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Tausend und Eine Nacht. Neunter Band

Unbekannte Autoren: Tausend und Eine Nacht. Neunter Band - Kapitel 16
Quellenangabe
authorUnbekannte Verfasser
titleTausend und Eine Nacht. Neunter Band
publisherF. W. Hendel Verlag
year1926
editorKarl Martin Schiller
translatorMax. Habicht Fr. H. von der Hagen und Carl Schall
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180118
projectid038d9e36
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Fortsetzung der Geschichte Selims.

Die Erzählung des Kalenders in Verbindung mit dem Abenteuer bei dem Schuster, von welchem er Zeuge gewesen war, trösteten Selim über sein Unglück, und er faßte den Entschluß, nicht fürder seiner Frau nachzulaufen, sondern mit seinem neuen Reisegefährten, den er hier angetroffen hatte, nach Ägypten heimzukehren.

Die beiden Reisenden waren nun auf den Grenzen dieses Reichs angekommen und herbergten in einer großen Karawanserei, worin sich mehrere Kaufleute und Reisende aus verschiedenen Ländern befanden. Einer von ihnen schien beim Anblicke des Prinzen von Ägypten ihn mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten. Nachdem er ihn lange angesehen hatte, sprach er zu ihm:

»Darf ich Euch fragen, Herr, wo Euer Geburtsort ist?«

»Ich bin zu Kairo geboren,« antwortete Selim.

Bei diesen Worten stürzte der Reisende, welcher den Prinzen von Ägypten erkannte, zu seinen Füßen und rief aus:

»Ah! Prinz, erlaubet, daß ich Eure Kniee umfasse und Euch zuerst als meinen Herrn und König anerkenne: das Unglück ist endlich müde geworden, Euch zu verfolgen, und Euer Schicksal hat sich ganz verändert. Ihr seht in mir den Schneider, welchem der König, Euer Vater, aufgetragen hatte, Euch ein Handwerk zu lehren: Euer Bruder ist gestorben, und sein Tod hat Ägypten in Verwirrung gestürzt. Man hat an seine Stelle einen Eurer Verwandten, welchen die Hofleute unterstützten, erheben wollen: ich habe aber Eure Rechte bei dem Volke geltend gemacht, habe die Krone für Euch in Anspruch genommen, und Eure Anhänger haben sich vereinigt und den Sieg davongetragen. Ich habe die Ursachen bekanntgemacht, welche Euch gezwungen hatten, Ägypten zu verlassen, und ich habe zwei Jahre Zeit verlangt, um Euch aufzusuchen. Man ist übereingekommen, daß während dieser Zeit Eure Wesire das Reich verwalten sollen; aber ich hoffe, daß Ihr nun bald selber die Zügel der Regierung ergreifen werdet. Das Volk erwartet mit Ungeduld den Augenblick, wo Ihr wieder den Thron Eurer Väter besteiget.«

Selim dankte seinem alten Lehrmeister für diesen Eifer und verhieß ihm, die Verpflichtungen, welche er hätte, nimmer zu vergessen; er bat ihn, ihn nach der Hauptstadt zu begleiten, und machte denselben Vorschlag dem Kalender, der ihn auch annahm.

Sie gelangten in wenigen Tagen nach Kairo, wo Selim unter allgemeinem Zujauchzen empfangen wurde. Diejenigen unter den Großen, welche anfangs die Krone einem andern auf das Haupt setzen wollten, waren die ersten, welche auf seine Seite übertraten und ihm den Eid der Treue leisteten.

Als Selim nun auf dem Throne war, wollte er sogleich den Schneider, seinen alten Lehrmeister, dem er so viel Verbindlichkeit hatte, belohnen.

»Mein Vater,« sprach er zu ihm, »denn die Dienste, welche du mir geleistet hast, erlauben mir nicht, dich mit einem andern Namen zu nennen, sei versichert, daß es nimmer aus meinem Gedächtnisse kommen wird, was ich dir schuldig bin; du hast mich in den Stand gesetzt, mich zu ernähren, und dir bin ich die Erhaltung meines Lebens schuldig; dir verdanke ich endlich auch den Thron: empfange also zur Belohnung die Stelle des Großwesirs meines Reichs.«

»Herr,« antwortete demütig der Schneider, »Euer Majestät überhäuft mich mit Güte, aber Ihr werdet zu Gnaden halten, daß ich sie nicht annehme: das Amt eines Ministers ist eine sehr schwere Last; ich bin ein guter Schneider, ich möchte aber wohl ein schlechter Wesir sein; Eure Völker würden es Euch vielleicht zum Vorwurfe machen, daß Ihr mich zu einer Stelle erhoben habt, welche auszufüllen ich nicht imstande bin. Nein, meine Wünsche sind mäßiger: ich mache gute Kleider, geruhet also, mich zum Hofschneider zu ernennen, und ich verspreche Euch, mich der von Euch mir anvertrauten Aufträge getreulich zu entledigen.«

Der Fürst fühlte ganz die Richtigkeit dieser Bemerkungen des Schneiders und bewilligte ihm seine Bitte. Er übertrug nun die Würde des Großwesirs seinem Reisegefährten, dem Kalender, in welchem er mit jedem Tage neue Geschicklichkeiten entdeckt hatte.

Beide beflissen sich ernstlich, Ägypten gut zu regieren und die Übel wieder gutzumachen, welche die gewalttätigen Verfügungen des letzten Königs dem Lande verursacht hatten. Selim beschäftigte sich vor allem damit, die Handhabung der Gerechtigkeit wieder herzustellen, welche lange Zeit her vernachlässigt war, und er befahl, ihm von allen wichtigen Rechtssachen seines Reichs Rechenschaft abzulegen.

 

Fünfhundertundneunundfünfzigste Nacht.

Eines Tages erschien der Kadi von Kairo in seinem Diwan und sprach zu ihm:

»Herr, ich komme, Euer Majestät von einem verwickelten Handel Bericht zu erstatten und Eure Befehle darüber zu vernehmen. Drei des Mordes angeklagte Männer sind mir vorgeführt worden: zwei von ihnen haben ihr Verbrechen bekannt und schon ihre verdiente Bestrafung empfangen; aber der dritte behauptet hartnäckig, daß er an dem ihm angeschuldigten Verbrechen unschuldig sei und dennoch verurteilt werden müsse. Ich gestehe Euch, daß ein solcher Widerspruch mich nicht wenig in Verlegenheit gesetzt hat, und ich bin gekommen, Euer Majestät die Sache vorzutragen, daß Ihr selber sie entscheidet.«

Der König befahl, ihm den Gefangenen zu bringen.

Sobald Selim denjenigen erblickte, welchen der Kadi ihm vorführte, erkannte er den jungen Mann, den er oft zu Bagdad in seinem Hause gesehen hatte; aber ohne etwas von seiner Überraschung merken zu lassen, verhörte er ihn und sprach:

»Man klagt dich eines Meuchelmordes an.«

»Diese Anklage ist falsch,« antwortete der junge Mann; »aber ich verdiene nicht minder den Tod.«

»Wie kannst du den Tod verdienen, wenn du kein Verbrechen begangen hast?« fuhr Selim fort.

»Herr,« versetzte der Angeklagte, »geruhet meine Geschichte anzuhören:

Ich stand in Verbindung mit einem jungen Manne, der ein ansehnliches Vermögen geerbt hatte, und wenn ich nicht wüßte, daß er gegenwärtig in Bagdad ist, so gestehe ich, Herr, ich würde ihn hier glauben: es waltet zwischen Euren Zügen und den seinigen eine auffallende Ähnlichkeit ob. Dieser junge Mann hatte eine sehr hübsche Witwe geheiratet, welche er zärtlich liebte. Eines Tages wurde ich sehr überrascht, als diese Frau mir den Antrag machte, sie zu entführen und mit ihr fern von Bagdad zu leben; sie sagte mir, sie besäße eine große Menge Edelsteine, welche sie mitnehmen könnte. Ich widerstand lange ihren verbrecherischen Lockungen und stellte ihr die Undankbarkeit vor, einen Freund zu verraten und sein Vertrauen zu mißbrauchen: aber alle meine Vorstellungen waren vergeblich, ich mußte mich entschließen, mit ihr zu entfliehen, und sie hinter dem Rücken ihres Mannes weit von der Stadt, welche wir bewohnten, entführen. Wir benutzten die Zeit, wo er zum Besuche zu einigen Freunden gegangen war; seine Frau entfernte unter allerlei Vorwänden und Aufträgen all ihr Hausgesinde. Sobald das Haus frei war, packten wir alle Kostbarkeiten darin zusammen und entfernten uns in aller Eile von Bagdad.

Wir wanderten ohne Aufenthalt einen Tag und eine Nacht, aber endlich, von Müdigkeit überwältigt, setzten wir uns am Ufer eines Sees in der Nähe eines prächtigen Palastes. Wir unterhielten uns mit der Betrachtung dieser glänzenden Wohnung, als wir einen jungen Mann in Begleitung mehrerer Bedienter, die Netze auf ihren Schultern trugen, heraustreten sahen.

Dieser junge Mann näherte sich uns, und meine Reisegefährtin zog seine Aufmerksamkeit auf sich.

»Schöne Frau,« sprach er zu ihr, »Ihr scheint ermüdet: wenn der Aufenthalt in meinem Palaste Euch angenehm sein könnte, so würde ich Euch gern einladen, darin auszuruhen.«

Sie nahm mit Freuden dieses Erbieten an und unterließ dabei nicht, ihren Schleier zu lüften, um sehen zu lassen, wie schön sie wäre. Der Prinz (denn dieser junge Mann war der Neffe des Königs von Balsora) führte uns selber in seinen Palast und dachte nicht weiter an das Vergnügen der Fischerei, auf welches er ausgegangen war. Man führte uns in prächtige Zimmer, wo man nicht säumte, uns ein köstliches Abendessen aufzutragen. Der Prinz erwies meiner Gefährtin alle möglichen Aufmerksamkeiten. Unterdessen war man darauf bedacht, mir fleißig zu trinken einzuschenken; ich hatte die Unvorsichtigkeit, es ohne Zurückhaltung anzunehmen, und bald fiel ich in den tiefsten Schlaf.

Als ich am andern Morgen erwachte, war ich sehr verwundert, mich wieder am Ufer des Sees zu befinden, wo ich am vorigen Tage mich ausgeruht hatte; ich wähnte, man hätte mir diesen Streich gespielt, um sich einen Spaß zu machen, und ich näherte mich wieder dem Palaste.

Ich klopfe, ein Mann erscheint und fragt, was ich will. »Ich will,« antwortete ich ihm, »eine Frau, die gestern in diesen Palast gegangen ist.«

»Ihr täuscht Euch, mein Freund,« versetzte jener, indem er mir die Türe vor der Nase zuschlug, »es ist keine Frau an diesem Orte.«

Ich klopfte noch stärker, und er öffnete von neuem.

»Aber erkennt Ihr mich denn nicht?« sagte ich zu ihm; »ich bin ja derjenige, der gestern eine Frau hier hereingebracht hat.«

»Gehet, Ihr spaßet,« versetzte er, »ich wiederhole Euch, daß keine Frau hier hereingekommen ist, und ich rate Euch, klüglich Euren Weg fortzusetzen, wenn Euch nicht etwas Unangenehmes begegnen soll.«

Alles dies schien mir so außerordentlich, daß ich einige Zeit wähnte, geträumt zu haben, aber indem ich dagegen die Umstände in mein Gedächtnis zurückrief, welche unserm Eintritt in den Palast vorausgegangen waren, erkannte ich wohl, daß ich wach wäre, und klopfte mit starken Schlägen zum drittenmal an.

Derselbe Mensch öffnete nochmals; ihm folgten jetzt aber vier oder fünf andere mit Stöcken bewaffnete Knechte, welche unbarmherzig auf mich losschlugen, daß ich beinahe tot auf dem Platze geblieben wäre.

Als ich wieder zu mir kam, begann ich darüber nachzudenken, was mir am vorigen Tage begegnet war, und welches Benehmen man jetzt gegen mich beobachtete, und ich zog daraus den Schluß, daß ich, weil man sich meiner entledigen wollte, sehr zufrieden sein müßte, noch so gut davongekommen zu sein. Aber ich konnte mich nicht enthalten, mein hartes Schicksal zu beweinen. Ich wollte nicht nach der Stadt, welche ich verlassen hatte, zurückkehren und nahm meinen Weg nach Ägypten. Gestern abend kam ich hier in Kairo an; es war Nacht, und ich ging durch eine abgelegene Straße, als ich das Geschrei eines Mannes vernahm, der ermordet wurde. Die Meuchelmörder, von den Polizeidienern verfolgt, flohen nach meiner Seite hin, und ich wurde mit ihnen verhaftet. Da ich in der Stadt unbekannt war, so schloß man daraus, ich wäre einer der Mitschuldigen, und führte mich ins Gefängnis.

Ihr sehet nun, Herr, daß, wenn ich auch unschuldig an dem angeschuldigten Verbrechen bin, ich doch nicht minder den Tod verdiene, weil ich einem Manne seine Frau entführt habe, und ich halte mich dadurch nicht für abgestraft, daß ich selber von dieser Treulosen bin betrogen worden.«

Gerührt durch die Reue, welche der junge Mann von Bagdad bezeigte, schenkte ihm Selim die Freiheit und riet ihm, nicht zu wiederholen, was für ihn so trübselige Folgen gehabt hatte.

Der junge Sultan hatte nicht ohne tiefen Verdruß die schlechte Aufführung seines Weibes vernommen; aber er wurde nun durch kein Bedenken mehr zurückgehalten, sondern nahm eine andere Gemahlin, welche ihn nach neun Monaten zum glücklichen Vater machte.

Man feierte zu Kairo durch allerlei Freudenfeste die Ankunft des Neugeborenen. Die Geburt dieses Sohnes schien den Sultan seinen Untertanen noch teurer zu machen, und Selim seinerseits vernachlässigte nichts, um ihre Ruhe und ihr Glück zu sichern. Eine Menge von Polizeibeamten war mit Aufrechterhaltung der guten Ordnung beauftragt, und er selber durchstreifte oft die Stadt und die Umgegend, um sich zu versichern, daß alles in guter Ordnung wäre.

Eines Tages, als er in Begleitung seines Wesirs und seiner Wache um die Gärten in der Nähe der Stadt ging, hörte er ein Geschrei ausstoßen: er trat näher, um zu entdecken, woher es käme, als eine sehr hübsche Frau, welche er sogleich erkannte, sich ihm zu Füßen stürzte und mit Bescheidenheit und Sittsamkeit zu ihm sprach:

»Herr, ich komme, Eure Gerechtigkeit anzuflehen!«

Selim befahl ihr, aufzustehen und ihm zu folgen, und ging mit ihr nach dem Hause, woher das Geschrei kam. Dort erblickte der Sultan zwei starke Sklaven mit Ochsenziemern in den Händen, und die Frau sprach:

»Das sind die Männer, gegen welche ich den Schutz Euer Majestät anflehe.«

Hierauf trat ein junger Mann, welcher der Herr des Hauses zu sein schien, ehrerbietig vor ihn hin und sprach zu ihm:

»Herr, wenn Ihr all die Frevel dieser Elenden wüßtet, so würdet Ihr es nicht verhindern, daß sie die gerechte Strafe ihrer Schandtaten erhielte: es würde mir sehr leicht sein, Eurer Majestät davon zu überzeugen, wenn Ihr geruhtet, mir einen Augenblick Eure Aufmerksamkeit zu schenken.«

Der König, welcher in dieser Frau diejenige erkannte, welche er zu Bagdad geheiratet hatte, erlaubte ihm zu reden, und der junge Mann begann nun folgendermaßen:

 

Fünfhundertundsechzigste Nacht.

»Herr, ich bin zu Balsora geboren, und der König jenes Landes ist mein Oheim. Ich bewohnte einen Palast an der Straße nach Bagdad, da traf ich eines Abends, als ich ausging, mich mit der Fischerei zu belustigen, diese Frau in Begleitung eines Mannes am Ufer des Sees. Ich lud sie ein, sich bei mir auszuruhen, und sie nahm es an. Auf meine Frage, welche Ursachen sie veranlaßten, so zu reisen, antwortete sie mir:

»Herr, ich bin eine der unglücklichsten Frauen von Bagdad; mein Vater ist ein Beamter am Hofe des Fürsten und wollte mich, um seinen Ehrgeiz zu befriedigen, an einen alten Statthalter vermählen, den ich verabscheute, und um dieser Verbindung zu entgehen, entschloß ich mich, in Begleitung des Sklaven, welchen Ihr bei mir getroffen habt, nach Balsora zu entfliehen.«

Da der Reichtum ihrer Kleidung und der Kleinode, womit sie geschmückt war, ihrer Erzählung einen Anstrich von Wahrhaftigkeit gab, so glaubte ich diese Lüge, und ich machte ihr den Antrag, bei mir zu bleiben, wo sie vor allen Verfolgungen in Sicherheit wäre.

»Ich will es gern,« antwortete sie mir; »aber dann muß zuvor mein Sklave getötet werden, damit er nicht nach Bagdad zurückkehre und meinen Verfolgern meinen Zufluchtsort entdecke.«

Ich versprach ihr alles, was sie wollte; aber ich konnte mich nicht zu dieser Freveltat entschließen. Ich befahl nur, ein Schlafpulver in den Wein dieses Menschen zu mischen, und als er eingeschlafen war, benutzte man den Zustand, in den er versetzt worden war, und trug ihn vor meinen Palast hinaus. Als er am folgenden Morgen wieder hereinwollte, stellte man sich, als kennte man ihn nicht, und gebrauchte Gewalt, um ihn zu entfernen. Ich fürchtete, er möchte in seinem Ärger nach Bagdad zurückkehren und unsern Aufenthaltsort entdecken; und um allen Verfolgungen zu entgehen, beschloß ich, mich nach Balsora zu begeben, weil ich vernahm, daß zwischen den beiden Fürsten von Balsora, die sich tödlichen Haß geschworen hatten, der Krieg auszubrechen drohte. Diese Neuigkeit bestimmte mich, nach Kairo zu fliehen, wohin ich alles mitnahm, was mir möglich war.

Hier in dieser Stadt heiratete ich diese Frau, welche Ihr vor Euch sehet; ich überhäufte sie mit Geschenken und bewies ihr die zärtlichste Liebe; und nun höret, wie die Undankbare mich dafür belohnen wollte: sie machte einem von meinem Hausgesinde den Antrag, mich zu ermorden, mit ihr zu entfliehen und meine Reichtümer mitzunehmen. Dieser treue Diener wies aber mit Abscheu einen solchen Antrag zurück und entdeckte ihn mir auf der Stelle. Ergrimmt über einen so schwarzen Verrat und solche Treulosigkeit, verurteilte ich sie, jeden Tag mit Ochsenziemern gepeitscht zu werden, und heute habe ich diese Züchtigung angefangen. Dieses, Herr, ist die Ursache des Geschreis, welches Ihr gehört habt; Ihr mögt nun beurteilen, ob ich eine Ungerechtigkeit begangen habe.«

Selim konnte nicht ohne Schaudern die Erzählung des Prinzen von Balsora anhören. »Herr,« sprach er zu ihm, »weit entfernt, Eure gerechte Strenge gegen ein so schuldvolles Weib zu mißbilligen, finde ich, daß Ihr noch zu nachsichtig seid. Ihr Tod allein kann die Verbrechen sühnen, welche sie begangen hat.«

Mit diesen Worten befahl er seiner Wache, die Unglückliche zu ergreifen und in den Nil zu werfen.

Er lud hierauf den Prinzen ein, an seinem Hofe zu bleiben, und machte ihm die Ursachen bekannt, welche ihn bewogen hatten, die Frau, welche seine Gnade angefleht hatte, noch strenger zu bestrafen als er.

Selim lebte lange glücklich mit der neuen Gattin, welche er sich erkoren, und verbannte bald aus seinem Gedächtnisse das Andenken derjenigen, welche ihn verlassen hatte.«

Der Tag brach eben an, als Scheherasade die Geschichte des Sultans Selim beendigte: aber auf die Aufforderung des Sultans von Indien und ihrer Schwester Dinarsade begann sie in der folgenden Nacht die Geschichte des weisen Heykar.

 

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