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Gutenberg > Julius Wolff >

Till Eulenspiegel redivivus

Julius Wolff: Till Eulenspiegel redivivus - Kapitel 13
Quellenangabe
typepoem
booktitleSämtliche Werke Band XII
authorJulius Wolff
year1912
publisherPaul List Verlag
addressLeipzig
titleTill Eulenspiegel redivivus
pages305-306
created20021014
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1874
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XI.

Fahr wohl!

                Sei mir gegrüßt, mein Heimatland!
Laß, alter Harz, dir mit der Hand
Die rauhe Bergeswange klopfen
Und nimm ihn hin, den blanken Tropfen,
Den in des Wiedersehens Freude
Ich herzlich gern an dich vergeude.
'S ist zwar kein Menschenalter her,
Mir sind die Haare nicht ergraut,
Doch wurden ihrer auch nicht mehr,
Seitdem ich dich zuletzt geschaut.
Als noch in meinen jungen Tagen
Mir voll und lang die blonden Locken
Umspielten meinen weißen Kragen,
Wie hab' ich, vielberittner Brocken,
Voll Ehrfurcht zu dir aufgeblickt,
Wenn nach Walpurgis ich dich traf,
Daß du noch fest im Winterschlaf
Tief unter Schnee warst eingenickt!
Im Silberreife deines Barts
Warst du mir Haupt und Angesicht
An meinem lieben Freund, dem Harz;
Zu dir kam ich damals noch nicht,
Doch am granitnen Bau des Alten,
In seinem eichengrünen Kleid
Mit seinen Tal- und Bergesfalten
Wußt' ich auf Schritt und Tritt Bescheid.
Zumal durchstreift' ich jene Schleppe
Vom Ramberg bis zur Hexentreppe,
Was zwischen Bode liegt und Selke,
Ob erst die Knospen brach das Laub,
Ob auf ihm lag des Sommers Staub,
Und ob es herbstgerötet welke.
War Samstags erst die Schule aus,
Hielt mich's nicht mehr in Vaters Haus,
Die grüne Trommel umgehängt
Und mit Gerät wohl ausgerüstet
Für alles, was ein Junge fängt,
Wonach es Jungen nur gelüstet,
Verlachte ich die Mittagsschläfer
Und was war mir Kornelius Nepos,
Was Cäsar und der Griechen Epos
Vor einem seltnen Rüsselkäfer!
Was bracht' ich zu der Mutter Schrecken
Für Schlangen, Eidechs, Salamander!
Das kroch im Hause durcheinander
Und schlüpft' und zirpt' aus allen Ecken.
War ich erst in des Walds Bereich,
Schweift' ich umher dem Falken gleich,
Hielt mich an Wege nicht und Stege,
Schlug durch Gestrüpp mich und Gehege
Und dünkte mich ein junger Tell
In des Gebirges weitem Kreise.
Damals für Ruhe, Trank und Speise
Stand auf den Höh'n noch kein Hotel,
Ein Hüttchen nur aus groben Quadern
Und eine Laube wohl von Moos
Gab Kühlung den erhitzten Adern
Auf roh geschnittner Bänke Schoß.
Manch alten Harzwirt dazumal
Kannt' ich, manch ein Original,
Wie man sie heute nicht mehr trifft,
Dem man nichts für Bougie bezahlte,
Der allenfalls in Kreideschrift
Die Rechnung auf den Schenktisch malte.
Steigt von der Lauenburg, – doch nein!
Nein! ich behalt' s für mich allein,
Das Lieblingsplätzchen hoch versteckt,
Wo ich nun heute wieder liege,
Von wo mein Auge froh entdeckt
Den Schauplatz meiner jungen Siege.
Ja, ja, da bist du, altes Nest
Mit deinen Türmen, deinem Schlosse,
Wo strahlend einst von Fest zu Fest
Aurora zog mit ihrem Trosse,
Wo Heinrich schläft bei seiner Milden
Und Gnadenreichen, bei Mathilden,
Der lockend auf dem Finkenherd
Empfing des Reiches Kron' und Schwert.
Du alte Stadt, du sahst vorzeiten
Viel Glanz und Macht und Herrlichkeiten,
Wie keine andre deutsche Stadt
Je größer sie gesehen hat.
Du hattest in der Mauern Band
Des Blutbanns Recht, dein Roland stand,
Wie er auch heute wieder steht,
Wo man hinan zum Rathaus geht,
Du warst der Hansa wackres Glied,
Und sprechen lernt' auf deinem Boden
Der Mund, der das Messiaslied
Uns gläubig sang und seine Oden. –
 

Der Wind, der ruhelose Wind
Der durch die Welt die Jugend treibt,
Die Grübchen schmeichelnd küßt dem Kind,
In Männerstirnen Furchen reibt,
Dem einen von des Lorbeers Laub
Die vollgewundnen Kränze schüttelt,
Den andern mit der Wüste Staub
Aus seinen Palmenträumen rüttelt,
Den reichgesegnet, goldbepackt
Zum sichern Ankergrunde steuert
Und den im Schiffbruch wund und nackt
Am schroffen Fels zu Tode scheuert,
Der Wind – was sonst denn andres? – blies
In Wirbeln mich hierher und ließ,
Wie das so seiner Launen Art,
Nach einer frohen Wanderfahrt
Mich hier auf diesem Berge liegen
Im Eichenschatten auf dem Rasen.
Mir war, als wär' ich abgestiegen
Vom Flügelroß und ließ' es grasen
Und sähe, da ich's abgezäumt,
Gestreichelt und geklopft zum Dank,
Nun erst, daß ich den lust'gen Schwank
Auf seinem Rücken nur geträumt,
Und nach dem Sturm und Wolkenritt
Erwacht' ich zum gemeßnen Schritt,
Den andre Menschenkinder traben,
Die nicht, wie ich, Gesichte haben.
Wo sind die Zeugen und Beweise
Für das Erlebte auf der Reise,
Was ich euch sang in kleinsten Zügen?
Wie kann man nur so schrecklich lügen!
Der Knotenstock mein einzig Gut,
Die welke Rose auf dem Hut,
Der Rock verstaubt, der Beutel leer,
Im Kopf ein Lied, das Herz mir – schwer?
O nein! nicht schwer, nur voll, ganz voll,
Ein König, König jeder Zoll,
Um den in weiter, reicher Falte
Beglückter Liebe Purpur wallte.
Doch lebte in des Liedes Sang
Nicht bloß die Liebe? oder klang
Das Lied nur in der Liebe Traum?
Oh! herrlich ist das eingerichtet,
Im Herzen ist für beide Raum,
Der Dichter liebt, die Liebe dichtet,
Und Traum sind beide, Lieb' und Lied,
Bis Herz und Lied und Liebe schied.

Wie ist mir denn? mal nachgesonnen!
Wie sich das alles so gewendet,
Wie es von Anfang an begonnen,
Und wie's zu guter Letzt geendet.
Was hatt' ich unter jenen Buchen
Im Mai denn auf dem Elm zu suchen?
Hatt' ich zu schaffen dort gehabt
Mit einem längst begrab'nen Abt?
Sucht' ich verlorner Handschrift Spuren?
Forscht' ich in Lucklum nach Komturen?
So ähnlich war der Reise Grund,
Doch oh wie anders war der Fund!
Statt in Ruinen, die verwittern,
Der Grabschrift von berühmten Rittern
Erschien im taubeglänzten Wald
Im Morgenlicht mir die Gestalt
Des Lieblings unsres Volks lebendig,
Des Geist verjüngend sich beständig
Durch unsern Geist noch immer weht,
Wenn sein Gebein auch, müd vom Wandern,
Zu Mölln am See begraben steht.
Ihn liebt das Volk wie keinen andern,
Und Johann Fischarts Wort bleibt wahr
Heut noch wie vor dreihundert Jahr:
»Am ganzen Rheine auf und ab
Der Menschen Gedächtnis ist sein Grab.«
Der grade trat mir dort entgegen
Und führt' auf lebensfrohen Wegen
Mit weisem Sinn und närr'schem Spielen
Mich lachend zu ersehnten Zielen.
Ich sang euch ja die rasche Fahrt,
Die beide brüderlich gepaart
Wir wanderlustig unternommen,
Bis ich da glücklich angekommen,
Wohin mich heimlich Sehnen trieb,
Und wo mein Herz vor Anker blieb.
Und mußt' es auch geschieden sein
Von Auge und von Hand und Mund,
Ich nahm doch selig mit, was mein,
Das Köstlichste, was auf dem Rund
Die reiche Erde für mich trug,
Und keinem Triumphator schlug
Das Herz auf seinem Siegeswagen
So stolz wie meins in jenen Tagen.
Nun zog es mich zur Heimat hin,
In meinem hochgemuten Sinn
Wollt' ich der freien Berge Luft
Mit vollen Atemzügen trinken
Und schwärmend in des Tales Schluft
Auf der Erinnrung Boden sinken.
Wo meines Lebens erstes Glück,
Der Kindheit Traum, der Jugend Wonne,
Mir schien, dahin mußt' ich zurück,
Um in den Strahl derselben Sonne
Nun auch das zweite Glück zu tragen,
Die Liebe, sie dort anzusagen
Und von den grauen Felsenstufen
Ihr Echo jubelnd wach zu rufen.

Doch wo war Till, der immer Rege?
Ich hatte dringend ihn gebeten,
Die Reise auf geradem Wege
Zur Heimat mit mir anzutreten;
Er hatte meinen Plan gebilligt,
Jedoch nur zögernd eingewilligt
Und hatt' es rundweg abgelehnt,
Des Tores Schwell zu überschreiten
Der Stadt, nach der ich mich gesehnt.
Er wollte die Verlegenheiten,
Da ich bekannt dort, mir ersparen,
Die seine Streiche, sein Gebaren,
Wovon er ja doch niemals frei,
Mir sicherlich bereiten müßten,
Wenn staunend erst die Leute wüßten,
Wes Geistes Kind mein Kam'rad sei.
Ich lacht' ihn aus und sagt', es kämen
Schon vor dort Eulenspiegelei'n
Auch ohne ihn, mich sein zu schämen,
Fiel mir auch nicht im Traume ein;
Der Pritsche rächende Ordalien
Würd' ich gar nicht so ungern sehn
Und könnte ja mit Personalien
Ihm kenntnisreich zuhanden gehn.
Allein er blieb bei seiner Weigrung,
Ja ich bemerkte eine Steigrung
Der Festigkeit in seinem Willen,
Dies arg Gelüst mir nicht zu stillen.
Es ging hervor aus allen Zeichen,
Wenn ich sie anders richtig nahm,
Er machte Anstalt zu entweichen
Dahin – dahin, woher er kam.
Er ließ mich öfter stundenlang
Mit mir allein, hatt' einen Gang
Bald hier- bald dorthin noch zu tun
Und hatte nirgend Lust zu ruhn.
Ich wußte nicht, wie er gesonnen,
Ob er es über sich gewonnen,
Zu gehen ohne Abschiedswort, –
Wer weiß? vielleicht war er schon fort.
Fahr wohl denn, wunderlicher Kauz!
Ich habe dir nicht nachgestellt,
Du hast dich selber auf den Plauz
Mir ungerufen zugesellt;
Fahr wohl, du närrischer Kumpan,
Fahrender Mann, von dir zu scheiden,
Wird mir nicht leicht, doch deine Bahn, –
Ich möchte gerne sie noch meiden.
Du wurdest mir der schnell bewährte,
Bald unentbehrliche Gefährte,
Der in dem Kopf Verstand, gesunden,
Doch auch ein Herz im Busen trug,
Und dessen bittrer Pfeil die Wunden
Auch heilte, die er brennend schlug,
Der jede Unvernunft beim Felle
Und nicht mit seidnem Handschuh griff,
Und dem gehorsam auf der Stelle
Doch alles tanzte, wenn er pfiff,
Der voller Listen, voller Ränke
Ausholte stets zum Kolbenschlag
Und stets auf eigne Faust voll Schwänke
Mit aller Welt im Streite lag.
Das Närrische und das Verkehrte,
Das Kluge, Pfiffige und Weise,
Was mich ergötzte, mich belehrte,
War seine Mitgift zu der Reise.
Wenn der Gedanken Blässe kränkelnd
Und melancholisch mich beschlich,
War er's, der spottgerüstet plänkelnd,
Oft auch mit einem einz'gen Strich
Die falsche Rechnung mir verwischte
Und in ein sauertöpfig Brüten
Hineinwarf frische, bunte Blüten
Und attisch Salz zum Nektar mischte.
Fahr wohl, fahr wohl, Till Eulenspiegel!
Du gingst und schobst am dunklen Tor,
Daß keine Hand ihn hebt, den Riegel,
Der alles abschließt, eilig vor.
Fahr wohl! dich werd' ich nimmer schauen,
Bis eines andern Morgens Grauen
Mir dämmert nach den irdisch trüben,
Auf eines Jenseits lichten Wegen – –
»No! no! soll ich vielleicht da drüben
Schon einen Platz für dich belegen?«
Da war er wieder, aus dem Strauche
Trat er, der mir am nächsten stand,
Als ob er aus dem Boden tauche.
Flink sprang ich auf, reicht' ihm die Hand:
»Willkommen, Kauz! wo steckst du nur?
Verloren hatt' ich deine Spur
Und glaubte dich bereits entwischt,
Wo dieser Sonne Glanz verlischt,
Jetzt aber schenk' mir klaren Wein
Schnell über dein Verbleiben ein.«

»So! klaren Wein! er darf doch schäumen?
Ich werde mal den Ranzen räumen,
Da hab' ich dir was eingeknüpft,
Das wird dir in die Augen stechen;
Da, halt'! doch wenn dir's auch entschlüpft,
Von einem Fall wird's nie zerbrechen.«

Da reicht' er mir ein uralt Glas,
Nicht Fuß, nicht Henkel hatte das,
War hoch und schlank und unten rund
Und ausgehöhlt bis auf den Grund,
Man konnt's nicht stellen, konnt's nur legen,
Damit der Trinker nicht vergaß,
Es immer gründlich auszufegen,
Doch schluckt' es ein beträchtlich Maß.
Schön war's verziert: ein Blumenkranz
Sich voll um seine Rundung schlang,
Zwei Mägdlein drehten sich im Tanz,
Auf einem Baum ein Vogel sang,
Darunter saßen ihrer drei
Und würfelten und zechten frei,
Ein Mönch, ein Jäger und ein Reiter,
Und auch ein Rößlein war Begleiter.
Doch an der andern Seite was
Tills Spruch geschrieben an das Glas:
  Warzu sich einer begibt
  das würt im sein lebtag gnug.«

Till nestelte den Draht vom Korke
Der Flasche, in ein Kleid von Borke
Mit kühler Erde eingehüllt,
Der Stöpsel knallte, und gefüllt
Ward nun das Glas in meiner Hand
Mit Schaum und Perlen bis zum Rand.
»Jetzt wollen wir zum Abschied trinken,
Sprach Till, denn heute muß ich fort,
Siehst du den Abendstern heut blinken,
Zieh' ich zu einem andern Ort.
Doch dieses Glas zum Angedenken
An unsre Fahrt will ich dir schenken,
Es ist schon alt, doch dauert's länger,
Hältst du' s in Ehren, sieh! es trank
Mein Freund, der Ham'ler Rattenfänger
Mit mir daraus bei Sang und Klang,
'S war auch zum Abschied, und wir haben
Es beide sorglich dann versteckt;
Nun hab' ich's wieder ausgegraben,
Wo es so lange unentdeckt
Und sicher lag. Du nimm es hin!
Es hat besondre Macht und Sinn:
Trinkst du daraus, wird dir bewußt
Des Witzes Kraft, des Spottes Lust,
Du schlürfst und kostest süße Wonnen
Aus unerschöpflich reichem Bronnen,
Und endlich findet auch dein Mund
Ein Tröpfchen Wahrheit auf dem Grund.
Es regt und schüttelt ihre Schwingen
Die Phantasie, dir wird erklingen
Die Leier, die im Arm du trägst,
Und wenn du nur nach Gold nichts frägst,
Wird dir, was du dir wünschst und denkst,
Wenn du dies Glas in Freuden schwenkst.«

»So wünsch' ich bei dem ersten Schluck,
Daß sich mit diesem Händedruck,
Mit dem ich dir von Herzen danke,
Ein magisch Bündnis um uns ranke,
Daß deines Geistes Weh'n und Weben
Mich finden möge und umschweben,
Und Welterkenntnis, Lebenslust
Erleuchte Stirne mir und Brust!«

»Ich könnte dich bescheiden nennen,
Wär' selbst ich in der Kunst zu Haus,
So muß ich wenigstens bekennen,
Du drücktest dich recht höflich aus.
Was Dummes war's nicht, was du dachtest,
Und auch nicht grade überflüssig,
Denn niemals wird dir überdrüssig,
Was du mit heitrem Blick betrachtest.
Der Narr ist doch der wahre Weise,
Der glückliche und kluge Mann,
Der über alles laut und leise
Von ganzem Herzen lachen kann.
Ich gebe mich der Hoffnung hin,
Daß dir mein philosoph'scher Sinn
Wie ein Kontagium eingeimpft,
Auf das man naserümpfend schimpft,
Weil's übel im Geruche steht,
Und dir der eingetriebne Schalk
Philisterhaft mit Chlor und Kalk
Nun nicht mehr zu vertreiben geht.«

Warum macht nur kein andrer Trunk
So trunken wie ein Abschiedstrunk?
Das macht wohl, weil das Herz mittrinkt,
Der Fuß, der ungern weggeht, hinkt,
Und schwerer wird's in Brust und Kopf,
Und immer länger wird der Zopf,
Mit dem man sich zusammenbindet
Und gar kein, gar kein Ende findet,
Sich immerfort Valet zu sagen
Und nochmal Hand in Hand zu schlagen.
Doch ist das trennende Geschick
Den Pilgern dieser Welt gemein,
Und ein gewisser Augenblick
Muß doch einmal der letzte sein,
Wo eine Trän' im Auge bebt,
Denn weinend scheiden oftmals zwei,
Die beide lachend doch gelebt.
Und welches ist nun Narretei,
Ist es das Lachen? ist's das Weinen?
Läßt sich denn beides nie vereinen?
Ein heitres Auge und ein nasses,
Können den Inhalt eines Fasses
Im Stern nicht spiegeln gleicherzeit?
Ist eins vom andern gar so weit?
Die Träne, die im Auge lacht,
Das Lachen, das dich weinen macht,
Ist besser, als wenn Lachen scheint
Durchs Auge, das in Strömen weint.
Wir beide haben da vereint
In Leid gelacht, in Lust geweint,
Das Herz ward voll, der Becher leer,
Allmählich war der Dämmrung Meer
Vom tiefen Tal herauf gezogen,
Und wieder kam heran geflogen,
Wie damals zur Johannisnacht,
Von Fledermäusen eine Schar,
Als ob von einer fremden Macht
Sie Botschaft trügen wunderbar.
Sie kreisten wieder nah und näher
Um Eulenspiegel, der den Späher,
Wie damals, auf ihr Treiben machte,
Stumm ihr Verhalten überwachte
Und ihnen lauschte. »Komm, sprach Till,
Zu jener Klippe dort, ich will
Von ihrem vorgestreckten Rand
Noch einmal schau'n das weite Land;«
Und als wir oben angekommen
Und sah'n die Tiefe dunstverschwommen,
»Bei meinem Kauz! der rechte Ort!
Hier ist es hell und dunkel dort,
Wenn einer hier den Anlauf nähm',
Er wüßte nicht, wohin er käm'.
Was ist denn nun für alt und jung
Der Abschied? nichts, als so ein Sprung
Ins Unbekannte. Jetzt steh' fest!
Fahr wohl! und – Lachen ist der Rest!«

Wahrhaftig! dacht' ich's doch! er sprang,
Und aus den Klippen aufgescheucht
Fuhr eine Eule, wie mich deucht,
Und schwebt' hinab, und jetzt erklang
Von Felsenwand zu Felsenwand
Ein schmetternd Lachen, wie's zu Land
Till Eulenspiegel nur verstand.

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