Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Tiere in Ketten

: Tiere in Ketten - Kapitel 21
Quellenangabe
pfad/weiss/tiereink/tiereink.xml
typefiction
authorErnst Weiß
titleTiere in Ketten
publisher Kurt Wolff Verlag
printrun11.?21. Tausend
year1922
firstpub1918
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101230
projectid2c82630d
Schließen

Navigation:

Zehntes Kapitel

»Was hast du, was willst du, warum weinst du, Olga?«

»Fort, fort, Franz, Franz!«

»Ich verstehe dich nicht! Was soll das, Franz? Wer ist das, Franz? Ein Name für Kutscher ... ich kenne das nicht. Olga, komm zu dir! Ich bitte dich, besinne dich, nimm Vernunft an, was fehlt meinem Liebling?«

Flüsternd entquoll es ihr: »Komm und hilf mir! Hinter mir war einer her, bis aufs Genick springt er mir, den Hals würgt er zusammen. Komm und hilf mir!

Komm und hilf mir!

Komm und liebe mich!«

»Gott ist mein Zeuge, ob ich dir helfen will, gegen jeden und immer. Gott allein weiß, ob ich dich liebe und wie sehr. Mehr als das, ich will dich heiraten. Aber ein ernstes Wort. Du bist nicht mehr die gleiche. Seit dem Sommer bist du nicht mehr die Olga von früher. Das müssen böse Träume sein, die dich verfolgen. Auch ich schlafe nicht zum besten, es scheinen Mäuse da zu sein in diesem gesegneten Haus, bei Nacht höre ich sie scharren und schaben, mag sein, ein Mäuschen ist dir nachts über den Nacken gehuscht. Aber auch bei Tage finde ich dich leider verändert seit deiner Reise, immer beschäftigt, immer alle Hände voll zu tun, in der einen Hand den Rosenkranz, in der anderen die Zigarette. Sollte das in Zusammenhang stehen mit dem Franz, von dem du sprichst, so laß dir raten, laß ab von dem! Ich weiß, er hat dir etwas mit Geld unterschrieben, aber das ist meine Agenda. Das Geld ist nicht verloren, ich werde es dir bringen, du brauchst nicht zu weinen. Und vom persönlichen Verkehr mit Schuldnern, und gar mit solchen, kann nie die Rede sein. Wir werden mahnen, bis sie schwarz werden, und pfänden obendrein. Du hast doch mich, und ich habe dich! Dein Geld – mein Geld, das ist unser Wahlspruch. Sieh mich doch an, bist du böse auf mich, du Herzenslieb, Herzensdieb? Was soll dir Franz? Was soll dir das Haus dort, die Hölle auf Erden? Ich bin dein Franz! Er ist der Judas. Hier hast du den Himmel auf Erden. Da ...« Er zog sie an sich, küßte plötzlich ihren Mund, er stieß die ganze Gewalt seiner schlaffen Lippen, seiner brüchigen Zähne, seine ausgeleierten Kiefer gegen ihren kleinen, dunklen, harten, roten Mund: Schmerz, Liebkosung, Befreiung!

Rauschend schwang sich ihr das heiße Blut in die Lippen, die Hitze verzitterte in den sich lösenden Lefzen, den flackernden, den feuerbewegten.

Sie riß den Doktor herab zu sich, preßte ihn an ihre hohe, schwere Brust, so daß seine goldene Kette ihr die starrenden, jungfräulichen Blüten süß schmerzlich umfaßte.

»Komm, liebe mich!

Warten darf ich nicht mehr, warten laß mich nicht mehr!«

Sie knöpfte ihn los, sie machte ihn frei, sie schlang sich um ihn. Gerankt um ihn, schaukelte sie auf dem dunklen Boden hin und her, weiß mit strahlendem Körper, über sich seine gelbgebeizten Glieder, seine abgezehrte, herzklopfende Brust, seine mit roten Wundmalen gestrichelten Arme.

»Das muß es sein! Jetzt bleib bei mir und liebe mich! Liebe mich einmal für tausendmal, liebe mich zu Tod! Ich will nicht ruhen, ich will nicht schlafen, du bist der Doktor, der gute, der hilft. Hilf mir, liebe mich!

Der alten Zigeunerin hast du geholfen, die Zigeunerin ist einarmig und mager und dürr und giftig wie Grünspan, vergiftet im Blut, aber ich bin noch jung, ja, komm nur näher zu mir, näher das Köpfchen, Franz, näher den Mund und alles, aber du bist ein Richard, kalt wie Stein.

Nein, liebe mich, wie du bist, in Kleidern und in Schuhen, nur komm!«

»Aber Olga, was soll das? Ich bin kein Franz, mein Haus ist kein Haus 37. Zärtlichkeiten am hellen Tag? Komm zu dir! Laß mich los! Du bist nicht bei dir! Das ist nicht Eros, das ist Alkohol! Ich weiß, du hast, und noch dazu weit über dem landesüblichen Preis, Schnaps gekauft, fünfzigliterweise ... eine Dame wie du!«

Schon hatte er sich, in seinen schlotternden, hängenden, weiten Kleidern, gerettet in die Ferne, sich in den Winkel bei der Kasse geflüchtet.

»Olga, komm zu dir! Was bedeuten diese glühenden Äuglein, was sagt diese heisere Stimme? Das ist Aranka! Aranka verbrennt dir die Kehle, die zarte, du bist doch ein junges Mädchen, Aranka ist aber für Kutscher und für Köhler, für ausgepichte Kehlen!«

»Komm zu mir, liebe mich!«

»Laß mich nur, wo ich bin. Ich kann dir auch von hier sagen, was ich für dich fühle. Weißt du das heute noch nicht?«

»Küsse mich, liebe mich!«

»Sieh, Olga, so lange Jahre haben wir zusammengelebt, haben gemeinsam die schwere Bürde des Lebens ...«

»Dann Geld!«

»Uns getröstet über vieles unverdiente Leid ...«

Sie hatte sich aufgerafft. Mit nackten Armen, tief an den Ellbogen die Schulterbänder des Hemdes, rings berührt und gestreichelt von den zart gezackten Spitzen, klopfte sie an die Türe der eisernen Kasse, die dumpf dröhnend widerhallte.

»Und Geld? Wozu?«

Sie kam zu ihm, halb nackt, elfenbeinfarben, grün überhaucht im Widerschein der Bäume, deren Smaragdglanz durch die fahlen Rolläden funkelte.

Er wich zurück, sie schlich ihm nach, unhörbar, auf bloßen Sohlen.

Eine Welt, von Dämonen ruhelos gehetzt, ihm nach, dem guten Herrn des bürgerlichen Hauses.

»Statt Liebe Geld! Für Geld Liebe! Es ist für dich, damit du stärker wirst! Für mich auch: Frieden kaufen , beim lieben Gott. Du weißt es selbst, er droht uns, nicht umsonst! Wir müssen beide zahlen, Geld und Gulden. In die Kirche muß dein ganzes Geld, ich habe es versprochen, du mußt es halten, früher wirst du nicht gesund, früher hast du nicht für einen Kreuzer Kraft. Halte dir nicht die Ohren zu, du weißt, es muß sein, zu lange schon hast du gewartet und auch ich! Da, höre, wie es spricht!«

Sie faßte ihn bei der Gurgel, pochte, wie vorhin, an die Kasse, an den knöchernen, hohlen Bau seiner abgemagerten Kehle.

»Hörst du es? Da schütten sie schon Erde auf den hölzernen Sarg, aber noch ist es Zeit. Abgezehrt bist du, weil du nie etwas in die Kirche trägst und nichts in deinen Tempel!«

Sie zog ihm das Hemd, das er eben geschlossen, an der Brust weit auseinander, sie zeigte ihm seine zitronengelbe Haut, die langen Wundmale.

»Da! Das sind nicht die Mäuse, die kratzen und schaben die ganze Nacht, das bist du selbst. Das bist du nicht selbst, das ist Gottes Reibeisen, das dich kratzt.

Süße Worte hast du, deshalb hat er dich geschlagen mit deiner süßen Krankheit!«

Sie riß an seinen Lenden, die kraftlos und eisig schlotterten in seinem schweißfeuchten Gewande.

»Da! Weißt du es, du Richard, da hat er dich angeflucht! Weißt du es?«

»Nichts weiß ich, du Unverschämte! Mich! Mich soll jemand anfluchen!«

»Oh, dich nicht allein, aber dich auch! Nein, das ist ein gesegnetes Haus? Du mußt nicht wachen in der Nacht und brauchst nicht zu schlafen am Tag? Nein, du kannst mich lieben, zehnfach und tausendfach, wenn du mich so lieb hast zum Heiraten? Aber statt der Liebe kannst du mir Geld geben, das ist gut. Geld gib, du kannst es nehmen, bist ein guter Nehmer, aber in die Grube führst du es doch nicht. Zittere nicht, komm nur zu mir! Ich werde es dir sagen, das große Geheimnis: mich hat es auch verflucht. Schon lang ist es hinter mir her, im Heilbad ist es gekommen, in der Kirche, wie ich gekniet bin am Boden, da hat es sich auf mich gewälzt. Ich habe an dich gedacht, ich weiß, du bist gut zu mir, an das Haus hier hab' ich gedacht, ich weiß, es ist schön für mich, an alles hab' ich gedacht, aber alles hilft nichts, es ist hinter mir her und bleibt hinter mir her, denn es hat mich angeflucht. In der Bahn, da läßt es auch nicht von mir, es fährt im Expreßzug, und hier, da schlägt es mich mit dem Silberleuchter, und zerstampft mich in dem Kupfermörser, dem großen, und in der Kirche war keine Hilfe und bei der Fabrik war das Begräbnis so schrecklich, alles verfault und verwest. Komm, leg' deinen Kopf zwischen meine Knie und hör' mich an, was ich dir sagen muß. Es ist zwar hier alles verflucht, aber es wird nicht so bleiben, glaube mir! Gib mir das Geld, alles was du hast, hunderttausend und noch, und wir werden es einheiligen, hier in der Kirche oder dort am Ort, dort war alles immer besser, aber ich komme dann wieder zurück zu dir, du wirst gesund sein und wir werden gut leben und lange leben. Ich bringe dir auch einen Rosenkranz, das wird dir gut tun, glaube mir! Das riecht so fein vom Duft des Libanon, das ist auch für dich, das ist aus dem jüdischen Königreich! Bleib bei mir und liebe mich! Bete mit mir, ich werde dich es lehren, da die Hände zusammen, zusammen die beiden mageren Hände, und jetzt die goldene Kette gebunden darum und jetzt, mein Richard, sprich nach und fürchte dich nicht: Vater Gottes, im Himmel, allgütiger Jesus, Vater der Gnaden ...«

»Olga!«

»Nein, du mußt nur bitten und beten! Sonst sind wir fertig und verloren, beide! Für beide die Litanei, für beide das Geld!«

Sie nahm ihm, der mit goldgebundenen Händen in ihrem Schoße lehnte, den Schlüsselbund aus der Hosentasche und rüttelte schon an dem verwickelten Schloß der Eisenkasse, als er erwachte.

»Halt, Olga, keinen Schritt weiter!«

»Du willst also nicht?«

»Beten, soviel du willst, Geld in deinem augenblicklichen Zustand, nein! Entweder bist du geistig gestört oder es spricht der Alkohol aus dir! An etwas anderes glaube ich nicht!«

»Du glaubst nicht an Gott!«

»Dein Gott ist, ich weiß, wer das ist! Wohin das Geld käme, weiß ich auch. Ich habe nein gesagt, dabei bleibt es.«

»Aber es bleibt dir nicht. Was willst du denn mit deinem Geld! Ist es nicht Wuchergeld? Du asiatischer Wucherer, was soll es dir? Du wucherst dich ja zu Tod! Drei Prozent Zucker hast du, gut angelegt bei unserem Herrgott, daraus werden 10 und 100 und 1000!«

»Das ist meine Sache. Außerdem ist es Verleumdung, Lüge, Ehrabschneider«. Mit solch einer Person will ich nichts zu tun haben. Willst du fort, so geh! Dort ist die Türe! Ich bin kein Profoß, aber vielleicht brauchst du einen bald.

Ich weiß jetzt, was du willst. Ich verstehe, meine allerliebste Olga, was diese aufgeregte Szene bedeutet. Ich kenne dein Theater und deine Schliche! Der allerliebste Franz ruft dich, der Herr Mädchenagent, der lockt dich! Mit ihm willst du beten, dorthin soll das Geld wandern. In die Kirche 37 soll mein Vermögen einfließen, ja, kenne ich dich nicht? Ich kenne auch ihn, so sage ich es dir heute: mit Haut und mit Haaren wird er dich verschlingen, du arme Seele. Dein eigenes Geld, das du dort liegen hast, wirst du nicht kassieren, aber dich selbst wird er kassieren, glaube mir! In drei Tagen, mehr minder, wird das gute Leben ein Ende haben, vielleicht dein Leben ganz und gar, früher noch als das meine. Er saugt dich aus, schon wartet er auf dich, der lebende Schmutzfleck, er rennt herum, der ehrlose Schuft, du sollst ihn mit meinem Geld auslösen aus dem Versatzamt, wo er dunstet in tausend Ängsten, der Lump!

Aber warte nur, du wirst nicht viele Vaterunser gebetet haben bei ihm, und er jagt dich fort wie das erstemal. Alles weiß ich, denn ich bin dir gut. Abgezehrt und abgezottelt seh ich dich nach Hause pilgern.

Ja, in der ganzen Gegend weit und breit kennt man den Mann, niemand nimmt von dem auch nur etwas geschenkt, aber du, mehr verblendet als schlecht, du bringst ihm noch etwas, mit dem ganzen schweren Geld lieferst du dich ihm aus. Was willst du eigentlich? Ich bin nicht mehr jung, er ist auch über seine Blüte weit hinaus, und du bist auch kein Kind mehr!«

»Bin ich kein Kind, so gib mir, was mir gebührt.«

»In der Ecke stehen gebührt dir, aber kein Geld! Olga, Olga, fesseln sollte man dich, denn du bist nicht zurechnungsfähig!«

»So fessle mich doch!« flüsterte sie und hielt ihm ihre schwellenden weißen Arme hin.

»Olga, wer weiß, was er mit dir gemacht hat!«

»Aber ich weiß es ja. Ich war ja dort, 100 Jahre und noch!

Dort ist es schön, dort ist es gut.

Dort hat mich einer viel geliebt, ich ihn aber noch mehr, dort ist kein verrufenes Haus. Dort ist ein gesegnetes Haus, dem habe ich viel Glück gebracht und Geld! Was das ganze Haus wert ist, ich habe es verdient. Ihm, weißt du, ihm habe ich Glück gebracht, aber er heißt auch Franz! Dir hab' ich kein Glück gebracht, deshalb bist du so schwach und krank, gut ist an dir nur das Herz, aber er!«

»Olga, ich danke dir. Ich weiß, du schätzt mich, so wie ich dich schätze. Deshalb sage ich dir das nicht um meinetwillen, denn was soll mir noch das Leben, aber um deinetwillen: Warte, bleib noch, in kurzem hast du es dir überlegt, in einer Nacht, in einem Traum wendet es sich dir ganz anders als jetzt! O Gott, was kann ich noch sagen, was kann ich noch erfinden? Olga, du Gute, ich warne dich, ich flehe dich an um Gottes willen, bei dem himmlischen Vater, an den wir beide glauben!«

»Was weißt du von Gottes Willen? Warst du im Pferdebegräbnis wie ich? Was weißt du, wo ich bin in der Nacht? Wohin es mich jagt und hetzt? Ich weiß etwas, das heißt: gräßliches Leiden, davor hab' ich Angst, da hilft nur er. Er weiß alles im voraus, von dem toten Vieh weiß er, das man hinwirft, wenn es alt ist und niemand begräbt es, so liegt es unter dem Feld.«

»Olga, ich verstehe dich nicht, nein, Olga, ich verstehe alles, denn ich liebe dich, anders als er, aber mehr! Ich schlage dir nichts ab, bitte dich nur um das eine, warte ab, eine Woche, drei Tage. Jetzt kommen auch höchstens dreitausend für dich in Betracht. Das ist dein Depot, auf Ehre und Gewissen! Ich weiß nicht einmal, ob ich soviel in der Kasse da habe. Wer war denn auf das gefaßt?

Bleibe, bis du ruhiger geworden bist, bis sich alles geklärt hat. Ich will alles tun, selbst über einen neuen Glauben können wir gegebenenfalls reden. Alle guten Menschen haben den gleichen Glauben. Und dann, was auch nicht zu verachten ist, das mindest zehnfache, also 33 000 in bar und sicheren Papieren, bekommst du. Nach meinem Ableben hast du völlige Freiheit. Ich will das Wort Tod nicht fürchten, also, wenn ich tot bin, heiratest du, wen du willst, wer deiner wert und würdig ist, auch einen Offizier, nur diesen nicht, das ist ja nur der schäbige Schatten eines Offiziers, das ist der blutige Auswurf der militärischen Menschheit!

Ich, ich liebe dich! So wahr ein höheres Wesen im Himmel lebt, du bist meine erste, meine einzige Liebe.

Ein Mann in meiner sozialen Stellung spricht nicht von seinen Gefühlen, er hat Takt, er bewahrt Haltung. Aber das kann ich dir sagen, ich allein meine es gut mit dir! Nein, Olga, nein, laß mich nicht umsonst an dich, an deine besseren Instinkte appellieren. Tue es mir, tue es dir zuliebe, bleib!«

Er ging zum Sofa, begann zu schluchzen, nach einer Weile kam er zurück, legte die Hände um ihr Gesicht.

Sie aber fühlte seine kalten Hände nicht.

Sie hörte seine flüsternd singende Stimme nicht.

Sie ahnte seine aufgelöste, menschliche Erscheinung nicht.

Seine Liebe drang nicht ein in sie, und sie fühlte nicht, ob er da war, oder fern im Zimmer umherschlich, an den Wänden getastet, wie ein Stück Tapete, grau und gebraucht über die Zeit.

Vorausahnend den geliebten, den wirklichen Duft des einzigen, des nie vergessenen Hauses; im Kirchenduft der verkrümelten Sandelholzperlen ihres Rosenkranzes tief aufatmend vom Grunde des Lebens, löste sie ihre aufzitternden Lippen, ihr aufschlagendes Herz in stärkster Süßigkeit von innen her. In mächtigen Stößen saugte sie heiße Süßigkeit in ihren kleinen Mund, unabsehbar ahnte sie die Wollust, aufgespeichert auf der Mittagstraße, die hinführte im gleißenden Mittagsglück zu ihm und Ihm.

Die Sonne brach hoch herab zwischen ihren ruhenden, ausgestreckten Füßen, ein schwerer, verdichteter, silberner Strahl.

Stumm breitet sie die Hände aus nach dem Geld. Es wie eine eiserne Last nach der Kirche zu tragen, es im Weihwasser, im Wehwasser zu waschen und zu baden, sich selbst zu reinigen im heiligen Naß, dem endlichen, dreimal heilenden Bade , in seinen Händen abzuwaschen den Schmutz des vergangenen Lebens, den grünen Kupferdunst auszuräuchern im blauen Nebel des Weihrauches, einzugehen, selbst ein Gast , in das große, kühle, heilige, heilende Haus.

So ließ sie sich denn fallen, rauschte weich auf dem Boden zusammen; die Beine rings um sich geschlungen, süß berührte sich Glied mit Glied, nackt und glatt unter der Seide: und aus den Falten, tief ringsum gewellt, leuchtete Olympias weißes Gesicht empor, die niedrige, faltenlose, elfenbeinfarbige Stirn, die schwarzen Augen, ruhig glühend über dem himbeerfarbenen Mund, der in der Spannung der Sekunde, angespannt wie ein Muskel vor dem Sprung, zitterte in seinen Furchen.

Der Mann stand in der Ecke, drückte sich, niedrig wie die Kasse, mit aller Gewalt gegen die Eisenkiste. Seine unsicheren Hände versuchten das Schloß zu öffnen, Olga ihren Teil am Gelde zu geben, und in Ungeduld knirschte er mit den Zähnen, so gut es sein schadhaftes Gebiß erlaubte.

 << Kapitel 20  Kapitel 22 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.