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Jean Paul Richter: Titan - Kapitel 191
Quellenangabe
typefiction
booktitleTitan
authorJean Paul
year1983
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32371-6
titleTitan
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1802
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Zehnte Fahrt

Stadt Ulrichsschlag – Herr van der Haft – der Staat ein Industriekomtoir – Kleiderordnung für Bücher

In diesem Ich-Besteck, in diesem Leibe, braucht man, man ziehe immer die reine Seeluft des Luftsees ein, doch stets seinen Taler Geld. Welcher Luft-Schiffs-Herr von Bedeutung wäre nicht bei einem Südsüdwest, der in die Ostsee trug, gerade über Ulrichsschlag weggesegelt, wenn er nicht leider darin gerade einen Großoheim hätte, dem er einen Prima-Wechsel präsentieren kann? – Diese dumpfe, wühlende, in der Walkmühle der Arbeit dampfende Stadt – wovon ganze Gassen an einem Knochen, an einer Silberstange nagen und schaben – taub gegen Freude und heiß dahinrennend wie ein Gaul, dem man eine bleierne Kugel ins Ohr gesetzt, und in den Gehirnkammern von einer gedrückt – – diese fleißige Stadt und Menschen-Holländerei hatte das Glück, meinen Großohm zu behausen, den Herrn van der Haft, einen edlen Bankier, der aus dem Geld nicht viel macht, sondern nur wieder Geld und der das »nach Belieben« auf den Komödienzetteln übersetzt in »tel est notre plaisir« und daher weniger gibt als der Geringste.

Ich wäre aber beinahe in die zugesperrte Judengasse – einen brütenden, summenden Schwarmsack von Menschen – gefahren, hätten mich nicht glücklicherweise zwei JudenSo singt und wacht auch in Kowno in Polen (nach Schulz) ein Nachtwächter-Dualis aus Furcht zusammen.

D. H.
, welche Hand in Hand abbliesen und absangen, um sich wechselseitig zu decken, seitwärts hinaus gesungen und geblasen durch die Doppelsonate und das doppelte Ausrufungszeichen. Im Vechter-Viertel lief ich im Gasthof zum Vielfraß ein. Den Morgen darauf trug ich meinen Wechsel ins Franecker, wo mein Oheim wohnt.

Es versetzte meine Phantasie magisch ins schöne Holland, wo zwar die Besitzer unreinlich, aber die Besitzungen so äußerst reinlich sind, da die Magd vom Haus, als ich über die neugewaschene Hausflur gestiefelt wegschreiten wollte, mich auffing und mir sagte, ich müßte mich aufsetzen, sie trage mich zum gnädigen Herrn ins Zimmer. Ich ritt als närrischer Zentaur ohne Bügel und Zügel auf dieser Filial-Rosinante vor die Stubentür meines guten Schwertmagens hin und saß ab. Ein altes, lächelndes, rundes, voll Radien gestrichenes, wie ein Dotter im dicken Eiweiß einer Perücke schwimmendes Gesichtlein, auf einem Körperlein seßhaft, nahm mir mit vielen Höflichkeiten den Prima-Wechsel aus der Hand und fragte mich – ich hatte mich nicht genannt –, ob die Zahlung an Ordre zu stellen sei; »ich bin Herr Giannozzo selber und Sie mein Herr Großohm«, sagt' ich. Er bewillkommte ohne Erstaunen seinen Urneffen, sagte sogleich darauf, der Wechsel a uso sei hier erst nach 3 Respit-Tagen und 14 Usos-Tagen zahlbar, er woll' ihn aber (er dachte, ich würde sein Gast) ohne einigen Abzug noch heute »vergnügen«. Als ich ihm freilich sagte, ich bliebe im Vielfraß, tat es ihm leid.

Während der Zahlung a vista schritt ich im Zimmer auf dem Kreuz-Trottoir und breiten Stein zweier Wollendecken auf und ab und konnt' es nicht von mir erhalten, daß ich nicht über den wollenen Fußsteig austrat ins junge Holz. Ich strich das Geld ein, und zauderte mit der Übergabe des Wechsels. Was mich wundert, ist die allgemeine Ehrlichkeit der Menschen: so sehr es scheint, als wenn sie einander ordentlich nicht traueten – da ihnen Wort und Schrift noch keine hypothekarische Versicherung der Bezahlung scheinen –, so sah' ich oft mit meinen Augen, daß der eine das Kapital dem andern und dessen Gewissen zuweilen 3, 4 und mehr Minuten anvertrauete, ohne das Papier ausgewechselt zu haben. Wären die Menschen weniger ehrlich: so müßte man fodern, daß der, der einen persönlichen Wechsel bezahlte, indem er mit der einen Hand den Wechsel zurückholte, mit der andern das Geld hinreichte, weil er das Papier ja sonst unbezahlt wütig fressen könnte. Wir ehren uns selber durch dieses Vertrauen. Freilich geben edle Seelen – z. B. mein Großonkel – Summen Geldes – da dieses dem Gifte so ähnlich und wie dieses in großen Portionen gefährlich ist und nur in kleinen offizinell – wie Materialhändler dieses Gift-Metall oder Metallgift nur gegen obrigkeitliche Permisse und Scheine aus; aber das ist gutes Herz, der andere soll sich nicht damit vergiften durch die große Portion.

Ich ritt wieder über die Hausflur hinüber, eingeladen zu einem Eß-Jubiläum oder Eß-Quinquenell auf morgen; denn von fünf zu fünf Jahren gibt er ein Essen. – – Ich komme jetzt davon. Man seh' es einem Urneffen nach, wenn er selber seinem Schwertmagen – zumal von dessen Tischtuch herkommend – mehreres nachsieht und dessen Filzigkeit, so gut er kann, schön anstreicht; denn, in der Tat, ein alter Mann, der immer noch tiefer ins kalte Alter hineinsegelt, gleicht zu sehr den Schiffen, die nach Norden gehen, welche stets mehr Vorrat laden müssen als die, welche nach heißen Ländern laufen. Gräbt nicht das ganze Jahrhundert nach den beiden besten Heilmitteln der Säuere und der Kälte? das ist aber Kalk und Phlogiston; und beides macht nach den Chemikern glücklicherweise die einzigen Bestandteile des Goldes aus. Wer ist nun sauerer und kälter als ein Graukopf? –

Es gibt kostbare Gastmahle, wo man wie in der Poesie mehr auf Form als Stoff, mehr auf Löffel und Schüsseln invitiert ist als auf ihr Eingebrachtes; mir und der Ulrichsschlager Kaufmannschaft wurde vom Ohm das feinste Steingut, fünf herrliche Schüsseln von Silber vorgesetzt, und zuletzt wurde ein niedliches Dessert-Besteck von Gold aufgetischt. Noch länger als das Tischtuch war das Tischgebet; und kein Handelsmann schämte sich wie ein Weltmann, das Wort Gott oft zu brauchen. – Nein, ich knirsche die Zähne über die gewinnsüchtigen Heuchler, die Menschen, welche bei ihren Bergwerken, bei ihren LotteriedevisenBeide haben Namen wie z. B. Gotthilf, Gottes Sorge etc.

D. H.
Gott wie einen Fürsten zu Gevatter bitten, damit er ihnen ehrenhalber ein Patengeld in die Windeln schiebe – welche bei dem Allerheiligsten wie wir bei einem Titularrat immer seinen Titel anbringen, um ihm zu schmeicheln und abzubetteln. Wär' ich der liebe Gott: so sollten mir die Holländer, die vorher, eh' sie mit ihren Heringsbuisen auslaufen, eine Predigt und ein Lied anhören und um Heringe seufzen, nicht einen Schwanz fangen. O das größte Sammelsurium von Widerspruch, Wahnsinn, Habsucht und Tücke ist ein menschliches gedrucktes Gebet! – Nur du, heiliger Fenelon, konntest beten, denn du liebtest Gott!

Ein Ulrichsschlager klagte über die Handwerksmißbräuche und brachte bei, daß der Professor Hausen erwiesen, daß schon einer mittelmäßigen Stadt – wie unserer z. B., sagt' er – bloß durch den blauen Montag in 1 Jahr netto 13541 Tl. 16 Gr. vor die Hunde gehen. O wenn ich diese Saite höre! – »Meine Herren!« (fing ich an) »das ist erst nur eine Staats-Bankerutt-Quelle und mehr nicht. Aber ringsum springen die Quellen wie Böcke. Außer der Gesundheit wird durchaus nichts häßlicher verschwendet als ihr Surrogat, die Zeit. Welche entsetzliche Summen kostet einem Land der Schlaf, da es durch strenge Schlaf-Edikte leicht dahin zu bringen wäre, daß es nicht mehr schliefe als jeder Nachtwächter! – Werfen wir nicht jährlich wieder 13541 Tl. 16 Gr. zum Fenster hinaus, daß wir den Sonntag feiern am – Tage, da wir wie andere Völker nachts in die Kirche gehen könnten, wo die Dunkelheit die Andacht, und die Schlaf-Karenz die Buße nicht verderben würde? – So muß auch nicht als etwas Kleinliches aus der Unkosten-Rechnung alles das ausgelassen werden, was das Land jährlich an zwei Personen einbüßet durch Balbieren, indes mit dem Barte der Staat wüchse – und durch Donnerwetter, weil dabei nur Gebetbücher ergriffen werden – und durch stehende Tischgebete, die man ja sitzend still in sich unter dem Käuen verrichten könnte – und durch fremde Passagiere, denen der Staatsbürger durchs Fenster nachsieht, da jeder Narr, der in der Stadt nichts verzehrt und nur durchpassiert, um dieselbe reiten könnte – und besonders durch das allgemeine Müßiggehen und Faulpelzwerk der linken Hand und zweier Füße. Was Nicolai zu allem diesen sagt, möcht' ich wissen. Abgerechnet die wenigen Spinner mit zwei Händen – oder die Krippel, die einen guten Fuß schreiben, nicht eigenhändig (m. ppr.), sondern eigenfüßig (p. ppr.) – oder die Wilden, welche mit den Füßen stehlen und außer den langen Fingern und Diebsdaumen noch lange Diebszehen haben und in einem andern Sinn Räuber zu Fuße sind: so tun gerade drei Viertel am Menschen nichts, und er hängt voll Faultiere. Sapperment! kann nicht die Hand oben und der Fuß unten ein Paar Handwerke zugleich treiben? Ist der Tanzmeister, indem er unten mit den Füßen das Seinige tut, nicht zu gleicher Zeit der größte Spieler oben auf dem Geigelein? Und könnte einer, der von oben herab Friseur, Stricker, Wollenkratzer, Former wäre, nicht zugleich von unten hinauf ein Läufer, Fußlanger, Tretrad-Wandler und Orgel-Balgentreter sein? – Wahrlich, der Staat könnte durch ein strenges Wegschneiden aller dieser Eß-, Bet-, Buß- und Gliederferien dahin hinaufgearbeitet und gezogen werden, daß er ein ordentliches großes Raspel- und Arbeits-Haus würde, überall mit emsigem Sitz- und Greif-Fleisch ausgepolstert, alle darin schwitzend, keuchend, kartätschend, scheuernd und wütend, ohne sich nur umzugucken und ohne sich zu scheren um Lust und Liebe und Himmel und Hölle. – Ulrichsschlager! ihr seid fast die Leute dazu.«

Ich werde sogleich fortfahren bei ihnen; ich will nur erst ein solches Arbeitshaus herzlich zu 10 000 Teufeln wünschen und in die Hölle (eine solche Vorhölle) und vorher unter dasselbe einen hübschen Minengang zum Aufsprengen.

»Anlangend das Geld,« (fuhr ich fort) »dieses Herz des innern Menschen, so bedaur' ich seit Jahren die Staaten, die es verfressen und versaufen. Die besten schneiden ihren Festungs-Sassen nur das Kaffeewasser ab; aber warum lassen sie zu, daß der Kaffee seine Repräsentanten ins Unterhaus schickt, Zichorien, Eicheln, Rüben und den Satan? Warum stopft man – dieselben Gründe schreien – der Glückseligkeitslehre nur eine Quelle zu? Warum wird Tee, Wein, Fleisch, Bier, Gebacknes so frei zugelassen? Desgleichen Obst, Gemüse und alles nur Leckerhafte, da gesundes Brot seinen Mann ernährt? – Mit alle diesem könnte ja gehandelt werden nach auswärts und ein hübscher Pfennig Geld ins Inland gespielt – alle Waren würden, wenn mans täte, wie bei den edeln Holländern die französischen Bücher, nur spediert und verlegt, ohne das geringste Konsumo – Ulrichsschlager! würde dann nicht das Staatsgebäude ein großer, blanker Silberschrank und alle Untertanen Preziosa für den Fürsten, die er angreifen könnte in der Not?« –

Ein genießender Mensch nimmt mich zwar nicht ein, weil der Genuß das selbstsüchtige Selbst entblößet; aber ein sich Freuender erfreuet mich, weil die Freude ein reiner Äther ist, worin alle Sphärentöne klingen und fliegen können. Madame Helvetius wünschet, es gäbe Flüsse von Brei, damit nur der Magen in Ruhestand käme; wer würde dann an ihren Ufern wohnen? Offenbar Otaheiter, Griechen, Italiener, Hindus, zu denen die Grön- und Feuerländer und andere Türmer aus den beiden Hungertürmen der Pole herübergucken könnten.

Van der Haft und die übrigen Hafte fanden – ein paar Detail-Händler ausgenommen – meine Grundsätze ganz durchdacht, aber fast zu strenge und schwer ausführbar. – Der Großonkel nahm mich nach dem Essen – er hatte 21/3 Glas Wein im alten Kopf – freundlich beiseite und bat mich, ihm ohne Scheu sub rosa zu entdecken, auf was ich eigentlich mit meinen äronautischen Versuchen hinzweckte. »Ich?« (sagt' ich) »auf nichts, auf Spaß!« – »Ernsthaft, Neffe! Höhenmessungen, astronomische oder meteorologische Versuche, Untersuchungen der Wolken können Sie mir ohnehin eingestehen; aber greifen Ihre mühsamen Reisen nicht mehr ins praktische Leben?« – »Wahrlich, bloß zur Lust leb' ich oben und aus Ekel am Unten.« – »Und deshalb setzen Sie Ihre Gesundheit in der kalten, feinen Luft zu?« – »Herr, die setzt jeder Schuster, jeder Autor, jeder Stubensitzer zu; denn um ganz gesund zu leben, muß man leben wie ein Vieh, wie ein Bär oder Hirsch.« – »Und wenn Euch eine Gewitterwolke an sich zieht?« – »Darauf dacht' ich oft; dann wär's aus; aber ich werde wohl mein Ziel vorher fassen – warum will ichs meinem guten Großohm nicht sagen? Ich reise als geographisch-militärischer Luft-Spion, nehme dann in Schwaben französische Dienste und versuche mein Glück, wenn mich keine Kugel trifft.« – »Das hör' ich gern, Neffe!« sagte der Narr. – – O die Blinden! dem Magen darf man – sie erlaubtens – alles opfern, die Jahre, das Blut, sogar ein Stück Tugend; aber dem Herzen, der Lebensfreude nichts, als was jener vom Opferaltar ungefressen übrig lässet, und die heilige Psyche ist euch nichts als der Futtermarschall, Erzküchenmeister und Erbvorschneider, ach, der Küchenjunge des Magensacks! Geht, ich will wieder hinauf! – –

Ich könnte heute im Vielfraß keine Zeile mehr in mein Seebuch schreiben, aber hereinheften will ich ein herpassendes Aufwandsgesetz, das ich im Namen des Fürsten Saturns (sein Land kam oben vor) als expedierender Sekretär abgefasset.

Kleiderordnung für sämtliche einwohnende Bücher unsers Landes

Wir etc. etc. etc. werden mit äußerstem Mißfallen den Luxus innen, der in unsern Staaten um sich frisset. Bettler prunken schon in kouleurten humoristischen Habiten, aus einem teuern Gehäcke von allen Zeugen genäht, als wandelnde Farbenpyramiden wie Motten einher, indes ihr Stand ihnen zuruft, gleich Grazien und Würmern bloß den spanischen Schleier der allgemeinen Zucht um sich zu schlagen – wir wollen aber hoffen, daß es nur ausländische Bettler sind, welche freilich die spanische Nationalkleidung unseres Landes nichts angeht.

Allein bei den Büchern ist der Kleiderluxus ebenso klar als enorm. Geistliche, andächtige Werke, die sonst im bescheidnen Priester-Ornat und Trauermantel einherwandelten, kleiden sich wie Gecken nach englischem Schnitt und tragen Tressen und reden doch von Gott. – Juristen-Kinder gingen sonst wie die Schweine, nämlich in deren Leder, oder auch in Schafskleidern, oder ein hölzerner Skaphander war der Rock der Gerechtigkeit, und ihre vier Hufen waren mit Eisen beschlagen; jetzt springen sie uns als Halbfranzen, als Perlhühner entgegen, und wollen gleichwohl Leute en longue robe vorstellen. Es sind die alten Folianten gar nicht mehr, ob sie gleich ihre Sprache reden.

Die Ärzte gehen in Marmor anstatt wie sonst in Halbtrauer – Die historischen, die philosophischen Werke tragen sich, wie sie wollen – Andere sind im deminegligé broschiert – Einige laufen türkisch oder im türkischen Papier – Die sogenannten Monatsschriften haben zwar nichts an sich als die Haut, tätowieren sich aber diese bunt – – Viele Romane kleiden sich so ausschweifend, z. B. in drap d'or, daß sie sich immer in Überröcke und Staub- und Pudermäntel stecken müssen.

Den ärgsten Unfug verführen aber die Neujahrs-Hausierer und Gratulanten, die Almanache. Diese zusammengebrachten Kinder schlagen ihren guten dürftigen Eltern, die selten etwas Ganzes anhaben, wenig nach, sondern schämen sich ihrer und treten in goldnen Gilets, in Seidenröcken oder als patres purpurati (in Maroquin) daher und schnalzen als Goldschleien durch die Finger. Diese Kreaturen sind ordentliche Schaltiere, sitzend immer in Rinden- oder Wachthäuschen, Sänften, elastischen Korsetts oder kleinen SelbstrepositorienFutteralen., woraus man sie erst kriegt und lockt, wenn man sie an ihrem bunten Schärpen- oder Ordensbande zupft.

Wir etc. etc. können nun nicht länger zusehen, daß das Gold und die Farbe, die sonst der Chrysograph und Rubrikator in die Bücher anbrachte, jetzt wie oft bei den Besitzern nur außen an ihnen klebe – daß gutes Leder, das so sehr zu Hosen, Trommeln und Schreibtafeln den Menschen dienen kann, von Büchern getragen werde – daß das beste, stärkste Papier statt nützlicher patriotischer Waren Bücher einfasse, die ja selber um jene Waren gehören – und daß dieses gottlose Wesen so steige wie in London. – Sondern es soll jetzt von Uns verordnet werden, daß die sämtlichen Bücher-Schneidermeister, anstatt Tuchlieferanten zu sein, bei ihrer Heftnadel bleiben und nur Buchhefter, aber nicht Buchbinder sind, wie sie immer in den »Nachrichten an die Buchbinder« heißen. Die Nationalkleidung aller Werke soll natürlich und wie die der Zeitungen und vernünftigen Monatsschriften sein, nämlich entweder ein Schmutztitel vornen und das Ende und Bergleder (das Register) hinten, oder höchstens die beiden weißen Buchbinder- oder Hemd-Blätter.

Bloß diejenigen Werke, die an den Hof zur cour en robe gehen wollen, oder sogenannte Dedikationsexemplare sollen die gewöhnliche Buch-Toilette machen und in goldgestickten Anzügen und in feiner, weißer Wäsche erscheinen, worauf der Hofbuchbinder, der grand maitre de garderobe der Bücher, vorzüglich zu sehen hat. Denn da das Widerspiel der Biber, wovon die einsamen ein schmutziges abgerissenes Fell, die geselligen aber ein feines nettes haben, sowohl von den Menschen als den Büchern gilt: so ist gerade ein Hof der Ort, wo sich das feine Kleid eines guten Buches am besten konserviert, zumal vom fürstlichen Wappen gedeckt, und wo niemand Hand an das schöne Gold seines Bauches legt. etc. etc. etc. etc.

*

Ich dürstete nach dem Meer; und siehe, ein Sturm arbeitet jetzt draußen, der mich noch heute über seine Wüste führen kann.

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