiction
booktitleTitan
authorJean Paul
year1983
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32371-6
titleTitan
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1802
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75. Zykel

Ein harter, schwarzer Morgen! – Nur der atmosphärische draußen war dunkelblau, nichts war stürmisch und laut als etwan die Bienenflüge im Lindendickicht, der Himmelsäther schien über die steinernen Gassen hoch wegzuflattern, um im hellen, offnen Lilar sich tief in alle Gipfel und Spitzen einzusenken und blau wie Pfauengefieder aus den Zweigen zu schillern.

Liane fand auf ihrem Schreibtisch ein Billet, in Großquart gebrochen, worin der wie ein Herz ewig arbeitende Minister schon am frühen Morgen, eh' er für die einzelnen Regierungs- und Kammerräte die zur Fruchtbarkeit nötigen Strichgewitter aus den Akten aufgezogen, auf die schauernde Tochter mit einem kalten Morgenwolkenbruche niederzugehen suchte. Im gedachten Dekretalbriefchen setzt' ers auf anderthalb Bogen mehr auseinander, was er gestern gemeint – Scheidung auf der Stelle –, und bot sechs Scheidungsgründe an, – erstlich sein verstimmtes Verhältnis mit dem Vliesritter – zweitens ihre und des Grafen Jugend – drittens die nahe Hofdamenstelle – viertens sei sie seine Tochter und dieses das erste Opfer, auf welches ihr Vater für alle seine bisherigen Anspruch mache – fünftens sehe sie an seinem nachsichtigen Ja zur Liebe ihres Bruders, dessen anscheinende Besserung er ihr zum Vorbilde vorhalte, daß er nur für das Glück seiner Kinder lebe und sorge – sechstens send' er sie in die Festung *** zu seinem Bruder, dem Kommendanten, falls sie widerspenstig sei, um sie zu entfernen, zu bestrafen und zurechte zu bringen, und weder Weinen noch Fußfallen, noch Mutter noch Hölle sollen ihn beugen; und er schenk' ihr drei Tage Zeit zur Vernunft. –

Sie gab stumm mit nassen Augen ihrer bisherigen Trösterin das schwere Blatt. Aber aus dieser wurde eine Richterin: »Was willst du tun?« sagte die Ministerin. – »Ich will leiden,« (sagte Liane) »damit Er nicht leide; wie könnt' ich so sehr gegen Ihn sündigen?« – Die Mutter nahm entweder im wirklichen alten Wahne ihrer leichten Bekehrung oder aus Verstellung jenen Er für den Vater und fragte: »Mich nennst du nicht?« Liane errötete über die Vertauschung und sagte: »Ach, ich Arme, ich will ja nicht glücklich sein, nur treu.« – Wie hatte sie nicht in dieser Nacht zwischen bangen Kriegen aller ihrer innern Engel betend gelebt und geweint! Eine so schuldlose, von der heiligen Freundin im Himmel eingesegnete Liebe – eine vom frühen Tode so sehr abgekürzte Treue – ein so fester, mit hohem, fruchttragendem Gipfel gen Himmel wachsender Jüngling, den nicht einmal Geisterstimmen aus seiner treuen Kindheitsliebe gegen sie Unbedeutende schrecken oder locken konnten – der ewige Unwille und Gram, den er über die erste, größte Lüge gegen sein Herz empfinden würde – ihre kurze Durchgangsgerechtigkeit durchs Leben und die nahe Wegscheide, an der sie nicht Steine, sondern Blumen auf die andern Pilger zurückwerfen wollte – alle diese Gestalten nahmen sie an der einen Hand, um sie von der Mutter wegzuziehen, die ihr mit den Worten nachrief: sieh, wie du undankbar von mir gehst, und ich habe so lange für dich ertragen und getan. Da zog Liane wieder aus dem warmdunkeln Rosental der Liebe in die trockne, platte Erdfläche eines Lebens zurück, worin sich nichts hebt als ihr letzter Hügel. O, wie blickte sie bittend zu den Sternen auf, ob sie sich nicht als Augen ihrer Karoline regten und ihr es sagte, wie sie sich opfern sollte, ob für den Geliebten oder für die Eltern; allein die Sterne standen freundlich, kalt und still am festen Himmel.

Aber als die Morgensonne wieder ihr Herz anstrahlte, schlug es hoffend und von neuem gestärkt vom Entschluß, für Albano heute recht viele Leiden zu erdulden, ach, ja erst die ersten; konnte Karoline, dachte sie, eine Liebe bejahen, der ich untreu sein müßte? –

Kaum war sie mit dem Morgengruß von den Lippen der Mutter weg, so suchte diese, aber ernster als gestern, die Wurzeln dieses festen Herzens aus seinem fremden Boden zu rücken durch den längern Gebrauch der gestrigen Blumenheber. Sie wurde in der vergleichenden Anatomie zwischen Albano und Roquairol von der gleichen Stimme an bis zur ähnlichen Taille immer schneidender, bis Liane mit dem Mädchenwitz auf einmal fragte: »Aber warum darf denn mein Bruder Rabetten lieben?« – »Quelle comparaison!« (sagte die Mutter) »Bist du nichts Besseres als sie?« – »Sie tut eigentlich viel mehr als ich«, sagte sie ganz aufrichtig. – »Strittest du nie mit dem wilden Zesara?« – fragte die Mutter. – »Nie, außer wenn ich unrecht hatte«, sagte sie unschuldig.

Erschrocken nahm die Mutter immer heller wahr, daß sie tiefere und stärkere Wurzeln, als leichte Blumen schlagen, auszuziehen habe; sie sammlete alle ihre mütterlichen Anziehungskräfte und Hebemaschinen auf einen Punkt zum Sturze der stillen, grünen Myrte; sie entdeckte ihr des Ministers schwarzen Verlobungsplan mit dem deutschen Herrn, ihre bisherigen verschwiegenen Kriege und Seufzer darüber, ihren bisher zurückdrängenden Widerstand und die neueste väterliche Kriegslist, sie zur Festungsgefangnen bei seinem Bruder zu machen und dadurch wahrscheinlich den Herrn von Bouverot zum Festungsbelagerer. – –

Für einige Leser und Relikten aus dem schwerfälligen goldnen Zeitalter der Moral wird hier die Anmerkung gesetzt und gedruckt: daß eine besondere kalte, nichts schonende, oft grausame und empörende Offenherzigkeit über die nächsten Verwandten und über die zartesten Verhältnisse in den höhern Ständen so sehr zu Hause ist, daß auch die schönem Seelen – worunter doch diese Mutter gehört – es gar nicht anders wissen und machen.

»O, du beste Mutter!« rief Liane erschüttert, aber nicht vom Gedanken an die Klapper und den Schlangenatem Bouverots oder an dessen Mordsprung nach ihrem Herzen – sie dachte so kaltblütig an sein Verloben wie jeder Unschuldige an sein Sterben auf einem Blutgerüste –, sondern vom Gedanken an das lange Überbauen der mütterlichen Tränen, der mütterlichen Liebesquellen, welche bisher nährend tief unter ihren Blumen geflossen waren; sie warf sich dankend zwischen diese helfenden Arme. Sie schlossen sich nicht um sie, weil die Ministerin durch keine Woge und Brandung schneller Aufwallungen weich und locker auszuspülen war.

In diese Umfassung griff oder trat der Minister ein. »So!« sagt' er schnell. »Mein Ohr, Madame,« (fuhr er fort) »findet sich unter den Domestiken durchaus nicht wieder vor; das hab' ich Ihnen zu sagen.« Denn er hatte sich heute auf einen Gesetz-Sinai gestellt und der an dessen Fuß versammelten Dienerschaft in die Ohren gedonnert, um seines zu erfragen, »weil ich glauben muß,« (hatt' er ihr gesagt) »daß ihr mirs aus sehr guten Gründen gestohlen habt«. Dann war er als Hagelschauer, wie ein Küchendampf bei windigem Wetter, durch die einzelnen Dienerzimmer und Winkel nach dem Ohr gezogen. – »Und du?« sagt' er halbfreundlich zu Liane. Sie küßte seine Faust, die er, wie der Papst den Fuß, allezeit als den Lehn- und Lippenträger, Agenten und de latere-Nuntius des Mundes den Küssen schickte.

»Sie bleibt ungehorsam«, sagte die strenge Frau. »So gleicht sie Ihnen ein wenig«, sagt' er, weil der Mißtrauische die Umarmung für eine Verschwörung gegen ihn und seinen Bouverot ansah. Nun barst sein Eis-Hekla und flammte und floß – bald auf Tochter, bald auf Frau – erstere sei gar erbärmlich, sagt' er, und nur der Hauptmann etwas wert, den er glücklicherweise allein gebildet – er errat' alles, hör' alles, wenn man auch sein Ohrblech verborgen – es werde demnach, wie er sehe (er zeigte auf seinen entsiegelten Morgenpsalm), zwischen beiden Kollegien kommuniziert – aber Gott soll' ihn strafen, wenn er nicht – »Töchterchen, antwort doch endlich!« bat er.

»Mein Vater« – (sagte Liane, seit der Bouverotischen Verbrüderung und der Mißhandlung der Mutter ihr Herz mehr fühlend, das aber nur verachten und nie hassen konnte) – »meine Mutter hat mir heute und gestern alles gesagt; aber ich habe doch Pflichten gegen den Grafen!« Eine kühnere Lebhaftigkeit, als die Eltern sonst an ihr vermisset und gefunden hatten, strahlte unter dem aufgehobenen Auge. »Ach, ich will ihm ja nur so lange treu verbleiben, als ich lebe«, sagte sie. »C'est bien peu«, versetzte der Minister, über die Keckheit erstaunend.

Liane hörte jetzt erst ihr entflognes Wort nach; da ergriff sie, um die Vergangenheit und ihre Mutter zu rechtfertigen, den schönen und lächerlichen Entschluß, den alten Herrn zu rühren und zu bekehren durch ihre Geister- oder Traumseherei. Sie bat ihn um eine einsame Unterredung und nachher – als sie schwer vergönnet war – darin um sein heiliges Versprechen, gegen die Mutter zu schweigen, weil sie fürchtete, dieser Liebenden die dem Ausschlagen nahe rasselnden Uhrräder ihrer Sterbeglocke zu zeigen. Der alte Herr konnte nur mit einer komischen Miene – wobei er aussah wie einer, der in grimmiger Kälte lachen will – hinlängliches Worthalten geloben, weil nie, so viel er sich entsinnen konnte, das Wort von ihm, sondern bloß oft er vom Wort gehalten wurde. In solchen Menschen sind Wort und Tat dem theatralischen Donner und Blitze ähnlich, welche beide, sonst im Himmel gleichzeitig verbunden, auf der Bühne aus getrennten Ecken und durch verschiedne Arbeiter hervorbrechen. Aber Liane ruhte nicht eher, als bis er ein wortfestes, offnes Gesicht – ein gemaltes Fenster – aufgetragen. Darauf fing sie nach einem Faustkuß ihre Geistergeschichte an.

Mit fortgesetztem Ernst, fest zusammengehaltenen Muskeln hörte er dem Unerhörten zu; dann nahm er sie, ohne ein Wort zu sagen, an der Hand und führte sie vor die Mutter zurück, der er sie mit einem langen Lob- und Dankpsalm auf ihre glückliche Töchterschule überreichte; – »seine Knabenschule mit Karl sei ihm wenigstens nicht in diesem Grade geglückt«, setzt' er hinzu. Zum Beweise teilt' er ihr offenherzig – und alle Schmerzen Lianens kaltblütig verarbeitend, wie der Faßbinder Zypressenzweige zu Tonnenreifen – das wenige mit, was er zu verschweigen verheißen, weil er immer entweder sich wegwarf oder den andern, meistens beide. Liane saß hochrot, heißwerdend, mit gesenkten Augen da und bat Gott um Erhaltung ihrer Kindesliebe gegen den Vater.

Kein teilnehmendes Auge werde ferner mit dem Eröffnen einer neuen Zeit gequält, wo das Eis seiner Ironie brach und ein wütender Strom wurde, in welchen noch dazu mütterliche Tränen des Zorns flossen über ein teueres Wesen und dessen verderbliches, fieberhaftes Hineinträumen in den letzten Schlaf. – Das Ziel und die Gefahr kopulierte fast die Eheleute zum zweitenmal; wenn es glatteiset, gehen die Menschen sehr Arm in Arm. »Du hast nichts nach Lilar geschickt?« fragte der Vater. – »Ohne Ihre Erlaubnis würd' ichs gewiß nicht tun«, sagte sie, meinte aber ihre Briefe, nicht Albanos seine. – Er benutzte den Mißverstand und sagte: »Du hast sie ja aber.« – »Ich will alles gern tun und lassen,« (sagte sie) »aber nur wenn der Graf einwilligt, damit ich ihm nicht unredlich erscheine; er hat mein heiliges Wort auf meine Treue.« An diese milde Festigkeit, an diesen mit weichen Blumen überzognen Petri-Fels stieß sich der Vater am härtesten. Dazu war der Übertritt eines stolzen Liebhabers von eignen Wünschen zu den feindlichen, gesetzt man hätte Lianen die Frage an den Grafen erlaubt, so unmöglich auf der einen Seite, und das Gesuch um diese Veränderlichkeit, es mochte bewilligt oder abgeschlagen werden, überhaupt so heruntersetzend auf der andern, daß die betroffne Ministerin stolz aufstand, wieder fragte: »Ist das dein letztes Wort an uns, Liane?« – und als Liane weinend antwortete: »Ich kann nicht anders, Gott sei mir gnädig!«, sich zornig wegwandte an den Minister und sagte: »Tun Sie nun, was Sie für convénable halten, ich bin unschuldig.« – »Nicht so ganz, ma chere; aber gut!« (sagt' er:) »Du bleibst von morgen an in deinem Zimmer, bis du dich korrigierst und unsers Anblicks würdiger bist«, kündigte er hinausgehend Lianen mit zwei auf sie geworfenen Augen-Salven an, worin meines Ermessens weit mehr Reverberierfeuer-Plagegeister – ätzende, fressende Medikamente – Gehirn- und Herzensbohrer versprochen wurden, als sonst ein Mensch gebend halten oder empfangend tragen kann.

Armes Mädchen! dein letzter August ist sehr hart und kein Erntemonatstag! – Du siehst in die Zeit hinaus, wo dein kleiner Sarg steht, an welchem ein grausamer Engel die schönen, um ihn herumlaufenden, noch frischen Blumenstücke der Liebe wegwischt, damit er ganz weiß, so rosenweiß wie deine Seele oder deine letzte Gestalt, herübergetragen werde! –

Dieses Vertreiben von der Mutter in die Einöde ihres Klosterzimmers war ihr ebenso fürchterlich, nur nicht fürchterlicher als das Zürnen derselben, das sie heute erst zum drittenmal erlebte, obwohl nicht verdiente. Es war ihr, als wenn nun nach der warmen Sonne auch noch gar das helle Abendrot unter den Horizont gesunken wäre, und es wurde dunkel und kalt in der Welt. Sie blieb diesen ganzen noch eingeräumten Tag bei der Mutter; gab aber nur Antworten, blickte freundlich an, tat alles gern und behend und hatte – da sie jeden zusammenrinnenden Tautropfen schnell mit dem Zwergfinger aus den Augenwinkeln schlug, als sei es Staub, weil sie dachte: nachts kann ich weinen genug – sehr trockne Augen; und das alles, um der belasteten Mutter nicht zu neuer Last zu sein. Aber diese, wie Mütter so leicht, verwechselte die scheue liebende Stille mit dem Anbruche der Verstockung; und als Liane in unschuldiger Absicht des Trostes sich Karolinens Bild aus Lilar wollte bringen lassen, galt auch diese Unschuld für Verhärtung und wurde mit einer elterlichen gestraft und erwidert; nämlich mit der Erlaubnis, zu schicken. Nur forderte die Ministerin die französischen Gebete von ihr zurück, als sei sie nicht wert, diese ihrem jetzigen Herzen unterzulegen. Nie ist der Mensch kleiner, als wenn er strafen und plagen will, ohne zu wissen wie.

Da jeder, der regiert, er sitze auf einem Lehr- oder Fürstenstuhl, oder wie Eltern auf beiden, dem Fußbewohner desselben den vorigen Gehorsam, sobald er ihn einmal aussetzt, nicht als Milderung seiner Schuld anschreibt, sondern als Vergrößerung: so tat es die Ministerin auch gegen ihr von jeher so folgsames Kind. Sie haßte ihre reine Liebe, die wie Äther ohne Asche, Rauch und Kohle brannte, um desto mehr und hielt sie für Schadenfeuer oder Feuerschaden, besonders da ihre eigne bisher fast nie mehr als ein vornehmes Kaminstück gewesen.

Liane stieg zuletzt, zu schwer zusammengepresset, da jenseits der Wandtapete der heitere Tag, der schönste Himmel blühte, aufs welsche Dach hinauf. Sie sah, wie die Menschen vergnügt von kleinen Lustörtern, weil die Erde ein großer war, zurückfuhren und –ritten; auf Lilars Stauden-Pfad wandelten die Spaziergänger selig-langsam heim – auf den Gassen wurde laut an den Fest-Gerüsten und Himmelswagen für die Fürstenbraut gezimmert, und die fertigen Räder wurden prüfend gerollt – und überall hörte man die Übungen der jungen Musik, die erwachsen vor sie treten sollte. Aber als Liane auf sich blickte und hier ihr Leben allein im dunkeln Gewande stehen sah – drüben das leere Haus der Geliebten – hier das ihrige, das auch leer für sie geworden – diese Stelle, die noch an eine schönere, seltnere Abblüte als des cereus serpens erinnerte – und o! diese kalte Einsamkeit, da ihr Herz heute zum ersten Male ohne ein Herz lebte; denn ihr Bruder, der Chorist ihres kurzen Freudengesanges, war verschickt und Julienne seit einiger Zeit ihr unbegreiflich unsichtbar – nein, sie konnte die schöne Sonne, die so hell und weiß mit ihrem hohen Abendsterne sich tiefer wiegte, nicht niedergehen sehen – oder das frohe Abendchor des langen Tages anhören, sondern verließ die glänzende Höhe. O, die fremde Freude stirbt im unbewohnten dunkeln Busen, wo sie keine Schwester antrifft, und wird zum Gespenst darin! So deutet das schöne Grün, diese Frühlingsfarbe, sobald es eine Wolke malt, nichts als an lange Nässe.

Da sie bald in die Freistatt des Tags, das Schlafzimmer, trat, wetterleuchtete draußen der Himmel; o, warum jetzt, hartes Geschick? – Aber hier, vor dem Stilleben der Nacht, wenn das Leben, von ihrem Flor bezogen, leiser tönt – hier dürfen alle ihre Tränen fließen, die ein schwerer Tag gekeltert hat. – Auf dem Kopfkissen, als trüg' es den längsten Schlaf, ruhet dieses verblutete Haupt sanfter als an der Brust, die ihm seine Tränen zankend nachzählt; und es weinet sanft nicht über, nur um Geliebte.

Wie gewöhnlich wollte sie ihre mütterlichen Gebete aufschlagen; als sie erschrocken daran dachte, daß man sie ihr genommen. Da blickte sie heißweinend auf zu Gott und bereitete allein aus dem zerbrochnen Herzen ihm ein Gebet, und nur Engel haben die Worte und die Tränen gezählt.

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