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Tiere, Menschen und Götter

Ferdinand Ossendowski: Tiere, Menschen und Götter - Kapitel 48
Quellenangabe
authorFerdinand Ossendowski
titleTiere, Menschen und Götter
publisherFrankfurter Societäts-Druckerei G. m. b. H. Abteilung Buchverlag
yearo.J.
printrun71.-80. Tausend
editorWolf von Dewall
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180430
projectidca6e1c21
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45. Kapitel.
Die Vision des Lebenden Buddha vom 17. Mai 1921

»Ich betete und sah, was den Augen des Volkes verborgen ist. Eine weite Ebene, die von Bergen umgeben war, lag vor mir. Ein alter Lama trug einen mit schweren Steinen gefüllten Korb. Er konnte kaum von der Stelle kommen. Da erschien von Norden ein Reiter, der weiße Gewänder trug und auf weißem Pferde saß. Dieser ritt an den Lama heran und sagte zu ihm:

»Gib mir Deinen Korb. Ich werde Dir helfen, ihn zum Kure zu tragen.«

Der Lama übergab ihm seine schwere Last. Aber der Reiter konnte sie nicht bis zu seinem Sattel heben, so daß der alte Lama den Korb wieder auf seine Schulter stellen und, unter seinem schweren Gewicht gebeugt, den Marsch fortsetzen mußte. Dann kam von Norden ein zweiter Reiter. Dieser hatte schwarze Gewänder an und ritt auf einem schwarzen Pferde. Auch er näherte sich dem Lama und sagte:

»Wie dumm! Warum trägst Du diese Steine, wo sie doch hier überall auf dem Boden umherliegen?« Mit diesen Worten stieß er den Lama mit der Brust seines Pferdes um, daß alle Steine auf den Boden fielen. Als die Steine die Erde berührten, wurden sie zu Diamanten. Da stürzten sich alle drei nieder, sie wieder aufzuraffen. Aber keiner von ihnen konnte sie von dem Boden lösen. Verzweifelt rief der alte Lama aus:

»O Götter! Mein ganzes Leben habe ich diese schwere Last getragen, und jetzt, wo nur noch eine so geringe Wegstrecke übrig geblieben ist, habe ich sie verloren. Helft mir, große, gute Götter!«

Plötzlich tauchte ein zitternder alter Mann auf. Er tat alle Diamanten ohne jede Schwierigkeit in den Korb zurück, wischte den Staub von ihnen ab, hob die Last auf seine Schulter und machte sich auf den Weg, indem er zu dem Lama sagte:

»Ruh' Dich ein wenig aus. Ich habe gerade meine Last ans Ziel getragen und freue mich, Dir beim Tragen der Deinigen helfen zu können.«

Die beiden setzten den Marsch fort und waren bald außer Sehweite. Währenddessen begannen die Reiter miteinander zu kämpfen. Sie fochten einen ganzen Tag und eine ganze Nacht. Als die Sonne über der Ebene aufstieg, war keiner von ihnen, weder tot noch lebendig, zurückgeblieben. Sie hatten keinerlei Spur hinterlassen.

Dies habe ich, der Bogdo Hutuktu Khan, in einer Unterredung mit dem Großen und Weisen Buddha, der von den guten und bösen Dämonen umgeben war, gesehen! Weise Lamas, Hutuktus, Kampos, Marambas und Heilige Gheghen, gebt die Antwort auf meine Vision!«

Dies wurde in meiner Gegenwart am 17. Mai 1921 nach dem Diktat des Lebenden Buddha niedergeschrieben. Ich weiß nicht, was die Hutuktus und Gheghen, die Wahrsager, die Zauberer und Priester mit dem Zweiten Gesicht geantwortet haben. Aber liegt die Antwort nicht klar zutage, wenn man über die gegenwärtige Lage Asiens nachdenkt?

Das erwachende Asien ist voll von Rätseln; aber es ist auch voll von den Antworten auf die Fragen, die von dem Geschick der Menschheit gestellt werden. Dieser große Kontinent mysteriöser Hohenpriester, Lebender Götter, Mahatmas und Leser des furchtbaren Buches Karmas wacht auf, und der Ozean von Hunderten von Millionen menschlicher Leben wird von riesigen Wellen gepeitscht.

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