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Thomas Münzer und seine Genossen. Erster Band: Die neue Zeit - Ritter und Bauer

Ludwig Köhler: Thomas Münzer und seine Genossen. Erster Band: Die neue Zeit - Ritter und Bauer - Kapitel 15
Quellenangabe
authorLudwig Köhler
titleThomas Münzer und seine Genossen. Erster Band: Die neue Zeit - Ritter und Bauer
publisherVerlag von Joh. Ambr. Barth
year1845
correctorreuters@abc.de
senderWilfried Pieroth
created20170824
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IV.

In einer einsamen Waldschenke saßen mehrere bewaffnete Kriegsleute und sprachen den weingefüllten steinernen Krügen wacker zu. Es waren wilde trotzige Gesichter, besonders der Eine von ihnen, der ihr Hauptmann zu sein schien. Diese riesige Gestalt, dieser dunkle Bart, diese blutrothe Narbe sind uns schon einmal im Laufe unserer Erzählung begegnet, und so verrathen wir denn dem geneigten Leser, daß es Ritter Wolfenzahn war, der nebst seinen Getreuen in der einsamen Herberge auf die Ausführung irgend eines Schurkenstreiches wartete. Das Verhältnis des Raubritters zu seinen Reisigen war ein ziemliches vertrautes; er saß mit ihnen an einem Tische – einen andern Raum bot freilich die Herberge nicht – schwatzte mit ihnen und trank mit ihnen.

Der Wirth, eine kleine zusammengekrümmte Gestalt mit verschmitztem Gesichtsausdrucke, schien ebenfalls ein genauer Freund der ehrsamen Brüderschaft zu sein. Die gefüllten Kruge stellte er stets mit irgend einer lustigen Bemerkung vor seine Gäste, der Ritter selbst nannte ihn seinen Kumpan, obwohl sein graues Haar bezeugte, daß er mindestens der Vater des noch in voller Lebenskraft stehenden Wolfenzahn hätte sein können.

Wolfenzahn hatte mit dem linken Arm eine schlanke, schwarzäugige Dirne umschlungen, deren Reize dem neugierigen Auge eben nicht allzu verhüllt lagen; schäkernd suchte er mit der Rechten den vollen Krug an ihre Lippen zu bringen. Sie sträubte sich lachend. »Wollt Ihr denn ein trunkenes Liebchen haben, Heer Ritter?« fragte sie scherzend. »Ich würde ja die Süßigkeit Eurer Küsse nicht mehr fühlen, wenn Ihr mir diesen Essig zu kosten gäbt!«

»Diesmal hast du ein wahres Wort gesprochen, Mädchen!« lachte der Ritter. »Hörst du's, Kuno? Essig nennt sie deinen Wein, und straf' mich Gott, sie hat nicht Unrecht!«

»Ihr liefert ihn ja nicht besser!« versetzte der Wirth trocken.

»Hast wieder Recht, Kumpan!« sagte jener. »S'ist halt eine böse Zeit! Sonst war's anders, Kuno, als du noch Schwert und Lanze führtest. Wie lange ist's doch her?«

»Sechs Jahre!« antwortete der Wirth.

»Es mag wohl sein! Damals warst du noch nicht so ein nichtsnütziger Graukopf wie fest. Schlugst noch tapfer drein, trotz des Jüngsten. Das beste Gewächs führten wir im Keller, kein Tropfen Wasser kam über unsere Zunge. Es war dir zu wohl. Du verlangtest deinen Abschied, wolltest deine alten Tage in Ruhe und Frieden zubringen. Ich glaube, du hattest Respect vor der Seilerstochter, denn der Graf, mein hoher Patron, setzte uns damals heiß zu. Nun, ich gab dir den Abschied –«

»Ich kaufte mir diese Schenke, und habe nun die Ehre, meinen gestrengen Herrn Hauptmann zu bewirthen;« fügte Kuno hinzu.

»Und bist uns so nützlicher als du es unter'm Harnisch sein würdest!« meinte der Ritter. »Bist gewaltig zusammengeschrumpft; ich glaube nicht, daß du noch einem Krämerbuben den Garaus machen könntest, es sei denn durch deinen Wein.«

»Wo hast du denn die schmucke Dirne her?« fragte einer der Reisigen, dessen rothes Haar uns leicht den Landsknecht Lehnhardt erkennen läßt.

»Sticht sie dir in die Augen?« lachte der Wirth. »Da finde dich mit dem Ritter ab; dem gehört sie, wie sie da geht und steht. S'ist ein Zigeunerkind! Aber laß dir sagen, Kamerad: nimm dich fein zusammen, wenn du den Liebesritter machen willst! Die schmucke Ricca ist einst aus einer Feuersbrunst gerettet worden, seitdem hat sie einen unüberwindlichen Widerwillen vor Bränden.«

Die Anspielung veranlaßte ein wieherndes Gelächter der zechenden Gesellen; Wolfenzahn fragte nach der Ursache, und Lehnhardt antwortete mit trocknem Ernste: »Der alte Schelm da gestand mir eben, daß er eine äußerst feine Nase für Brandgeruch habe, indem er alle Tage fürchte, als zäher Braten in des Teufels Küche geliefert zu werden.« Diesmal lachte man auf Kosten des grauen Wirths, der gute Miene zum bösen Spiele machte. »Laß dich mit dem Rothen nicht ein!« warnte der Ritter lächelnd. »Der bezahlt mit baarer Münze, und seine Zunge trifft besser, denn des heiligen Vaters Bannstrahl.«

»Sagt mir doch, Ritter, welche Religion habt Ihr?« wandte sich Lehnhardt an Wolfenzahn. Ich hab's noch nicht klar kriegen können, wenn schon ich mir alle Mühe gab.«

»Wärst du ein Pfaffe, du hättest es längst gerochen!« erwiederte der Ritter. »Ich frage nach dem Papst so viel als nach dem Luther, das will sagen, nach Beiden gar nichts, und mir ist's wahrlich all' eins, ob ich einem rechtgläubigen Christen oder einem Ketzer den Seckel leere.«

»Da seid Ihr meiner Religion!« sagte Lehnhardt »Ich halt' es auch so und hab' es immer so gehalten. In Freundes und Feindes Land – ich griff überall zu. Damals hieß freilich das Zugreifen anders, als bei Euch; es hat da einen gewaltig häßlichen Namen, der Einem Halsweh macht. Im Grunde aber ist's gleich, und ich lobe mir das lustige Leben! – Euer Schätzlein schmollt, Herr Ritter! Ihr kos't nicht genug mir ihm!«

»Will's schon wieder trösten!« lachte Wolfenzahn. »Wenn wir die Beute haben, läßt sich bequemer küssen. Der Krämer läßt lange warten. Die Kundschaft ist doch auch richtig?«

»Richtig, so wahr ich lebe!« betheuerte Kuno. »Drei beladene Saumthiere und nur zwei reisige Knechte.«

»Bah, und wenn's ihrer hundert wären!« trotzte Wolfenzahn. »Weißt ja noch aus alter Zelt, das wir nicht erst lange zählen, auf wie viel wir einzuhauen haben. Frisch drauf und dran, und's ist immer geglückt.«

»Was wird aber der gestrenge Graf sagen, wenn Ihr wiederum über die Schnur haut?« meinte Kuno.

»Was er immer gesagt hat!« war die Antwort. »Er wird drohen und's dabei bewenden lassen. Die Ritterschaft muß heut zu Tage zusammenhalten; das weiß er und wird klug sein! Sonst könnte leicht geschehen, daß des Adels Regiment ein Ende hätte und das gemeine Volk sich hinaufschwänge.«

»Und das wäre doch ein entsetzlicher Schaden!« meinte Lehnhardt ironisch.

»Die Welt stünde auf dem Kopfe!« entgegnete der Ritter, ohne den geheimen Spott zu bemerken.

»Was für Bewandtnis hat's denn mit dem Franz von Sickingen?« fragte Einer. »Alles Volk spricht ja von ihm, und er soll sich zusammengethan haben mit allen adeligen Herren –«

»Der Sickingen ist ein guter Degen!« entgegnete Wolfenzahn. »Da wäre schon Ehre dabei, es mit ihm zu halten. Aber so lange ich auf eigenen Füßen stehen kann, will ich mich nicht an Andere lehnen. Ich lebe und sterbe für mich; was ich thue, geschieht für mich, und ich will's mit keinem theilen, weder freiwillig noch gezwungen.«

»Da habt Ihr Recht!« sagte Lehnhardt. »Willig theile auch ich mit keinem und wenn's mein Herzensbruder wäre!«

»Auch nicht deine Schönheit?« fragte der Wirth.

»Die am allerwenigsten! Wenn aber der Teufel dich mir zum Geschenke vermachte, so würd' ich dich nicht nur mit meinem ärgsten Feinde theilen, sondern ich würd' ihn um Gottes willen bitten, dich ganz zu nehmen; denn einen größeren Tort könnt' ich ihm doch nicht anthun!«

Dem grauen Wirth, der sich wiederum schmählich geschlagen sah, kam die Ankunft des ausgeschickten Boten erwünscht, der eben athemlos in's Gemach trat. Alle erhoben sich, vor Allen Ritter Wolfenzahn, der mit ungeduldiger Hast fragte: »Nun?«

»Sie ziehen heran!« antwortete der Bote. »Alles, wie Kuno gesagt hat. Kaum zehn Steinwürfe von hier.«

»Dann haben wir keine Zeit zu verlieren!« sprach der Ritter. »Auf, Gesellen! Auf Wiedersehen, Ricca! – Die Rosse stehen doch an ihrem Ort?«

»Alles, wie Ihr befohlen!« grinste Kuno. »Die Heiligen seien mit Euch!«

»Die Heiligen haben mehr zu thun, als sich um uns sündige Menschenkinder zu bekümmern!« lachte Wolfenzahn. Die Männer verließen die Schenke und schlugen einen kaum bemerkbaren Pfad in den Wald ein. Das braune Zigeunermädchen schaute den Abziehenden durch das geöffnete Fenster nach.

»Nun, du schönes Heidenkind,« scherzte der greise Wirth, »wenn du getauft wärest und eine Schutzheilige hättest, so könntest du für deinen Ritter beten.«

»Er ist stark und tapfer,« antwortete das Mädchen; »mir ist nicht bang um ihn!«

»Du hast's wohl in seiner Hand gelesen?« fragte Kuno. »Ihr sollt dergleichen Teufelskunst verstehen. Sei mal aufrichtig, Kind! Bist du eine Hexe?«

»Freilich!« lachte Ricca. »Zeig' mal her die Hand! Soll ich dir wahrsagen?«

»Es verlohnt sich wohl der Mühe nicht!« zögerte der Alte. »Ich bin alt und weiß, daß ich bald sterben werde; doch soll es, hoff' ich, in Ruhe und Frieden geschehen.«

»Hast du Furcht, daß ich Böses lese?« neckte Ricca. »Ei so gieb doch deine Hand!« Zögernd that Kuno ihren Willen. Ricca schien eifrig in den verschlungenen Linien der harten, halbverknöcherten Hand zu lesen; dann sprach sie in feierlichem Tone: »Da sehe ich ein böses Zeichen. Zwei Balken und einen quer darüber. Weißt du, was das bedeutet?«

Entsetzt zog der Alte seine Hand zurück. »Heilige Mutter Gottes bitte für mich!« tief er. »Hinweg, du abscheuliche Hexe, die ich der Zauberei anklagen werde! Es soll mich in der Seele laben, wenn man dir ein Bettlein von Holz errichtet und die rothen Flammen um dich schlagen, wie der Bräutigam, der seine Braut umfängt.«

»Und ich werfe dir ein Kußhändchen zu,« neckte die Zigeunerin, »wenn du zur selben Zeit zwischen Erd' und Himmel hängst und des Seilers Tochter dich vor Liebe erstickt.«

Dem greisen Sünder überlief ein Schauer ob dieses entsetzlichen Scherzes; er schlug ein Kreuz vor sich hin und gelobte sich, ein besseres Leben zu beginnen. Ricca trällerte ein Liedchen in der Sprache ihres Volkes und drehte sich in kunstvollen Tanzschwingungen. Kuno betrachtete sie mit unheimlichem Grauen; der Ritter sollte sie mit sich auf seine Burg nehmen; denn noch eine Nacht mit ihr unter demselben Dache zuzubringen, hätte der Abergläubige nicht vermocht. –

Die Raubgenossen fanden ihre Pferde auf einem freien, von Gebüsch umhegten Platze angebunden; sie schwangen sich auf und ritten eine Strecke vorwärts, bis sie die Landstraße sahen, von welcher sie nur noch dichtes, sie verbergendes Strauchwerk schied. Sie durften nicht lange harren; schon näherten sich die beladenen Saumthiere mit den zwei reisigen Knechten. Ein Dritter, welcher der Eigenthümer zu sein schien, ritt auf einem stattlichen Rosse und war wohl bewaffnet. Wolfenzahn gab ein Zeichen, und wie der Sturm brach die ganze Schaar durch das Strauchwerk und hatte der Caravane den Weg abgeschnitten. »Ergebt Euch!« donnerte Wolfenzahn. Statt der Antwort pfiff eine Kugel an seinem Ohre vorüber.

Dies war das Signal zu einem hartnäckigen Kampfe. Wolfenzahn und die Seinen stürzten sich wie lechzende Tiger auf die unglücklichen Opfer. Einer der Reisigen fiel, aber der Kaufherr focht mit ritterlicher Tapferkeit. Unter seiner Hand stürzte einer der Raubgesellen röchelnd zu Boden; aber dies mehrte nur die Wuth der Feinde. Auch der zweite Reisige war gefallen, und der Kaufherr sah sich allein inmitten der blutlechzenden Rotte. Ein Schwerthieb Wolfenzahn's stürzte ihn vom Rosse. Bewußtlos lag er in seinem Blute.

Wolfenzahn befahl die Saumthiere nach der Waldschenke zu führen; um die Gefallenen schien er sich nichts zu kümmern. »Ich will Euch was sagen,« bemerkte Lehnhardt »schenkt dem Krämer dort noch einen Gnadenstoß. Er sollte mich dauern, müßte er am Ende an seinen Wunden ·verschmachten. Auf einen Stoß mehr oder weniger kommt's ja nicht an.«

»Kümmre dich nichts um die Todten!« gebot der Ritter. »Laß den Mann unangefochten.«

»S' wäre aber Schade um die schönen Waffen!« murmelte der ehemalige Landsknecht. »Auch trägt er vielleicht noch etwas in den Taschen, was des Griffes werth ist.« Er stieg ab und durchsuchte den Gefallenen, fand aber nichts von Bedeutung. Die Waffen nahm er zu sich. »Wär' auch besser gewesen für dich,« murmelte er, »du wärest im Lande geblieben und hättest dich redlich genährt. Gar manche Schwalbe fliegt aus und kommt nicht wieder heim.«

»Vorwärts« befahl Wolfenzahn. »Laß unserm wackern Wirth noch eine Nachlese!« Lehnhardt bestieg sein Roß wieder und folgte den Kameraden.

Jubelnd zog man in die Waldschenke ein. Die Saumthiere wurden unter Obdach gestellt und ein Knecht blieb als Wache dabei. Die Uebrigen begannen ihr tolles Zechgelage von Neuem. Die Krüge wurden gefüllt; Ricca schmiegte sich an den Geliebten, der in der heitersten Laune war. »Kuno!« rief er dem Wirthe zu. »Geh', du findest vier Todte. Bestatte sie ehrlich. Der Eine ist von den Unsrigen.«

Der Wirth entfernte sich, nahm Hacke und Schaufel aus dem Schuppen und ging nach dem Kampfplatz.

»Sag' mir doch, du braunes Heidenmädchen,« sprach der Ritter kosend, »war dir denn gar nicht bange, daß ich nicht wieder zurückkehren könnte?«

»Nein!« antwortete Ricca »Ich wußte ja, daß keine Kugel dich trifft, kein Schwert dich verletzt!«

»Woher weißt du denn das?« fragte Wolfenzahn.

»Weil ich eine Hexe bin, wie der alte Kuno sagt!« lachte die Zigeunerin. Er will mir auch gar nicht mehr Herberge geben, sondern ich soll mit dir auf's Schloß oder hinaus in den dunklen Wald. Wohin soll ich gehen?«

»Mit mir, mit mir!« rief der Ritter. »Keine Kugel treffe mich, sagtest du, kein Schwert verletze mich« –

»So lange deine Stunde nicht geschlagen hat.«

»Und wann wird sie schlagen?«

»Ich weiß es nicht; aber ich werde dir es sagen, wenn die Zeit kommt!«

»Ei, fort mit den Todesgedanken!« lärmte der Ritter. »Heute leben wir, heute wollen wir genießen! Wenn der Sensenmann auf der Schwelle steht, dann ist es noch Zeit, tiefsinnige Gedanken zu fassen. Credenze mir's, du holdes Heidenkind!«

In Lust und Jubel vergingen die Stunden. –

Kuno, der greise Wirth aus der Waldschenke verwunderte sich sehr, als er statt der vier Todten, die er auf der Wahlstatt finden sollte, nur drei erblickte. Er war sehr geneigt, an zauberische Einflüsse zu glauben, und schlug ein andächtiges Kreuz, ehe er an die Entkleidung der Leichname ging. Das feinere Gewand des Kaufherrn reizte seine Habsucht zumeist, und darum legte er zuerst Hand an ihn; erschrocken fuhr er jedoch zurück, als der Todtgeglaubte aus tiefer Brust seufzte, die Augen aufschlug und sich mit halbem Körper erhob. Kuno besann sich indes nicht lange, er griff nach seinem Spaten und erhob ihn eben, um den Wiedererwachten vollends in die andere Welt zu befördern, da fühlte er sich plötzlich gepackt, und zwei mächtige Fäuste drückten den schwächlichen alten Mann in Boden. Es war einer der Reisigen, der, als er sah, daß der Sieg auf Seite der Stegreifritter bleiben mußte, zur List seine Zuflucht genommen und sich todt gestellt hatte. Als die Sieger mit der Beute abgezogen, war er aufgesprungen, hatte sich in's Gebüsch versteckt und kam nun zu rechter Zeit, um den bedrohten Kaufherrn zu retten.

Kuno wollte um Hülfe rufen, die gewaltigen Fäuste seines Gegners aber umschnürten seine Kehle so eng, daß er röchelnd um Gnade bat und keinen Laut von sich zu geben versprach. Nachdem er so festgebunden, daß er regungslos am Boden liegen bleiben mußte, untersuchte der Reisige die Wunde des Kaufherrn Sie war nicht gefährlich und nur die Betäubung hatte ihn niedergestreckt. Sie wurde bestmöglichst verbunden, und der Beraubte erhob sich mit Hülfe seines Retters. »Da winselt ein Genosse jener Buschklepper,« sagte der Reisige, auf den gebundenen Kuno zeigend. »Was mit ihm anfangen? – Bekenne, Schurke, wer war der Führer jener Gauner. Sprich Wahrheit, oder dein Leben ist kein dürres Blatt mehr werth!«

»Wolfenzahn!« sammelte der Geängstigte.

»Dacht' ich's doch, bei dieser gottvergeßne Hund. –« fluchte der Reisige. »Edler Herr,« wandte er sich zum Kaufherrn, »was meint Ihr, wenn wir mit diesem da kurzen Proceß machten, ihm eine Schlinge um den Hals knüpften und –«

»Nein, nein!« war die Antwort. »Wir wollen nicht in's Henkersamt pfuschen. Wie überliefern ihn dem Arm der Gerechtigkeit Der Bursche kann uns vielleicht noch nützlich sein!«

»So mache dich auf,« sagte der Reisige, dem Gebundenen einen Fußtritt versetzend, »und sieh' zu, daß du mit uns gleichen Schritt hältst, sonst –« eine sprechende Pantomime vollendete den Redesatz.

Der Geängstigte Kuno suchte sich zu erheben; es gelang ihm jedoch nicht. »Wollt nur die Gnade haben,« bat er, »den Riemen da etwas lockerer zu knüpfen; Ihr seht, ich bin sonst steif, wie ein Stück Holz.«

Kuno wurde so weit von seinen Banden befreit, das er mühsam gehen konnte; dann trieb ihn sein Peiniger vor sich her, und man eilte, den unheimlichen Wald hinter sich zu lassen. –

Herr Konrad Birker aus Mühlhausen war zum Aeußersten entschlossen, um seinen Verlust, der sich auf hohe Summen belief, wieder zu erlangen. Er wandte sich deshalb zuerst an den Lehnsherrn des Raubritters und führte seine Klage, indem er den gefangenen Kuno als Mitschuldigen stellte. Dieser bezeugte Alles und wurde in den Kerker geworfen.

Der Graf schäumte über diese abermalige grobe Uebertretung seiner Befehle von Seiten seines Lehnsmannes und faßte diesmal den ernsten Entschluß, diesem Wesen auf einmal ein Ende zu machen. »Euch soll Recht werden,« sprach er zu Herrn Birker, »dafür verpfände ich mein Ritterwort!« Und alsbald sandte er Befehl an seine Vasallen, mit ihren Reisigen in aller Stille zu ihm zu stoßen. Bald war ein ansehnlicher Haufen beisammen, und der Graf stellte sich selbst an die Spitze.

Ritter Wolfenzahn koste mit der Zigeunerin, die mit den schmalen Fingern spielend seinen dunklen Bart kräuselte und ihm über die benarbte Stirne strich. Er hatte das braune Mädchen mit auf seine Burg genommen, hatte ihr aus der Beute des Mühlhäuser Kaufherrn einige kostbare Stoffe geschenkt, und Ricca vergalt ihm dafür mit aller Gluth ihrer Liebe. Wolfenzahn war berauscht von ihren flammenden Küssen, er vergaß fast seine wilde Natur, wenn das sinnlich feurige Kind Aegyptens ihn umschmeichelte. Die Kerzen brannten tief herunter in des Ritters Gemach; der genossene Wein stürmte in seinem Kopfe und Ricca's Liebeskunst schürte noch diese Gluth. Scherzend hatte das Mädchen seine Hand ergriffen und die Linien betrachtet, aus denen geheime Kunst das Schicksal der Menschen liest. Ihr fröhliches Gesicht aber ward ernst und mit einem Ausdrucke von tiefem Mitleid blickte sie den Ritter an. »Was hast du, Ricca?« fragte er.

»Ich lese in deiner Hand!« entgegnete die Zigeunerin.

»Und darüber erschrickst du?« versetzte Wolfenzahn.

»Ich hab's auch noth!« sprach die Zigeunerin dagegen. »Es droht dir eine große Gefahr.«

»In deinen Armen, wenn ich ein keuscher Joseph wäre!« lachte der Ritter.

»Scherze nicht! Schwert und Feuer droht dir; es geht dir nach dem Leben!«

»Dessen bin ich gewärtig!« sagte Wolfenzahn. »Wo Gefahr ist, da bin ich gern. Laß die Possen, Ricca! Heute leben wir, heute wollen wir genießen; ein Narr, der sich um das Morgen grämt. Sieh', die Kerzen flackern auch schlaftrunken; mögen sie vollends erlöschen. Wozu brauchen wir des Lichtes?«

Die Kerzen verlöschten und das Gemach war in tiefes Dunkel gehüllt. Der Himmel spannte sein Sternenkleid über die schlummernde Erde; ein bleierner Schlaf schien auf den grauen Zinnen der Felsenburg zu lagern.

Horch, war das nicht der schrillende Ruf des Wächterhorns? Wolfenzahn erwachte in Ricca's Armen und fuhr mit der Hand über die Augen, um den Schlaf zu verscheuchen Aber was er hörte, war nicht Traum. Immer flehender, immer hülferufender tönte das Wächterhorn. Nun drang auch Schwertergerassel an sein Ohr und er sah einen hellen Schein, der sich durch's Fenster stahl. In der Burg ward es lebendig. »Fluch und Todt« rief Wolfenzahn, indem er vorn Lager aufsprang. »Das ist ein Ueberfall, so wahr ich lebe! Ricca, stehe auf, hilf mir! Meinen Harnisch, mein Schwert!«

Behende half ihm die Zigeunerin in das schwere Eisengewand kleiden; ihre Hand zitterte: sie hatte ja in des Ritters Hand gelesen, daß ihm Gefahr drohe. Wolfenzahn riß sein Horn von der Wand und ließ es erschallen, daß die ganze Burg widerhallte. Und schon kam Lehnhardt gestürmt und verkündete, das man seiner Befehle harre.

»Schießt sie wie Sperlinge nieder, wenn sich Einer auf der Mauer zeigt!« befahl der Ritter. »Sie mögen sich die Köpfe zerbrechen an meiner Felsenburg. Wir müssen doch nicht hungern, wenn die da draußen die Geduld nicht verlieren?«

»Befehlt Ihr, daß wir die Burg unter Wein setzen oder Schanzen von Brot bauen?« prahlte Lehnhardt.

»So ist's gut;« meinte der Ritter zufrieden. »Wer bindet denn mit uns an, ohne Fehdebrief nach ritterlicher Sitte.«

»Diese Förmlichkeit hält man bei uns für überflüssig;« versetzte jener. »Was gilt's, es ist unser gestrenger Lehnsherr, der endlich ein richterliches Wort spricht, und mit dem Krämer von neulich haben wir's eingebrockt! Es gehen mir so mancherlei Gedanken durch den Kopf. Der alte Spitzbube, der Kuno, ist verschwunden –«

»Mag's selbst der Graf sein!« trotzte der Ritter. »Er soll seinen Mann finden. Leb' wohl, lieb Dirnlein! Ich fange an, deine geheime Wissenschaft zu respektiren. Doch sei' getrost, du siehst mich wohlbehalten wieder –«

Es ging aber nicht nach des Ritters Hoffnung und Wunsch; sein Hänflein trat nicht im Stande, die zahlreich Angreifenden auf einmal abzuwehren; schon erkletterten sie hier und da die Mauer mit rasender Entschlossenheit, und als dies nicht zu dem gewünschten Resultate führte, schleuderten sie Feuerbrände in die Räume der Burg. Wolfenzahn sah es mit Entsetzen, wie die Flamme sich fest fraß und weiter leckte und einer ungeheuern Schlange gleich endlich das Ganze zu verschlingen drohte. Die Vertheidiger mußten von ihren sichern Standpunkten weichen, wollten sie nicht befürchten, daß die Gluth ihr Grab werde, und endlich beschlossen sie in verzweifelter Angst, einen Ausfall zu wagen. Es geschah; aber selbst ihrer rasenden Tapferkeit gelang es nicht, sich einen Weg zu bahnen. Die Meisten fielen unter den Schwertern der Feinde, Einige, worunter Wolfenzahn selbst, wurden trotz ihrer verzweifelten Gegenwehr übermannt und gefangen genommen. Knirschend ergab sich der Ritter in fein Schicksal.

Aus der brennenden Burg vermochte man wenig mehr zu retten. Die Flamme hatte ihre Beute zu fest gepackt und ließ sie nicht aus der entsetzlichen Umarmung. Das Hauptsächlichste war das Zigeunermädchen, das man halbtodt aus den brennenden Trümmern trug.

Die Sonne färbte sich blutroth von der prasselnden Feuergarbe, die zum blauen Himmel emporschlug und in einen Mantel von schwarzem Rauch sich hüllte. Die Fähnlein des Grafen flatterten lustig im Winde, der gelungene Sieg hatte Frohsinn unter die tapfere Schaar verbreitet. Nur Wolfenzahn's Antlitz war düster wie die Nacht; als er das brennende und rauchende Gerippe seines Herrensitzes sah, war es, als ob eine Thräne in seinem wilden Auge glänze. Ricca ging traurig an seiner Seite und benetzte mit ihren Zähren seine gefesselten Hände. Er bemerkte sie nicht.

Lehnhardt, der unter den Gefangenen war, schien sich gleichmüthig in sein Schicksal zu fügen; um seinen bärtigen Mund schwebte fast ein Zug geringschätzigen Hohnes. Wohin man kam, da strömte Jung und Alt zusammen, um den gefürchteten Raubritter wie ein wildes Thier in Fesseln zu sehen. Nun er nicht mehr schaden konnte, ertrug man den Anblick desjenigen, dessen Namen allein sonst hingereicht hatte, auf die Wangen bleiche Furcht zu jagen. Wolfenzahn's Mienen wurden immer finsterer, als er sich so zum Volksschauspiel herabgewürdigt sah. –

Der Graf wollte ein strenges Strafgericht über die ergriffenen Missethäter halten. Im Kreise seiner Vasallen ließ er zuerst den Ritter vorführen. Wolfenzahn trat trotzig auf. Seine Augen loderten und mit tiefer Stimme sagte er, auf seine Fesseln zeigend: »Wollt Ihr nicht befehlen, daß mir dies Geschmeide abgenommen werde? Die Zunge erlahmt mir, so lang ich das Klingen dieser Kette höre!«

»Ihr steht als Verbrecher vor meinem Richterstuhle!« entgegnete der Graf rauh.

»Als Beschuldigter, doch immer als Ritter!« sprach Wolfenzahn. »Wär' ich in die Hände von Spießbürgern und Krämern gefallen, bei meiner Seele! ich wollte nicht murren. Aber von Euch, der Ihr selbst Ritter seid, erwartete ich, daß Ihr das adelige Blut, das in meinen Adern rinnt, ehren würdet.«

»Ihr habt längst dies adelige Blut geschändet!« grollte der Graf. »Indessen geschehe, wie Ihr begehrt.« Er winkte, und die Fesseln wurden dem Ritter abgenommen. »Und nun sprecht, wenn Ihr noch eine Vertheidigung Eurer Verbrechen wagt! Ich habe Langmuth geübt, länger als es billig, und Ihr hörtet nicht auf meine Warnung. Euer jüngster Raubmord hat Euch das Leben verwirkt«

»Wer erhebt Anklage gegen mich?« fragte Wolfenzahn trotzig. Der Graf winkte, und der Kaufherr Birker trat in den Kreis: »Ich erhebe sie!« sprach er mit fester Stimme. »Ich zeihe dich des Mordes und Raubes, ersterer verübt an einem meiner Knechte, den letzteren an meinem Hab und Gut. Wage es, zu lügen, du habest mich nimmer gesehen, so will ich dir einen Zeugen stellen, vor dem dein Mund auf immer verstummen soll. Laßt doch den grauen Sünder und Helfershelfer seinem würdigen Herrn gegenübertreten, Herr Graf, so es euch beliebt.«

»Zähmt Eure Zunge, Herr Konrad Bicker!« antwortete der Graf. »Euch soll Recht werden, das habe ich Euch auf Ritterwort gelobt. – Ihr aber, Ritter, erkennt Ihr jenen Mann dort?« fuhr er gegen Wolkenzahn gewendet fort, indem er auf Kuno zeigte, den man herbeischleppte. »Dieser Mann bezeugt, daß Ihr mit Hülfe Eurer Spießgesellen den Raubmord begangen habt, dessen Ihr bezüchtigt seid! – Ist's nicht so?« fragte er den greifen Kuno.

»Es ist so!« stammelte dieser.

In Wolfenzahn's Antlitz loderte wilde Gluth auf. »Verflucht sei deine Zunge, grauer Schurke!« rief er, »mit welcher du Zeugnis ablegst gegen deinen Herrn und Wohlthäter! Daß dich die Erde verschlinge, Auswurf der Hölle, Abschaum der Menschheit! – Nun wohl, ich beuge mich dem Verderben. Ich nahm die Saumthiere dieses Mannes, weil er verschmäht, mein Geleit zu erwerben. Der Knecht ward erschlagen aus Nothwehr, denn auch Einer der Meinigen büßte mit dem Tode. Nun thut mit mir, wie Ihr es verantworten könnt, vor Gott und Ritterehre.«

»Ist das geraubte Gut noch vorhanden?« fragte der Graf.

»Ein Theil verbrannte mit meiner Feste, der größte Theil ist in Kuno's Schenke verborgen;« war die Antwort.

Parteien und Zeugen wurden abgeführt, und man berieth nun, welche Strafe über den Ritter zu verhängen sei. Fast einstimmig war »der Tod« die Antwort. Die Rücksicht auf das adelige Blut des Verurtheilten ließ jedoch eine Milderung stattfinden.

Bewegungslos und standhaft erwartete Wolfenzahn sein Urtheil. Als er das Wort »Tod« vernahm, zuckte es wie ein fahler Blitz über sein Gesicht. Der Graf fuhr indes fort: »In Erwägung aber Eurer Ritterbürtigkeit, obgleich Ihr dieselbe nach der Schwere des Gesetzes verscherzt habt, und aus besonderer Milde und Gnade soll die Todesstrafe nicht an Euch vollzogen, sondern in ewige Verbrennung aus unseren Grenzen verwandelt werden. Den Beraubten sollt Ihr entschädigen mit all' Euren liegenden und fahrenden Gütern und sollt nichts mit Euch nehmen, als ein Roß und ein Schwert! – Geht nun,« fuhr er in milderem Tone der Unterhaltung fort, »die Welt steht Euch offen, und durch tapfere Thaten werdet Ihr Euren Namen wieder reinigen können von dem Makel, der an ihm haftet. Geht, und sei Gott mit Euch!«

»Ich danke Euch!« entgegnete Wolfenzahn rauh. »Mögt Ihr nie bereuen, daß Ihr einen tapfern Arm in's Elend gestoßen. Es wird vielleicht die Zeit kommen, wo der Ritter des Ritters bedarf, um sich zu schützen gegen den gemeinsamen Feind.«

Der Graf winkte ungeduldig mit der Hand, und Wolfenzahn trat ab. Die übrigen Gefangenen wurden hereingeführt und, nachdem sie als Theilnehmer des Raubes bekannt, summarisch das Todesurtheil über sie gesprochen. Sie sollten durch den Strang sterben. Kuno war als Helfershelfer nicht ausgeschlossen und mit Schaudern dachte er an die Prophezeiung der Zigeunerin, die sich so schrecklich schnell erfüllte.

Lehnhardt war der Einzige, der gelassen blieb. Er nahm das Urtheil fast mit einer gewissen Heiterkeit auf. »Das ist der Lauf der Welt!« sprach er. »Die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt man laufen. Was unser Ritter eingebrockt, müssen wie essen. Er hat uns angeführt und wir sind angeführt Ich wollt' ich fänd' einen Stammbaum, der meine Abkunft von Noah beweise – Um eine letzte Gnade bitt' ich Euch!« wandte er sich demüthig an den Grafen.

»Was begehrst du?« fragte dieser.

»Laßt mich selbst meinen Galgen aussuchen!«

»Welchen würdest du wählen?«

»Den schönsten und höchsten Baum.«

»Und warum das?«

»Um meinen Vater Lügen zu strafen, der behauptete, ich käme nie auf einen grünen Zweig.«

Der Graf lachte. »Du scheinst mir ein lustiger Gesell zu sein!« sagte er.

»S'ist nur eine entfernte Idee davon!« entgegnete Lehnhardt. »Die besten Einfälle wird mir der verdammte Strick in der Kehle erwürgen.«

»Und wenn ich deinen Wunsch erfülle?

»So werd' ich da, wo ich hinkomme, für Euch bitten, daß man Euch einen ähnlichen Liebesdienst erweise.«

»Bei Gottes Wunden, du bist keck, Gesell!« rief der Graf halb ärgerlich, halb lachend.

»Ich war Keiner der Feigsten!« seufzte Lehnhardt. »Aber viel Hunde sind des Hasen Tod. Heute mir, morgen dir! Das Leben ist eine Nußschale, die so lang oben schwimmt, als sie kein Wasser fängt. Ich bau' auf Euer Wort, Herr Graf, ich darf mir selbst den Galgen suchen. Da aber in dem ganzen Sachsenland kein Baum zu finden sein möchte, der mir anständig genug schiene, eine so süße Frucht, wie meine Wenigkeit zu tragen, so bitt' ich Euch, daß Ihr mir Vollmacht gebt, mich in anderer Herren Ländern umzuthun –«

»Den Grafen schien des Verurtheilten toller Humor zu ergötzen. »Hör', Busche,« sagte er, »du bist, scheint es mir, noch nicht reif für den Galgen. Auch würde mich der Baum dauern, der dich tragen sollte. Da ich aber mein Wort gegeben habe, deinen letzten Willen zu erfüllen, so mag's dabei bleiben, daß du deiner Strafe los und ledig bist, bis du selbst deine Wünsche in dieser Beziehung an den Tag legst. Doch merke wohl, es ist die letzte Bitte, die ich dir erfülle.«

»So dürft' ich immerhin Euch bitten, mir die Gnade des Hängens zu gewähren, Ihr könntet nicht einmal diese meine Bitte gewähren. Indeß seid unbesorgt! Ich bin bescheiden und werde Euch niemals in dieser Hinsicht beschwerlich fallen. Nehmt meinen wärmsten Dank und vergeßt den armen Lehnhardt nicht, der –«

»Halt! Meine Rede ist noch nicht aus. Du bist ein aufgeweckter Kopf, der um Schwänke nicht verlegen. Ich bedarf zuweilen der Erheiterung. Was sagst du dazu, wenn ich dir eine Schellenkappe schenke? Sie würde deiner Schönheit wohl stehen!«

»Vortrefflich!« jauchzte Lehnhardt. »Ich würde mich bestreben, daß sie nie ein würdigeres Haupt bedeckt haben sollte! Hütet Euch, Gevatter, daß Eure Weisheit nicht zuweilen bei meiner Narrheit betteln gehe!«

Die dürre, knochige Gestalt des ehemaligen Landsknechts brüstete sich bald in der bunten Narrentracht, indeß die übrigen Verurtheilten zum Tode geführt wurden. Lehnhardt betrachtete sich und sagte gedankenvoll: »Wer könnte dem Säugling an der Wiege sagen, in welchem Gewand er sterben wird! Ehemals trug ich einen Rock, der die Farbe eines Herrn hatte. Jetzt gleicht mein Feststaat dem heiligen römischen Reich, aus hundert bunten Flicken zusammengesetzt. Wie ich wohl der braunen Ricca in dieser Gestalt gefallen mag? Ist das schmucke Heidenkind klug, so vergißt sie den Ritter von Nirgendheim und mein Sprichwort trifft ein: »Wer zuletzt lacht, lacht am besten!«

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