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Thomas Münzer und seine Genossen. Dritter Band: Die Christliche Republik - Das Blutgericht

Ludwig Köhler: Thomas Münzer und seine Genossen. Dritter Band: Die Christliche Republik - Das Blutgericht - Kapitel 12
Quellenangabe
authorLudwig Köhler
titleThomas Münzer und seine Genossen. Dritter Band: Die Christliche Republik - Das Blutgericht
publisherVerlag von Joh. Ambr. Barth.
year1845
correctorreuters@abc.de
senderWilfried Pieroth
created20171117
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XI.

Die Weinstube »zur Genügsamkeit« in Mühlhausen war von Gästen überfüllt. Die unruhigen Zeitläufte bildeten den Inhalt der Gespräche, die an den verschiedenen Tischen geführt wurden. Man tauschte Ansichten und Meinungen aus, die man mit aller Heftigkeit verfocht und bekämpfte, wie es unter weinerhitzten Gemüthern zu geschehen pflegt.

»Das wird Niemand leugnen und das ist gewiß« sprach ein Mitglied der edlen Schneiderzunft, daß Meister Thomas ein gelehrter und frommer Mann ist, der Alles, was er sagt und thut, mit Bibelsprüchen gar fein zu belegen weiß; wenn man aber recht klüglich bedenkt, was unserer guten Stadt durch ihn in den Garten wachsen kann, so möchte man meinen, daß es schier besser wäre, wir wären bei unserm alten Rath geblieben!«

»Wie du's verstehst, Meister Wölfing!" rief der Kürschner Roder, den nervigten Arm auf den Tisch stützend. »Recht gehorsam sein und die Herren schalten und walten lassen, wie's ihnen beliebt! Was soll uns denn in den Garten wachsen, wenn wir Alle einträchtig sind und uns nicht in's Bockshorn jagen lassen durch der Fürsten Geschrei und den Vermahnungsbrief dieses Doktor Martinus Luther?«

»Was haltet Ihr denn von dem Briefe, Bürger?« fragte die dünne Stimme eines Bandwebers. »Münzer wird darin gar sehr gescholten und angefochten.«

»Was ist davon zu halten!« brummte Roder. »Luther will's halt mit den Fürsten nicht verderben und bläst in ihre Flöte. Was haltet Ihr davon, wenn er die Bauern mörderische und räuberische Rotten nennt und den Fürsten räth, man solle sie zerschmeißen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wie man einen tollen Hund erschlagen müsse. »Steche, schlage, würge sie, wer da kann,« spricht er. »Bleibst du darüber todt, wohl dir, seligeren Tod kannst du nimmermehr überkommen« – Wie gefällt euch diese Sprache?«

»Es ist schändlich, sündlich!« riefen Mehrere.

»Die Weinsberger haben's freilich auch arg genug getrieben!« bemerkte der Schneider.

»Sind denn alle Bauern, wie die Weinsberger?« rief Roder. »Er hat auch uns gemeint damit, denn wir haben's mit den Bauern gehalten, wie's die Christenpflicht gebietet. Ich will's Euch aber besser sagen, was ihm im Kragen steckt. Die Päpstler werfen ihm vor, er sei schuld, daß der gemeine Mann sein Recht fordere, und nun will er's beweisen, daß es nicht also ist!«

»Was gedenket Ihr aber zu thun, wenn die Fürsten über uns kommen?« fragte der Schneider wieder. »Ich achte, Meister Thomas wird ihnen nicht lange Stand halten können.«

»Ei, fürchtest du dich, so bleibe daheim!« schalt Roder. »Wärst du zum Helden geboren, so wärst du kein Schneider geworden. Worüber haben wir denn bis jetzt zu klagen? Alles geht gut von Statten. Pfeifer hat auf seinem neuen Zuge Wunder gethan. Schlotheim, Almenhausen, Bissingen, Seebach, Arnsberg und viel andre Schlösser liegen in Asche. Die Junker schwören zu uns und fechten mit uns, daß es gar fein anzuschauen ist!«

»Ja, derweil kommt das Unglück über Nacht!« beharrte der Schneider. »Der junge Landgraf von Hessen hat den Teufel im Leib. Als er Hersfeld eingenommen hatte, wandte er sich Fulda zu. Die Bauern schickten Abgeordnete zu gütlicher Handlung an ihn, aber Philipp antwortete kurz, sie hätten keine Gnade zu hoffen, wofern sie nicht von ihren Aufruhren abließen. Er nahm Raßdorf und Hänfeld, wie man eine Hand umkehrt, und lagerte nun vor dem Frauenberg, auf dem sich die Bauern nothdürftig verschanzt hatten. Des Landgrafen Geschütze aber trieben sie bald hinab in die Stadt, wo sie sich tapfer vertheidigten, bis die Bürger die Klügeren spielten und die Thore öffneten. Nun zerstreuten sich die Bauern und an Fünfzehnhundert flohen in den Schloßgraben, wo der Landgraf sie hungern ließ bis zum dritten Tage. Die Hauptleute und die Feldprediger ließ er enthaupten und ihre Zöpfe auf Spieße stecken, die Andern aber halbverschmachtet heimziehen.«

»Da seht Ihr, was von der Gnade der Herren zu erwarten ist!« sagte Roder. »So wollen wir aber nicht Verräther spielen, wie die Bürger von Fulda und wollen auch nicht handeln, wie die Oberfranken, die die Brüder treulos und feig im Stiche ließen. Da sei Gott vor!«

»Ich hab' die neusten Nachrichten von dem Zug des Landgrafen,« berichtete der Schneider ferner. »Bach, Friedewalt und Schmalkalden hat er darauf eingenommen und in Eisenach ließ er vierundzwanzig Bürger und Bauern enthaupten. Dort ist auch der Herzog Heinrich von Braunschweig zu ihm kommen, und nun wird er nach Frankenhausen ziehen, wo der Haufen von Bach sich hingewendet hat. Die sächsischen Fürsten rüsten ebenfalls zu.«

»Sie mögen kommen, wir wollen sie empfangen!« rief Roder.

»Ja, wer frei und ledig ist, als Ihr, der kann seinen Kopf schon wagen!« seufzte der Schneider. »Aber ein Vater von sechs Kindern, wie ich« –

»Muß hinterm Ofen sitzen und spinnen!« lachte der Kürschner. »Teufel, mich überläuft die Galle, wenn ich dran denke. Nichts für ungut, Meister Wölfing, du bist ein Hasenherz!«

»Ei, die christliche Liebe kann mir niemals gebieten, Weib und Kind zu verlassen und mein Leben auf's Spiel zu setzen!« entschuldigte der Schneider. »Ich achte, wir haben verlorene Sach!«

»Nein, bei allen Teufeln!« rief Roder und schlug mit der Faust auf den Tisch, daß die Gläser sprangen.

»Habt Ihr schon die Mähr gehört, Bürger,« mischte sich der Besitzer der Weinstube in's Gespräch, »ich meine, von dem Kaiser Rothbart?«

»Nein, erzählt doch!« schrieen Viele.

»Nun, Ihr wißt, daß der große Kaiser Friedrich nicht in Palästina gestorben ist, sondern in den Kyffhäuser gebannt worden, worin er sitzen muß, bis in Deutschland eine große Veränderung vorgehen wird. Dieser Kaiser Rothbart nun hat sich in diesen Tagen sehen lassen auf dem Berg. Ein Bauer von Tilleda hat ihn gesehen, mit langem goldgelben Bart, der bis über die Brust herab reicht, auf dem Kopf eine goldne Krone und das Schwert hat er erhoben in's Thüringer Land herein. Der Bauer ist sehr erschrocken gewesen, ist aber doch stehen geblieben, als ihn der Kaiser angerufen hat. Der hat drauf gesagt, er soll es verkündigen, das deutsche Reich werde frei und sein Bann gelöst sein!«

»Da habt Ihr's ja!« jubelte Roder. »Nun verstummt Ihr doch, Ihr zaghaften Helden? Es ist lang geweissagt worden und ist nun eingetroffen. Meister Thomas wird den Herren einen Stein in den Weg werfen, den sie nicht überwinden sollen! Erwirb nicht lang müßig liegen, sondern gen Frankenhausen ziehen, als ich vernommen habe. Zweifelt nun noch, daß unsere Sach' gut ist und nicht verloren! Stehen ja selbst welche von den Geschlechtern zu Meister Thomas, und Junker Woldemar Probst ist gar mit ihm ausgezogen zum großen Verdruß Herrn Perlet's.«

»Hat denn der alte Rath Rechnung gelegt« fragte es vom andern Tisch herüber.

»Noch hat er's nicht gethan!« antwortete Roder. Ist auch jetzt nicht Zeit dazu; aber es soll ihm nicht geschenkt werden.«

»Ich wünsche, daß die Sach zum besten ausfällt!« seufzte der Schneider. »Krieg bringt Noth.«

»Hat uns bisher nur Segen gebracht!« lachte ein Andrer. »Die Pfaffen und Edelleute haben fein für uns gespart, und Meister Thomas und Pfeifer verstehen's, die Nester auszunehmen. Ich wünschte mir mein Lebtag nichts Besseres, als ein christlich Regiment!«

»Drum müsset Ihr fest dran halten!« ermahnte Roder.

Weder des Schneiders Besorgnisse, noch seine Berichte waren unbegründet. Während die thüringischen Bauern alle Schlösser und Klöster vom Fuße des Harzes bis zur Einmündung der Unstrut in die Saale, von der Grafschaft Grubenhagen, Hohenstein und Stollberg bis Freiburg eingenommen, geplündert und zum Theil zerstört, hatte der einundzwanzigjährige Landgraf Philipp von Hessen seine Lehensleute und die Fähnlein seiner Städte zu Alsfeld versammelt und begann von hieraus den Zug gegen seine Bauern. Engherzig hatten die Oberfranken das Bündniß mit denen auf der Fulda zurückgewiesen und während die in der Buchen niederlagen, standen viertausend wohlbewaffnete Männer thatlos zu Obernelzbach auf der hohen Röhn, den Landgrafen zu beobachten, und die Oberfranken lagerten behaglich zu Neustadt, alt sie das ganze Werk bereits gethan. Wie leicht hätten nicht diese vereinigten Haufen den Landgrafen mit seinem ganzen Volk aufreiben und dadurch dem ganzen Krieg eine andere Wendung geben können; nun aber reizten die glücklichen Erfolge des Landgrafen zur Nachahmung; andere mächtige Herren, die schon zu der christlichen Verbrüderung geschworen, fielen ab, wie der Graf von Henneberg, der überhaupt in dem ganzen Aufstand eine höchst zweideutige Rolle spielte. – Abt und Convent zu Fulda, die Ritterschaft und das ganze Land mußten geloben, fortan ewig mit Lehenspflicht dem Landgrafen von Hessen unterthänig zu sein, während die Landgrafen bisher Lehensleute der Abtei waren. Dafür wurden ihnen viertausend Goldstücke für die Beutelösung, funfzehntausend für Kriegskosten angesetzt, von den Fuldaer Unterthanen schwere Geldbuße und ihr Vieh genommen.

Der Bachaer Haufen hatte sich vor dem Landgrafen her an Mühlhausen vorüber nach Frankenhausen gewendet und sich mit den Schwarzburgischen und Mannsfeldischen vor dieser volkreichen Stadt gelagert, vergeudeten jedoch die kostbare Zeit damit, daß sie die Beschwerden der Nonnen zu Kelbra gegen ihren Propst anhörten und mit dem Grafen Albrecht von Mannsfeld Unterhandlungen pflogen. Dieser gab den Bergleuten in seiner Grafschaft die besten Worte, sie in Treuen zu erhalten, ritt selbst auf den Harz, jagte mit etlichen versteckten Pferden, als seien Geschwader nahe, um den Harzbauern Furcht einzuflößen, und wiegte die Versammlung zu Frankenhausen durch Versprechungen und Vorschläge ein; und während dieser Unterhandlungen noch überfiel und plünderte er die Bauern zu Odersleben und Pfiffel, und verbarg dies Alles so geschickt hinter Freundlichkeit, daß sie ihn auf die Brücke zu Martinsried zur Besprechung luden. Er erschien nicht und suchte sie mit seinen Vorspiegelungen bis auf den Tag hinzuhalten, wo, wie er wußte, die verbündeten Fürsten bei ihm sein mußten. Lehrte ja doch der große Reformator zu Wittenberg, daß man einen Bauer nicht Treue zu halten schuldig sei!

Ehrlicher verfuhr Graf Ernst von Mannsfeld, der zu Heldrungen saß; er trat offen feindlich gegen die Bauern auf, und sie schrieben an Münzer, ihnen wider ihren Tyrannen zu Heldrungen zu helfen.

Münzer ergriff mit Freuden diese Gelegenheit, sein Volk in Thätigkeit zu halten und sich selbst die Spannkraft des Geistes zurückzugeben. In einer feurigen Rede sprach er zu den Mühlhäusern, um sie zum Mitzug zu bewegen; ein Traum habe ihm geoffenbart, nach dem Aufgang der Sonne zu ziehen. Er erkannte mit Schrecken, daß der Glaube, die Begeisterung gewichen war, denn nur wenig entschlossene Männer fanden sich, die sich ihm anschlossen; unter ihnen war auch Woldemar. Heinrich litt noch an seiner Wunde und blieb darum zurück.

Münzer war bleich und düster, als er von seinem Weibe Abschied nahm. Marie warf sich weinend an seine Brust; es war ihr, als müsse sie für die Ewigkeit Abschied von ihm nehmen. »O Thomas!« rief sie. »Mir ist so bang! Ziehe nicht!«

»Ich muß!« versetzte Münzer trübe. »Der Bruder verläßt den Bruder nicht in der Noth! Leb' wohl, mein süßes Weib! Wir werden uns wiedersehen mit leichterem Herzen, als wir scheiden!« – Die Zeit war vorbei, wo die helle Siegesfreudigkeit auf seinem Antlitz strahlte.

Mit dreihundert Mann seiner Leibwache und seinem Geschütz zog er aus; die Fahne mit dem Regenbogen wallte über seinem Haupte. Nicht tausendstimmiger Jubel mehr begleitete ihn; die Bürger standen scheu und dachten an das Schicksal Fulda's, Eisenach's und Langensalza's, welche letztere Stadt der Landgraf erst gestern genommen hatte.

Pfeifer blieb als Münzer's Statthalter in Mühlhausen zurück, um einen tapfern und treuen Mann zu haben, der die Stadt gegen äußere Angriffe schütze und innere Zwietracht mit Kraft niederhalte.

Als Münzer zu Frankenhausen ankam, versammelte er das Volk, mahnte zur Beharrlichkeit im Guten und erklärte, daß Graf Albrecht nur mit Betrug umgehe, und daß man das Nest der Adler angreifen müsse. An die Erfurter hatte er bereits geschrieben, sie sollten kommen und streiten helfen wider die gottlosen Tyrannen, mit Volk und Geschütz, auf daß sie erfüllten, was Gott selber befohlen. »Es steht ja geschrieben,« sagte er, »Daniel 5, daß die Gewalt soll gegeben werden dem gemeinen Volk. Es bezeugen fast alle Urtheile in der Schrift, daß die Creaturen frei werden müssen, wenn das reine Wort Gottes aufgehen soll. Habt Ihr nun Lust zur Wahrheit, macht Euch mit uns an den Reigen, den wollen wir gar eben treten, daß wir es ihnen treulich bezahlen, was sie der armen Christenheit mitgespielt haben.«

Auch nach allen andern Seiten schrieb er um Zuzug und seine drohenden Aufgebote, zu kommen oder man würde sie holen, zogen aus allen Dörfern die Bauern in's Frankenhäuser Lager. Auf allen Straßen zogen sie herzu, von Weibern und Kindern geleitet, »theils mit Weinen und Seufzen, theils mit Jauchzen und Frohlocken, nachdem sie Furcht oder Hoffnung bei dem Handel hatten.« Die Entfernteren kamen aber nur langsam und hielten sich mit Plündern auf, so daß der Graf Albrecht mit etwa sechzig Reitern einen großen Haufen überfallen und gegen Zweihundert in dem an allen Enden angezündeten Osterhausen erstechen konnte.

Münzer aber hatte an die Grafen von Mannsfeld zwei Drohbriefe erlassen, die von seinem zerrissenen Gemüthszustande Zeugnis geben. »Als du die Epistel Pauli also übel mißbrauchst,« schrieb er an Albrecht, »erbarmt mich; du willst die bösewichtische Obrigkeit dadurch bestätigen in aller Maße, wie der Papst Petrum und Paulum zu Stockmeistern gemacht. Meinst du, daß Gott der Herr sein unverständig Volk nicht erregen könne, die Tyrannen abzusehen in seinem Grimm? Hat nicht die Mutter Christi aus dem heiligen Geist geredet, von dir und deines Gleichen weissagend, Luc. 1.: die Gewaltigen hat er vom Stuhl gestoßen, und die Niedrigen, die du verachtest, erhoben.«

»Hast du in deiner lutherischen Grütze und deiner wittenbergischen Suppe nicht mögen finden, was Ezechiel in seinem 37. Cap. weissaget? Auch hast du in deinem Martinischen Bauerndreck nicht mögen schmecken, wie derselbige Prophet weiter sagt, am 39., wie Gott alle Vögel des Himmels fordert, daß sie sollen fressen das Fleisch der Fürsten, und die unvernünftigen Thiere sollen saufen das Blut der großen Hansen, wie in der heimlichen Offenbarung am 18. und 19. beschrieben. Meinst du, daß Gott nicht mehr an seinem Volk, denn an Euch Tyrannen gelegen? du willst unter dem Namen Christi ein Heide sein und dich mit dem Paulo zudecken. Man wird dir aber die Bahn verlaufen; da wisse dich nach zu halten.«

»Willst du erkennen, Dan. 7., wie Gott die Gewalt der Gemeinde gegeben hat und vor uns erscheinen und deinen Glauben brechen, wollen wir dir das geständig sein und dich für einen gemeinen Bruder haben. Wo aber nicht, werden wir uns an deine lahme, schale Franzen nichts kehren und wider dich fechten, wie wider einen Erzfeind des Christenglaubens; da wisse dich nach zu halten!« –

Noch heftiger sprach er zu Bruder Ernst: »Die gestrackte Kraft, feste Furcht Gottes und der beständige Grund seines rechten Willens sei mit dir, Bruder Ernst. Ich Thomas Münzer, ehemals Pfarrherr zu Allstett, vermahne dich zum überflüssigen Anregen, daß du um des lebendigen Gottes Namen willen deines tyrannischen Wüthens wollest müßig sein und nicht länger den Grimm Gottes über dich erbittern! Du hast die Christen angefangen zu martern, du hast die Christen unterstanden zu vertilgen. Sage an, du elender dürftiger Madensack, wer hat dich zum Fürsten des Volks gemacht, welches Gott mit seinem theuren Blut erworben hat? Du mußt und sollst beweisen, ob du ein Christ bist, du sollst und must deinen Glauben berechnen, wie l. Pet. 3. Befohlen; du sollst in wahrhaftiger Wahrheit gut sicher Geleit haben, deinen Glauben an den Tag zu bringen; das hat dir eine ganze Gemeinde im Ring zugesagt; und sollst dich auch entschuldigen deiner offenbarlichen Tyrannei, auch ansagen, wer dich doch also dürstig gemacht, daß du allen Christen zum Nachtheil unterm christlichen Namen willst ein solcher heidnischer Bösewicht sein. Wirst du ausbleiben und dich angelegter Sachen nicht entledigen, so will ich 's ausschreien vor aller Welt, das alle Brüder ihr Blut getrost sollen wagen, wie etwa wider den Türken! Du sollst verfolgt und ausgerottet werden; denn es wird ein Jeder emsiger sein, die da an dir Ablaß verdienen, den vorzeiten der Papst gegeben. Wir wissen nicht an dir zu bekommen; es will keiner Schaden in dich haben. Gott hat dich verstockt, wie den Pharao, auch wie die Könige, welche Gott wollten vertilgen, Joh. 5. u. 11. Sei's Gott immer geklagt, daß die Welt deine grobe Pöffel, wüthende Tyrannei nicht eher erkannt. Wie hast du so merklichen, unerstattlichen Schaden gethan! Wie mag man sich anders, denn Gott selber, über dich erbarmen? Kurzum, du hast durch Gottes kräftige Gewalt dich dem Verderben überantwortet. Wirst du dich nicht demüthigen vor den Kleinen, so wird dir eine ewige Schande vor der ganzen Christenheit auf den Hals fallen und wirst des Teufels Martyrer werden. Daß du auch wissest, sage ich, der ewige, lebendige Gott hat's geheißen, dich mit Gewalt von dem Stuhl zu stoßen, denn du bist der Christenheit nicht nütze, du bist ein schändlicher Staubbesen, der Feind Gottes. Gott hat's von dir und deines Gleichen gesagt, Ez. 34. u. 39., Dan. 7., Mich. 3. Abatias der Prophet sagt: dein Nest muß zerrissen und zerschmettert werden! Wir wollen deine Antwort noch heute haben, oder dich ins Namen Gottes der Heerschaaren heimsuchen. Da wisse dich nach zu richten. Wir werden unverzüglich thun, was uns Gott befohlen. Thu' du auch dein Bestes. Ich fahre daher! Gegeben zu Frankenhausen. Thomas Münzer mit dem Schwert Gideon's.«

Und derselbe gewaltsam erzwungene prophetische Wahnsinn, der diese Briefe ihm eingab, war es auch, der ihn beseelte, als er seine Streitkräfte überblickte. »Wir werden siegen!« rief er. »Wie Gideon mit einer Hand voll seine Feinde schlug! Ich fühle den Geist des Maccabäus in mir, und wie Ziska, der Taborit, will ich das Schwert gewaltig führen!«

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