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Rudolf Presber: Theater - Kapitel 12
Quellenangabe
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typenarrative
authorRudolf Presber
titleTheater
publisherConcordia Deutsche Verlags-Anstalt
year1909
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20120410
modified20170127
projectideb25d66a
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Des Mimen Erwachen

Ein schöner Morgen. Im Schlafzimmer des Mimen. Auf dem Boden die Hosen, die Unterhosen, sechs farbige Billetchen, drei Lorbeerkränze.

Der Mime (im Bett. Er schnarcht).

Das Dienstmädchen (draußen) Herr Brisoletzky –
    (sie schlägt wider die Tür)
Herr Bri-so-letz-ky!

Der Mime (unbeweglich im Bett.) Krrrs – krrrs – krrrs –

Das Dienstmädchen (immer draußen, schlägt verzweifelt an die Tür.) Aber so wachen Sie doch auf, Herr Brisoletzky!

Der Mime (im Halbschlummer.) O, Königin, das Leben ist – doch – schön . . . Wer da? Man pocht, geh' öffnen, Freund – geh' öffnen! (Er gähnt.) Uah – nah. – Zum Donnerwetter, ja doch! Wer klopft denn?

Das Dienstmädchen Ich bin's. Es ist ein –

Der Mime (unterbrechend). – eine Dame da, ich weiß schon. Geh' an den Kasten, Luise, wo meine Autographen liegen. Ist die Dame alt, so gib ihr eines von den mattgelben Blättchen, auf denen mein Vers steht:
»Das ist die Zuversicht im Weibe:
Die Jahre flieh'n, die Anmut bleibe!«

Das Dienstmädchen Aber nein doch, Herr Brisoletzky, es ist gar keine –

Der Mime (mit den Beinen aus dem Bett, greift nach einem parfümierten Lakritzplätzchen). Eine junge also? – o, eine junge! Wenn sie hübsch ist, Luise, sag' ihr, daß ich bedaure, hörst Du be-daure, daß ich noch nicht aufgestanden bin, dann gib ihr aus dem Autographenkasten eines von den mattrosa Blättchen, auf die ich geschrieben habe: »Das Weib steht und fällt mit der Liebe«. Will sie aber lieber –

Das Dienstmädchen Aber nein, Herr Brisoletzky, so hören sie doch! Es ist ja ein Mann.

Der Mime (zieht die Beine wieder ins Bett). Ein – Mann? Was will der Esel?

Das Dienstmädchen Er will Sie photographieren.

Der Mime Glaub's gern! Aber sag' ihm, ich liege noch zu Bett. Wenn er einstweilen Aufnahmen von meinem »Heim« machen will, so führ' ihn in die erste Etage der Frau Kommerzienrätin. Sie ist so gut eingerichtet und erlaubt's gern. Nimm aber aus der Speisekammer die Lorbeerkränze mit und drapiere sie hübsch.

Das Dienstmädchen Aber nein, Herr Brisoletzky. Er will Sie ja gerade im Bett photographieren.

Der Mime Das Kostüm steht mir nicht gut zu Gesicht. Er kann mich heute Mittag in was Anderem photographieren.

Das Dienstmädchen Das will er nicht.

Der Mime Na, dann kann er mich – gern haben. Heftig sogar!

Das Dienstmädchen Er sagt, er kommt von Ihrem Direktor.

Der Mime Ich habe noch keine Dummheit gesehen, die nicht von meinem Direktor kam.

Das Dienstmädchen Er sagt, er muß photographieren.

Der Mime Na, wenn er gar so arg photographieren muß, da soll's er's nicht aufschieben. Er soll zunächst mal Dich photographieren, Luise. Es wird die Leute interessieren: »Das Mädchen für Alles des Tragöden Brisoletzky«.

Das Dienstmädchen Nein, mich allein will er nicht.

Der Mime Der Mann scheint Geschmack im Arrangements zu haben.

Das Dienstmädchen Er sagt, der Direktor ist berechtigt, Sie jeder Zeit photographieren zu lassen.

Der Mime So sag' ihm, ich habe Schreikrämpfe.

Das Dienstmädchen Dann erst recht, sagt er. Das Bild würde viel gekauft.

Der Mime Sag' ihm, ich sei tot.

Das Dienstmädchen So lange Sie nicht beerdigt sind, sagt er, macht das nichts.

Der Mime (springt aus dem Bett). Himmeldonnerwetter, so sag' ihm, daß er mich nicht im Bett photographieren kann, weil ich schon aufgestanden bin. Ich muß ein Bad nehmen; ich habe gestern den Othello gespielt.

Das Dienstmädchen Er meint, das sei sehr gut. Im Badezimmer steht auch schon ein Apparat.

Der Mime So sag' ihm, ich sei unpäßlich und müsse mich zunächst zurückziehen, wohin er mir nicht folgen kann.

Das Dienstmädchen Das geht nicht, Herr Brisoletzky, da hat er sich gerade die »Dunkelkammer« eingerichtet, die Platten zu entwickeln . . .

 

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