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Jean Paul Richter: Titan - Kapitel 178
Quellenangabe
typefiction
booktitleTitan
authorJean Paul
year1983
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32371-6
titleTitan
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1802
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25ster Jenner. Pauli Bekehrungs-Blatt

Pauls Bekehrung durch Migräne

Wenn in irgendeinem Manne die wohltätige Trägheitskraft (vis inertiae), die doch das elendeste Wesen hat und die in einigen wie in Rentierern und Großen sich völlig entfaltet, unangegriffen verschimmelt: so geschiehts leider in mir. Ich hebe am Morgen kaum den Kopf vom Kissen auf: so ists, als präsentiert' ich jetzt dem Universum das Vorzimmer, den Auktionssaal, das Pembrokische Kabinett, worein es nun ziehen kann in Strömen. Was sich nur zu Ideen und Gedanken rechnet, segelt auf dem Nervensaft heran und steigt aus und bringt (nach dem gewöhnlichen Ideen-Nepotismus) seine Spill- und Schwertmagen, Namensvettern, Wand- und Türnachbarn samt den nachsetzenden Gegenfüßlern mit – so daß in wenigen Minuten, wenn ich mich umsehe, in den Gehirnkammern ausgepackt ist nicht viel mehr als die ganze Welt – alle Kurfürstenianer und Fürstenianer – pia corpora ac desideria – Titel aus den Pandekten, Adreßkalendern und Meuseln – große Lexika mit ihren Billionen Wörtern aus ebenso vielen Sprachen – dicta probantia und Epiphanius mit seiner Kuppel von 80 bellenden Ketzern – Krokodil- und andere Schlüsse des 18ten Jahrhunderts – Visitenblätter der Kardinaltugenden – Kardinallaster in Person – Nuntii mit ihren Nuntiaturstreitigkeiten – Spitzbuben, z. B. Nickel List – Jubelmagister – Einfälle, über die ich lachen kann – mehrere Rechtswohltaten – Hintere, die nicht einmal an einer Mediceischen Venus sitzen – hüpfende Punkte, die kaum recht leben, und sterbende Fechter, die eigentlich tot sind – und der Teufel und die Negresse, seine Großmutter, oder die Jungfer Europa und der Leser und ich selber und das Bewußtsein von dem allen. – –

Der Makrokosmus hat sich auf den Mikrokosmus gesetzt und presset ihn. – Dann kommt aber noch vollends, was ich zu machen habe, die unzähligen Briefe – die Lustreisen – die Visiten – die Toilette – die Exzerpten – die Haubersche bibliotheca magica (mit der ich mich zu einem großen Lichte schreiben will), gar noch nicht einmal angeschlagen die namhaften Universitäts- und andere Bibliotheken, die ich doch so gut durchsehen muß wie ein anderer.

Zu sich zu kommen bei solchen Lagen und wegzuschreiten über solche Warenballen und umherliegende Welten, ist wohl dem besten Kopfe nicht zuzumuten, wenn er nicht etwas bekommt, was diese Welten sämtlich wegfegt – Kopfschmerzen.

Dann gehts anders.

Hab' ich einmal diese: so schreib' ich nicht und lese nicht (weil es nicht geht), sondern laufe auf und ab und gehe einen halben Tag lang um mein Ich und mein Leben herum und sehe bei diesem stillen Himmel tief ins ruhige Meer des Innern hinab bis zu seinen grünen Wiesen und zu den alten Schiffen, die längst versunken sind. Weniger die Entschlüsse als ihre Gründe werden erneuert, fest und lebendig gemacht, damit sie mich im Strome des Handelns mit junger Stärke tragen; denn die besten Grundsätze, nach denen man noch dazu handelt, haben einen Hang, matt und unscheinbar zu werden, und wollen von Zeit zu Zeit von neuem geboren sein.

Daher bedauer' ich jene ewig fortdringenden fortstürmenden Männer, den Minister, den Feldherrn, den Geschäftsmann, die in ihrem moralischen Kalender keinen stillen Karfreitag, keinen Aschermittwoch, keinen Ruhetag anzustreichen haben und die ihre innern Sabbatsschänder sind. Schnelle Ströme sind die unreinsten, sie läutern sich, wenn sie stiller fließen. Jeder Mensch sollte, da über sein Leben so viele Hundssterne regieren, sich immer Kanikularferien von einem Tage bewilligen. Große Krankheiten, so wie die sieche Ermattung nach einem verschwelgten Gestern, dringen uns solche Aschermittwoche auf, die zuweilen das ganze Leben sichten und lenken. Die meisten verschieben diesen Mittwoch auf die Zeit, wo sie ein ruhiges Landhaus oder graues Haar erlaufen haben; aber wozu eine Ruhebank erst dicht neben dem großen tiefen Orte der Ruhe? Lieber unterwegs eine!

Nie fühlt man die Seele freier, alle Kräfte reger, das Leben vielseitiger und offner als am Tage nach dem Abschluß einer langen Arbeit, z. B. eines Quartanten, wo man keine neue wieder angefangen. – Vielleicht bildet gerade das stillere Leben der Weiber ihre reinere moralische Form; so wie sich alle regelmäßige Kristallisationen nur in der Ruhe gestalten.

Was mir an der Migräne noch gefällt, ist, daß sie an der männlichen Hornhaut des Herzens so lange arbeitet, bis sie solche herunter hat und es nackt dahängt, so über alles weich. Ich möchte wissen, ob an allen Männern die Migräne die langen kalten Salpeternadeln so von ihrer Nordseite abkratzt wie an mir; aber eigentlich und physiologisch besehen sollt' es die Krankheit allemal tun, da sie unter die schwächenden gehört, die immer erweichen und rühren. Welche süße Stunde, wenn man die Stube auf- und abgeht – mehrere Engel des Lichts fliegen mit – und wenn das Herz ohne eine Wunde immer höher aufläuft und die Brust von solcher namenloser Rührung schwillt, daß man froh wäre, wenn man etwas hätte, was man beweinen könnte – bis man zuletzt doch etwas Ähnliches auftreibt und sich dann recht herzlich ergießet! – Welche Wiegenfeste kindlicher Erinnerungen werden begangen! – Welche Lustschlösser und Sennenhütten zeigt jetzt die Phantasie auf ihren feinen Bergspitzen ringsumher aufgebauet! – Welche hohe und freundliche Gestalten werden uns nicht herabgeschickt und kommen von den Ruinen jener Schlösser nieder oder aus nahen Gärten der Gegenwart! – Hat man eine Schwester, so verlangt man von ihr seine Sachen leiser und bittet; hat man eine Frau, so dankt man Gott, daß man eine hat. – Ein bloßer Akkord auf dem Flügel ist jetzt eine Haydnsche Schöpfung; und fällt mir vollends etwas Altes oder Einfältiges in die Finger, z. B. »Ich liebte nur Ismenen«: so hör' ich gar nicht auf.

Es verrufe doch kein Kantianer diese Weichheit als körperlich; die Härte, von der sie hilft, ist ja auch körperlich. – Aber dieses süße Manna ist noch zugleich eine Arzenei. Kann denn ein Mann lange diese Erweichung herumtragen, ohne sein eignes fliegendes Feldlazarett (hospital ambulant) zu werden, da ihm ja alles, wie einem, der aus der warmen Badwanne steigt, sogar die Temperatur der lauen Alltäglichkeit wie Eis vorkommen muß und da ihm dann nichts gefallen kann, als was die Menschen lieben und ertragen lehrt und was sie schöner macht? War es nicht vor fünf Jahren an einem solchen Migräne-Nachmittag, wo es mir auf einmal einfiel, die unzähligen Irrtümer und Ketzereien der Menschen, seit 6 Jahrtausenden – in den verschiedenen Weltteilen und deren Filial-Inseln – bei den verschiedenen Völkern – bei den verschiedenen Religionen (deren ein Franzos 184 annimmt, wovon jede wieder 184 Irrsale haben kann) – bei den 80 Ketzern des Epiphanius – und in den verschiedenen Wissenschaften (ich erschrak über die Philosophen) nur im Pausch und Bogen zu überschlagen; hatt' ich nicht Kopfschmerzen, sag' ich, da ich diese Infinitesimalrechnung machte und mich nun plötzlich (vorher war ich aufgebracht) besänftigt als moralischer Rekonvaleszent niedersetzte mit den Worten:»Und doch willst du, hitziger Geselle, bei dieser Heerschar von erratis Spektakel anfangen und Feuertrommeln rühren über sechzehn oder siebenzehn Irrtümer, die dir in der Literaturzeitung oder im Voigtland vorkommen? Bedenke dich!«

Gesetzt aber, die ganze kränkliche Zerfließung brächte keinem Menschen etwas ein: so wären doch zwei auszunehmen, Biographen und Ehemänner. Biographen studieren in Kopfschmerzen hinter ihrer eignen Brust ein weicheres Herz, das der Frauen – so ist, sagen sie, ihres immer, weil ihr ganzes Leben eine AsthenieDaher die unendliche Weichheit in und nach hysterischen Zufällen, nach der Entbindung etc. ist; so halten sie hundertmal die Tränen in Bereitschaft, und es fehlt nur noch am Gegenstande derselben. – Dieselbe Betrachtung muß auch dem ägyptischen Ehevogte zuschlagen; er kann noch dazusetzen: die von uns oft so rauh belastete Weichheit der Weiber ist demnach unwillkürlich und schon in gesunden Tagen da; treten nun gar kranke müde dazu, kann ich mich wundern, wenn sie der Bastardnachtigall gleichen, die der bloße Stubenrauch erlegt und der sogleich, wenn man sie nicht leise von der Leimrute zieht, Blut aus dem Schnabel läuft und die man bei Gott kaum weiß, wie man sie nur anfassen soll? –

Herrliche Männer dieser Art – und ich bringe mich unter diese Rubrik – erreichen dann das Porzellan, das zwei Bestandteile zeigt, einen festen, nie schmelzenden, den Ton, und einen weichen, im Feuer flüssigen – den Quarzkiesel.Kopfputz und Kopfschmerz sind zwei Wand-Nachbarn; ich will daher den Inhaberinnen von beiden sagen, wie ich den letzteren, nachdem ich gebessert war, auf immer weggetrieben habe. Ich trank ein halbes Jahr lang unausgesetzt bloß das Dekokt von Bitterklee, warm und kalt und wenn mirs einfiel und ohne Nebenkur. – Personen, die die Migräne behalten, aber mildern wollen, rat' ich im Zufalle an: Wärme – Essen – entweder Ruhe oder lange Bewegung – Fleischspeisen – alle stärkende, bittere Getränke; und rate ab: sauere Weine – Kälte des Kopfes und der Füße – die verdammten ausleerenden und auflösenden Mittel der Anti-Brownianer – und meine Bücher.

J-n P-1.


26ster Jenner. Polykarpus-Blatt

Clavis Fichtiana seu Leibgeberiana


27ster Jenner. Chrysostomus-Blatt

Fortsetzung des Clavis


28ster Jenner. Karls-Blatt

Fortsetzung des Clavis


29ster Jenner. Valerius-Blatt

Fortsetzung des Clavis


30ster Jenner. Adelgundens-Blatt

Beschluß des ClavisAuf allgemeines Verlangen hat man den Clavis besonders drucken lassen müssen. Da an den Philosophen wie am Fötus das Auge früher erscheint und zeitigt als das Herz; und da sie also mit der Poesie, die mehr für dieses als jenes sorgt, ungern verkehren: so glaubte man, sie würden, da sie sich des Titans und aller poetischen Hülsenfrüchte enthalten, wie die ältern Philosophen der botanischen, gar nicht über die nährenden Fleischbrühtäfelchen des Clavis geraten, wenn man sie ihnen nicht allein auftrüge.


31ster Jenner. Virgils-Blatt

Vorrede zum Titan

Ich schreibe sie zuletzt, damit man sie nicht zuerst lese. Ich lasse hier die Welt wieder frei, nachdem ich sie kaum 2 Stunden 33 Minuten und 36 Sekunden in meinen Diensten gehabtEs ist ausgerechnet, daß man in einer Sekunde 60 Buchstaben durchlesen kann, mithin eine mäßige Oktavseite in 16 Sekunden, also ein Alphabet in einer Stunde, 42 Minuten, 24 Sekunden. Mein Buch nahm ich 1½ Alphabet stark an., indes ich ebenso viele Jahre und Monate in ihren gestanden. Nur noch drei Worte vergönne sie mir, nämlich sieben letzte.

Das erste ist die Freude, daß die Leser wie Kinder das Brot, das sie bei Tische nicht anbeißen wollten, haben nachessen müssen; ich meine die Satiren. Mit ähnlichem Kunstgriffe werd' ich sie in meine künftigen Geißelgewölbe hineintreiben. Denn nunmehr erscheint kein Buch mehr ohne einen solchen Anhang – ich müßte ihn denn vorausschicken und das Werk nach –; hat nicht alles auf dieser anglisierten Kometenkugel seinen Anhang, die allgemeine deutsche Bibliothek den teuersten, der Kalender den wohlfeilsten – Robespierre einen Schweif – der Komet von 1769 einen von 40 Millionen Meilen – die Prädikamente vier Postprädikamente – und Kant Fichten? –

Das zweite letzte Wort bittet den Leser, er wolle nicht schon jetzt – da ich kaum einen schwachen Anfang mit den Lieferungen des Titans gemacht – zwei- oder dreihundert Schlüsse daraus ziehen, sondern warten auf den zwanzigsten Band. Das Opus will wie der Mond beurteilet sein, der braunrot-geschwollen und benebelt aufsteigt und dem man bloß eine halbe Nacht Zeit zu lassen braucht, um ihn oben auf seiner erkletterten Bahn rein, weiß und licht zu finden. Neuere Romane setzen sich leicht ins größte Ansehen gleich bei dem ersten Band, weil sie nicht für den andern Morgen sorgen, d. h. für den andern Band, sondern die Gegenwart genießen; weil sie weniger einen Plan – und damit fallen auch die Pausen desselben, die Episoden, weg – als 10tausend Plane haben, die sie nacheinander ausführen; so daß das Werk, wenn man es erst vom Buchbinder bekommen, einen guten Effekt tut und ein Ganzes vorstellt; so wie der Heerwurm sich dem Pöbel prächtig in einer Länge von 12 Ellen herzuwälzen scheint, wiewohl er auf eine zollhohe Prozession von bloßen Schnaken-Larven (Larva tipulae) hinausläuft. Hingegen mein Essigschlängelchen ist ganz, und wird doch zu einer Riesenschlange aufgefüttert – aber das ist ebenso wunderbar.

Drittes Wort. In jeder epischen Geschichte liegen ganze Bände voll Moralen, mehr als in einer Fabel; aber nicht anders als in der wirklichen, die nicht die Tochter der Moral ist, sondern die Mutter, mit der jeder eine beliebige Tochter zeugen kann. Ich finde in den Biographien, die der Unendliche schreibt, mehr Dichtkunst, mehr poetische Gerechtigkeit und Motivierung als in denen, die die Helden der erstern, wir arme Narren, in die Presse schicken. Eine göttliche Biographie ist noch dazu nicht nur ein kleines Kunstwerk, sondern auch ein Teil eines unendlich großen; und wir sind alle auf unsern Bahnen so verbunden, daß einer aus dem Tagesbogen seiner Lebens-Epizykloide von der 988sten Potenz muß die Ellipse berechnen können, die die Menschheit um den ruhenden Unendlichen beschreibt; mit andern Worten, es kann einer (so kühn es klinge) aus den Vorfallenheiten seines Vormittags viel auf die nächsten in der Zeitung schließen.

Viertes letztes Wort. Noch immer wird in Jena, Wenigen-Jena, Jena-Prießnitz und den umliegenden Ortschaften der Satz verfochten, ein Dichter müsse wie eine Mücke nur auf durchsichtigen Florflügeln dahinfahren, auf keinen schwergeputzten Schwingen des Paradiesvogels. Der Leser, fährt man ohne Metapher fort, kann nicht auf einmal fliegen und tragen; das Musenpferd ist kein Packpferd, noch weniger darf ein poetischer Fittich wie der jenes Engels Augen haben, höchstens der Pfauenschwanz. – – Darauf kam ich nun neulich in der Zauberflöte von Mozart mit der treffenden Antwort, nämlich mit der Frage: »Aber die Oper, Leute? – Muß hier nicht 1) das genialische Durcheinanderarbeiten aller Instrumente, dann das ebenso große aller Schauspieler, 2) ihre optische und 3) akustische Mimik, dann 4) das poetische Stück selber und endlich 5) das Gepränge der Verzierung auf einmal gefasset und genossen werden? Ein Gebäude auf den fünf Säulenordnungen wird euch leichter als eine mit üppigem Laubwerk? Die fünf klugen Jungfrauen auf einmal lassen euch klüger als eine törichte? – Sprecht, Jenenser! Doch schreibt und fahret glücklich nach Hause in dieser höllischen Kälte!« –

Da ein Wort das andere und mithin das fünfte

das sechste gibt: so versichern ich mit beiden, daß heute, da ich meine letzten sage und die andern, kein Kreuz-Erfindungstag für mich ist, sondern eine Kreuzes-Abnehmung. Ist nicht heute Virgils-Tag, und der erste Band und der erste und letzte Wintermonat aus? – Denn morgen grünt für mich der Vor-Lenz, nämlich der erste Februar, dieser Sonnabend der Lichtmeß. Schon mehrere erfrierende Deutschländer müssen mit mir im Hornung die Aurora des Frühlings wenigstens an den schnellwüchsigen Tagen gefunden haben. Hängt nicht da schon das erste Frühlingslied im kalten Äther, die erste flatternde Lerche? Klettert und schleifet nicht jetzt ein Zaunkönig auf einem schwarzen, unter der Sonne tropfenden Aste hinauf und zirpet, von hellen Strahlen warm vergoldet, sein Winter-Solo? – Bindet nicht die rückende Sonne wieder meine Schreibbücher in goldnen Schnitt, und hat nicht der Nachbar die Schieber seiner Bienenkörbe aufgezogen, damit das luftige Immenvolk aus den schwülen schmalen Kerkern sich wollüstig auf das frische Grün, das nicht Blumen, aber Sonnenstrahlen durchbrechen, hinwerfe und sich kräftig auf ihm krieche? – Virgil, dessen Namenstag heute sich feiert, auf deinem Grabe brechen sie jetzt nur verfälschte Lorbeerzweige; aber auf den Gräbern der Jahrszeiten grünen ewig frische nach. –

Dieses Heute soll mich nach einem langen satirischen Zank- und Eismonat wieder versöhnen mit der Zeit. Mein letztes und siebentes Wort sei: Friede! wie der es auch sagte, der die sieben Worte an einem schlimmern Holze gesprochen, als mein Schreibtisch ist.

Friede mit der Zeit! sollte man öfter in sich hineinrufen. Wie uns ein quälender Tag nicht in den Hoffnungen unsers Lebens irret, so sollte uns ein leidendes Jahrhundert nicht die entziehen, womit wir uns die weite Zukunft malen. Die Pyramide der Zeit scheint sich wie eine ägyptische oben zuzuspitzen, entweder enge und scharf, oder vollendet; aber wenn man sie ersteigt, wird der Gipfel eine geräumige Ebene.

Wo uns ein Ziel göttlich erscheint, da muß es auch die Bahn gewesen sein, weil diese jenes war und jenes diese wird. Wir sind dir wohl alle näher, Unendlicher, als wir es wissen – denn du nur kannst es wissen –; und wir leben in dir, nicht bloß von dir, so wie unsere Erde mitten in der Atmosphäre des SonnenkörpersDas Zodiakallicht tut das Eintauchen der Erde in den Dunstkreis der Sonne dar. geht, indes sie nur von ferne um sein Licht zu ziehen scheint. –

Ende des ersten Bändchens

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