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Theaterg'schichten durch Liebe, Ingtrigue, Geld und Dummheit

Johann Nestroy: Theaterg'schichten durch Liebe, Ingtrigue, Geld und Dummheit - Kapitel 3
Quellenangabe
typecomedy
booktitleSämtliche Werke, Historisch-Kritische Ausgabe Band 33
authorJohann Nestroy
firstpub1853
year1992
publisherJugend und Volk
addressWien
isbn3-224-16908-7
titleTheaterg'schichten durch Liebe, Ingtrigue, Geld und Dummheit
pages5-6
created20041111
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12te Scene

(Damisch.)

Damisch (kommt erbost von der Apotheke herauf). Mein Vormund wird sich wundern; was in einem Menschen steckt, kommt auf einmahl an's Licht. Beruf is einmahl Beruf, und über'n Beruf kann man in Voraus nicht aburtheil'n. Ja, wenn ich ein anderer Gegenstand wär'! aber ich bin ein Mensch; nur bey andern Gegenständen sieht man's und weiß, was d'raus wird, bey einem Menschen aber, da kann man gar nix in Voraus wissen.

Couplet

1.
                         

    Aus einer Weinbeer wird der Most,
    Wenn man s' im Büttel z'sammastoßt,
    Und aus dem Most, das weiß man eh',
    Da thut entsteh'n der Heurige;
    Der Heurige thut älter werd'n,
    Und wird ein Wein, man trinckt ihn gern.
    Auf d' Letzt' wird ein Haarbeutel d'raus –
    So wachst sich eine Weinbeer aus.
A Köchin aus Budweis giebt's nobel, und wie!
Beym Sperl sagt s': »Mit Handwerkern tanze ich nie.«
Im Diskurs thut s' oft wällische Brocken auskramen,
Und sagt, sie thut von ein'n Marchese abstammen;
So lang s' ruhig red't, geht's; doch in der Hitz' rutscht ihr aus:
Ich bin von Talien bey Venedig z' Haus, –
Einer Weinbeer, der sieht man's – einer Böhmin nicht an,
Auf was sie sich Alles hinauswachsen kann.

2.

    Der Esel jung thut neckisch seyn,
    Wird älter er, spannt man ihn ein,
    Und so bleibt er mit graue Haar,
    Derselbe Esel, der er war;
    Und is er todt, so wird verwendt
    Die Eselshaut zu Pergament,
    Aus dem wird ein Diplom daraus,
    So wachset sich ein Esel aus.
A blau's Fürtuch, grün's Kappel, das hat er getrag'n,
Als Hausknecht, hat Heu geb'n, hat g'schmiert jeden Wag'n.
Nach Zehn Jahr'n da war schon sein Kappel gestickt,
Nach Zwölf Jahr'n haben s' als Deputierten ihn g'schickt,
Und jetzt hat'r a Haus, is ein g'wichtiger Mann,
Der in der G'meinderaths-Sitzung drinn angiebt den Ton.
Ein'm Esel, dem sieht man's, doch ein'n Hausknecht nicht an,
Auf was er sich Alles hinauswachsen kann.

3.

    Die Haselnuß, so winzig klein,
    Legt man sie in die Erd' hinein,
    Währt es geraume Zeit oft auch,
    So wird doch endlich d'raus ein Strauch;
    Der Strauch der wachst gedeihet sehr,
    Erzeugt den schlancken Haslinger.
    Aus dem werd'n Fünfundzwanzig daraus,
    So wachst die Haselnuß sich aus.
Ein schwärmender Jüngling der seufzet und schmacht't,
Von der Bertha da schwärmt er bey Tag und bey Nacht;
Der Jüngling wird Bräutigam, Gatte sogar,
Mit der Bertha is er schon verheurath't Zwey Jahr';
Doch will sich jetzt d' Bertha zu was nicht bequemen,
Thut vom Kasten er 's spanische Röhrl gleich nehmen.
Einer Haselnuß der sieht man's, doch ein'm Schwärmer nicht an,
Auf was er sich Alles hinauswachsen kann.

4.

    Ein winzigkleines Matzihaserl
    Das sitzt und memmerlt an ein'n Graserl;
    Das Matzi-Haserl wachst sich an,
    Und wird ein dicker Haas' sodann;
    Der Jäger schießt und trifft ihn starck,
    's Tag's drauf hängt er aufn Wildprätmark.
    Zuletzt wird ein Cylinder draus,
    So wachst ein Matzi-Haas sich aus.
Einer hat sich als Redner sehr viel zugetraut,
Wer and'rer Meinung war, den hat er g'fressen aufn Kraut,
Wo a G'leg'nheit nur war, is er allemahl frisch
Zum Red halten h'naufg'sprungen wo auf ein'n Tisch,
Ganz stolz is'r auf n Pferd allweil g'ritten herum,
Als Zimmerputzer reit't er auf der Bürsten jetzt um.
Einem Haasen dem sieht man's – ein'n Bramarbas nie an,
Auf was er sich Alles hinauswachsen kann.

5.

    Man steckt in d' Erd ein'n Kerschenkern,
    's thut nach und nach ein Pflanzerl werd'n,
    In Sechs bis Sieben Jahren kaum
    Wird draus ein hübscher Kerschenbaum,
    Von dem man Kerschen profitiert,
    Bis er nach Zwanzig Jahr'n umg'haut wird,
    Dann wird ein Schubladkasten draus,
    So wachst ein Kerschenkern sich aus.
A Zündhölzel-Bua fangt mit Dreißig Kreutzer an
Sein'n Handel; 's werd'n d'raus Dreyßig Gulden sodann;
Da giebt er's schon nobler, thut mit Loos' hausier'n,
Und weil er Geschäfte jetzt macht in Papier'n,
So reitzt's ihn auf d' Börs' z' geh'n, in Nordbahn macht er,
's wird der Zündhölzel-Bua volli a Millionär.
Ein'm Kerschenkern sieht man's, ein'n Hausierbub'n nicht an,
Auf was er sich Alles hinauswachsen kann.

6.

    Ein Füllerl kommt zur Welt au'm Land,
    Weil's weiß is, wird's ein Schimmel g'nannt,
    Und weil das Schimmerl Habern frißt,
    Das Schimmerl bald ein Schimmel ist;
    Der Schimmel thut Schabraken trag'n,
    Und endet vor ein'n Ziegelwag'n.
    Aus seine Haar' ein Unterrock wird d'raus,
    So wachset sich ein Schimmel aus.
Ein Afrika-Mohr hat ein'n kohlschwarzen Buabn,
Nach Europa verschlagt ihn des Schicksals Stuam;
Dort bleicht er sich, doch was'r an Schwärze verliert,
An Kunstsinn und Weisheit er reich profitiert;
Völlig blaß hat er'n ganzen Shaquespeare einstudiert,
Bis ein lichter dramatischer Künstl'r aus ihm wird.
Ein'n Schimmel, dem sieht man's, doch ein'n Mohren nicht an,
Auf was er sich Alles hinauswachsen kann.

7.

    's gräbt Ein'r in d' Erden kommt auf Lahm,
    Er nimmt den Lahm, und tragt ihn ham;
    Und weil der Mann ein Hafner is,
    So thut er'n Lahm auf d' Scheibn'n so g'wiß,
    Stellt dann das Ding in Sonnenschein,
    Und nacher gar in Ofen h'nein;
    Zuletzt wird dann ein Plutzer d'raus,
    So wachst das Stückerl Lahm sich aus.
Ein Wunderkind giebt mit Sieb'n Jahr'n schon Concert,
Mit Neun Jahr'n componiert's neue Walz'r, unerhört!
Mit Zwölf Jahr reist 's Wunderkind schon nach Paris,
Mit Fufzehn Jahr'n 's Wunderkind z'ruckkommen is,
Mit Achtzehn Jahr'n 's Wunderkind, ui das Spectakl
Is 's Wunderkind nix als ein ung'schickter Lakl.
Em'n Lahmpatz'n dem sieht man's, doch em'n Wunderkind nicht an,
Auf was es sich Alles hinauswachsen kann.

(Ab.)

Verwandlung

(Die Bühne stellt eine Arena vor, und zwar den Raum wo gespielt wird. Die Kulissen, von Bäumen überragt, erscheinen dem Publikum von der Rückseite. Auf der vierten Kulisse läuft quer über die ganze Bühne jene 7 Fuß hohe Wand, welche in der Mitte sich theilen läßt und welche in den Arenen die Stelle der Cortine vertritt. Auf dem Bühnenraum sind alle Versetzstücke angebracht, welche die Dekoration im Trauerspiele »Sappho« vorschreibt, die Säulenhalle mit Stufen, welche den Eingang zu Sappho's Wohnung bildet, ist rechts. Sämtliche Dekorationsstücke sind mit der Rückseite dem Publikum zugewendet; oben durchaus freyer Horizont.)

13te Scene

(Maxner, Krammer, Fink, Spindl (in ihrer eigenen Kleidung), Männliches und Weibliches Theaterpersonale (sämtlich im Costum des Trauerspieles »Sappho« gekleidet, als griechisches Volk; einige vom weiblichen Personale als Sclavinnen Sappho's), Theater-Arbeits-Personal (in ihrem Arbeitsanzug).)

(Es ist eine ängstliche Spannung und hin und her Eilen sichtbar. Die 7 Fuß hohe Cortin-Wand, jenseits welcher sich das Arena-Publicum befindet, ist geschlossen.)

Krammer (zu den ihn Umgebenden). Das ist ja schrecklich, jetzt soll angefangen werden!

Maxner (in seinem Arbeits-Anzug als Theatermeister). Das Publicum wird ungeduldig, »um Sechs Uhr Anfang« steht auf'n Zettel –

Fink. Und viertel auf Sieb'n is schon.

Krammer. Er muß ja doch –

Maxner (zu Krammer). Pariern S', Herr Regisseur, daß er durchgangen is?

Krammer. Das wäre schrecklich –!

(Man hört das Publikum außerhalb der Cortin-Wand applaudieren.)

14te Scene

(Schofel; die Vorigen.)

Schofel (tritt von Seite lincks, wo die Garderoben angenommen werden, auf. Er ist im Kostüm des »Rhamnes« gekleidet, mit einer grauen Glatzen-Perücke und hat einen grauen Vollbart nur an einem Ohre befestigt herabhängen; er raucht aus einem Ulmerkopf). Na was is denn? Overtur,! Overtur! warum spiel'n s' denn nit auf in Orchester?

Krammer. Wir können nicht anfangen, Herr Spornhofer ist noch nicht da.

Schofel (erschrocken). Was?! der kommt glei in der Zweyten Scen'; er muß da seyn!

Maxner. Das is leicht g'sagt, aber –

Schofel. Kreutzmillion –! (zu Fink) Inspicient, warum melden Sie das jetzt und nit schon vor einer Stund' –?

Maxner (zu Schofel). Wie kann er denn um Fünfe schon melden, daß der Spornhofer um Sechse noch nit da is?

Fink. Und er bleibt immer bis zum letzten Augenblick im Wirthshaus.

Schofel (zu Fink). Sie sind schuld; von diesem Moment an sind Sie brodlos; bringen Sie mir morgen die Stempelgebühr, und Sie erhalten das Entlassungs-Dekret.

Spindl. Herr Director, ich habe eine Bemerckung gemacht.

(man hört, wie früher, das Arena-Publicum applaudieren.)

Schofel (desperat). Das hab'n wir's! sie wollen mit G'walt a Stuck hab'n!

Spindl. Herr Director ich sah circa Fünf Uhr Herrn Spornhofer in die Eilkutsche steigen.

Schofel. Durchgangen!? abg'fahr'n!? und das verschweigen Sie –?

Spindl. Ich bin nur im Soufleur-Kasten zu reden verpflichtet.

Schofel. Sie sind auch brodlos! versteh'n Sie mich?!

Spindl (achselzuckend) I nu –!

Maxner (leise zu Schofel). Bedenck' was du thust; er is Soufleur, und du spielst selber noch Comödie.

Schofel (leise zu Maxner, eingeschüchtert). Ja, ja – du hast recht –

Maxner (wie oben). Mit dem derfst du dich nie verfeinden.

Schofel (wie oben). Sag ihm, er is meiner Anstalt unentbehrlich, und du wirst die Sache vermitteln –

Maxner. Zu was! sag' ihm selber »Sie bleiben wieder«.

Schofel. Nein, so g'schwind umsatteln is gegen mein Prinzip.

Maxner (Spindl unter dem Arm nehmend, mit Beziehung auf Schofel). Er is nur in der Rage, gleicht sich Alles wieder aus.

Spindl. Denck' es auch; ich soufliere, und weiter –

Maxner. Versteht sich, Sie hab'n da g'nug z' thun.

15te Scene

(Rosaura; die Vorigen)

Rosaura (im Kostüm als »Sappho« von links auftretend). Alles auf die Plätze! (zu Krammer) Machen Sie Ordnung, Herr Regisseur, es kann anfangen, ich bin fertig.

Schofel. Wär z' wünschen! Fang' an ohne Phaon wannst kannst.

Rosaura. Wie – Spornhofer – !? (mit der Bedeutung, als ob er wie gewöhnlich zu viel getruncken hätte.) Es wird wohl nur vorübergehend seyn?

Schofel. Nein, dasmahl is es durchgehend, er is abg'fahr'n.

Rosaura. Unmöglich –! ich gehe nicht ab von dieser Rolle, mir liegt Alles daran –

Krammer. Wo nehmen wir aber einen Phaon her?!

Schofel. Könnt' man denn den Phaon nit herausstreichen?

Krammer. Wo dencken Sie hin?

Rosaura (zugleich; leise zu Schofel). Blamieren Sie sich nicht.

Schofel. Oder ich spiel' ihn zum Rhamnes dazu.

Krammer. Das geht auch nicht.

Schofel. I kann doch die Einnahm' nit fahren lassen. Da müssen wir ein andres Stuck geben.

Rosaura (zu Schofel). Nein, nein, »Sappho« muß seyn; Sie wissen, welch großen Zweck ich gerade an diese Rolle knüpfe.

Schofel (zu Krammer). Zieh'n wir Eine von die Madln als Phaon an; 's Madl deut't, und der Soufleur red't.

Krammer. Das geht nicht.

Rosaura (zu Schofel). Schaffen Sie einen Phaon her! warum schließen sie keine bündigeren Contracte.

Schofel, 's Durchgehn is erst so in Schwung seitdem die Contract' existieren.

Krammer. Nitimur in vetitum –

16te Scene

(Damisch; die Vorigen.)

Damisch (aus Seite rechts kommend). Noch nit ang'fangt? Das is g'scheidt, ich hab schon g'forchten, ich komm z' spat.

Schofel. O, wär'n S' lieber ganz z' Haus blieb'n –!

Damisch. Sie hab'n aber erlaubt, daß ich –

Schofel. Sie kommen zu ein'n Malör – der Phaon is britsch.

Damisch (erstaunt). Was!?

Rosaura (leise zu Schofel). Ist das der junge Mann, von dem Sie mir sagten – ?

Schofel. Daß er alle Trauerspiel' in klein'n Finger hat; ja, der is's.

Rosaura! Wenn er aus Gefälligkeit – (zu Damisch) mein Herr –

Damisch (sich zu Rosaura wendend). Sie befehlen –? (über ihren Anblick ganz perplex) Gott, diese Gestalt –!

Rosaura (zu Damisch). Sie könnten – Sie allein – der Rettungsanker seyn im Sturm der Gefahr.

Damisch. I sag' gar nix, als: Gott, diese Gestalt –! so hab'n sie ausg'schaut die alten Grichinnen, wie sie noch jung waren, wie noch die Mithologie ihr Remissori hat trieb'n am Fuße des Olymp.

Rosaura. Bringen Sie der Kunst, der Künstlergesellschaft, vor Allem mir ein Opfer –

Damisch. Ja wie denn? was denn?

Rosaura. Spielen Sie den Phaon.

Damisch. Den Phaon? ich soll –

Schofel. Das is a Idee die in d' Welt taugt. Sie können Alles auswendig –

Damisch. Ja aber –

Schofel. Sie haben ein schlummerndes Talent, das muß aufg'weckt werd'n, Sie haben ein angebor'nes Pfund, das derffen Sie nicht vergraben.

Rosaura. Seyn Sie nicht unerbittlich.

Damisch. Ich thät's ja gern, auf das Bisserl Phaon kommt's mich ja nicht an, aber –

Rosaura. Sie machen eine junge Künstlerin glücklich; grausamer Mann, genügt Ihnen das nicht? soll ich noch mehr sagen?

Damisch (im höchsten Entzücken). Gott –! so red't sie, die Gestalt –! ich spiel' Alles, Alles – (plötzlich kleinlaut) aber wann mich wer kennt –

Krammer. Zufällige Ähnlichkeit –

Schofel. Einer sieht dem Andern gleich. Sie warn's nicht, wird abdisputiert.

Rosaura. Und im Kostüm –

Damisch (mit freudiger Aufwallung). Kostüm? i krieg' a Kostüm –?! a Gricheng'wandl, ein'n Phaon-Anzug –!

Rosaura. Wie herrlich wird sie dieß –

(man hört von Außen das Arena-Publicum applaudieren.)

Schofel (ärgerlich gegen die Cortin-Wand). Na ja, ja!, brennt's denn?

Damisch. Was bedeut't denn das?

Rosaura. Das Publicum will Sappho an der Seite ihres Phaon's seh'n.

Damisch (entzückt). Sie applaudier'n jetzt schon, und i bin noch in Civil –? Kostüm! nur viel Kostüm her!, ich zieh' Alles an, ich spiel All's, ich thu' All's –!

Krammer (in die Coulisse links rufend). Gardrobier's! Gardrobier's! Nur schnell, schnell –! (er hat Damisch unter dem Arm genommen, und eilt mit ihm zur Seite lincks ab.)

17te Scene

(Die Vorigen ohne Damisch)

Rosaura. Nur annoncieren! geschwinde!

Schofel. Wo is denn mein Regisseur, er soll –

Rosaura. Nein Onkel, Sie selbst müssen –

Maxner. Wenn einmahl 's Publicum so aufgeregt is, da muß der Director selber –

Schofel (ärgerlich zu Maxner). I weiß nit, Du schaffst so herum mit mir – (stolz.) Das is gegen mein Prinzip; meiner Seel', wenn ich Dir nit so viel schuldig wär', ich dancket dich auch ab.

Maxner. Na, na, mach nur.

(Der Regisseur kommt aus Seite links zurück.)

Schofel. Aufzieh'n!

Maxner. Gib dein'n Bart her! (nimmt Schofels Bart in Verwahrung.)

Krammer. Platz vom Theater!

(Das sämtliche Personale zieht sich zu beyden Seiten in die Coulissen zurück.)

(Rosaura entfernt sich in die Coulisse lincks.)

(Vier Theater-Arbeiter laufen an die Cortin-Wand, und packen dieselbe, Zwey rechts, zwey lincks, an der Quer-Latte.)

Schofel. Nazi! halt' mir die Pfeiffen! (giebt seine Pfeiffe einem an der Coulisse stehenden Arbeiter.) So jetzt!

Krammer. Auf!

(Die Cortin-Wand wird von den Arbeitern die eine Hälfte rechts die andere lincks in die Coulisse geschoben, wodurch sich die Aussicht auf das Arena Publicum eröffnet, welches amphitheatralisch, theils aus lebenden, theils aus gemahlten Personen bestehend, sich praesentiert.)

Schofel (tritt gegen das Arena-Publicum vor, (folglich für das wirckliche Publicum nach rückwärts) und spricht). Hohe Anwesende! es war Einer abwesend, der Darsteller des Phaon nehmlich war in einem Zustand von Abwesenheit, welcher seine Anwesenheit verhinderte. Da dieser Übelstand bereits sich gehoben hat – so wird das verehrteste Publicum um gefällige Selbstberuhigung ersucht, indem in der kürzesten Frist durch die Anziehungskraft Zweyer Schneider, auch in Betreff der äußeren Erscheinung, dem Kunstgenuß erhabener Gönner möglichst Genüge geleistet werden dürfte, (macht tiefe Complimente gegen das Arena-Publicum, welches applaudiert; die Vier Theaterarbeiter schieben wieder aus beyden Seiten die Cortin-Wand zusammen, worauf sich die Bühne wieder mit dem aus den Coulissen hervorkommenden Theaterpersonale füllt.)

Krammer (zu Schofel). Der Herr Director haben sich ausgezeichnet aus der Affaire gezogen.

Schofel (mit selbstgefälliger Wichtigkeit). Vorbereitet is es keine Kunst, aber ex abrupto –

Fink (mit kriechender Schmeicheley). Wenn s' in England so einen Redner hätten im Parlament.

Schofel (mit affectierter Bescheidenheit). Warum, sie hab'n schon dort auch ihre Leut' –

Fink (wie oben). Es giebt halt doch nur Einen Schofel!

Schofel. Keine Schmeicheley, das is gegen mein Prinzip. Übrigens – Sie verbleiben wieder bey meiner Anstalt, (rufend) Krammer –! (hängt sich in den Regisseur ein, und geht mit ihm nach Seite lincks ab.)

Fink (zu einigen Arbeitsleuten, welche während dem Vorigen in der Nähe gestanden). Sehts, so geht er auf'n Leim – o, den kenn' ich! (entfernt sich mit den Arbeitsleuten in die Seite rechts.)

18te Scene

(Lisi, Mali, Maxner)

(Theater-Personale in Kostüm, geht fortwährend promenierend auf der Bühne ab und zu.)

Mali (im Costüm als Eucharis). Die Freud' auch wieder verdorb'n! jetzt wird doch g'spielt.

Lisi (im Costüm als Melitta). Ich wär' trostlos g'wesen, wenn ich um die Melitta kommen wär'.

Maxner. Na, Madln, nehmts öng z'samm heut, voll is's unbändig.

Lisi. Werden wir seh'n, ob die Directrische, als Sappho, mich verdunckelt, oder ich sie.

Mali. Wenn der Vater nur schon die Direction hätt'.

Maxner. Ruhig Kinder, nit vorlaut! (den Finger auf den Mund legend zur Seite links ab.)

Lisi. Da wurdet s' gedemüthigt die aufblas'ne Fräule Rosaura.

Mali. Da derf gar kein Stuck mehr geb'n werd'n mit so ein'n faden grichischen Anzug; die Charaktere mit die feschen Spenserln, das is mein Fach.

19te Scene

(Inslbull; die Vorigen ohne Maxner.)

Inslbull (von Seite rechts auf die Bühnen kommend). Ich haben nicht verstanden, der Annonce von der Directeur –. Wird gespielten, wird nicht gespielten –? ich werden fragen Mamsell Rosaura.

Mali (zu Lisi). Das is der Directrischen ihr Engländer.

Lisi (erstaunt). Jetzt is er ihr richtig nachg'reist –!

Mali (wie oben). Hat die G'schnaufte a Glück –!

20te Scene

(Ein Wächter; die Vorigen.)

Wächter (von Seite rechts auftretend zu Inslbull). Erlauben Sie, ich hab' vom Herrn Rathsvorstand den strengsten Befehl, daß Niemand vom Publikum aufs Theater derf.

Inslbull. Dieser Befehl ist sehr gut – da, haben Sie Zwey Dukaten, (giebt ihm Geld) lassen Sie herauf Niemand, ich lieben es, zu seyn ungeniert.

Wächter. Euer Exlenz – (verneigt sich tief, und geht rechts ab.)

21ste Scene

(Die Vorigen ohne Wächter.)

Mali (zu Lisi). Ein interessanter Mann is er.

Lisi. Auf mich hat er einmahl curios geschmacht't.

Mali. Und auf mich erst!

Lisi (zu Inslbull). Ungeheuer voll muß es seyn, und die Hitze –

Mali (zu Inslbull). Hir is es lüftiger; diesem Umstand verdancken wir wahrscheinlich das Vergnügen Ihnen hir –

Inslbull (ohne eine von Beyden anzusehn). Lassen Sie mir ungeschoren seyn.

Lisi (zu Mali). G'schieht dir recht, warum bist so aufdringlich. (zu Inslbull) Es ist für die Leistungen unserer Gesellschaft höchst schmeichelhaft –

Inslbull (ohne von obiger Rede Notiz zu nehmen, der von links aus der Coulisse kommenden Rosaura einige Schritte entgegengehend). Ah, da sind sie ja!

22ste Scene

(Rosaura; die Vorigen.)

(Lisi und Mali verlieren sich unter dem Personale.)

Rosaura (zu Inslbull). Die Hindernisse sind beseitigt, und Sie werden mich nun doch als Sappho bewundern.

Inslbull. Ich bewundere Alles, was ist an Ihnen.

Rosaura. Ihre Kälte seit einiger Zeit ließ mich fast das Gegentheil vermuthen, und weil Sie mir so schleunig hieher nachgereist –

Inslbull. Warum Sie reden so viel? Ich bewundere Sie, weil Sie sind das Frauenzimmer, wegen welches ein Mann sich hat umgebracht um das Leben.

Rosaura. Wie kommen Sie jetzt auf jene unseelige Geschichte?!

Inslbull. Weil ich durch Ihnen wollte erproben an mir, wie das ist, wenn man sich bringt um aus Liebe. Aber, God dam, ich leben noch immer so, wie ich haben gelebet, als ich sie habe noch nicht geliebet.

Rosaura. Fort mit diesen gräßlichen Bildern! Welchen Reitz hätte das Leben für mich, wenn Sie –

Inslbull. Sie machen mich um Vieles zu glücklich.

Rosaura. Undanckbarer, also das der Grund Ihrer Kälte?

23te Scene

(Damisch, Schofel, Krammer, Maxner; die Vorigen)

Schofel. Er is fertig!

Krammer (zu den Arbeitsleuten). Geschwinde den Triumphwagen herausgeschoben!

(ein Paar Arbeiter gehen nach rechts ab.)

Damisch. Aber i genir' mich völlig in dem G'wand; wie a Badwaschl –

Schofel. Süperb steht Ihnen das Kostüm, und nur recht Mantel-Spiel, Faltenwurf is die Hauptsach; seh'n Sie, bey mir ist jede Bewegung ein Bild, (macht ihm Attitüden vor.)

Inslbull (Damisch bemerckend). Was ist das vor einer Figur?

Rosaura. Diesem ausgezeichneten Dilletanten dancken wir die Möglichkeit –

Inslbull (lacht Damisch ins Gesicht). Sie spielen den Phaon? Hahahahaha!

Damisch (beleidigt). Erlauben Sie –? (zu den Übrigen.) Was hat denn der G'schwuf?

Inslbull. Ich eile in meiner Loge, ich werde lachen ungeheuer, (geht lachend nach rechts ab. Schofel begleitet ihn äußerst devot bis an die Coulisse.)

24ste Scene

(die Vorigen ohne Inslbull)

Damisch (Inslbull, welcher nicht mehr sichtbar ist nachrufend). Gehst heim auf deine Drey Inseln, Godsevdekingerer –!

Schofel (zurückkehrend). Ich hab' ihm schon meine Meinung gesagt.

(Der Triumphwagen wird von der rechten Seite von Theaterarbeitern auf die Bühne geschoben.)

Krammer (zu Damisch und Rosaura). Jetzt bitt' ich nur geschwind den Wagen zu besteigen.

Rosaura (zu Damisch). Wenn es gefällig ist – (steigt zuerst auf den Wagen, wobey ihr der Regisseur behilflich ist.)

Damisch. Krieg'n wir keine Pferd? (steigt ebenfalls auf den Wagen.)

Schofel. Nein, wir spannen Sclaven ein, steht schöner.

Maxner (zu zwey Statisten, welche als Sclaven costumiert sind). Ihr Zwey ziehts den Wagen.

Damisch. Aber der Handige is z' klein gegen den Sattlichen.

Maxner (zu den Sclaven). So jetzt nur z'ruckg'schoben! (zu dem Sclaven lincks, welcher statt rückwärts zu schieben, nach vorne zieht.) Aber versteht Er denn nicht deutsch? »Z'ruckschieb'n« hab' i g'sagt.

Damisch. Der Sattliche is vernagelt.

(Der Wagen mit Rosaura und Damisch wird links in die Coulisse geschoben.)

Schofel. Jetzt tummeln, was 's Zeug halt't! Es trübt sich, und der schwüle Wind –

Krammer (zu Spindl). Statt der Overtür wird nur ein Tusch gemacht.

Spindl. Ganz wohl, (eilt rechts ab.)

Schofel (indem er seinen grauen Bart um nimmt, zu Krammer). Z'sammgstrichen hab'n S' die G'schicht? Und nur glei springen von einer Scen' in die andere, 's Kind im Mutterleib wird nicht verschont.

Fink. Anfang!

Krammer. Die Sclavinnen rechts, das Volk links hinein!

(Alle räumen in dieser Weise die Bühne, nur die Vier Arbeitsleute stellen sich, das Zeichen erwartend zur Cortin-Wand.)

(Man vernimmt im Orchester der Arena, ausserhalb der Cortin-Wand einen Tusch von Trompeten und Paucken. Nach dem Tusch hört man ein Glockenzeichen, darauf theilen die Arbeitsleute, wie früher, die Cortin-Wand, und ziehen die beyden Hälften, nach rechts und lincks in die Coulisse zurück.)

25te Scene

(Die Vorigen)

(Es fängt auf der Bühne die Vorstellung des Trauerspieles »Sappho« an. Alle Auftretenden spielen nach rückwärts, wo das Publicum der Arena sichtbar ist.)

Schofel (als Rhamnes, stürzt von Seite lincks auf die Bühne, und richtet seine Worte gegen den Porticus rechts).
Auf! auf, vom weichen Schlaf! Sie kommt, sie naht!
O, daß doch nur die Wünsche Flügel haben!
Heraus, ihr faulen Mädchen!

Lisi (als Melitta, von rechts aus dem Porticus kommend).
Was schiltst du uns? Da sind wir ja.

(Mehrere Sclavinnen Sapphos, darunter Mali (als Eucharis) folgen ihr.)

Schofel (als Rhamnes).
Sie naht.

Lisi (als Melitta).
Wer? – Götter –

Schofel (als Rhamnes).
Sappho naht!

(Geschrey von links innerhalb der Scene). »Heil Sappho! Heil!«.

Schofel (als Rhamnes).
Ja wohl, Heil! Sappho Heil! Du braves Volck!
(in seinem gewöhnlichen Tone zu den Sclavinnen, leise.) Ordentlich »Vivat« schreyn, Madln!

Die Sclavinnen. Vivat!!

(Der Triumphwagen, auf welchem Rosaura (als Sappho) und Damisch (als Phaon) stehen, von den Zwey Sclaven gezogen, fährt aus der ersten Coulisse heraus nach rückwärts, und wendet sich so dem Arena-Publikum zu.)

Das Volk. Heil, Sappho Heil!

Rosaura (als Sappho, mit Kranz und gold'ner Lyra).
Danck, Freunde! Land'sgenossen, Danck!
Um euretwillen freut mich dieser Kranz,
Der nur den Bürger ziert, den Dichter drückt,
In eurer Mitte nenn' ich erst ihn mein!

Schofel (als Rhamnes).
Sey mir gegrüßt, du Herrliche!

Lisi (als Melitta zu Rhamnes).
Siehst du an ihrer Seite
Hoch eine and're glänzende Gestalt,
Wie man der Leyer, und des Bogens Gott zu bilden pflegt.

Rosaura (als Sappho, ist vom Wagen herabgestiegen).
Umsonst sollt ihr die Bürgerin nicht grüßen,
Sie führt zum Danck euch einen Bürger zu;
Hir Phaon. Von den Besten stammet er,
Und mag auch kühn sich stellen zu den Besten.

Damisch (als Phaon, ist ebenfalls vom Wagen her abgestiegen).
Du spottest, Sappho, eines armen Jüngling's!
Wodurch hätt' ich so reiches Lob verdient?
Wer glaubt so Hohes von dem Unversuchten?

Rosaura (als Sappho).
Wer sieht, daß Du erröthest, da ich's sage.

Damisch (als Phaon).
Ich kann, beschämt, nur staunen und verstummen.
(leise zu Schofel, welcher in seiner Nähe steht, in seinem natürlichen Tone.) Ich bin aber sehr beklommen.

Schofel (leise in seinem natürlichen Tone halb zu Damisch, halb für sich). Ich auch, wir krieg'n a Wetter; ich hab' schon ein'n Tropfen auf der Nasen, (geht in die Coulisse nach rechts ab.)

Rosaura (als Sappho).
Du schmeichelst süß, doch, Lieber, schmeichelst du!

Eine Stimme (im Parterre der Arena). Das is ja der Damisch!

Damisch (leise zu Maxner, welcher an der inneren Seite einer Coulisse steht). Haben S' g'hört? ich bin erkannt.

Maxner (zu Damisch). Täuschung!

Damisch (als Phaon).
Wie fiel Dein Auge denn auf einen Jüngling,
Der dunckel, ohne Nahmen, ohne Ruf,
Sich höhern Werth's nicht rühmt, als diese Leyer,
Die man verehrt, weil Du sie hast berührt.

Eine Stimme (im Arena-Publicum). Bravo, Damisch!

Mehrere Stimmen (im Arena-Publicum). Bravo, bravo!!

Damisch (leise zu Rosaura). Jetzt hab'n mich wieder a Paar kennt.

Rosaura (als Sappho).
Sieh diese Gegend, diese Rosenbüsche –

Eine Stimme (im Arena-Publicum). Ich hab' schon was g'spürt –

(im Parterre des Arena-Publicums zeigt sich ein aufgespanntes Paraplü, und fast zugleich ein aufgespannter Sonnenschirm.)

Rosaura (als Sappho).
In dieser Säulen freundlicher Umgebung,
Hir wollen wir gleich den Unsterblichen –

(während dieser Rede haben sich im Arena-Parterre die aufgespannten Regenschirme um Zwey vermehrt, auch auf der Arena-Gallerie zeigen sich Zwey Regenschirme.)

Eine andere Stimme (im Arena-Publicum). Was is denn das mit die Paraplü?!

Mehrere Stimmen (im Arena-Publicum). Man sieht ja nix!

Rosaura (als Sappho).
Nur des Genusses ewig gleiche Lust –

Viele Stimmen (im Arena-Publicum). Zumachen! d' Paraplü zu! es is nit so arg.

(Die Paraplüs werden zugemacht. Man sieht im Arena-Parterre mehrere, welche sich Tücher über die Hüte nehmen, um nicht naß zu werden. Der Theil, wo nur gemahlte Personen sind, ist mittels Klappen zum Verändern eingerichtet, und wurde früher einen Moment durch die aufgespannten Regenschirme verdeckt; nach Zumachung der Regenschirme sieht man nun das gemahlte Gallerie-Publicum der Arena auch mit Schnupftüchern über den Hüten und Frisuren.)

Rosaura (als Sappho).
Des schönen Daseyn's uns vereint erfreu'n.

Damisch (als Phaon).
Wie kann ich so viel Güte je bezahlen?
Stets wachsend fast erdrückt mich meine Schuld.

Lisi (als Melitta, ist während Phaons letzter Rede, mit einem aufgespannten Sonnenschirm, und einem noch zugemachten Paraplü in der anderen Hand, von rechts aufgetreten, und spricht im Tone ihrer Rolle zu Sappho, indem sie ihr das Paraplü giebt).
Gebietherin –

Rosaura (als Sappho).
Melitta – und weißt Du mir so gar nichts denn zu sagen?
(hat sich während dieser Worte das Paraplü aufgespannt.)

Schofel (ruft halb aus der Coulisse vorgebeugt auf den Soufleur der Arena). Springen! auf n ersten Act-Schluß!

Eine Stimme (im Arena-Publicum). Jetzt nutzt nix, es fangt z' dick an.

(Man hört fernen Donner, und sieht etwas Wetterleuchten; alsogleich zeigen sich viele aufgespannte Regenschirme.)

Damisch (für sich). Das kann ich auch thu'n. (er langt nach der Coulisse von wo aus ihm ein Regenschirm zugereicht wird. Darauf spricht er indem er sich den Regenschirm aufspannt, wieder im Character als Phaon)
O, könnt' ich doch Besinnung mir gewinnen,
Um ganz zu seyn, was ich begehre!

Eine Stimme (im Arena-Publicum). Gute Nacht Damisch!

Eine andere Stimme (im Arena-Publicum). Jetzt sieht man aber gar nix mehr.

Viele Stimmen (im Arena-Publicum). Paraplü zu!!

(Es blitzt und donnert stärcker.)

Damisch (zu Rosaura). Wir steh'n rein anstatt 's Teufels da.

Stimmen (im Arena Publicum). Aufhören.

Andere Stimmen (im Arena Publicum). Weiterspiel'n! weiterspiel'n!!

Damisch (als Phaon).
Was kannst Du sagen, holde Zauberin –

26ste Scene

(Stössl, Felber; die Vorigen.)

Felber (zu Stössl, im Arena Parterre). Sehn S' ihn, da is er!

Stössl (im Arena Parterre zu Damisch auf die Bühne rufend). Mathies! Höllenkerl!

Damisch. Million! der Vormund – i fahr' ab! (läuft in die Coulisse links ab.)

Mehrere Stimmen (im Arena-Publicum). Weiterspiel'n! weiterspiel'n!

Schofel (sich aus der Coulisse halbvorbeugend, auf Rosaura rufend). G'schwind Actschluß! aussa mit'n Monolog!

Rosaura (als Sappho).
Goldene Aphrodite,
Listenersinnende Tochter des Zeus –!

(Heftiger Blitz und Donner.)

(Rosaura eilt in die Coulisse lincks ab.)

Das Arena-Publicum (verwirrt durcheinander hört man folgende Ausrufe). Es gießt! – Schau'n wir, daß wir nach Haus kommen! – mein neuer Hut! – Die Kleider sind hin! –

(während diesem Tumult kommen Stössl und Felber an beyden Seiten des Arena-Soufleurkastens auf der Bühne zum Vorschein.)

Stössl (wüthend). Ich muß ihn kriegen!

Felber (ihn zurückhaltend). Nur kein Aufseh'n!

Stössl. Wo is er!

Mehrere Stimmen (im Arena-Publicum). Weiterspiel'n!

Schofel (Stössl entgegengehend). Was steht zu Diensten?

Stössl. An der Stell' geben S' mir den Phaon her!

Schofel. Was? mein'n Phaon!?

Stössl. Er is mein Mündl.

Schofel. Er is mein Held und Liebhaber, der Spornhofer!

Stössl (mit gesteigerter Wuth). Lug und Trug! den Spornhofer kenn' ich! vor Drey Stund hab' ich ihm ein'n Paß ausg'stellt.

Schofel. Sie? Durchgehn geholfen meinem Contracts-Mitglied? Jetzt bin ich keine Rechenschaft mehr schuldig.

Stössl. Das woll'n wir sehn! (geht gegen die Coulisse rechts und winckt.)

(während dem obigen Reden, ist immer weibliches Theater-Personale mit Tücheln über dem Kopf, sich in Mantillen oder Umhängetücher wickelnd, über die Bühne von links nach rechts geeilt.)

(Im Zuschauerraum der Arena ist es leerer geworden, nur ein Bube ist noch zurückgeblieben und schreyt.)

Ein Bube (im Zuschauer-Raum der Arena). Weiterspiel'n! weiterspiel'n!!

Schofel (eilt gegen den Soufleurkasten der Arena und spricht). Verehrteste! Ein Act ist g'spielt, Geld wird kein's zuruckgeb'n, – die Witterung ist dem Unternehmen nicht günstig. (ruft auf die Arbeitsleute.) Zuziehn! (geht nach links ab.)

(die Cortinwand wird von den Arbeitern nach beyden Seiten wieder vorgeschoben, und somit geschlossen.)

Stössl (wüthend). Wachter! Wachter! ich stürm' die Gardrob! (es erscheinen Drey Wachter von Rechts auf der Bühne.) Wachter, mir nach!! (eilt nach lincks ab, die Wachter folgen ihm.)

(im Orchester fällt Gewitter Musick ein, heftiger Blitz und Donner. Die folgende Decoration fällt vor.)

Ende des ersten Actes

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