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Tausend und Eine Nacht. Zweiter Band

Unbekannte Autoren: Tausend und Eine Nacht. Zweiter Band - Kapitel 12
Quellenangabe
authorUnbekannte Verfasser
titleTausend und Eine Nacht. Zweiter Band
publisherF. W. Hendel Verlag
year1926
editorKarl Martin Schiller
translatorMax. Habicht Fr. H. von der Hagen und Carl Schall
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Siebente und letzte Reise Sindbads des Seefahrers.

»Nach der Rückkehr von meiner sechsten Reise ließ ich gänzlich den Gedanken fahren, jemals noch eine zu unternehmen. Nächstdem, daß ich nun ein Alter erreicht hatte, welches nichts als Ruhe bedurfte, hatte ich mir selbst das Wort gegeben, mich nicht mehr den Gefahren auszusetzen, in die ich so oft geraten war. Ich dachte also nur daran, den Überrest meines Lebens vergnüglich hinzubringen.

Als ich nun eines Tages eine Anzahl Freunde bewirtete, kam einer meiner Leute, um mir zu sagen, daß ein Beamter des Kalifen mich zu sprechen verlangte. Ich stand vom Tische auf und ging ihm entgegen. »Der Kalif,« sagte er zu mir, »hat mich beauftragt, Euch zu sagen, daß er Euch zu sprechen verlangt.« Ich folgte dem Beamten in den Palast, und er führte mich vor den Fürsten, den ich grüßte, indem ich mich zu seinen Füßen warf. »Sindbad,« sagte er zu mir, »ich bedarf deiner, du mußt mir einen Dienst leisten und eine Antwort und Geschenke von mir dem Könige von Serendib bringen; es ist billig, daß ich seine mir erwiesene Höflichkeit erwidere.«

Der Befehl des Kalifen war ein Donnerschlag für mich. »Beherrscher der Gläubigen,« sagte ich zu ihm, »ich bin bereit, alle Befehle Euer Majestät zu befolgen; aber ich bitte Euch demütigst, zu bedenken, daß ich durch die unglaublichen erlittenen Mühseligkeiten abgeschreckt bin. Ich habe sogar das Gelübde getan, Bagdad nie zu verlassen.« Hierbei nahm ich Gelegenheit, ihm einen langen Bericht über alle meine Abenteuer abzustatten, den er geduldig bis zu Ende hörte. Sobald ich aufgehört hatte zu erzählen, sagte er: »Das sind in der Tat sehr außerordentliche Begebenheiten; doch müssen sie dich nicht abhalten, mir zuliebe die Reise zu machen, die ich dir vorschlage. Du sollst ja nur nach der Insel Serendib reisen und dich meines Auftrages entledigen. Dann steht es bei dir, ohne weiteres heimzukehren. Aber reisen mußt du; denn du fühlst wohl, daß es nicht schicklich und meiner würdig wäre, in der Schuld des Königs jener Insel zu bleiben.« Da ich sah, daß der Kalif so auf seinem Willen bestand, so erklärte ich mich bereit, ihm zu gehorchen. Er freute sich sehr darüber und ließ mir tausend Zechinen zur Bestreitung der Reisekosten geben.

Ich war in wenigen Tagen zur Abreise bereit, und sobald mir die Geschenke des Kalifen nebst einem von seiner Hand geschriebenen Briefe übergeben worden waren, reiste ich ab und nahm den Weg nach Balsora, wo ich mich einschiffte. Meine Fahrt war sehr glücklich, und ich langte in Serendib an. Ich teilte dort meinen Auftrag den höheren Staatsbeamten mit und bat sie, mir ein baldiges Gehör zu verschaffen. Sie taten es; man führte mich mit Ehrenbezeigungen in den Palast, und ich begrüßte den König, indem ich mich dem Gebrauche gemäß vor ihm niederwarf.

Dieser Fürst erkannte mich sogleich und bezeigte mir eine ganz besondere Freude, mich wiederzusehen. »Seid willkommen, Sindbad,« sagte er zu mir. »Ich kann Euch zuschwören, daß ich seit Eurer Abreise sehr oft an Euch gedacht habe. Ich segne diesen Tag, an dem wir uns nochmals sehen.« Ich dankte ihm für seine große Güte, überreichte ihm den Brief und das Geschenk des Kalifen, und er nahm beides mit Zeichen großer Zufriedenheit in Empfang.

Der Kalif schickte ihm ein vollständiges, auf tausend Zechinen geschätztes Bett von Goldstoff, fünfzig Kleider von sehr reichem Zeuge, hundert andere von der feinsten Leinwand aus Kairo, Alexandria, Suez und Kafa, ein anderes karmoisinrotes Bett und noch ein drittes von anderer Art; ein mehr weites als tiefes Gefäß von Achat, einen Finger dick und mit einer einen halben Fuß weiten Öffnung, dessen Grund in erhabner Arbeit einen knieenden, Pfeil und Bogen in der Hand haltenden Mann darstellte im Begriff, auf einen Löwen zu schießen; und endlich eine große Tafel, die der Sage nach vom großen Salomo herstammen sollte. Der Brief des Kalifen war in folgenden Ausdrücken abgefaßt:

»Gruß im Namen des unumschränkten Führers auf dem rechten Wege, dem mächtigen und glücklichen Sultan von Seiten des Abdallah Harun Arreschid, den Gott nach seinen Vorfahren glücklichen Andenkens auf den Ehrenplatz gestellt hat.

Wir haben Euren Brief mit Freuden empfangen und schicken Euch diesen aus der Ratsversammlung unserer Pforte, dem Garten höherer Geister hervorgegangenen. Wir verhoffen, daß, wenn Ihr die Augen darauf werft, Ihr unsere gute Willensmeinung genehm halten werdet. Lebt wohl!«

Der König von Serendib freute sich sehr, daß der Kalif die ihm bewiesene Freundschaft erwiderte. Einige Zeit nach dem mir gegönnten Gehör bat ich um noch eins, um mich beurlauben zu können. Ich erhielt es endlich, und der König machte mir, indem er mich entließ, ein sehr bedeutendes Geschenk. Ich schiffte mich sogleich wieder ein mit dem Vorsatze, nach Bagdad zurückzukehren; aber ich war nicht so glücklich, so wie ich hoffte, dorthin zu gelangen, und Gott verhängte es anders.

Drei oder vier Tage nach unserer Abfahrt wurden wir von Seeräubern angefallen, die umsoweniger Mühe hatten, sich unseres Schiffes zu bemächtigen, da wir uns keineswegs im Verteidigungszustande befanden. Einige von der Mannschaft wollten Widerstand leisten, aber es kostete ihnen das Leben; was mich und alle die übrigen betraf, die wir die Klugheit hatten, uns den Seeräubern nicht zu widersetzen, so wurden wir zu Sklaven gemacht.

 

Dreiundneunzigste Nacht.

Nachdem die Seeräuber uns geplündert und uns schlechte Kleider statt der unsrigen gegeben hatten, brachten sie uns nach einer großen, sehr fernen Insel, woselbst sie uns verkauften.

Ich fiel in die Hände eines reichen Kaufmanns, der mich, gleich nachdem er mich gekauft hatte, in seine Wohnung führte, in welcher er mir gut zu essen und einen Sklavenanzug gab. Einige Tage nachher, da er sich noch nicht recht erkundigt hatte, wer ich wäre, fragte er mich, ob ich kein Handwerk verstände. Ich antwortete ihm, ohne mich näher zu erkennen zu geben, daß ich meinem Gewerbe nach kein Handwerker, sondern ein Kaufmann wäre, und daß die Seeräuber, von welchen ich an ihn verkauft worden, mir alles genommen hätten. »Aber,« sagte er zu mir, »verstehst du dich nicht darauf, mit dem Bogen zu schießen?« Ich erwiderte ihm, daß dies eine meiner Jugendübungen gewesen wäre, und daß ich es seitdem nicht vergessen hätte. Hierauf gab er mir einen Bogen und Pfeile, und nachdem er mich hinter sich auf einen Elefanten hatte steigen lassen, ritten wir in einen sehr großen, einige Meilen von der Stadt entfernten Wald. Wir ritten tief in denselben hinein, und als er es für angemessen hielt, anzuhalten, befahl er mir abzusteigen. Hierauf zeigte er mir einen großen Baum. »Steig auf diesen Baum,« sagte er zu mir, »und schieß auf die vorüberziehenden Elefanten, deren es eine erstaunliche Menge in diesem Walde gibt. Sobald einer fällt, so benachrichtige mich davon.« Als er mir dies gesagt hatte, ließ er mir Lebensmittel zurück, nahm seinen Weg nach der Stadt, und ich blieb die ganze Nacht hindurch auf dem Baum und auf der Lauer.

Während dieser Zeit bemerkte ich keinen Elefanten; sobald aber die Sonne aufgegangen war, sah ich eine ganze Herde kommen. Ich schoß mehrere Pfeile auf sie ab, und endlich fiel einer zur Erde. Die andern entfernten sich sogleich und ließen mir die Freiheit, zu meinem Herrn zu gehen, um ihn von meiner Jagd zu benachrichtigen. Zum Lohne für diese Nachricht bewirtete er mich mit einem guten Mahle, lobte meine Geschicklichkeit und liebkoste mich sehr. Hieraus gingen wir zusammen in den Wald, woselbst wir eine Grube machten, in welche wir den von mir getöteten Elefanten begruben. Mein Herr nahm sich vor, wiederzukommen, wenn das Tier in Fäulnis übergegangen sein würde, und die Zähne aus der Erde zu nehmen, um sie zu verhandeln.

Ich setzte diese Jagd zwei Monate hindurch fort, und es verging kein Tag, an welchem ich nicht einen Elefanten tötete. Ich lauerte nicht immer auf demselben Baume, sondern setzte mich bald auf den einen, bald auf den andern. Eines Morgens, als ich die Ankunft der Elefanten erwartete, war ich nicht wenig erstaunt, daß sie, statt wie gewöhnlich bei mir vorbei durch den Wald zu ziehen, anhielten und mit schrecklichem Geschrei und in so großer Zahl, daß die Erde von ihnen ganz bedeckt war und erzitterte, auf mich loskamen. Sie nahten sich dem Baume, welchen ich bestiegen hatte, und umringten ihn alle mit ausgestrecktem Rüssel und auf mich gerichteten Augen. Bei diesem erstaunlichen Schauspiele blieb ich unbeweglich und wurde von einem so tödlichen Schrecken befallen, daß mir Bogen und Pfeile aus den Händen fielen.

Meine Befürchtungen waren nur allzu gegründet. Nachdem die Elefanten mich eine Zeitlang aufmerksam betrachtet hatten, umfaßte einer der größten den untern Teil des Baumes mit seinem Rüssel, und zwar so kräftig, daß er ihn entwurzelte und niederwarf. Ich fiel mit dem Baume, aber das Tier faßte mich mit seinem Rüssel und hob mich auf seinen Rücken, auf welchem ich mich mit dem umgehängten Köcher mehr tot als lebendig niedersetzte. Hierauf trug er mich an der Spitze aller anderen ihm zuhauf folgenden an einen Ort, den er, nachdem er mich auf die Erde gesetzt hatte, nebst allen mitgekommenen verließ. Stellt euch, wenn's möglich ist, meinen Zustand vor; ich glaubte zu schlafen, nicht zu wachen. Endlich, nachdem ich einige Zeit auf der Erde gelegen hatte und nun keinen Elefanten mehr sah, stand ich auf und bemerkte, daß ich mich auf einem ziemlich langen und breiten Hügel befand, der ganz mit Elefantenknochen und Elefantenzähnen bedeckt war. Ich gestehe euch, daß mich dieser Anblick zu einer Menge von Betrachtungen veranlaßte. Ich bewunderte den Instinkt dieser Tiere. Ich zweifelte nicht, daß dies ihre Begräbnisstätte wäre, und daß sie mich nur dorthin gebracht hätten, um sie mir zu zeigen, damit ich aufhören möchte, sie zu verfolgen, was doch nur ihrer Zähne wegen geschähe. Ich verweilte nicht auf dem Hügel, sondern wendete meine Schritte zur Stadt, und nachdem ich einen Tag und eine Nacht hindurch gegangen war, langte ich bei meinem Herrn an. Da ich keinen Elefanten auf meinem Wege begegnete, so folgerte ich daraus, daß sie sich tiefer in den Wald hinein entfernt hätten, um mir den Weg zum Hügel freizulassen.

Sobald mein Herr mich erblickte, rief er mir entgegen: »Ach armer Sindbad, ich war sehr bekümmert, zu wissen, was aus dir geworden wäre. Ich bin im Walde gewesen, habe einen frisch entwurzelten Baum und Bogen und Pfeile auf der Erde gefunden, und nachdem ich dich vergebens aufgesucht hatte, verzweifelte ich, dich wiederzufinden. Erzähle mir, ich bitte dich, was dir begegnet ist, und durch welchen Glücksfall du noch am Leben bist.« Ich befriedigte seine Neubegier. Am folgenden Tage gingen wir alle beide nach dem Hügel, und er überzeugte sich nun mit großer Freude von der Wahrheit dessen, was ich ihm gesagt hatte. Wir beluden den Elefanten, auf dem wir gekommen waren, mit so vielen Zähnen, als er nur zu tragen vermochte, und als wir heimgekehrt waren, sagte mein Herr zu mir: »Mein Bruder – denn ich will dich nicht nach der Freude, welche du mir durch eine Entdeckung gemacht hast, die mich bereichern wird, nicht mehr Sklave nennen –, Gott überhäufe dich mit allen Arten von Glück und Gütern! Ich erkläre dir vor ihm, daß ich dir die Freiheit gebe. Ich hatte dir verheimlicht, was du nun erfahren sollst, daß nämlich die Elefanten in unserem Walde jedes Jahr eine große Menge von uns nach Elfenbein ausgesandter Sklaven töten. Was wir ihnen auch für Ratschläge geben mögen, sie verlieren früher oder später ihr Leben durch die List dieser Tiere. Gott hat dich vor ihrer Wut gerettet und dir allein diese Gnade widerfahren lassen. Es ist dies ein Beweis, daß er dich beschützt, und daß er deiner noch auf Erden bedarf, um hienieden Gutes zu tun. Du verschaffst mir einen unglaublichen Vorteil; wir haben bis jetzt auf keine andere Weise Elfenbein erhalten können, als wenn wir das Leben unserer Sklaven aussetzten, und nun wird durch dich unsere ganze Stadt bereichert. Glaube nicht, daß ich dich durch die dir erteilte Freiheit hinlänglich belohnt zu haben vermeine; ich werde diesem Geschenke noch andere bedeutende Gaben hinzufügen. Ich könnte die ganze Stadt dahin bringen, dein Glück zu machen; aber das ist ein Ruhm, den ich mir allein vorbehalte.«

Ich erwiderte ihm auf diese freundlichen Worte: »Herr, Gott erhalte Euch! Die Freiheit, die Ihr mir wiedergeschenkt habt, reicht hin, um Euch quitt gegen mich zu machen, und ich verlange keine andere Belohnung für den Dienst, den ich so glücklich war Euch und Eurer Stadt zu leisten, als die Erlaubnis, in mein Vaterland zurückzukehren.« »Nun wohl,« sagte er, »der Monsun wird uns bald Schiffe zuführen, welche Elfenbein laden; ich werde dich dann mitsenden und dir Mittel verschaffen, heimzureisen.« Ich dankte ihm aufs neue für die mir soeben erteilte Freiheit und seine guten Gesinnungen gegen mich. Ich blieb bei ihm, den Monsun erwartend, und während dieser Zeit machten wir so viele Reisen nach dem Hügel, daß wir seine Vorratshäuser mit Elfenbein anfüllten. Alle anderen damit handelnden Kaufleute der Stadt taten dasselbe; denn die Sache blieb ihnen nicht lange verborgen.

 

Vierundneunzigste Nacht.

Die Schiffe langten endlich an, und nachdem mein Herr selbst dasjenige ausgewählt hatte, auf welchem ich heimkehren sollte, so belud er es mit Elfenbein, zur Hälfte für meine Rechnung. Auch vergaß er nicht, mich mit dem nötigen Mundvorrate zu versorgen, und nötigte mich überdem, Geschenke von großem Wert und merkwürdige Landesprodukte mitzunehmen. Nachdem ich ihm für alle mir erwiesenen Wohltaten bestmöglichst gedankt hatte, schiffte ich mich ein; wir gingen unter Segel, und da das Abenteuer, welches mir die Freiheit verschafft hatte, ein sehr seltsames war, so blieb mein Geist immer davon erfüllt.

Wir landeten auf einigen Inseln, um Erfrischungen einzunehmen. Da unser Schiff aus einem Hafen des indischen Festlandes gekommen war, so stiegen wir auch daselbst ans Land, und um die Gefahren einer Seereise nach Balsora zu vermeiden, ließ ich das mir gehörige Elfenbein ausladen, entschlossen, meine Reise zu Lande fortzusetzen. Ich löste aus meinem Elfenbein eine beträchtliche Summe Geldes, kaufte viele seltene Sachen, um damit Geschenke zu machen, und als mein Gepäck zur Abreise bereit war, gesellte ich mich zu einer Karawane von Kaufleuten. Ich blieb einige Zeit unterwegs und hatte viel zu leiden; aber ich litt mit Geduld, weil ich die Betrachtung anstellte, daß ich weder Stürme noch Seeräuber, noch Schlangen, noch alle anderen erlittenen Gefahren zu befürchten hätte.

Endlich endeten alle diese Beschwerlichkeiten; denn ich kam glücklich in Bagdad an. Ich machte alsbald dem Kalifen meine Aufwartung und stattete ihm von meiner Gesandtschaft Bericht ab. Dieser Fürst sagte mir, daß ihn zwar die lange Dauer meiner Reise beunruhigt hätte, daß ihm dabei aber doch immer die Hoffnung geblieben wäre, Gott würde mich nicht verlassen. Als ich nun das Abenteuer mit den Elefanten erzählt hatte, war er höchstlich erstaunt und würde demselben keinen Glauben beigemessen haben, wenn ihm meine Wahrheitsliebe nicht bekannt gewesen wäre. Er fand diese Geschichte und die andern, die ich ihm erzählte, so merkwürdig, daß er einem seiner Schreiber den Auftrag gab, sie mit goldenen Buchstaben niederzuschreiben, um in seinem Schatz aufbewahrt zu werden. Ich begab mich, sehr zufrieden mit der Ehre, die er mir erwiesen, und mit den Geschenken, die er mir gemacht hatte, nach Hause und lebte von nun an nur für meine Familie, meine Verwandten und meine Freunde.«

So endete Sindbad die Erzählung seiner siebenten und letzten Reise und fügte, indem er sich an Hindbad wandte, hinzu: »Nun, mein Freund, hast du jemals von irgend einem Sterblichen gehört, der so viel gelitten hätte oder so bedrängenden Gefahren ausgesetzt gewesen wäre als ich? Ist es nicht recht und billig, daß ich nach so vielen Mühseligkeiten ein angenehmes und ruhiges Leben genieße?« Als er diese Worte gesprochen hatte, näherte sich ihm Hindbad und sagte, indem er ihm die Hand küßte, zu ihm: »Es ist wahr, Herr, daß Ihr schreckliche Gefahren überstanden habt, und daß meine Beschwerden den Eurigen nicht zu vergleichen sind. Wenn sie mich betrüben, solange ich sie erleide, so tröste ich mich darüber durch den kleinen Vorteil, den ich daraus ziehe. Ihr verdient nicht nur ein ruhiges Leben, Ihr seid auch der Güter wert, die Ihr besitzt, weil Ihr einen so guten und großmütigen Gebrauch davon macht. Möchtet Ihr bis zu Eurer Todesstunde in Freuden leben!«

Sindbad ließ ihm wieder hundert Zechinen geben, nahm ihn in die Zahl seiner Freunde auf, sagte ihm, er sollte sein Gewerbe als Lastträger aufgeben und ferner zu ihm zum Essen kommen, und er würde Grund haben, sich sein ganzes Leben hindurch Sindbads des Seefahrers zu erinnern.«

Da Scheherasade sah, daß es noch nicht Tag war, so fuhr sie fort zu erzählen und begann eine andere Geschichte.

 

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