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Rudolf Presber: Theater - Kapitel 5
Quellenangabe
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typenarrative
authorRudolf Presber
titleTheater
publisherConcordia Deutsche Verlags-Anstalt
year1909
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20120410
modified20170127
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Neue Helden

Nach dem schönen Erfolge, den Bernhard Shaw mit seinem dramatischen System der Heldenverkleinerung (mit »Cäsar und Cleopatra«) davongetragen, hat er sich unverzüglich daran gemacht, eine ganze Reihe anderer bekannter und bisher überschätzter Dramenstoffe umzuarbeiten. Durch eine erfreuliche Indiskretion der Waschfrau, mit der Bernhard Shaw alle seine Komödien ausführlich bespricht, bin ich in der glücklichen Lage, von diesen mit Spannung von aller Welt erwarteten neuen Komödien den Anfang der ersten Szene zu geben. Aber aus diesem Anfang leuchtet schon der ganze Shaw in all seiner genialen und wahrhaftigen Kunst.

Wallenstein.

1. Akt

Erste Szene

(Korridor im Schlosse zu Pilsen. Seni, der Astrolog, klopft heftig an die Tür eines geheimen Kabinetts.)

Seni
Laßt es genug sein, Friedland, kommt heraus –
Der schwed'sche Oberst Wrangel will Euch sprechen.

Stimme Wallensteins (aus dem geheimen Kabinett):
Du weißt's doch, Seni, wenn die Stunde kommt
Der Schlacht und der Entschlüsse, rebellieren
Mir die Gedärme stets. Mir ist nicht wohl.
Die Base Terzky lass' ich höflich bitten –
Sie soll dem Oberst . . .

Seni
                                      Werter Fürst, die Gräfin
Liegt just im Kindbett. Terzky tobt und schreit,
Er käm' nicht in Betracht.

Stimme Wallensteins
                                          Ich fürchte, Seni . . .
Man sah den Max, den Piccolomini
Zur späten Stunde oft in Terzkys Hause.

Seni
Ich dacht', daß Thekla, Eure Tochter, ihm . . .

Stimme Wallensteins
Pst! Still davon. Die Kleine hinkt und schielt
Und ist romantisch ohne Vorderzähne.
Max ist – ich schrieb um Auskunft drum nach Wien –
Nicht stark verschuldet, und der Vater hat
Ergaunert mehr als ich.

Illo (kommt, viehisch betrunken)
                                      Der schwed'sche Oberst . . .

Stimme Wallensteins
Ich kann ihn nicht empfangen. Mir ist schlecht.

Illo
Ha, ha – empfangen – den! Er liegt besoffen
Im grünen Saal – ich trank ihn untern Tisch . . .
Alle Papiere, die er bei sich trug –
Höchstwicht'ge Staatspapiere – Liebesbriefe –
Auch unbezahlte Rechnungen – ich fand sie
In seiner Tasche.

Wallenstein (den Arm aus der behutsam geöffneten Tür steckend):
                              Die Papiere –! Gib!

Illo
Was willst Du mit?

Wallenstein (dringend):
                                Die schwedischen Papiere!

(Illo reicht sie ihm hinein. Wallenstein zieht den Arm zurück und riegelt sich ein.)

Seni
Wenn ich den Herrn, und seine Gedärme kenne –
Die schwedischen Papiere sind erledigt.


Faust.

l. Akt

Erste Szene.

Faust (am Studiertisch)
Habe nun, ach, morgen ganz früh
Wieder Kolleg! Philosophie!
Verstehe den Deubel von all dem Kram.
Du weißt doch, wie ich nach Leipzig kam?

Wagner
Ihr hattet ein Bäschen, die war soso –

Faust
Ganz recht. Aber hübsch! Und die hat vor allen
Dem alten Bock gar wohlgefallen . . .
Dem edlen Rektor Magnifico.

Wagner
Und weil man sich dankbar zeigen muß –

Faust (lacht.)
Recht. So ward ich – Ordinarius.
Doch täglich Kollegium – hol es der Geier!
Famulus, reiche mir dort vom Regale
Erst mal zur Stärkung die bauchige Schale –
Danke! Und nun Band Vierzehn von Meyer,
Auch von Brockhaus denselben Band –

Wagner
Ihr studiert Euch noch um den Verstand!

Faust
Richtig! Ich bleib auch hier nicht wohnen:
Löse meine Kontrakte gütlich.
Gestern hatt' ich schon Halluzinationen –
Sah einen Erdgeist.

Wagner
                                Wie ungemütlich!
Aber mir scheint, ihr hoffieret den Mädchen
Gar zu emsig. Das strengt halt an.

Faust
Famulus, jeder, wie er das kann.

Wagner
Und man munkelt wieder, das Gretchen . . .

Faust
Freilich, freilich das ist fatal.
Passiert uns nun schon das dritte Mal.
Die andern beiden – das nimmt kein Ende –
Kosten infamigte Alimente.
Nun kommt – höchst ungelegen – g'rad'
Der Kleinen ihr Bruder, ein alter Soldat.
Und wird demnächst nach meinem Ermessen
Lustig anfangen zu erpressen.

Wagner
Ja, so ein Landsknecht hält auf Ehre!

Faust
Aber ich hab' die Geschichte dick,
Ich ersann mir 'nen feinen Trick.

Wagner
Nämlich?

Faust
                Daß ich mit dem Teufel verkehre.
Hab' mir 'nen schwarzen Pudel gekauft
Und das Viehzeug »Mephisto« getauft.
Sieht ihn das Volk, so rennt's mit Gezeter
Und bekreuzt sich entsetzten Gesichts –

Wagner
Hat's denn was auf sich mit dem Köter?

Faust
Flöhe hat die Bestie, sonst nichts.


Hamlet.

I. Akt

Erste Szene

(Schloßterrasse, Nacht.)

Horatio
Ist das Gespenst bereit?

Leonardo
                                      Es zieht sich eben
Die weißen Strümpfe an. Die Phosphormaske
Hat es schon vorm Gesicht. Sie steht ihm gut.

Horatio
Gebt ihm noch eine Knarre in die Hand –
Und irgend wer muß Mandoline spielen
Hinter der Mauer. Einen Schinkenknochen
Halt' ich bereit. Den werf' ich, wenn der Geist
Verschwindet, unserm Hamlet an den Kopf –
Dann ist der Spuk vollendet.

Leonardo
                                              Still, er kommt.

Hamlet
's ist 'ne verdammte Sitte der Gespenster,
Zur Nachtzeit zu erscheinen . . . Saht Ihrs schon?

Horatio
Schon zweimal gings vorbei.

Leonardo
                                              Und einmal fragt es:
»Nanu, wie ist's? Kommt Vetter Hamlet nicht?«

Hamlet
Ein pünktliches Gespenst! Doch kaum mein Vater.
Der kam zu spät zu allem, was er tat.
Nur ich bin ein Achtmonatskind; ich kam
Zu früh . . . Doch sprecht: wem sah es gleich?

Horatio
Mir schien's der tote Oberpostdirektor
Von Helsingör.

Leonardo
                          Nicht doch, es hat den Schritt
Des jüngst verblichenen Konsistorialrats,
Den seine Frau ins Grab geärgert.

Hamlet
                                                      Glaublich,
Sehr glaublich. Freunde.

Horatio
                                        Himmel, hilf, es kommt!

(Der Geist erscheint.)

Hamlet
Wer Du auch seist, zur mitternächt'gen Stunde
Ist's hier verboten, auf der Schloßterrasse
Zu wandeln. Steh' mir Rede!

Der Geist
                                              Jumalai!

Hamlet
Was sagt er?

Horatio
                      Dieses unerforschte Wort
Gebraucht er immer. Ist's ein Eigenname,
Den er im Leben unbequem empfand?
Ist es ein Ausdruck, wie ihn über Sternen
Die sel'gen Engel brauchen im Verkehr?
Ist's bloßer Blödsinn – Herr, wir wissens nicht.

Hamlet
Nach des Gespenstes Ausseh'n und Gehaben
Möcht' ich für »bloßen Blödsinn« mich entscheiden.

Der Geist
Man hat mich schnöd' vergiftet!

Hamlet
                                                    Sehr betrüblich –
Doch nicht zu ändern.

Der Geist
                                    Räche meinen Mord!

Hamlet
Ich bin der Mann nicht, der sich so kopfüber
In Angelegenheiten stürzt, weil nachts
Ein weißgekleidet' schlott'riges Gespenst
Unkontrollierbar wüste Klagen vorbringt.
Mich hats gefreut, Euch wohl zu seh'n. Kommt, geh'n wir
Hinein. Die Nachtluft ist so scharf. Ich neige,
Seit ich aus Wittenberg zurück bin, sehr
Zu Rheumatismen. Angenehme Ruh'!
Noch eins: um acht Uhr weckt mich . . . Dreimal klopfen.
Ich hab – Ophelien versprochen, Tennis
Mit ihr zu spielen. Sie ist hübsch, die Kleine.
Und dann, der Leibarzt riet mir diesen Sport
Von wegen meines Bauchs. Gut' Nacht, Gespenst.

(Er grüßt und geht.)

Leonardo
Das wär' mißglückt.

Horatio
                                  Der Morgen dämmert schon.
Lass' uns zu Bett gehn, Freund und diese Lehre
Mitnehmen: bei dem Licht des nächsten Morgens
Gibt's just so wenig Helden wie Gespenster!

 

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